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Berliner Zeitung 02.08.2019

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Zwei Stolpersteine und eine Freundschaft zwischen Pankow und TelAviv – Seiten 2und 3 Mehr Flüchtlinge in Arbeit Made in Berlin Seite 6 16°/25° Wolken und Schauer Wetter Seite 2 U-Bahn oder Straßenbahn? Senat streitet über Strategie Berlin Seite 9 www.berliner-zeitung.de Monarch-Turm am Alex: Bauen ohne Bauleute Berlin Seite 11 Freitag,2.August 2019 Nr.177 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Michael Kretschmer im Interview: Die AfD spaltet Politik Seite 5 Derby-Meeting Der Herr der Rennbahn VonHarry Nutt Ausgeruhte Gelassenheit ist seine Sache nicht. Wenn Ulrich Mommert auf der Trabrennbahn Mariendorf weilt, legt er die Strecke zwischen Tribünenhaus und Stallgelände oft mehrfach zurück. Irgendetwas zu regeln gibt es immer, und wenn ihm TV-Geräte, auf denen die Rennen anderer Bahnen übertragen werden, zu laut sind, schreitet er persönlich ein. Ulrich Mommert ist auf der Rennbahn, auf der am Wochenende das große Derby- Meeting stattfindet, zu Hause, und das ist nicht Ulrich Mommert, nur metaphorisch zu verste- Chef der Trabrennbahn Mariendorf hen. Als der Berliner TrabrennsportzuBeginn der 2000er-Jahreimmer stärker in die Krise geriet, erwarb er kurzerhand das unter Denkmalschutz stehende Rennbahn-Areal im Berliner Südwesten. Natürlich gab es skeptische Stimmen. DerTrabrennsportbegebe sich in Abhängigkeit und setze sich den Launen eines Ehepaares aus. Mommerts Ehefrau Karinteilt die Leidenschaft für schnelle Pferde mindestens so sehr wie er. Die Sorge war berechtigt, erwies sich aber als überflüssig. Ulrich Mommert gab damals ein Versprechen, an das sich der heute 78-Jährige gehalten hat. Solange ich lebe, beteuerte er den Mitgliederndes von ihm angeführten Vereins, werde es keine Bebauung des Geländes geben. In der Zeit vorMommerthatten gleich mehrere Vereinspräsidenten einem Geländeverkauf zustimmen müssen, um die Bahn zu erhalten. Heute, soheißt es, stütze Mommert den laufenden Betrieb, wenn es sein muss, jährlich mit einem Millionenbetrag. Als kurzvor dem Derby-Meeting das Startauto seinen Dienst versagte, besorgte Mommert binnen weniger Tage ein neues. Mit der finanziellen Kleinigkeit, sich eine Rennbahn leisten zu können, hat Ulrich Mommert nie sonderlich aufgetrumpft. Während andere sich mit einem Rennstall persönliche Geltung zulegen, kam er eher durch die Hintertür.Eine Büroangestellte des Unternehmens seiner Familie mit dem unauffälligen Namen ZKW,das vorwenigen Jahren für einen mutmaßlichen Milliardenbetrag an den koreanischen Branchenriesen LG verkauft wurde, nahm ihren Chef Ende der 80er- Jahre einmal mit zum Rennen. Mommert fing Feuer, legte eine Amateurlizenz ab und lernte im Rennbahngetümmel auch seine spätere Frau kennen, die Amateurfahrerin Karin Walter. Gemeinsam betreiben sie heute das Gestüt Eichstädt nördlich vonBerlin. Ihre diesjährige Hoffnung heißt La Grace. Wenn nicht alles schiefläuft, ist sie am Sonnabend die Siegerindes Derbys für Stuten. Hollywood in Berlin Leonardo DiCaprio, Margot Robbie und Brad Pitt sind in der Stadt. Sie zeigen den Film, den Quentin Tarantino mit ihnen gedreht hat. Feuilleton Seite 21 Berliner Lehrer sind Schulanfänger Zwei Drittel der neuen Stellen im Schuldienst werden mit Quer-und Seiteneinsteigern besetzt VonKristin Hermann und Melanie Reinsch Der Kampf um voll ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer bleibt in Berlin auch im bevorstehenden Schuljahr