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Berliner Zeitung 02.10.2019

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Trumps Telefongeheimnis – Politik Seite 4 Heute mit Kulturkalender 8°/13° Häufig Regen Wetter Seite 30 Urteil im Rockerprozess: Achtmal lebenslänglich Berlin Seite 13 www.berliner-zeitung.de Säure und Strom: So brach der Maskenmann aus Berlin Seite 15 Mittwoch/Donnerstag,2./3. Oktober 2019 Nr.229 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Union und Hertha: Die Bundesliga-Kolumne Sport Seite 22 Vollblut mit Zukunft VonMarkus Lotter Die Quote spricht Bände. Denn bei einem Sieg von Laccario beim am Donnerstag auf der Galopprennbahn in Hoppegarten ausgetragenen 29. Großen Preis der Deutschen Einheit würde man Stand jetzt am Totoschalter für den Einsatz vonzehn Euro gerade mal 10,80 Euro erhalten. Wobei sich die Quote freilich bis zum Start, der für 16.45 Uhr terminiert ist, durch die Wetteinsätze noch verändernkann. Laccario, der die Farben des Gestüts Ittlingen trägt und vom mehrfachen Champion-Trai- Laccario, Hengst mit Starpotenzial Hoppegarten ner Andreas Wöhler in Spexard bei Gütersloh auf die Rennen vorbereitet wird, ist auf jeden Fall der Star des Nachmittags. Der dreijährige Hengst gewann am 7. Juli dieses Jahres in Hamburg das wichtigste Rennen in Deutschland, nämlich das mit 650 000 Euro dotierte Derby, hatte vier Wochen zuvor schon das Union- Rennen in Köln für sich entscheiden können, nur in Iffezheim beim Großen Preis von Baden kam er nicht so richtig in Schwung und deshalb hinter dem famosen, mit 14 Längen über die Ziellinie fliegenden Ghaiyyath und hinter Donja nur als Dritter ins Ziel. Ein kleiner Makel, der nun in Hoppegarten wettgemacht werden soll. Wobei auch Jockey Eduardo Pedroza, der Publikumsliebling der Hoppegartener Galoppsportfreunde, in Verantwortung steht. Rennbahnbesitzer Gerhard Schöningh zeigte sich ob der späten Nennung des Pferdes für das Hauptrennen jedenfalls begeistert: „Damit erhöht sich der sportlicheWert unseres Toprennens gewaltig.“ Und es stimmt schon: Nach Pastorius im Jahre 2012 ist Laccario der zweite Derby-Sieger,der beim Großen Preis der Deutschen Einheit an den Start gehen wird. Wöhler ist gleichwohl überzeugt, dass das Produkt aus Scalo (Galopper des Jahres 2010) und Laccata in seiner Entwicklung erst am Anfang steht, also eher ein Spätentwickler ist. Seine Karriere sei ein bisschen mit Verzögerung in Gang gekommen, zuletzt habe er sich stetig verbessert, glaubt Wöhler, und stellt dem dunkelbraunen Vollblut eine große Zukunft in Aussicht: „Er ist noch lange nicht auf seinem Zenit.“ Seit 29 Jahren ist Deutschand wieder vereint. Aber was bedeutet uns der 3. Oktober? Und wie erleben Journalisten der Berliner Zeitung –aus Ost und West –die Einheit? Einheitsfeier am 3. Oktober 1990. Ein Land. Mein Land? VonJochen Arntz Der 3. Oktober, vielleicht sehen Sie das auch so,ist ein eher lebensferner und bürokratischer Feiertag der Deutschen Einheit. Nur wenige Deutsche in Ost und West verbinden einen historischen Moment oder gar umstürzende Weltgeschichte mit diesem Herbsttag. Ganz anders geht es den meisten mit dem 9. November, dem Tagdes Mauerfalls. Das ist der Tag, an den sich jeder erinnert. Denn jeder weiß, wo er damals war, anjenem Abend, als die Welt sich trotz allem änderte.Für den Osten und auch für den Westen, wenngleich in einem sehr unterschiedlichen Maß. Und warum wurde dann nicht dieser 9. November der Tagder Deutschen Einheit? Ganz einfach, weil das Datum des 9. Novembers noch für viele andere deutsche Tage steht. Für die Novemberrevolution zum Ende des Ersten Weltkriegs im Jahr 1918. Für den ersten Putsch Adolf Hitlers im Jahr 1923. Undvor allem für die Reichspogromnacht im November 1938. Für das Morden und Plündern. Wer wollte an diesem Tag schon die Einheit Deutschlands feiern, auch wenn die Geschichte den Mauerfall zufällig auf dieses Datum spülte? Also nahm man den 3. Oktober, ein, nun ja, eher zufälliges Datum. Und vergab damit die Chance, vor allem die Leistung der Ostdeutschen zu würdigen, ihreRevolution. Doch man sollte den 3. Oktober nicht unterschätzen. Denn dieser Taglegte fest, wie wir, die Deutschen, nun seit fast 30 Jahren zusammenleben. Das ist der Unterschied zum 9. November, auch in der Bedeutung. Beim Mauerfall war noch alles offen, am Tagder Vereinigung knapp elf Monate später im Herbst 1990 aber war längst alles klar:Eswürde für die DDR keinen dritten Weggeben, sondern eine westdeutsch geführte Treuhand, eine Abwicklung. Nicht die Bürgerrechtler,sondernHelmut Kohl Die Ostdeutschen hatten das Unmögliche getan. Die Westdeutschen wollten das Mögliche weitermachen. ten inBerlin enteignen wollen? DieVerfassung, sie ist sicher das geringste Problem. Sie steckt voller Möglichkeiten. Viel größer war in den Tagen zwischen dem 9. November1989 und dem 