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Berliner Zeitung 02.07.2019

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Mecklenburg-Vorpommern erlebt das schwerste Feuer seiner Geschichte – Panorama Seite 28 Kolumne von Götz Aly Seite 8 13°/19° Ein wenig Regen Wetter Seite 2 Senat: Abstimmung übers Grundeinkommen Kommentar Seite 8, Berlin Seite 10 www.berliner-zeitung.de Sea-Watch: Die Kapitänin bleibt unter Hausarrest Tagesthema Seite 2 Dienstag,2.Juli 2019 Nr.150 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Er brauchte keine Worte: Mordillo (1932 –2019) Feuilleton Seite 23 Hertha BSC Der erste Saisonsieg VonPaul Linke Marko Grujic, bleibt noch eine Saison bei Hertha. Eskommt selten vor, dass Marko Grujic die Orientierung verliert in einem Stadion. Eigentlich kennt er sich dort bestens aus, vor allem im Mittelfeld, wo ein schier hellseherischer Blick für Zeit und Raum gefragt ist, wo man Mitspieler in Szene setzt, entgleiste Spielzüge doch noch sicher ins Ziel navigiert. Im vergangenen Dezember war Grujic trotzdem kurzverwirrt. Der Leihspieler des FC Liverpool hatte soeben sein erstes Bundesligator für Hertha BSC geschossen, er wollte sich dafür angemessen feiern lassen, aber der innere Stadionkompass war noch nicht richtig kalibriert; jedenfalls lief Grujic nach Westen, nicht nach Osten, wo in Berlin die Heimtorpartys stattfinden, so dass die Partykurve diesmal länger warten musste. Am Montag ist Hertha in die neue Saison gestartet, und die zunächst beste Nachricht auf dem Trainingsplatz lautete: Grujic, 23, serbischer Nationalspieler, Marktwert 20 Millionen Euro, hat einen neuen Leihvertrag unterschrieben, er wird ein weiteres Jahr in Berlin bleiben. Noch besser wirddie Nachricht für Hertha, wenn man bedenkt, dass es viele andere Klubs gab, die Grujic gern verpflichtet hätten; auch Werder Bremen und Eintracht Frankfurtsuchen ja einen Ballverteiler, der Kopfballstärke mit Zweikampfhärte, Tempo mit Torgefahr kombiniert. Viermal noch traf Grujic in der vergangenen Saison für Hertha. Orientierungsprobleme hatte er kein zweites Mal. Zu den größten Fans von Marko Grujic zählt –und daran muss man sich noch gewöhnen –der ehemalige Trainer Pal Dardai. Sein Urteil: der beste Mittelfeldspieler bei Hertha seit zwanzig Jahren. Dieses Lob in Überübergröße war sicherlich auch ein Grund dafür, warum Michael Preetz all seine Überzeugungskünste aufbringen musste. Herthas Manager sagte zuletzt:„Ich werdealles versuchen, dass der Junge auch nächstes Jahr in Berlin spielt.“ Der Junge wollte das übrigens auch, von Anfang an fühlte er sich wohl, verstanden und ganz wichtig: gebraucht. Grujic wurde bei Roter Stern Belgrad ausgebildet und ging dann auf Fußballwanderschaft. In Liverpool nimmt man aber keine Gesellen auf, sondernnur Meister,was –und auch das ist noch ungewöhnlich –Ante Covic vomersten Arbeitstag an unter Erwartungsdruck setzt. Noch weiß niemand, ob Preetz mit seiner Wiederholungswahl der Trainermarke Eigenbau richtig liegen wird. Denn noch ist Covic, 43, nur theoretisch einer, der Spieler formen und entwickeln kann. Dass Liverpool und Grujic ihm diese Fähigkeiten zutrauen, dürfte Covic beruhigen, ihm bei der Orientierung helfen. SportSeite 20 Friede, Freude, Museum Einst war sie Avantgarde, jetzt ist die Berliner Loveparade Zeitgeschichte. Berlin Seite 9 Grüne für Pflegekosten-Deckel Der Eigenanteil von Betroffenen soll festgeschrieben werden. Mehrbelastung müssten Versicherungen zahlen VonTimot Szent-Ivanyi Die Grünen wollen Pflegebedürftige und