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Berliner Zeitung 04.01.2018

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Am Ende: Die letzten Steinkohlezechen schließen 2018 – Seite 6 . . Donnerstag, 4. Januar 2018 Nr.3HA -74. Jahrgangwww.berliner-zeitung.de 1.50 € Berlin/Brandenburg -1.60 € Auswärts/D* ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... S P O T I F Y Wemgehört die Musik? VON JÖRG HUNKE Randall Wixen hatte sich die Arbeit als Manager anders vorgestellt. Scheinwerferlicht, Ruhm und weltweite Erfolge junger Musiker, daran hatte Wixen gedacht, als er Ende der 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts im Musik-Business anfing. Doch es kam anders. Erwurde zum Sorgenonkel der Stars.Ging was schief, riefen die Musiker ihn an. Immer. Streikte der Tourbus, fragten sie Wixen, was sie tun sollten. So etwas passierte meistens in der Nacht. Da wollte Wixen aber in Ruhe schlafen. So kam er auf die Idee, sich um die Urheber- Rechte der Musiker zu kümmern. Das hatte den Vorteil, dass er im Show- Business bleiben und nachts ungestörtschlafen konnte.Wixen hatte lange Randall Wixen, Musikmanager, streitet mit Spotify. Zeit seine Ruhe, bis es Ende Dezember Streitigkeiten mit dem Musik- Streamingdienst Spotify gab. Esgeht dabei um Musikrechte, esgeht um Geld, um sehr viel Geld, es geht um 1,6 Milliarden Dollar. Wixen, der den Musikverlag mit seiner Frau und anderen Familienmitgliedern betreibt, vertritt Musiker und Bands wie Tom Petty, Missy Elliott, Stevie Nicks, Styx, Journey,The Doors, Santana, Janis Joplin, Jefferson Airplane,die Liste ließe sich problemlos fortsetzen. Es geht konkret auch um Songs wie„FreeFallin“ (Tom Petty),„Light My Fire“ (Doors) und „(Girl We Got a)Good Thing“ von Weezer. Der Vorwurf in dem Rechtsstreit: Spotify verbreite Songs, ohne Lizenzgebühren an Wixen abzuführen. In den USA verlangt das Urheberrecht von Streaming- Anbieternzwar nicht, mit Autoren oder Verlagen zu verhandeln, sie müssen aber über die geplanteVerwendung vorher in Kenntnis gesetzt werden. Spotify habe dies in vielen Fällen versäumt, argumentiert Wixen. Das führte zum Gang vor Gericht. Spotify stellte im Gegenzug infrage, obWixen überhaupt zu Klagen im Namen der vertretenen Autorenberechtigt sei. Der Zeitpunkt der Milliardenklage von Wixen in der vergangenen ist nicht zufällig: Erwartete Gesetzesänderungen in den USA mit dem geplanten Music Modernization Act ließen keine Ansprüche mehr ab dem 1. Januar 2018 zu. Für Spotify kommt das alles zu keinem günstigen Zeitpunkt: Der aus Schweden stammende Dienst, vor zwölf Jahren gegründet, ist die Nummer eins im Streaming-Geschäft und plant angeblich einen Börsengang, die hohe Forderung ist dabei ein unangenehmer Risikofaktor. Spotify hat mehr als 140 Millionen Nutzer weltweit, von denen mehr als 60 Millionen zahlende Abo-Kunden sind. Für Randall Wixen scheint es dagegen um viel mehr zu gehen als nur um einen Rechtsstreit mit einem Streamingdienst. Es geht um den Grundsatz, wemgehörtein Kunstwerk wie etwa ein Song. Er sieht die gesamte Musikbranche durch die digitalen Veränderungen unter Feuer. Das sagte er schon im Dezember des vergangenen Jahres ineinem Interview. Erbeklagte, dass Musiktitel von vielen Menschen nicht mehr wertgeschätzt würden, weil sie im Netz mit ein paar Klicks so leicht verfügbar seien. Diese Kostenlos-Mentalität nervte ihn. Auch dagegen will er kämpfen. Dieruhigen Zeiten, so hörte sich das schon damals an, sind vorbei für Randall Wixen. Verkehr,Notrufe,Lotto 18 ................................................................................................................. Rätsel, Sudoku 