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Berliner Zeitung 01.11.2019

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Machtmissbrauch am Theater: ein Berliner Fall – Feuilleton Seite 22 Rentenserie: Freizeit planen Seite 10 -1°/8° Sonne und Wolken Wetter Seite 2 www.berliner-zeitung.de Freitag,1.November 2019 Nr.254 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Noch einTag bis zum Derby: Erfolgserlebnisse im DFB-Pokal Sport Seite 20 Franz Beckenbauer Lichtund Schattengestalt VonMaik Rosner Franz Beckenbauer ist mit neuen Vorwürfen konfrontiert. Wer Franz Beckenbauer zuletzt auf einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte beobachtete, erlebte nicht jene nonchalante Lichtgestalt, die er lange abgab.Jedenfalls äußerlich. Deutlich gealtert wirkte Beckenbauer, 74, seine dünne Stimme verstärkte diesen Eindruck. Gesundheitliche Probleme plagen ihn schon länger. Operationen an Hüfte und Herz hat er hinter sich, einen Augeninfarkt. „Seid’s mir also nicht böse, wenn ich einen von euch nicht sehe und ihn umrenne“, witzelte Beckenbauer im Sommer. Zumindest das war noch typisch für ihn. Bald hieß es, sein Zustand habe sich dramatisch verschlechtert, sein Erinnerungs- und Urteilsvermögen sei sehr beeinträchtigt. Laut Attesten sei für ihn jede Aufregung lebensgefährlich und eine Befragung durch die Schweizer Bundesanwaltschaft zu den ominösen Geldflüssen in Höhe von6,7 Millionen Euro im Zuge der Vergabe der WM 2006 nicht möglich.VomVerfahren gegen vier andere ehemalige DFB- und FIFA-Funktionäre wurde seines abgetrennt. Im April 2020 könnte die Causa wegen Verjährung für ihn überstanden sein. Jetzt fällt ein weiterer Schatten auf ihn, wenngleich die Vorwürfe zunächst mit Vorsicht zu betrachten sind. Angeblich soll sein langjähriger Wegbegleiter Fedor Radmann Beckenbauers Stimme für die WM-Vergabe 2018 zum Kauf angeboten haben: Für drei Millionen Euro zuzüglich eineinhalb Millionen Euro, wenn Russland den Zuschlag erhält. Radmanns Anwalt bezeichnete dies als eindeutig falsch. Beckenbauers Image aber leidet weiter. Lange galt er als Glückskind des deutschen Fußballs. Geboren in Münchens Arbeiterviertel Giesing stieg er beim FC Bayern und in der Nationalmannschaft zum eleganten Weltmann des Fußballs auf. Zum „Kaiser“, dem auch nach der aktiven Karriere alles zuzufliegen schien, als Teamchef der Weltmeister-Elf von 1990, als OK-Chef 2006. Wegen seiner gewinnenden Art sah ihm das Publikum manche Fehltritte nach. Doch mittlerweile wird erauch als Schattengestalt wahrgenommen. Gut geht es Beckenbauer damit nicht. Gestatten, Giffey Ministerin Franziska Giffey behält ihren Doktortitel und bleibt in der Politik. Wird sie nun zur Gefahr für Michael Müller? Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Familienministerin Franziska Giffey(SPD): Washat sie, wasernicht hat? Und will sie werden, waserist? VonMelanie Reinsch Es war ein kluger Schritt, dass Familienministerin Franziska Giffey (SPD) angeboten hatte, von ihrem Amt als Familienministerin zurückzutreten, sollte ihr der Doktortitel aberkannt werden. Denn dieser Zug wurde der 41-Jährigen hoch angerechnet: Souverän, klar,nicht um jeden Preis an der Macht hängend. Sie ist am Mittwoch mit einer Rüge davongekommen, darf ihren Doktor behalten. Die Plagiatsvorwürfe sind vomTisch. Mit ihrem Rücktrittsangebot hat sie Druck herausgenommen. Zum einen. Denn jetzt, wo die Entscheidung klar ist, hat Giffey, die ohnehin schon hohes Ansehen innerhalb der Partei und über diese hinweg genießt, noch einmal mehr an Stärke gewonnen. Unddamit könnte sie für den Regierenden Bürgermeister und SPD-Landeschef, Michael Müller, zur Gefahr werden. Kann, soll, wird und möchte Giffey Müller beerben? In beiden Ämtern? Oder nur in einem? In welchem? Diese Fragen stehen nun wieder im Raum. Giffey ist Bundesministerin. Und sie betonte das in der Vergangenheit –vor allem, wenn sie gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könnte,die angeschlagene Berliner SPD zu retten. DieSPD-Umfragewerte sind miserabel. Die Partei ist gespalten. Müller gilt als angezählt. Ob er als Spitzenkandidat die SPD 2021 in die Abgeordnetenhauswahl führen wird, ist kaum abzusehen. 