3. Oktober1990 die Frage, ob und wie man eine Revolution, die niemanden das Leben gekostet hatte, inein westdeutsches Staatswesen integrieren sollte, das mit Revolutionen nichts anfangen konnte, sich die Wiedervereinigung aber in das erwähnte Grundgesetz geschrieben hatte. Die Ostdeutschen hatten, nicht besonders gut vorbereitet für den historischen Moment, das Unmögliche einfach getan. Die Westdeutschen, die den Kalten Krieg eigentlich ohne ei- IMAGO IMAGES würde Politik für den Osten machen. Günther Krause, der mit Wolfgang Schäuble den Einigungsvertrag unterschrieb, würde danach nie wieder eine wichtige Rolle spielen. Wolfgang Schäuble würde die Politik, seine Welt, die es vor1989 und nach 1989 gab,nicht mehr verlassen. Bis zum heutigen Tag, allen persönlichen Schicksalsschlägen zum Trotz. Eine neue Verfassung für das neu vereinte Deutschland hat es nie gegeben, das Grundgesetz der alten Bundesrepublik gilt seither für alle. Das klingt ernüchternd, aber ist dieses Grundgesetz nicht auch eine tragbare, ziemlich offene Verfassung, auf die sich jetzt selbst diejenigen berufen, die große Wohnungsgesellschafgenes Zutun gewonnen hatten, fanden darauf eine eher ängstliche Antwort: Lasst uns gemeinsam mit den Ostdeutschen jetzt einfach das Mögliche weiter tun. Dann wirddas schon. So entstand eine größereVersion derBundesrepublik mit all ihrerWirtschaftskraft und einem erhofften „Weiter so“. Dasging so weit, dass aus dem eingeschmolzenen Stahl des Palastes der Republik in Ost-Berlin bei Volkswagen Motoren für den Golf gegossen wurden. Besser ließe sich das „Weiter so“ gar nicht versinnbildlichen. Doch ist dieses „Weiter so“ des Westens war wahrscheinlich eines der größten Missverständnisse der Vereinigung, und dieses Missverständnis wirkt bis heute fort. Weil das Versprechen der persönlichen Freiheit zwar eingelöst wurde, ja doch, aber die einen vor allem lernen sollten, was die anderen schon immer so gemacht hatten. Das kann nicht funktionieren, nicht in Familien, nicht in Firmen,nicht in einem Staat. Unddeshalb istesgut, noch einmal daran zu erinnern, dass der 9. November ein Anfang und der 3. Oktober ein früher Schlusspunkt einer Entwicklung war.Vielleicht sollte dieser 3. Oktober 2019 uns dazu bringen, bis zum kommenden Jahr, bis zum 30. Jahrestag der Vereinigung, noch einmal zu erkennen, was dazwischen lag: zwischen dem Mauerfall und einer größeren Bundesrepublik. Dann würden wir wahrscheinlich sehen, dass eigentlich beide Seiten etwas gewonnen haben und noch mehr hätten voneinander gewinnen können. Dasallerdings wirdbeiden schwerfallen zuzugeben. Warum? Weil der Westen glaubte,mit seinem „Weiter so“ nichts Neues zu brauchen. Und der Osten nicht auf etwas wirklich Neuem bestand, vielleicht auch nicht die Kraft dazu hatte. Verspielte Chancen einer Nation, und heute doch ein leidlich erfolgreiches Land. Ein Land, ja. Aber auch mein Land? Das haben sich meine Kollegen gefragt, Ostdeutsche und Westdeutsche.Und sie haben Antworten gegeben, Lesen Siesie auf den Seiten 2und 3. Mietendeckel: Es geht um 2,2 Milliarden Mieter sparen, Vermieter bekommen weniger Geld VonUlrich Paul Berlins Mieter werden durch den Mietendeckel während der fünfjährigen Laufzeit um schätzungsweise rund 2,2 Milliarden Euro entlastet. DenVermieternentgeht dagegen ein Betrag in dieser Größenordnung. Dasgeht aus einer Vorlage aus dem Haus vonStadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) zum Mietendeckelgesetz hervor, die sich derzeit in der Abstimmung der beteiligten Senatsverwaltung befindet. Mit der „überschlägigen Schätzung“ liegen erstmals Angaben dazu vor, wie sich die geplante Regelung für Mieter und Vermieter finanziell auswirkt. Änderungen gibt es laut dem Senatspapier am bisherigen Zeitplan. Während ursprünglich vorgesehen war, dass die Landesregierung auf ihrer Sitzung am 15. Oktober das Mietendeckelgesetz beschließt, heißt es nun, die Vorlage sei „zunächst dem Rat der Bürgermeister zu unterbreiten“. Ein Beschluss des Senats werde„bis zum Vorliegen der Stellungnahme des Rats der Bürgermeister zurückgestellt“. Damit verschafft sich die rot-rot-grüne Koalition mehr Zeit, um sich untereinander auf die Ausgestaltungdes Gesetzes zuverständigen. Wie berichtet, gibt es innerhalb der Koalition Differenzen. So stehtdie SPD etwa der geplanten Absenkung von Mieten skeptisch gegenüber, während die Linke daran festhält. Kommentar Seite 8, Berlin Seite 9 LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER, wegen des Feiertages zum Tagder Deutschen Einheit, 3. Oktober,erscheint die nächste Ausgabe der Berliner Zeitung am Freitag,4.Oktober. Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 31040 Jetzt ein Statementsetzen! Berliner Zeitung lesen. 14 TAGE KOSTENLOS TESTEN! (030) 24 00 25 berliner-zeitung.de/testangebot

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