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Berliner Zeitung 03.08.2019

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Die Berlinerin Christine Thürmer hat alles aufgegeben, um zu wandern – weit zu wandern. Mehr als 45 000 Kilometer sind es inzwischen SEITE 4 Es ist nie zu spät für Neuland: Unser Autor hat mit 68 Jahren sein Leben digitalisiert – und sich von Büchern, Platten undanderen Platzfressern befreit SEITE 5 1968 steht in der Erinnerung für den Traum einer besseren und gerechteren Welt. 1969 ist das Jahr, in dem dieser Traumzerstob SEITE 7 Verschwundene Heimat: WieAltliebel in der Oberlausitz entwurzelt wurde – Sommerserie Seiten 2und 3 Anzeige Anzeige Altpapierrecycling kostengünstig und zuverlässig Entsorgungslösungen für Gewerbe und Industrie www.bartscherer-recycling.de www.bartscherer-recycling.de 15°/25° Sonne und Wolken Wetter Seite 16 AM WOCHENENDE www.berliner-zeitung.de Heute mit Service und Immobilien Sonnabend/Sonntag,3./4. August 2019 Nr.178 HA -75. Jahrgang Auswärts/D**: 2.00 € Berlin/Brandenburg: 1.80 € Im Magazin: Kinder,Kinder Heike Makatsch über die Generation Greta Seiten 2und 3 Surfing Safari Istman mit 68 zu alt für die Digitalisierung? Seite 5 MAGAZIN Ja schön, dass wieder ein neuer Wind weht Heike Makatsch war das Idol der Partyjugend der 90er-Jahre. Heute sieht sie die Zeit kritisch –und bewundert „eine junge Generation, die Dinge nicht mehr hinnehmen, sondern aktiv gestalten will“ SEITEN 2/3 PHILIP NÜRNBERGER Der Tag, als Sharon Tate starb Wie1969 alle Hippie-Träume zerstoben Seite 7 Einmal um die ganze Welt Alles muss raus! Müssen Vielflieger wie Gutsch jetzt a le Seglerwerden? Seite8 Spiel mir das Lied vom Tod Anzeige www.atala.de Die Trennung nach dem Baby Kolumne Seite 8 Mit Schwung Ein Wochenende, zehn deutsche Meisterschaften: 3300 Athleten, darunter Diskus-Olympiasieger Christoph Harting, kämpfen in Berlin um 202 Titel. Sport Seite 22 IMAGO IMAGES Lust auf Vampir-Romane Feuilleton Seite 25 Soein Schwebezustand ist eigentlich etwas Feines. Man schwebt über den Dingen, eckt nirgendwo an, schaut nicht so genau hin, kommt freilich auch nicht richtig voran, wartet ab, wie es wohl weitergehen wird. In solch einem Schwebezustand befindet sich das politische Deutschland in diesem Sommer. Esist ein Land im Umbruch, jeder weiß, dass es so nicht weitergehen kann. Aber lasst uns doch wenigstens noch ein paar Wochen so verharren, die Ruhe und unseretwegen auch die Hitze genießen, das scheint gerade eine große stille Übereinkunft zu sein. Schon der Herbst wird stürmisch werden, wenn die ersten Landtagswahlen vorüber sind und die einstigen Volksparteien wieder ein Stück kleiner.Wenn klar geworden ist, dass der Wechsel der CDU-Vorsitzenden ins Kabinett der Partei mehr geschadet als genützt hat. Wenn die SPD Ernst machen muss mit der Suche nach einer neuen Führung und die Frage beantworten, wie lange sie es noch in der Koalition mit der Union aushält. Wenn die Bundesregierung dennoch ein Klimakonzept vorlegen muss, das entweder halbherzig ausfallen oder viele Menschen ob der Kosten schockieren wird. Wenn der No-Deal-Brexit Europa erschüttert und auch die deutsche Wirtschaft wieder anfängt zu schrumpfen. Eine Frage des Vertrauens Daswerden unruhige Zeiten werden. Wie gut, dass wenigstens die erfahrene und unerschütterliche Angela Merkel weiter die Regierungszügel in der Hand halten wird, Vertrauen und Zuverlässigkeit nach innen und außen ausstrahlend. So sehen es die einen. Die anderen sagen, gerade dann brauche es mehr als abgeklärte Routine,gerade dann brauche es eine frische, zupackende Führung, die all diese Herausforderungen mutig annimmt und gestaltet. Die Frage ist nur: Wer sollte das übernehmen? Die CDU/CSU ist nach 14 Jahren ununterbrochener Regierungsführung inhaltlich und politisch erschöpft. Was man ihrer Kanzlerin wiederum gar nicht ansieht –selbst wenn sie ab und an einmal zittert. Manmuss aber nur einen Blick in das Kabinett werfen, um festzustellen: Diese Leute werden (mit sehr wenigen Ausnahmen wie vielleicht Jens Spahn) nicht mehr die Energie,die Ideen, die Kraft aufbringen, um Deutschland auf einen Innovationskurs zu führen und gleichzeitig das Land sozial und emotional zusammenzuhalten. Bei den von vielen Jahren undankbarer Kärrnerarbeit im Dienste des Landes und seiner Kanzlerin ausgelaugten Sozialdemokraten sieht es nicht anders aus. Sie sind ja auch gemeinsam dafür verantwortlich, dass das Land in diesen wohligen Stillstand geraten ist. Es gibt derzeit nur eine politische Kraft, die den Herausforderungen programmatisch und personell gewachsen zu sein scheint, das sind die Grünen. Siesind in den