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Berliner Zeitung 04.02.2019

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Pistolen-Franz und die Berliner Unterwelt der Zwanzigerjahre – Stadtgeschichte Seite 10 Laternen als Ladesäulen Seite 11 -1°/4° Zeitweise sonnig Wetter Seite 2 Wutist gut: Hertha vor dem Spiel gegen die Bayern Sport Seite 20 www.berliner-zeitung.de Neuer Vorschlag: Mehr Grundrente Politik Seite 4 Montag,4.Februar 2019 Nr.29HA-75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Katja Berlin chillt im Gesundbrunnen Center Kolumne Seite 8 Menschenrechte Die geschmähte Heldin VonFrederik Bombosch Als alles vorbei war, war Elin Ersson für manche Menschen eine Heldin. Andere beschimpften und beleidigten sie in den sozialen Netzwerken. Und dann gab es die Leute, die in der Schwedin eine Straftäterin sahen und sie anzeigten für das,was sie am Abend des 23. Juli 2018 getan hatte.Mit einem Erste-Klasse-Ticket war die 21-jährige Studentin am Flughafen Göteborg anBord einer Maschine nach Istanbul gegangen. Im Flugzeug blieb sie stehen, statt sich hinzusetzen. Siewolle die Elin Ersson Abschiebung eines Afghanen steht in Göteborg vorGericht. verhindern, rief sie der Besatzung und den Mitreisenden zu. Eine Viertelstunde dauerte es,dann hatte sie sich durchgesetzt. An diesem Montag entscheidet das Bezirksgericht Göteborg, wie Erssons Aktion zu bewerten ist: als legitimer Akt zivilen Ungehorsams oder als Eingriff in den Luftverkehr. Ihr drohen bis zu sechs Monate Haft. Die Episode wäre vielleicht unbemerkt geblieben, hätte Ersson die Szene nicht mit ihrem Smartphone live auf Facebook übertragen. Millionen Menschen haben das viertelstündige Video gesehen. Unabhängig davon, wie man Erssons Handeln bewertet, ist der Film beeindruckend: Unter größtem Druck in einem engen Raum bewahrt die junge Frau die Ruhe.„Sieverstoßen gegen die Regeln Ihres eigenen Landes“, blafft sie ein Mitpassagier an. „Ich will diese Regeln ändern“, entgegnet sie kühl. Fast unbemerkt blieb bei all der Aufregung in den sozialen Netzwerken, dass Erssons Aktion zwar mutig, aber ein Misserfolg war.Der 26-jährige Mann, den sie vor der Abschiebung bewahren wollte, war nicht an Bord – die Behörden hatten ihn nach Stockholm gebracht, von Erssons Aktivistengruppe unbemerkt. Ersson erfuhr das erst im Flugzeug und reagierte flexibel: Sieforderte,den zweiten zur Abschiebung vorgesehenen Flüchtling vonBordzubringen. Dass es sich um einen verurteilten Gewalttäter handelte,wusste sie da noch nicht. Der 26-Jährige, den sie eigentlich schützen wollte, erfuhr erst in Kabul von Erssons Aktion. Sein Urteil zumindest steht fest. „Sie hat sehr viel Menschlichkeit bewiesen“, sagte er der DeutschenWelle. Kerzen auf den Stufen der Schule in Reinickendorf VonMelanie Reinsch Nach dem Suizid einer elfjährigen Berliner Grundschülerin in Reinickendorf fordern Politiker eine lückenlose Aufklärung des Falls. Die Berliner Schulverwaltung hat angekündigt, den Toddes Mädchens genau zu untersuchen. Am vergangenen Dienstag seien Schule und Schulaufsicht von den Eltern über den Toddes Kindes informiert worden, sagte die Sprecherin der Senatsbildungsverwaltung. Seitdem steht eine Frage im Raum, die für Fassungslosigkeit sorgt: Hat das Mädchen sich das Leben genommen, weil es gemobbt wurde? An der Hausotterschule in Reinickendorf gibt es nach Angaben von Eltern seit über einem Jahr verstärkt Mobbingfälle. Betroffen seien alle Altersgruppen, Jungen und Mädchen, alle Nationalitäten, sagte Daniel Richter von der Gesamtelternvertretung der Berliner Zeitung. Mobbing ist in Deutschland weit verbreitet. Und kein neues Phänomen. Es reicht von abfälligen Kommentaren über die falsche Kleidung bis zu antisemitischer und religiöser Schikane.Durch den Einfluss der sozialen Netze hat Mobbing zudem eine neue Dimension bekommen. Tatort Schule Eine Grundschülerin aus Reinickendorf hat sich das Leben genommen – vermutlich, weil sie gemobbt wurde. Werden Kinder und Jugendliche an Berlins Schulen ausreichend vor physischer und psychischer Gewalt geschützt? Im vergangenen Sommer wurde in Berlin ein neunjähriger Junge ander deutsch-amerikanischen John-F.- Kennedy-Schule antisemitisch gemobbt. DieDirektoren und die Schulrätin wollen nichts gewusst haben. Vorallem an Schulen ist Mobbing Alltag: Nach einer Pisa-Studie wird an deutschen Schulen fast jeder sechste 15-jährige Schüler regelmäßig Opfer vonteils massiver körperlicher oder seelischer Misshandlung durch seine Mitschüler. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat im Sommer ein bundesweites Pilotprojekt zur Bekämpfung vonMobbing gestartet. Schule ist zwar Ländersache, aber der Bund kann unterstützend eingreifen. An 175 Schulen sind seit dem Sommer 200 sogenannte Respect Coaches im Einsatz. Sie sollen schlichten und präventiv tätig sein. Zwölf Coaches sind seit dem neuen Schuljahr in Berlin unterwegs –auch an einer Schule in Reinickendorf. Die Sozialarbeiter sind jenseits des Unterrichts präsent, um sich mit Konflikten an der Schule auseinanderzusetzen. Das Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler ab „Es ist erschütternd, welche tragischen Folgen Mobbing haben kann. Es geht durch alle gesellschaftlichen Schichten und jede Schulform.“ Franziska Giffey, Bundesfamilienministerin (SPD) zwölf Jahren. Jeder Respect Coach bekommt im Jahr 20 000 Euro, um gemeinsam mit der Schulgemeinschaft geeignete Projekte an seiner Schule umzusetzen. „Es ist erschütternd, welche tragischen Folgen Mobbing haben kann. Es geht durch alle gesellschaftlichen Schichten und jede Schulform“, sagte Franziska Giffey der Berliner Zeitung. Gemeinsam müsse man dagegen vorgehen. „Es fängt damit an, deutlich zu benennen, dass wir ein Problem haben“, sagte die Familienministerin weiter. CAMCOP MEDIA/ANDREAS KLUG Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) plant in Berlin ein Programm, das sich „Pro Respect“ nennt. Es richtet sich an Schulen, an denen die „Stimmung schlecht“ sei und an denen respektlos miteinander umgegangen werde, sagte ein Sprecher. Schulen können sich an die Senatsverwaltung wenden, dann würden zwei Sozialarbeiter an die Schulen geschickt. Zudem soll die Anti-Diskriminierungsstelle des Landes personell ausgebaut werden, hieß es aus der Verwaltung. Bisher sind Schulen verpflichtet, extreme Fälle zu melden –zum Beispiel bei Bedrohung, Amok oder Suizid. Laut Senatsverwaltung soll der Kriterienkatalog überarbeitet werden, sodass auch antisemitisches Mobbing gemeldet werden müsse. „Die Hintergründe müssen aufgearbeitet werden. Mobbing ist zu oft Alltag an Schule oder Arbeitsplatz“, sagte Silke Gebel, Fraktionsvorsitzende der Grünen,der Berliner Zeitung. Es sei wichtig, regelmäßig zu prüfen, ob die Strukturen alle Mobbingfälle auffingen. Sebastian Czaja,Vorsitzender der FDP-Fraktion, sagte, dass zu klären sei, ob „die Schule richtigreagiert“ habe.Eine lückenlose Aufklärung sei unverzüglich einzuleiten, forderte Czaja. Tagesthema Seite 2, Leitartikel Seite 8 44 Prozent der Berliner für Enteignung Umfrage zum Volksbegehren gegen die Deutsche Wohnen VonUlrich Paul Inder Debatte über eine Enteignung großer Wohnungsunternehmen in Berlin gibt es mehr Menschen in der Hauptstadt, die für eine Enteignung sind, als Gegner eines solchen Schritts. Das geht aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Berliner Zeitung hervor. 44 Prozent der Berliner erklären danach, dass sie es zur Bekämpfung der Wohnungsnot grundsätzlich für sinnvoll halten, wenn Vermieter mit mehr als 3000 Wohnungen in der Stadt gegen eine Entschädigung enteignet und die Wohnungen vom Land Berlin übernommen werden. 39 Prozent sagen dagegen, dies sei nicht sinnvoll. 17 Prozent trauen sich in dieser Frage keine Einschätzung zu. Wie berichtet, plant eine Initiative mit dem Namen „Deutsche Wohnen und Co enteignen“ ein Volksbegehren mit dem Ziel, die Wohnungen großer Unternehmen zu vergesellschaften. Die Initiatoren stützen sich dabei auf Artikel 15 des Grundgesetzes. Darin heißt es: „Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft überführtwerden.“ Forsa befragte vom 22. bis 31. Januar 1002 Berliner. Die statistische Fehlertoleranz der repräsentativen Erhebung liegt bei plus/minus drei Prozentpunkten. Bisher habenerst 45 Prozent der Berliner von dem Volksbegehren zur Enteignung gehörtoder gelesen – Befragte, die im eigenen Haus oder in einer Eigentumswohnung leben, häufiger als Mieter. Berlin Seite 9 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 11006 15. &16. BERLIN MESSEN Februar 2019 Dein Marktfür Ausbildung &Jobs, 9–16 Uhr Weiterbildung &Qualifizierung Freier Eintritt Cafe Moskau Karl-Marx-Allee 34 10178 Berlin Attraktive Ausbildungs- undJobangebote Checkder Bewerbungsmappen Kostenlose Bewerbungsbildervom Profi Interessante Arbeitgeber undPräsentationen WeitereInformationen: www.berlinmessen.de SCHIRMHERRSCHAFT Frau Elke Breitenbach Senatorin für Integration,Arbeit undSoziales

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