18, 29 ................................................................................................................. Kleinanzeigen 14, 18 ................................................................................................................. Berliner Verlag GmbH, 10171Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr 10-16 Uhr), Fax–499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27 -50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de ................................................................................................................. 4 Postvertriebsstück A6517 /Entgelt bezahlt 194050 501504 41001 Behrendt: Wirmüssen besser werden Der Berliner Justizsenator lehnt einen Rücktritt wegen der Häftlingsfluchten in Plötzensee ab. Er verspricht mehr Personal für die Haftanstalt. Die Opposition hatte seine Entlassung gefordert V ON KATRIN BISCHOFF UND JAN THOMSEN Die Richtung stimmt In Berlin sinkt die Arbeitslosigkeit auf ein Rekordtief. Der Trend ist stabil. Inzwischen werden sogar die Fachkräfte knapp. Seiten 8und 11 Aus einem offenen Fenster im obersten Stock des Hauses G schauen an diesem Mittwochvormittag zwei junge Männer neugierig auf das,was vorihrem Haus geschieht. Auf die vielen Kameras,die vielen Journalisten und den Justizsenator Dirk Behrendt vonden Grünen. Drei Etagen hat das Gebäude, das zur Justizvollzugsanstalt Plötzensee am Friedrich-Olbricht-Damm im Norden Charlottenburgs gehört. Es sieht nicht so aus, wie man sich ein Gefängnis gern vorstellt. Keines der Fenster hat Gitter, esgibt keine hohe Mauer wie im Strafvollzug gleich nebenan. Das hier ist der offene Vollzug: Nurein Zaun trennt den Hof von der Freiheit. Seit vielen Jahren ist das so geregelt, denn hier geht es nicht um Schwerverbrecher. InHaus Gsitzen Menschen ein, die eine Geldstrafe nicht bezahlen konnten –oder wollten: Schwarzfahrer, Diebe. „Bagatellsachen“, sagt JVA-Chef UweMeyer-Odewald. Der Senator hat an diesem Vormittag eingeladen, den offenenVollzug zu besichtigen. Er ist in Erklärungsnot geraten. Denn binnen fünf Tagen sind neun Insassen der JVAPlötzensee entwichen. Fünf von ihnen aus dem offenen Vollzug. Kurz zuvor aber auch vier verurteilte Kriminelle, die mit Hammer und Trennschleifer bestückt durch einen Lüftungsschacht im Heizungsraum einer Werkstatt in einem anderen Teilgebäude der JVA entkamen –aus dem geschlossenen Vollzug. Sechs der neun „Entwichenen“, wie der Fachbegriff lautet, konnten bisher dingfest gemacht werden: Drei der Ausbrecher vom vergangenen Donnerstag stellten sich. Zwei fanden sich am Mittwochabend an der Gefängnispforte ein, teilt Behrendt später mit. Auch drei Männer mit„Ersatzfreiheitsstrafen“ sind wieder da. Sie sitzen nun, so ist die Regel, im geschlossenen Vollzug. „Das war kein schöner Jahresbeginn für mich und den Berliner Strafvollzug“, sagt Behrendt in die Mikrofone. „Ich weiß, wir müssen da besser werden.“ Er sagt aber auch, dass die fünf Männer mit den Bagatellsachen eigentlich nicht in den Vollzug gehören. Sie seien von keinem Richter zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Im Durchschnitt sitzen sie 40 Tage ein, die Kosten betragen oft ein Vielfaches ihrer Geldstrafe.„Die Sicherheitsvorkehrungen hier sind mit denen im geschlossenen Vollzug überhaupt nicht vergleichbar“, sagt der Senator. Abhauen ist „ohne größere Mühe möglich“, wie seine Behörde mitteilt. Dennoch fliehen nicht viele: In den vergangenen beiden Jahren gab es jeweils gut 40 Entweichungen – bei mehr „Das war kein schöner Jahresbeginn für mich und den Berliner Strafvollzug.