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Berliner Zeitung 02.01.2018

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Berliner Zeitung

Götz Aly über die Bluttat von Kandel – Seite 8 . . Dienstag, 2. Januar 2018 Nr.1HA -74. Jahrgangwww.berliner-zeitung.de 1.50 € Berlin/Brandenburg -1.60 € Auswärts/D* ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... O S T - P R O T E S T 1 9 6 8 4 VON BIRGIT WALTER ImProzess fragte die Richterin die Angeklagte, obsie bei ihrer Aktion nicht an ihr Baby gedacht hätte,erst fünf Monate alt. Die Studentin Bettina Wegner, 20, antwortete: „Gerade weil ich an meinen Sohn dachte, musste ich es tun.“ Erzogen zu unbedingter Ehrlichkeit, war sie so ungehalten über den Panzer-Überfall sozialistischer Staaten auf die sozialistische Tschechoslowakei im August 1968, über die Toten vonPrag, über das Ende der Hoffnung auf einen menschen- Bettina Wegner verteilte 1968 Flugblätter. Sind so kleine Schritte 194050 5 01504 freundlichen Sozialismus,dass sie trotz Gefahr Flugblätter in Briefkästen steckte. Darauf stand: „Hände weg von Prag!“ Fünfzig Jahre ist das nun her. Als sie gefasst wurde, war sie längst im Visier der Staatssicherheit. Sie und der Kindsvater Thomas Brasch, die Freunde Erika Berthold, Frank Havemann und andere, die Flugblätter verteilten. Tatsächlich hatte auch die DDR ihre68er, obwohl die niemand so nannte,ihreAktivisten bis heute kaum einer kennt und sie eben auch andere Ziele verfolgten als die linke Bürgerrechtsbewegung im Westen. Diese hatte mit Protesten gegen den Vietnamkrieg in den USA begonnen und bald einer ganzen Generation ihren Namen gegeben. DieDDR dagegen erstickte jeden Widerstand im Keim. Anders als beim Aufstand 1953 blieb es 1968 eher ruhig. Doch immerhin gab es fast tausend Verhaftungen und 500 Parteistrafen, allein in Ost-Berlin registrierte die Staatssicherheit 389 Flugblattaktionen. Ohne West-Medien wären nicht mal die Verhaftungen von Prominenten-Kindern bekanntgeworden. Die Eltern waren DDR-Aristokratie: Der Chemie-Professor Robert Havemann galt zwar schon als Regimekritiker,war aber im Widerstand gegen die Nazis gewesen. Lothar Berthold leitete das Institut für Marxismus-Leninismus, Karl-Heinz Wegner war Chefredakteur der Freien Welt, Horst Brasch stellvertretender Kulturminister. Die Gerichte verhängten gegen Bettina Wegner und ihre Freunde teils mehrjährige Haftstrafen, setzten die aber zur Bewährung aus. Vonheute aus mag der Widerstand vergeblich aussehen, doch trug er bei zum Zusammenbruch des Systems. Eine Konsequenz, die keiner beabsichtigte, der an die Reformfähigkeit des Sozialismus glaubte wie Bettina Wegner. Sie wollte die DDR nie verlassen. Sie durfte hier nichts werden, keine Platten herausbringen, wurde trotzdem berühmt mit dem Lied „Sind so kleine Hände“. In den Westen ließ sie sich erst abschieben, als ihr wieder Gefängnis drohte, 1983. Sie wollte eine gerechtere Welt und ahnte, dass das andere Gesellschaftssystem die auch nicht liefernkonnte. Verkehr,Notrufe 14 ................................................................................................................. Rätsel, Sudoku 12, 25 ................................................................................................................. Kleinanzeigen 12 ................................................................................................................. ................................................................................................................. Berliner Verlag GmbH,10171 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr 10-16 Uhr), Fax–499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27 -50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de ................................................................................................................. Postvertriebsstück A6517 /Entgelt bezahlt 21001 Vorsichtig optimistisch Die Berliner blicken insgesamt mit Zuversicht auf 2018, vor allem die jüngeren. Die größten Sorgen der