Umfragen so stark, weil genau das viele Menschen erkennen. Aber sie sind noch nicht so weit, daraus eine Machtperspektivezuentwickeln. Wollen sie starker Juniorpartner in einer von einer geschwächten Union geführten Bundesregierung sein? Oder erheben sie einen eigenen Führungsanspruch und schmieden mutig ein Bündnis für radikale Reformkonzepte, wie sie angesichts des Problemstaus für eine zukunftstaugliche Bundesrepublik erforderlich wären? Das könnte nach Lage der Dinge nur ein Bündnis mit SPD und Linkspartei sein, eine schwierige Vorstellung angesichts des derzeitigen Zustands der beiden Parteien und schon rechnerisch ein Problem. Aber werweiß, vielleicht finden die Sozialdemokraten doch einen Weg aus Deutschland im Umbruch Bald ist die Sommerpause vorüber, wichtige Landtagswahlen stehen an. Der politische Herbst wird stürmisch. Werkommt? Wermuss gehen? Werpaktiert mit wem? Und vor allem: Wielange bleibt Angela Merkel Kanzlerin? VonHolger Schmale Mit entspannter Raute: Angela MerkelimJuli. GETTY IMAGES/MESSINGER dem Niedergang und schöpfen im Zuge der Erneuerung ihrer Führungsstrukturen und der Befreiung aus den Zwängen der großen Koalition neue Kraft? Doch das herauszufinden, wird ebenso Zeit brauchen wie die Klärungsprozesse in der Union und bei den Grünen. Manches spricht also dafür, dass Angela Merkel tatsächlich noch länger regieren wird als Stabilitätsanker in unruhigen Zeiten, und sei es für eineWeile an der Spitzeeiner Minderheitsregierung. Es ist allerdings fraglich, ob das angesichts der internationalen Herausforderungen für ein Land der Größe Deutschlands ausreichend ist. Ob das zu mehr reicht, als nur den Status quo zu sichern. Es wären ja mutige Schritte erforderlich, um angesichts des beginnenden Schwächelns der deutschen Wirtschaft für mehr Wachstum zu sorgen. Deutlich höhere öffentliche Investitionen zum Beispiel, die kaum anders als durch gezielte Steuererhöhungen zu finanzieren sind. Ob sich dafür in diesem Bundestag eine Mehrheit finden lässt? Und angesichts der vielen internationalen Konflikte wäre eine außenpolitisch aktiv handelnde Bundesrepublik mehr als wünschenswert. Doch der internationale Einfluss der immer mehr in den Status einer –wenn auch vielfach bewunderten – „lame duck“ geratenden Bundeskanzlerin hat jetzt schon deutlich gelitten. Auch der sozialdemokratische Außenminister Heiko Maas ist bislang nicht als erfolgreicher Krisendiplomat aufgefallen, dem es gelänge, internationale Konflikte zu entschärfen. Dashängt auch damit zusammen, dass sich Union und SPD außenpolitisch immer weiter entfremden. Nötig wäre eine neue Koalition mit einer Vision davon, welche Rolle Deutschland in der Welt eigentlich spielen soll, eine Koalition, die nicht nur in kleinsten gemeinsamen Nennern rechnet und sich vor allem mit sich selbst beschäftigt, sondernstrategisch und in großen Zusammenhängen denkt. In Emmanuel Macron gäbe es dafür einen engagierten Partner, der, ganz anders als derzeit in Deutschland, immer auch in europäischen Dimensionen denkt. Doch erst einmal sieht alles nach einer Hängepartie,oder,umesfreundlicher zu formulieren, einem anhaltenden Schwebezustand aus. In ihrer Rücktrittserklärung als CDU-Vorsitzende sagte Angela Merkel im Oktober 2018: „Für den Rest der Legislaturperiode bin ich bereit, weiter als Bundeskanzlerin zu arbeiten.“ Wersie ein wenig kennt, wusste sofort, dass sie dies nicht nur so dahingesagt hat, sondern dass dies ihr Plan war. Zumal sie zuihrer vierten Wahl als Kanzlerin mit dem Versprechen angetreten war, die ganze Legislaturperiode zu absolvieren. DasJahr 2020 und die Einheit Merkel gehört zu den nicht mehr ganz so zahlreichen Politikern, die solche Aussagen ernst meinen. Andererseits ist sie auch keine, die an ihrem Sessel klebt, wenn die Dinge sich ganz anders als erwartet entwickeln. Doch man kann davon ausgehen, dass sie ihreAufgabe noch nicht als ganz erfüllt ansieht. 2020 ist in mancher Hinsicht ein bedeutendes Jahr für sie.Imzweiten Halbjahr wirdDeutschland die Ratspräsidentschaft der EU übernehmen, diese Rolle könnte wohl auch in den Augen Merkels niemand besser gestalten als diese Kanzlerin. Und esjährt sich im Herbst zum 30. Mal die deutsche Einheit. Damit schließt sich für Angela Merkel ein Kreis. Dies wäre ein stimmiger Schlusspunkt ihrer politischen Karriere, die injenem historischen Jahr 1990 begonnen hat. Vielleicht hat sie genau diesen Zeitpunkt im Auge, umden Wegfrei zu machen für Neuwahlen. Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499 Leser-blz@dumont.de, Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501801 61031

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