deren Angehörige finanziell deutlich entlasten. Das geht aus einem noch nicht veröffentlichten Positionspapier der Grünen- Bundestagsfraktion hervor, das der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk Deutschland, RND) vorliegt. Danach forderndie Grünen in ihrem Konzept einer „doppelten Pflegegarantie“, dass die Eigenanteile der Pflegebedürftigen künftig festgeschrieben und gedeckelt werden. Gleichzeitig soll garantiert werden, dass die Pflegeversicherung alle darüber hinausgehenden Kosten, die für eine angemessene Versorgung der Pflegebedürftigen notwendig sind, übernimmt. Das soll nicht nur für die stationäre Pflege im Heim, sondern auch für die ambulante Pflege zu Hause gelten. Für die Angehörigen wollen die Grünen eine dreimonatige bezahlte Freistellung einführen, in der Berufstätige die Pflege ihrer Angehörigen organisieren können. Zusätzlich sollen jedes Jahr zehn Tage mit Lohnfortzahlung flexibel freigenommen werden können, wenn sich die gesundheitliche Situation verschlechtert oder zum Beispiel ein Arztbesuch notwendig ist. „Die Bundesregierung diskutiert zwar Verbesserungen in der Pflege, hat aber kein Konzept, wer für die Kosten aufkommen soll. Wir wollen verhindern, dass am Ende allein die Pflegebedürftigen die Kosten tragen“, sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. Mit der doppelten Pflegegarantie würden die Kosten für die Pflegebedürftigen kalkulierbar, erklärte die Grünen-Politikerin. Derzeit müssen Heimbewohner im Schnitt etwa 1800 Euro im Monat aus der eigenen Tasche dazuzahlen. Der Betrag setzt sich zusammen aus den Kosten für Unterkunft und Verpflegung, für Instandhaltung und Modernisierung der Heime sowie aus den Pflegeaufwendungen. Letztere belaufen sich auf durchschnittlich 660 Euro im Monat. Einweiterer massiver Anstieg dieser Kosten wird erwartet, weil die große Koalition mit mehreren Gesetzesänderungen durchsetzen will, dass überall in der Branche Tariflöhne gezahlt werden. Das verteuert die Pflegeversicherung nach den bislang abgeschlossenen Tarifverträgen jährlich um bis zu fünf Milliarden Euro.„Die immer weiter steigenden Pflegekosten bringen viele Menschen an ihre finanziellen, psychischen und physischen Belastungsgrenzen“, kritisierte die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kordula Schulz-Asche. Den Pflegeanteil wollen die Grünen deckeln und festschreiben. Dazu fordern sie unter anderem, dass die sogenannte Behandlungspflege im Heim wie bisher schon im ambulanten Bereich künftig vonder Krankenversicherung bezahlt wird. Dadurch könne der Eigenanteil im Heim um die Hälfte gesenkt werden, heißt es in dem Positionspapier. Außerdem sieht das Konzept einen Steuerzuschuss des Bundes für die Pflegeversicherung vor. Mit dem Geld soll unter anderemdie soziale Absicherung der pfle- „Wir brauchen ein vom Grunde auf verlässliches und zukunftsfähiges Angebot für alle.“ Aus dem Grüne-Positionspapier zur Pflege genden Angehörigen bezahlt werden. DieAufwendungen hierfür werden bisher aus Beitragsmitteln gezahlt. Die Grünen räumen ein, dass die Deckelung der Eigenanteile auch im ambulanten Bereich dazu führen könnte, dass die Pflegebedürftigen dann auf Kosten der Solidargemeinschaft möglichst viele Leistungen beanspruchen. Um das zu verhindern, sollen künftig bundesweit geltenden Kriterien eingeführt werden, die den individuellen Pflegebedarf unter Berücksichtigung der Gegebenheiten vor Ort definieren. Diese Aufgabe solle von einem „Case-Management“ übernommen werden, das von der Pflegeversicherung finanziert