eine Herausforderung. Etwa 60 Prozent der 2734 neu eingestellten Lehrkräfte sind Quer- oder Seiteneinsteiger. Immerhin sei es durch diese Maßnahme gelungen, nahezu alle freien Stellen zu besetzen, teilte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Donnerstag mit. Für die verbleibenden 90 soll in den nächsten Tagen geeignetes Personal gefunden werden. Am Montag beginnt das neue Schuljahr für 363 640 Schüler. Das sind fast 6700 mehr als 2018. Die Zahl der Schulanfänger sank leicht um 161 auf 33 820. Sie müssen sich bis zum 12. August gedulden –dann findet für die meisten Erstklässler die Einschulung statt. Unter den neu eingestellten Lehrkräften finden sich nach Angaben der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie 1085 reguläre Lehrer, 711 Quer- und 938 Seiteneinsteigende,zudenen auch etwa 70 Bachelor- und Masterstudierende zählen. Hinzu kommen 250 Pensionäre, die zeitweise in den Schuldienst zurückkehren. Daneben werden 380 neue Erzieherinnen und Erzieher sowie 120 pädagogische Unterrichtshilfen und Betreuerinnen und Betreuer ihren Dienst antreten. Insgesamt seien die Werte ähnlich hoch wie im vorherigen Schuljahr und spiegeln den akuten Lehrermangel im gesamten Bundesgebiet wider, was zu einer erhöhten Konkurrenzsituation zwischen den einzelnen Bundesländern führe, so Scheeres. Inder Kultusministerkonferenz sei es bisher nicht gelungen, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. Die Bildungssenatorin appellierte an alle Länder, entsprechende Studienplätze für die Lehrerausbildung aufzustocken. Nach wie vor hat die Bildungsbehörde Schwierigkeiten, passende Kräfte für die Fächer Mathematik, Naturwissenschaften sowie Sport und Kunst zu finden, weshalb gerade in diesem Bereich Quereinsteiger gesucht werden. In der Regel haben diese einen universitären Abschluss in dem Fach, das sie unterrichten. Ihnen fehlt jedoch eine pädagogische Ausbildung. Scheeres machte deutlich, dass nicht alle Bewerber automatisch das Programm zur Qualifizierung von Quereinsteigern durchlaufen dürften. Insgesamt hätten sich 2500 Kandidaten beworben, 711 wurden angenommen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte dennoch den hohen Anteil derjenigen, die über keine abgeschlossene Lehrerausbildung verfügen. „Damit können wir nicht zufrieden sein“, sagte der GEW-Vorsitzende TomErdmann. Zudem seien in Bezirken mit sozialen Brennpunkten überdurchschnittlich viele Quer- und Seiteneinsteiger eingestellt worden. „Die Bildungsverwaltung ist mit ihrem Vorhaben, die Quereinsteiger fair zu verteilen, gescheitert“, so Erdmann. Anders als Quereinsteiger haben Seiteneinsteiger hingegen meistens in keinem der Fächer, das sie unterrichten, einen Hochschulabschluss. Sie waren aber häufig schon als Ver- „Das ist ein verheerendes Signal, wenn Lehrer nicht ausreichend qualifiziert werden. Der Senat bekommt die Situation einfach nicht in den Griff.“ Paul Fresdorf, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion tretungslehrer oder Lehrkraft inWillkommensklassen tätig. Kritik gab es auch aus der Opposition, die in den Zahlen eine Bestätigung für die schlechte Bildungspolitik des Senats erkennt. Burkard Dregger, Fraktionsvorsitzender der CDU, sagte, dass der Lehrermangel einmal mehr die „akute Bildungskrise“ Berlins verdeutliche. Scheeres habe keine Strategie,wie sie die Lehrerflucht aus Berlin endlich stoppen wolle. „Der Notstand wird von ihr nur noch verwaltet, nicht gelöst. Dregger plädierte für eine Verbeamtung vonLehrerninBerlin, wie es in Brandenburgder Fall ist, um den Beruf inder Hauptstadt attraktiver zu machen und Abwanderungen zu verhindern. Scheeres und auch der Fraktionsvorsitzende der SPD, Raed Saleh, konnten dafür bisher keine Mehrheiten in ihrer Partei finden. Auch Grüne und Linke sind dagegen. „Das ist ein verheerendes Signal“, kritisierte auch Paul Fresdorf, bildungspolitischer Sprecher der FDP. Es sei ein großes Problem, wenn Lehrer nicht ausreichend für den Unterricht qualifiziert würden. Der Senat bekomme die Situation einfach nicht in den Griff.