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Berliner Zeitung 03.09.2018

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Die Berg-und-Talfahrt des Tesla-Erfinders Elon Musk – Seite 3 Istaf: Hartings letzter Wurf Seite17 19°/27° Sonnige Abschnitte Wetter Seite 2 Schwerer Missbrauchsfall an Berliner Grundschule Berlin Seite 9 www.berliner-zeitung.de Als Bono die Stimme versagte Feuilleton Seite 21 Montag,3.September 2018 Nr.205 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Hertha gewinnt, Union spielt remis Sport Seite 20 Chemnitz Laut gegen rechts VonBritt-Marie Lakämper Kraftklub hat sich noch nie davor gedrückt, gesellschaftliche Missstände beim Namen zu nennen. „Und selbst wenn alles scheiße ist, du pleite bist und sonst nix kannst / Dann sei doch einfach stolz auf dein Land /Oder gib die Schuld ein paar ander’n armen Schweinen /Hey,wie wär’s denn mit den Leuten im Asylbewerberheim“, skandiert Felix Kummer, der Frontmann der Band, in dem Song „Schüsse in die Luft“. Seit 2009 sind die fünf Chemnitzer von Kraftklub als Band auf Felix Kummer singt für Toleranz und Respekt. deutschen Bühnen unterwegs. Bekannt sind sie vor allem für fulminante Festival-Konzerte und ihr Engagement gegen rechts.Eigentlich wollte Kummer nie politische Texte schreiben, aber unpolitisch zu sein, war für ihn ebenfalls keine Option. Vielleicht gehört das als Musiker dazu, wenn man nach der Wende in Chemnitz aufwächst und sich die Jahrgangsstufe in Springer-Stiefel- Träger und Rock’n’Roll-Hörer aufteilt. „Da warst du entweder Fascho oder Zecke, nichts dazwischen“, sagte Kummer mal in einem Interview. Die jüngsten Ausschreitungen in ihrer Heimat machen Kraftklub nicht sprachlos,sondernlassen sie laut werden: Unter dem Motto „Wir sind mehr“ geben sie an diesem Montagabend in Chemnitz ein Konzert –gegen Fremdenfeindlichkeit und für mehr Menschlichkeit. Und sie sind nicht allein: Auch Die Toten Hosen, K.I.Z., Casper, Marteria und Feine Sahne Fischfilet werden unter dem übergroßen Karl-Marx-Monument, dem sogenannten Nischel, auftreten. Genau an der Stelle,woamvergangenen Montag der rechtsradikale „Trauermarsch“, eine Mischung aus alter und neuer Rechter sowie „besorgten Bürgern“, vorbeizog –aus der Sicht von Kraftklub ganz einfach „Vollidioten“. Binnen kurzer Zeit zeigten sich auf Facebook über 70 000 Menschen an der Kraftklub-Veranstaltung interessiert, über 15 000 sagten bereits zu. Der Eintritt ist frei, eine Übernachtungsbörse gibt es auch schon. „All den Menschen, die von Neonazis angegriffen wurden und die für Werte wie Toleranz, Respekt und Menschlichkeit einstehen“ wolle man zeigen, dass sie nicht alleine sind, heißt es in der Ankündigung – auch nicht in Chemnitz, wo die rechte Szene groß und vernetzt ist. Kummer und seine Band-Kollegen sind trotzdem oder gerade deswegen nie aus der Stadt weggezogen. „Auch wenn andereStädte scheiße sind, ich will nicht nach Berlin“, heißt es in ihremgleichnamigen Lied. DerMontagabend wirdein Heimspiel für sie – und vielleicht die größte Demonstration gegen rechts, die Chemnitz je erlebt hat. Tagesthema Seite 2, Leitartikel Seite 8 Größer,schöner,teurer Das Besucherzentrum des Bundestages ist zu klein geplant, kritisiert Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki. Vorbild soll das Empfangsgebäude zum Kapitol in Washington sein Blick auf den Reichstag aus dem bisher geplanten Besucher-Pavillon. So sieht es in der Simulation aus. VonKarlDoemens, Washington und Ulrich Paul, Berlin Bislang schien alles klar zu sein. Die provisorischen Kontrollbaracken am Platz der Republik neben dem Reichstagsgebäude sollen einem neuen Besucher- und Informationszentrum (BIZ) des Deutschen Bundestages weichen, das am Rand des Tiergartens geplant ist. Wer künftig das Reichstagsgebäude besichtigen will, soll dort zunächst kontrolliert werden und dann durch einen Tunnel bis vor das Westportal des Parlaments laufen –umdort das Reichstagsgebäude zu betreten. So jedenfalls hat es der Ältestenrat des Bundestags vor vier Jahren beschlossen. Rund 150 Millionen Euro werden für das Projekt veranschlagt. Doch jetzt werden die Pläne wieder infrage gestellt: von Parlaments- Vizepräsidenten Wolfgang Kubicki (FDP), dem Vorsitzenden des Bundestags-Baukommission. „Unsere Planung ist viel zu klein“, sagte Kubicki nach einer Besichtigung des Besucherzentrums des Kapitols in Washington. Während das 2008 eröffnete Besucherzentrum des Kapitols eine Fläche von 52000 Quadratmetern hat, soll das BIZ in Berlin nur 6600 Quadratmeter bieten, zuzüglich 2000 Quadratmeter im Tunnel. „Entweder wir machen das richtig oder gar nicht“, sagte Kubicki. Das Besucher- und Informationszentrum in der Bundeshauptstadt „muss mindestens doppelt so groß sein“, forderter. Kubicki ist klar,dass die Kosten dann steigen. „Wenn wir was Richtiges machen wollen, werden wir den Betrag verdrei- oder vervierfachen müssen“, sagt er. DasVisitor