Hauptstädter: steigende Mieten und der Terrorismus. Exklusive Umfrage V ON JAN THOMSEN Die deutsche Hauptstadt bleibt, jedenfalls weitgehend, optimistisch gestimmt: Vier von zehn Berlinern blicken mit Zuversicht auf das neue Jahr 2018. Damit liegt die aktuelle Stimmung in etwa auf dem Niveau der Vorjahre, die jüngste Tendenz zeigt aber leicht nach oben. Schauten vor einem Jahr noch 38 Prozent der Berliner mit Optimismus auf das kommende Jahr, sosind es jetzt 41 Prozent. Das sind Ergebnisse einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung. Forsa befragte für die Erhebung vom 12. bis zum 21. Dezember 2017 genau 1002 repräsentativ ausgewählte, erwachsene Berliner am Telefon. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei plus respektive minus bis zu drei Prozentpunkten. Überdurchschnittlich überzeugt von einem guten neuen Jahr –imVergleich zu 2017 –ist die jüngereHälfte der Befragten, also die unter 45-Jährigen. Je jünger sie sind, desto überzeugter sind sie auch: Bei den unter 30-Jährigen glauben fast zwei Drittel (62 Prozent), dass 2018 besser wirdals das Vorjahr. Auch der Westteil der Stadt ist etwas optimistischer als der Durchschnitt der Befragten. Unter älteren Berlinern, gerade den über 60-Jährigen, ist die Stimmung dagegen verhalten: Nur ein Viertel (26 Prozent) von ihnen setzt auf ein 2018, das ihnen besser gefällt. Dabei scheint es insgesamt einen Trend zum, wenn auch vorsichtigen, Optimismus zu geben. Das legt der Rückblick aufs abgelaufene Jahr nahe. In vergangenen Umfragen teilten sich Rückblick Im Vergleich zu 2016 war 2017 für sie persönlich ein besseres Jahr 30% weiß nicht 1% schlechteres Jahr 20 % genauso gutes bzw.schlechtes Jahr 49% BLZ/HECHER; QUELLE: FORSA die Bilanzen meist so auf: Ein Viertel der Befragten findet das vergangene Jahr besser,ein Viertel schlechter im Vergleich zum Vorjahr. Die zweite Hälfte sieht kaum einen Unterschied. Doch in der aktuellen Erhebung dreht sich das Resümee deutlich ins Positive: 30 Prozent finden 2017 besser als 2016, nur 20 Prozent sehen es umgekehrt. Überdurchschnittlich zufrieden sind Familienbande Schöner zeichnen für Kinder und Eltern: Ein Atelierbesuch bei Wolf und Leonard Erlbruch, die den berühmten Kinderzimmerkalender illustrieren. Seite 3 dabei erneut die unter 45-Jährigen. Auch ziehen Besserverdienende (Haushaltsnettoeinkommen ab 3000 Euro) eine eher positiveBilanz für 2017. Beialler Zuversicht in der Gesamtschau: Es gibt eine Sorge, die die Berliner mit Blick auf 2018 mehr als alle anderen umtreibt. Es ist die Furcht vor steigendenWohnkosten –was in der Ausblick Im Vergleich zu 2017 wird 2018 für sie persönlich voraussichtlich ein besseres Jahr 41% weiß nicht 4% schlechteres Jahr 12 % genauso gutes bzw.schlechtes Jahr 43% BLZ/HECHER; QUELLE: FORSA Mieterstadt Berlin natürlich vorrangig die Furcht vor Mieterhöhungen meint. Insgesamt nennen 56 Prozent der Hauptstädter dies als ihre größte Sorge imkommenden Jahr, mit deutlichem Abstand vor „Gefahren durch Terrorismus“ (46 Prozent) und „möglichen Krankheiten“ (40 Prozent). Gerade im Ostteil der Stadt sorgen sich die Menschen wegen steigender Wohnkosten. Ganz besonders betroffen fühlen sich zudem die mittleren Jahrgänge zwischen 30 und 44 Jahren –also diejenigen, die oft mitten in der Familiengründungsphase stecken, in der sich der Platzbedarf ändert und gegebenenfalls Wohnungssuchen anstehen. Vonihnen nennen sogar zwei Drittel (67 Prozent) steigende Wohnkosten als ihre größte Angst. Fast alle anderen abgefragten Themen bereiten den Berliner derzeit weniger Kopfzerbrechen, als es in Vorjahren der Fall war. Sohaben zwar viele immer noch Angst vor Terrorismus, aber nach dem Schock vom Vorjahresende mit dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz ist diese Sorge wieder klar gesunken, ebenso die Furcht vor einem Unglück in der Familie oder davor, Opfer einer Gewalttat zu werden. Sorgen wegen eines wirtschaftlichen Abschwungs in Deutschland macht sich nur noch jeder vierte Berliner. Vor einem Jahr war