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Berliner Zeitung 04.03.2019

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Das letzte Opfer der Mauer: Winfried Freudenberg starb im März ’89 Report Seiten 2und 3 Heute mit Katja Berlins Kolumne Seite 8 7°/14° Wolken und Regen Wetter,Seite 28 Union setzt Köln und Hamburg unter Druck Sport Seite 19 www.berliner-zeitung.de Familien in Not: Jenna Behrends im Gespräch Politik Seite 4 Montag,4.März 2019 Nr.53HA-75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Harry Nutt zum Tod von Arnulf Baring Feuilleton Seite 23 CDU-Vorsitzende Die Politik des Toiletten-Witzes VonTanja Brandes Das „Stockacher Narrengericht“ ist eine Institution der süddeutschen Fastnacht. Seit 1960 werden hier Politiker vor Gericht gestellt. Auch Angela Merkel traf es schon, damals als CDU-Vorsitzende. Merkels Auftritt war nicht weiter bemerkenswert, was wahrscheinlich kein Zufall war. Dieses Jahr war ihre Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer an der Reihe.Und es wurde mehr als bemerkenswert: In ihrer Büttenrede sagte die 56- Annegret Kramp- Karrenbauer im Fastnachts-Kostüm Jährige: „Guckt euch doch mal die Männer von heute an. Wer war denn von euch vor kurzem mal in Berlin, da seht ihr doch die Latte-macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen. Dasist für die Männer,die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzenmüssen. Dafür –dazwischen –ist diese Toilette.“ DasPublikum johlte. Fastnacht (Karneval oder Fasching) ist, was die Bewertung von Humor angeht, schwieriges Terrain. Als BerndStelter auf einer Karnevalssitzung mit Witzen über Doppelnamen den Zorn einer Zuschauerin auf sich zog, winkte man noch ab. Kramp-Karrenbauers Scherz hingegen wurde heftig kritisiert, auch von Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Aber es gab auch Verteidiger der CDU-Vorsitzenden: Es sei Karneval und Kramp-Karrenbauers Rede Satire. Diedarfbekanntlich alles. Nun hält Kramp-Karrenbauer Intersexualität womöglich für eine Art Spinnerei. (Frühere Äußerungen zur Ehe für alle, die sie indirekt mit Inzucht und Polygamie verglich, lassen den Schluss zu.) Undwas sie über das dritte Geschlecht denkt, ist ihreAngelegenheit. Doch sich über Minderheiten öffentlich lustig zu machen, ist einer Politikerin unwürdig, zumal einer,die „Kanzlerin“ als nächstes Amt eingeplant hat. Denn Satiredarfalles. Eine CDU-Vorsitzende aber nicht. RennstreckeInnenstadt: Immer wieder werden auf Berliner Straßen illegale Autorennen ausgetragen. In der Nacht zum 1. Februar 2016 endete eines tödlich. VonKatrin Bischoff und Peter Neumann Zwei junge Männer rasen in der Nacht zum 1. Februar 2016 bei einem illegalen Autorennen mit ihren Sportwagen über den nächtlichen Kurfürstendamm. Dereine,Marvin N., muss 381 PS steuern, der andere, Hamdi H., mit 225 PS umgehen. Doch bei Tempo 160 bis 170 gibt es keinen Gewinner, nur einen Verlierer: Ein 69- jähriger unbeteiligter Autofahrer stirbt. Hamdi H. und Marvin N. werden ein Jahr nach dem tödlichen Rennen in Berlin zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt, ihre Fahrzeuge als Tatwaffen eingezogen. Doch war es wirklich Mord –wie es die Richter im ersten Prozess befanden? Oder war es lediglich fahrlässige Tötung, wie die Anwälte meinen? Nun geht das neue Verfahren gegen die Raser,das nach der erfolgreichen Revision vordem Bundesgerichtshof (BGH) begann, dem Ende entgegen. Überraschend möchte einer der Angeklagten am Dienstag, mehr als drei Jahrenach dem Todesrennen, erstmals vor Gericht sein Sind Raser Mörder? Nach demtödlichen Rennen auf dem Kudamm: Überraschend will einer der Männer, die wegen Mordes verurteilt wurden, sein Schweigen brechen. Am Dienstag will er im Berufungs-Prozess aussagen. Das wird die Debatte neu entfachen Schweigen brechen. Marvin N. will ein