werde, aber unabhängig vonihr agieren könne.Die vondieser Stelle festgelegten Pflegebedarfe sollen dann verbindlich sein. Um die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte zu verbessern, fordern die Grünen eine tarifliche Bezahlung aller Beschäftigten in der Branche und die Einführung verbindlicher Personalquoten. „Ohne diese Gegenmaßnahmen droht ein massiver Pflegenotstand, bei dem zu befürchten ist, dass viele Ältere professionelle Pflegeleistungen entweder nicht erhalten oder nicht bezahlen können“, so die Grünen in ihrem Konzept. „Wir können bei der Pflege, auf die sich alle Menschen im Alter verlassen wollen, nicht immer nur reparieren und nachbessern. Wir brauchen ein vom Grunde auf verlässliches und zukunftsfähiges Angebot für alle“, heißt es weiter. Für die Angehörigen existiertderzeit nur die Möglichkeit, zehn Tage mit Lohnfortzahlung freizunehmen, um sich um einen Pflegebedürftigen zu kümmern. Zahlt der Arbeitgeber das Einkommen nicht weiter, weil entsprechende Tarifverträge fehlen, hat der Angehörige alternativ Anspruch auf das sogenannte Pflegeunterstützungsgeld. Diese Sozialleistung beträgt 90 Prozent des ausgefallenen Nettoeinkommens. Zudem haben Arbeitnehmer den Anspruch auf eine sechsmonatige Pflege-Zeit. In dieser Zeit gibt es aber keinen Lohnersatz. Die Betroffenen können lediglich ein zinsloses Darlehen der Regierung beantragen. ARCHIV Krach um Plan des Senats zum Wohnungsbau Linke wirft SPD „Obstruktion“ vor VonUlrich Paul Berlin braucht dringend Klarheit darüber, wo die benötigten Wohnungen in der Hauptstadt entstehen sollen, doch eine Senatsentscheidung über den Stadtentwicklungsplan (Step) Wohnen, der darüber Auskunft geben soll, wird seit Wochen von der SPD-geführten Senatskanzlei blockiert. Und das, obwohl das Werk nach Auskunft der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung fertig ist. Am Montag kam es deswegen in der Runde der Staatssekretäre, die die Senatssitzung am Dienstag vorbereitet, zum Eklat. Nachdem klar war,dass es der Step Wohnen erneut nicht auf die Tagesordnung der Sitzung der Landesregierung schaffen würde, warf Bau-Staatssekretär Sebastian Scheel der Senatskanzlei „Obstruktion“ vor. Die SPD wiederum verlangt eine Anpassung des Plans an die aktuellen Zuwanderungszahlen. Außerdem fordert sie Bekenntnisse zu einem verstärkten Neubau, wie es heißt. In der Linken sieht man darin den wiederholten Versuch der SPD,sich als die bessere Wohnungsbau-Partei zu profilieren. Nach dem Krach in der Staatssekretärsrunde geht Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) in die Offensive. „Der Stadtentwicklungsplan Wohnen 2030 ist fertig –und wird dennoch seit Wochen nicht imSenat beschlossen“, kritisiertsie.„Ausmeiner Sichtist das falsch“, so Lompscher. „Der Stadtentwicklungsplan Wohnen 2030 bildet die planerische Grundlage, um den dringend benötigten Wohnungsbau in unserer Stadt gemeinsam mit den Bezirken vorzubereiten und dann zügig zu realisieren“, so die Senatorin.„Ersolltedaher umgehend beschlossen werden.“ DerStep Wohnen geht davonaus, dass in Berlin bis zum Jahr 2030 rund 194 000 Wohnungen benötigt werden, um die wachsende Zahl der Einwohner zu versorgen. Der Step Wohnen basiertwie alle anderen Pläne der Landesregierung auf der vom Senat 2016 beschlossenen und 2017 aktualisierten Bevölkerungsprognose. Im Step Wohnen werden Flächen für rund 200 000 neueWohnungen nachgewiesen. Berlin Seite 10 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 21027

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