2018 wurde Müller zwar im Landesverband mit 64,9 Prozent bestätigt – 2016 waren es aber noch 81,7 Prozent. Auch vor der Doktortitel-Debatte schielten nicht wenige aus der Berliner SPD schon auf Giffey, die Frau aus dem Osten, die Ex-Bezirksbürgermeisterin in Neukölln, der man die Attribute „bürgernah“, „sympathisch“ und„zupackend“ zuschreibt. Wirkliche Nachfolger oder Nachfolgerinnen für Müller sind nicht in Sicht. Der Fraktionsvorsitzende Raed Saleh hat ebenso wie Müller keine klare Mehrheit hinter sich. Dass Giffey nun unbeschadet ihrem Doktor-Dilemma entkommen konnte, belebt die Diskussion um ihrePersonalie nun wieder. Denn über Giffey verliert kaum einer in der SPD ein schlechtes Wort. Im Gegenteil: Hochgeschätzt, angesehen, klare Sprache, so sehen sie viele Genossen. Doch passt Giffey, die eher dem konservativen Flügel der SPD zugeordnet wird, zur Berliner SPD? Einem linken Landesverband, bei dem sich erst vergangenen Sonnabend beim Parteitag rund 40 „Franziska Giffey genießt in der gesamten Berliner SPD über die Lager hinweg Respekt. Ich kenne viele, die in ihr eine Hoffnungsträgerin sehen.“ ClaraWest, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Berliner SPD im Abgeordnetenhaus Prozent der Delegierten für die Enteignung großer Wohnungsunternehmen aussprachen? Giffey bezog dort klare Position: Ein völlig falsches Signal sei es,das aus Berlin gesendet würde, würde man sich hier für die Enteignung aussprechen. Das ist zwar auch Müllers Linie, aber es scheint so, als ob man bei Giffey in Anbetracht des Mangels an Nachfolgern über Widersprüche zur eigentlich linken Ausrichtung der Partei eher hinwegsieht. Vielleicht aber erkennen auch einige, dass der Links- IMAGO IMAGES drall der Partei nicht zu den gewünschten Erfolgen geführthat. „Franziska Giffey genießt in der gesamten Berliner SPD über die Lager hinweg Respekt. Ich kenne viele, die in ihr eine Hoffnungsträgerin sehen“, sagt zum Beispiel die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Clara West – eine Linke aus der Partei. Auch Daniel Buchholz, SPD-Mitglied im Abgeordnetenhaus, sagt, dass Giffey ein „echtes Naturtalent“ sei, die noch eine große Zukunft vor sich habe. „Auf Bundes- oder aber auch auf Berliner Landesebene“, bemerkt er. Und von Ina Czyborra, stellvertretende SPD-Landesvorsitzende, heißt es: Giffey repräsentiere einen Teil der Partei. Siestehe für etwas. „Aber es ist nicht so, dass die SPD auf die Entscheidung der FU gewartet hat, damit wir die Personalien jetzt neu diskutieren. Für solche Debatten ist es zu früh“, sagte sie. So oder so: Giffey kann gelassen in ihre Zukunft blicken. Ob im Bund oder im Land. Falls sie wirklich den Chefsessel im Roten Rathaus anstrebt, müsste die SPD bis zur Wahl ihre Zahlen polieren. Vielleicht braucht die SPD sie daher weit vorder Wahl. Auch Müller äußerte sich am Donnerstag:„Ich freue mich für Franziska Giffey,dass sie nun Klarheit hat und engagiert weiter ihren Aufgaben als Bundesministerin nachgehen kann.“ Kommentar Seite 8 Kongress treibt Amtsenthebung Trumps voran US-Repräsentantenhaus legt Verfahrensregeln fest Erstmals seit Beginn der Ermittlungen für ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump hat sich das Repräsentantenhaus in einem förmlichen Beschluss hinter die Untersuchungen gestellt. Die Kongresskammer votierte am Donnerstag mit den Stimmen der Demokraten mehrheitlich für eine Resolution, die Regeln für die weiteren Untersuchungen festlegt und unter anderem öffentliche Zeugenanhörungen ermöglicht. Die Republikaner stimmten dagegen. Bei dem Votum handelte es sich nicht um eine Abstimmung über die Eröffnung eines sogenannten Impeachment-Verfahrens gegen Trump. Diese erfolgt erst nach Abschluss der Ermittlungen – sofern aus Sicht der Abgeordneten genug Belege für ein schwerwiegendes Fehlverhalten Trumps vorliegen. DasVotum galt aber als wichtiger Stimmungstest. Damit werden die Ermittlungen auf eine neue Ebene gehoben, weil künftig Zeugenanhörungen öffentlich abgehalten werden können. Trump schrieb auf Twitter direkt nach dem Beschluss erneut von der „größten Hexenjagd in der amerikanischen Geschichte“. DieVorsitzende des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, betonte, Impeachment-Ermittlungen gegen den Präsidenten zu führen, sei ernst und für die Demokraten keineswegs ein Grund zur Freude. „Dies ist ein trauriger Tag.“ Doch die Demokratie des Landes stehe auf dem Spiel. Die Demokraten werfen Trump vor, sein Amt missbraucht zu haben, um die ukrainische Regierung dazu zu bewegen, sich zu seinen Gunsten in den US- Wahlkampf einzumischen. (dpa) PolitikSeite 4 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 51044 Die schönstenStunden erleben Sie an einem Ort, an dem alles stimmt. Mit Formen, die einfach und klar sind. Ralph Bosshammer GmbH Karl-Marx-Allee 77 –79. 10243 Berlin. Tel. 030 42201520. www.dk-bulthaup.berlin

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