Center des Kapitols ist bei der Kostenentwicklung allerdings kein gutes Vorbild. Die zunächst kalkulierten Baukosten von71Millionen Dollar stiegen am Ende auf mehr als 600 Millionen Dollar, umgerechnet gut eine halbe Milliarde Euro. Trotzdem ist Kubicki vom Besucherzentrum in Washington überzeugt. Es sei „nicht nur der Eingang zum Kapitol, sondernzueinem ganzen Land“, sagt er. Zudem Zentrum gehören Ausstellungsflächen und Kinos, indenen die Besucher über die Geschichte und das Funktionieren der Demokratie in den USA informiert werden. „Die sehen das nicht nur technisch als Eingang, sondern verbinden das mit einem Bildungsauftrag“, schwärmt Kubicki. Der FDP-Politiker will deswegen die Berliner Planung ändern. „Wir müssen anders denken“, fordert er. „Nicht für ein Jahr, sondern für 100 Jahre.“ Kubicki stellt zudem infrage, ob das bislang für das Projekt zuständige Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) geeignet ist, den Bau zurealisieren. Die Behörde kriege „nichts auf die Reihe: Mein Vertrauen, dass das noch was wird, schwindet jeden Tag“, sagt der FDP-Mann. Außerdem beklagt Kubicki „Grabenkämpfe“ bei Berliner Bezirken und der Bauverwaltung. Auf der nächsten Sitzung der Baukommission will Kubicki die Frage aufwerfen, welcher Träger das Projekt realisieren soll. Für sich hat er die Frage schon beantwortet. „Wir brauchen einen anderen Projektträger.“ DasBesucher-und Informationszentrum des Bundestages soll an der Scheidemannstraße entstehen – dort, wo sich zurzeit noch der Berlin- Pavillon befindet. Dieser soll abgerissen werden. Die Planung ist bereits vorangeschritten. So ist seit anderthalb Jahren klar, dass das BIZ nach einem Entwurf des Züricher Architekten Markus Schietsch und „Wenn wir was Richtiges machen wollen, werden wir den Betrag verdrei- oder vervierfachen müssen.“ Wolfgang Kubicki (FDP), Bundestags-Vizepräsident und Vorsitzender der Baukommission des Parlaments, zum geplanten Besucher- und Informationszentrum des Bundestages, dessen Kosten bisher auf rund 150 Millionen Euro veranschlagt wurden. des Landschaftsarchitekten Lorenz Eugster errichtet werden soll. Siehaben sich in einem Wettbewerb durchgesetzt, bei dem 187 Beiträge eingereicht worden waren. Mitdem Besucher-und Informationszentrum sollen die Kontrollen in den provisorischen Baracken am Rande des Platzes der Republik ein Ende finden. Diese waren nach Terrorwarnungen im November 2010 nötig geworden, galten aber gestalterisch nur als Notlösung. Als Standort für das BIZ war zunächst der Platz der Republik erwogen worden. Das Land Berlin wollte jedoch kein oberirdisches Gebäude in der Sichtachse auf den Reichstag errichten lassen. Ein unterirdischer Bau andieser Stelle wäre sehr aufwendig und teuer geworden, weil in MARKUS SCHIETSCH ARCHITEKTEN der Nähe zum Reichstag mehrere unterirdische Verkehrsbauwerke verlaufen. Aufgrund der hohen Kosten wurden die Pläne nicht weiter verfolgt. Als weitere Variante wurde zwischenzeitlich ein Neubau zwischen dem Paul-Löbe-Haus des Bundestags und dem Kanzleramt diskutiert. Für das Besucherzentrum hätte der Standort jedoch einen gravierenden Nachteil gehabt: DieBesucher hätten zwei Sicherheitskontrollen passieren müssen –erst beim Betreten des BIZ, dann beim Besuch des Reichstags, der mehr als 200 Meter von diesem Platz entfernt steht. Auch diese Variante wurde verworfen. Trauerfeier wird zur Demonstration Bewegender Abschied von US-Senator John McCain Selten wurde eine Trauerfeier zu einer so politischen Demonstration wie die Beerdigung des US-Senators John McCain. Siewar ein Zeichen der überparteilichen Einigkeit gegen Präsident Donald Trump. Auf Wunsch des Verstorbenen traten die früheren Präsidenten Barack Obama und George W. Bush am Sonnabend als Trauerredner auf. Sie würdigten McCain als selbstlosen Politiker, der „das Land besser gemacht“ habe. Trump, der auf Wunsch McCains nicht eingeladen war,ging währenddessen golfen. Die Trauerredner vermieden es, den abwesenden Präsidenten beim Namen zu nennen. Dennoch durchzog Kritik an Trumps polarisierendem Politikstil die Ansprachen in der Washingtoner Nationalkathedrale, in der sich prominenteVertreter der verschiedenen politischen Lager versammelt hatten. Die schärfste Distanzierung kam vonMcCains Tochter Meghan, die auf Trumps Wahlkampfslogan „Macht Amerika wieder groß“ anspielte. „Das Amerika von John McCain muss nicht wieder groß gemacht werden, denn das war es schon immer“, sagte sie. (AFP) Politik Seite 5 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt Kommentar Seite 8 4 194050 501504 11036 Verkaufsstart inder Parkstadt Karlshorst Der kleine Park gleich nebenan, die Grünflächen direkt im Quartier, dazu Spielflächen für die Kleinen und eine gute Infrastruktur für die Großen. Besuchen Sie uns am 8. September, 13–16 Uhr Blockdammweg 60in10318 Berlin bonava.de/parkstadt 8. September

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