“ Dirk Behrendt (Grüne), Senator für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung als 2000 Einsitzenden. Zwei Prozent verschwanden über den Zaun. Oft werden sieerwischt. Rücktrittsverlangen weist Behrendt kühl zurück. Dieparlamentarische Opposition aus CDU, AfD und FDP hatte sich in den vergangenen Tagen förmlich überschlagen mit Forderungen, dass der Senator, ein streitbarer Rechtspolitiker seit vielen Jahren, sein Amt aufgeben müsse. Die AfD forderte gar einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Sicherheitslage in Berlin. Die CDU will Behrendt nun am 10. Januar im regulär tagenden Rechtsausschuss befragen. IhrFraktionsvorsitzender Florian Graf verlangte von Senatschef Michael Müller (SPD), in der rotrot-grünen Koalition durchzugreifen: Er müsse den Justizsenator entlassen. Wenn Behrendt nicht noch relevante Fehler unterlaufen, dürfte dies kaum passieren. Am Mittwoch kündigte er Aufklärung an, insbesondere zum Ausbruch der vier Häftlinge.Eshabe bereits Konsequenzen gegeben. So sei mehr Personal für die Sicherung des Außenbereichs eingesetzt. Außerdem habe er eine Kommission mit externen Experten eingesetzt, die den Ausbruch untersuchen soll. Sie wird vom Präsidenten des Amtsgerichts Tiergarten, Hans-Michael Borgas, geleitet und soll schnell Ergebnisse präsentieren. Zudem kündigte Behrendt noch für Januar eine „Schwachstellenanalyse“ durch ein Leipziger Sicherheitsbüroinder JVAPlötzensee an. Im Gefängnis Moabit habe es eine solche Analyse bereits gegeben. Behrendt sagte, inPlötzensee sei offenbar die Videoüberwachung problematisch. DieKamerahatte die Ausbrecher gefilmt, aber keinen Alarmausgelöst. Aber auch beim Personal werde man aufstocken, versprach der Senator. 200 Justizvollzugsbedienstete würden derzeit ausgebildet. Damit solle die Lücke geschlossen werden, die die Sparpolitik der Vorgängerregierungen gerissen habe. WAVEBREAK MEDIA NICHT Kulturkalender Konzerte,Kino und Bühnen im Blick VERPASSEN ❖ JUGEND UND GEWALT DieZahl der Gewaltverbrechen, die vonJugendlichen verübt wurden, ist zwischen 2007 und 2014 zurückgegangen. Seit 2015 ist wieder ein Anstieg zu beobachten. Nach einer Studie des privaten Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen gibt es einen Zusammenhang mit der Zunahme jugendlicher Flüchtlinge. DieForscher fordernunter anderem ein Einwanderungsgesetz als Reaktion auf die Erkenntnisse. Tagesthema Seite 2, Kommentar Seite 8 STURM UND SONNE DasSturmtief „Burglind“ hat am Mittwoch Berlin erst gar nicht erreicht. Dagegen war das gesamte Jahr 2017 ein Jahr der Wetterextreme.Insgesamt war es zu warmund Stürme mit Starkregen haben große Schäden angerichtet. Berlin Seite 14 WETTER IMAGO/SVEN SIMON STICHELN UND ÄRGERN Egal, welche Funktion Alexander Dobrindt begleitet, der CSU-Mann legt sich mit Wonne mit dem politischen Gegner an –auch wenn es der mögliche Koalitionspartner ist. Im Moment ist es die SPD,die die Verbalattacken des Mannes aushalten muss.Als Chef der CSU-Landesgruppe ist er derzeit der mächtigste BayerinBerlin. Undergenießt seine Rolle.Doch was will er eigentlich? Seite 3 CANNABIS UND INTELLIGENZ DerKonsum vonCannabis-Produkten wird zunehmend entkriminalisiert. Am Wochenende ist zum Beispiel in Kalifornien der Verkauf zugelassen worden. Ungefährlich ist das Kiffen aber nicht. BeiJugendlichen, die regelmäßig Haschisch rauchen, leidet die Intelligenz, belegen Studien. Wissenschaft Seite 20 BERLIN: Bedeckter Himmel. Örtlich Regen. Tageshöchstwerte um 8, nachts bei 6Grad. Seite 2

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