nochmaliges Mordurteil vermeiden. Seine Aussage wird erneut eine Debatte darüber entfachen, wozu junge Männer Fahrzeuge mit so viel PS benötigen. Debattiert wird auch, ob Rasen mit weit über 100 Kilometer proStunde an roten Ampeln vorbei wirklich nur eine fahrlässige Tötung zur Folge hat. Eine weitere Frage: Können Prozesse überhaupt eine breite Wirkung entfachen? Siegfried Brockmann, der beim Gesamtverband der Versicherungswirtschaft die Unfallforschung leitet, zeigt sich skeptisch. „Es gibt Milieus, die man nicht erreicht“, sagte er im Gespräch mit der Berliner Zeitung. „Natürlich kann und soll der Staat mit Gesetzen, Gerichtsverfahren und Strafen auf Rasen reagieren. Doch solange sich ein solches Verhalten in ein gesamtgesellschaftliches Gefüge einbettet, das schnelles „Extremes Rasen und alltägliches schnelles Fahren haben dieselben Wurzeln.“ Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin Fahren nicht stigmatisiert, sondern begünstigt, kann er sich abstrampeln, wie er will“, so Brockmann. Die Tatsei die kriminelle Ausprägung eines Verhaltens, das gang und gäbe ist. „Extremes Rasen und alltägliches schnelles Fahren haben dieselben Wurzeln“, sagte der Wissenschaftler. Für Aufsehen sorgte gerade die Entscheidung des BGH, mit der die GETTY Richter erstmals ein Mordurteil gegen einen Raser aus Hamburgbestätigten. Der betrunkene Mann war mit weit über hundert Stundenkilometernauf der Flucht vorder Polizei in den Gegenverkehr gerast und hatte dorteinen Menschen getötet. Doch die Entscheidung stimmt nicht alle hoffnungsfroh –zumindest nicht jene, die die Kudamm-Raser als Mörder bezeichnen. Der Hamburger Fall hat nichts mit illegalen Autorennen zu tun. Die Kudamm- Raser wollten offenbar ihr Selbstwertgefühl mit aufgemotzten schnellen Fahrzeugen aufwerten. DasMordurteil gegen die Berliner wurde zwar aufgehoben. Doch der BGH erklärte, dass eine Verurteilung wegen Mordes nicht ausgeschlossen sei. Er gab den Richternsogar mit auf den Weg, das Mordmerkmal der Heimtücke zu prüfen. Noch immer sitzen die Angeklagten wegen des dringenden Verdachts, ein vorsätzliches Tötungsdelikt begangen zu haben, in Untersuchungshaft. Ihre Anwälte signalisierten bereits, dass sie wieder beim BGH Revision einlegen werden, wenn erneut die Höchststrafe verhängt wird. Berlin Seite 11 Tarifeinigung: Zufriedenheit in Berlin Erziehungs- und Sozialberufe werden gestärkt Vertreter von Gewerkschaften und der Berliner Senatsverwaltung zeigten sich am Sonntag zufrieden mit der Einigung in der Tarifrunde des öffentlichen Dienstes der Länder. Die rund eine Million Beschäftigten in den Ländern bekommen in diesem und in den beiden kommenden Jahren acht Prozent mehr Lohn. Berliner Erzieher und Sozialarbeiter werden künftig tariflich mit ihren Kollegen in Brandenburggleichgestellt. „Ich bin auch ein bisschen stolz darauf, dass so viele Berliner Themen berücksichtigt werden konnten“, sagte Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD), der Verhandlungsführer für die Länder war. Mit der „ungewöhnlich langen Laufzeit von 33Monaten“ sei Verlässlichkeit geschaffen worden. Berlin habe sich für die Erziehungs- und Sozialberufe starkgemacht, betonte SandraScheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie. „Der Abschluss ist ein großer Schritt nach vorne.“ Die bessere Bezahlung im Sozial- und Erziehungsdienst sei„dringend erforderlich, um mehr Menschen für diese Berufe zu gewinnen“. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Berliner FDP- Fraktion sprach von einer „guten Nachricht“ für alle Berliner.Esbleibe zu hoffen, „dass die Vergütungsanhebung reicht, um Personal in Mangelberufen gewinnen zu können“. (dpa) PolitikSeite 5 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 11010 Andere Länder haben auch schöne Städte. 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