es noch jeder dritte. Dabei sind Anhänger der AfD mit Abstand die ängstlichsten Hauptstädter,bei sechs vonacht Kategorien. Sie fürchten sich jeweils am meisten vor höheren Wohnkosten, Terroristen, einem Familienunglück, finanziellen Verlusten, vorGewalt und einem Abschwung. Berlin Seite 9 LEONARD ERLBRUCH Schon wieder Häftlinge geflohen Zwei weitere Gefangene entkommen aus Plötzensee Erneut sind Häftlinge aus dem Gefängnis in Berlin-Plötzensee entkommen. Zwei Gefangene seien am Montagmorgen aus dem offenen Vollzug geflohen, sagte ein Sprecher der Justizverwaltung. Zuvorhatte die Bild-Zeitung darüber berichtet. Einer der beiden Männer sei aber bereits am Abend zurückgekommen. Da er gegen die Auflagen verstoßen habe, müsse er nun in den geschlossenen Vollzug. Diebeiden Gefangenen hatten sogenannte Ersatzfreiheitsstrafen von wenigen Monaten im offenen Vollzug verbüßt. Sie mussten ins Gefängnis, weil sie Geldstrafen nicht bezahlen konnten. Obwohl sie zu Terminen hin und wieder die JVAverlassen durften, manipulierten sie nach Angaben des Sprechers ein Gitterfenster in der Zelle eines Mithäftlings und entkamen durch das Fenster. Erst am Donnerstag hatten sich vier Häftlinge im Alter von 27bis 38 Jahren mit einem Trennschleifer und einem schweren Hammer denWegin die Freiheit gebahnt. Am Freitag war zudem bekanntgeworden, dass sich auch ein fünfter Gefangener am Donnerstagabend nicht wieder aus dem offenen Vollzug zurückgemeldet hatte. Nach diesen fünf Menschen wurde am Montag weiterhin gesucht –hinzu kommt nun der sechste Häftling, der noch nicht wieder aufgetaucht ist. Die vier Häftlinge, die am Donnerstag verschwanden, arbeiteten in einer Autowerkstatt auf dem JVA-Gelände, gelangten von dort ineinen Heizungsraum und schließlich durch eine mit den Werkzeugen bearbeitete Lüftungsöffnung ins Freie.Dann krochen sie unter dem Außenzaun des Gefängnisses hindurch. Die27bis 38 Jahre alten Männern saßen wegen Straftaten wie Diebstahl, räuberischer Erpressung oder schwerer Körperverletzung ein. Der30-Jährige,der sich am selben Abend nicht aus dem offenen Vollzug zurückmeldete, verbüßte eine Strafe wegen des Erschleichens von Leistungen und Ordnungswidrigkeiten. (dpa) DPA/PAUL ZINKEN Justizvollzugsanstalt Plötzensee: Mehr als 300 Personen sind dortinhaftiert. WETTER BERLIN: DichteWolken und stellenweise Regen. Tagsüber um 7Grad, nach bei 2Grad. Seite 2 Januar 2018 Programmauswahl, alle Termine finden Sie unter www.urania.de Do, 04.01. 16.30 Uhr Zaubershow ENERGIE =MAGIC² – Die zauberhafte Energieshow Oliver Grammel ©Andreas Labes Mo, 08.01. 19.30 Uhr Mit der Friedrich-Ebert-Stiftung Sozialökologische Transformation der Welt Prof. Dr. Karl-Werner Brand Di, 09.01. 19.30 Uhr Das All und das Nichts Dr. Stefan Klein ©Tanja Szekessy ©Astrid Eckert So, 14.01. 15.00 Uhr Familienkonzert Peter und der Wolf Mit Wladimir Kaminer als Erzähler Mo, 15.01. 19.30 Uhr Das fossile Imperium schlägt zurück Prof. Dr. Claudia Kemfert So, 21.01. 10.30 Uhr Politisches Café mit der F-E-S Nationalismus & Rechtsextremismus in Europa E. Hillebrand, J. Klein, M.A., P. Lendvai ©M.Martin Do, 25.01. 19.30 Uhr Live-Multimediavortrag Planet Wüste Michael Martin ©F.Zander Mo, 29.01. 19.30 Uhr Mit der Friedrich-Ebert-Stiftung Globalisierung „à la carte“ Prof. Dr. Heribert Dieter Di, 30.01. 17.30 Uhr Live-Multimediavortrag Ein Brasilianer, ein Fahrrad und die Welt ... der Rest ist Eile Fabio Zander Urania KulTouren 06.02. -16.02.18 & 27.10. -06.11.18 Welterbe Jordanien &Israel 12.05. -18.05.18 & 18.08. -24.08.18 Königsstädte &Blütenpracht Polens 24.05. -31.05.18 & 08.09. -15.09.18 Eine Genießerreise in die Emilia Romagna Informationen und Tickets: Urania Berline.V. An der Urania 17 10787Berlin Telefon: 030 /218 90 91 Internet: www.urania.de U-Bahn: Wittenbergplatz U1, U2, U3, Nollendorfplatz U1,U2, U3, U4 Bus:M19, M29, M46, 106, 100,187, 200 Für nur 60€imJahr können Sie Urania-Mitglied werdenund alleVeranstaltungen vergünstigtgenießen.

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