„Es wir immer prekärer“, sagte er der Berliner Zeitung. Er hält größere Klassen für akzeptabler, als Lehrer, die nicht entsprechend für den Berufausgebildet seien. DieFDP habe sich zwar ebenfalls gegen eine Verbeamtung ausgesprochen, man überlege aber, ob man daran weiter festhalten wolle. Marianne Burkert-Eulitz, Grüne Bildungspolitikerin, freute sich, dass die Stellen überhaupt besetzt werdem konnten. Die Situation sei schwierig und würde sich in einigen Jahren verbessern. „Eine Verbeamtung schafft keine einzige Lehrkraft mehr“, sagte sie. Carola Bluhm, Fraktionsvorsitzende der Linken, betonte, dass ein Quereinstieg nicht von vornherein schlecht sei. Bluhmglaubt ,dass sich die Situation in ein paar Jahren entspannt habe. ZuBeginn der Legislaturperiode wurden in Berlin die Lehramtsstudienplätze verdoppelt. Kommentar Seite 8 DPA/JÖRG CARSTENSEN Maas in Polen: „Ich schäme mich“ Gedenken an den Warschauer Aufstand Am75. Jahrestag des Warschauer Aufstands gegen die deutsche Besatzungsmacht hat Bundesaußenminister Heiko Maas Polen um Vergebung für die Nazi-Verbrechen gebeten. „Ich schäme mich für das, was IhremLand vonDeutschen und im deutschen Namen angetan wurde. Und ich schäme mich dafür, dass diese Schuld nach dem Krieg viel zu lange verschwiegen wurde“, sagte er am Donnerstag bei einer Gedenkveranstaltung in der polnischen Hauptstadt. Gleichzeitig sprach er sich für eine Gedenkstätte für die polnischen Opfer der Nazi-Herrschaft in Berlin aus. „Das ist lange überfällig“, sagte der SPD-Politiker. „Eine solche Gedenkstätte wäre nicht nur eine Versöhnungsgeste an Polen. Sie wäre bedeutend auch für uns Deutsche selbst.“ Die Verbrechen könnten zwar nicht ungeschehen gemacht werden und viele Wunden würden wohl niemals verheilen, sagte Maas. „Aber wir können dazu beitragen, dass der Opfer gedacht wird und zwar angemessen.“ In Berlin gibt es bereits Denkmäler für einzelne Opfergruppen der Nazi-Zeit. Das größte und bekannteste ist das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Daneben gibt es auch Denkmäler für die ermordeten Sinti und Roma und Homosexuellen. Vonpolnischen Politikernwird eine Gedenkstätte für die polnischen Opfer schon seit längerer Zeit gefordert. Inzwischen gibt es auch eine Initiative von Bundestagsabgeordneten aller Fraktionen außer der AfD. Am 1. August 1944 hatte sich die die Polnische Heimatarmee gegen Nazis erhoben. Nach 63 Tagen war der Aufstand blutig niedergeschlagen. 200 000 polnische Soldaten und Zivilisten wurden während der Kämpfe getötet, eine halbe Million anschließend deportiert. Polens Außenminister Jacek Czaputowicz betonte, dass Polen sich weiter Entschädigungsforderungen für die von Deutschland verursachten Schäden im Zweiten Weltkrieg vorbehalte.„Polen hat einen Teil seines nationalen Erbes verloren“, sagte er. „Die dem polnischen Staat und den Polen zugefügten Schäden wurden vomTäter jedoch nicht wiedergutgemacht.“ (dpa) Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 51031

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