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Berliner Zeitung 04.05.2018

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Theatertreffen: Alle Gastspiele in Kurzkritiken – Feuilleton Seite 22 Wahnsinn: Petry-Titel als Musical Seite 21 7°/19° Ganz viel Sonne Wetter,Seite 2 Trumps Abwehrschlacht in der Russlandaffäre Politik Seite 5 www.berliner-zeitung.de Der eigene Garten kann zur Arche werden Seite 3 Freitag,4.Mai 2018 Nr.103 HA -74. Jahrgang Auswärts/D**: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Warum in Berlin die Zahl der Patente zurückgeht Made in Berlin Seite 7 Dan-David-Preis Mit Fakten gegen das Bauchgefühl VonAnja Reich Lorraine Daston, ausgezeichnete Historikerin Lorraine Daston ist womöglich der einzige Mensch, der sich darüber freut, dass man in Berlin noch Kriegsspuren findet. Einschusslöcher, die die Rote Armee hinterlassen hat, oder Kasernen aus der Zeit der amerikanischen Besatzung. Für eine Historikerin, sagt sie, sei es ein hohes Gut, wenn Geschichte sichtbar sei. Damit niemand die Wahrheit verzerren kann. Daston ist Direktorin am Max-Planck-Institut fürWissenschaftsgeschichte in Berlin und beschäftigt sich mit Fragen, die gerade sehr viele Menschen bewegen: Was ist objektiv, was subjektiv, wie entstehen Fake News, und warum lassen sich Menschen oft eher vom Bauchgefühl leiten als der Wahrheit? Die 66-Jährige hat eins der größten Probleme unserer Zeit erkannt, lange bevor Donald Trump an die Macht kam. Dafür wirdsie jetzt mit dem israelischen Dan-David-Preis, einem der wichtigsten Wissenschaftspreise, ausgezeichnet. In der Begründung der Jury heißt es, Daston werde für ihre„bahnbrechende historische Arbeit zu Ideen und Praktiken von Rationalität“ gewürdigt, mit der sie gezeigt habe, wie sich vermeintlich universelle Begriffe wie „Fakt“ oder „Beweis“ seit dem 17. Jahrhundert entwickelt haben. Die Preisverleihung ist am Sonntag in TelAviv. Das Preisgeld beträgt eine Million Dollar. Lorraine Daston wurde in East Lansing, Michigan, geboren, promovierte in Harvard, unterrichtete in Princeton und Göttingen. Mit Anfang 40 zog sie nach Berlin und kämpfte erstmal mit eher unwissenschaftlichen Problemen. Siewar Forscherin, aber auch Mutter,eswar fast unmöglich, einen Ganztagskitaplatz für ihreTochter zu finden. Außerdem machten ihr Kollegen ein schlechtes Gewissen: Warumarbeitest du? Dein Mann verdient doch genug! Sie entgegnete, dass ihr noch nicht aufgefallen sei, dass deutsche Kinder besser erzogen seien, nur weil ihreMütter nicht arbeiten. Daston lässt sich nicht vonGefühlen und schlechtem Gewissen leiten, sondern von Tatsachen und Argumenten. Sie ist eine viel beschäftigte Frau, auch heute noch, da ihreTochter erwachsen ist und sie längst die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hat. Wersie trifft, dem fällt auf, wie unaufgeregt sie über gesellschaftliche Phänomene spricht, wie klar sie unterscheidet zwischen Wahrnehmung und Wahrheit. Desinformation gab es schon früher, sagt sie, nach der Verbreitung des Buchdrucks etwa, und dass jede Medienrevolution eine Periode der Anarchie und des Experimentierens mit sich bringe. Und dass sich die Wogen irgendwann wieder glätten werden. Aus eins mach zwei: Die Rudolf-Wissell-BrückeinCharlottenburg soll von 2028 an aus zwei Teilen bestehen. VonGerhard Lehrke Jahrelang trauten sich die Planer nicht an dieses Projekt: an den Abriss und Neubau der Rudolf-Wissell-Brücke in Charlottenburg. Rund 185 000 Fahrzeuge bewältigt die Autobahn A100, Hauptschlagader des Berliner Verkehrs, andieser Stelle –täglich. Jede Stunde passieren fast 8000 Autos die mit rund 930 Metern längste Brücke dieser Stadt, die über Bahngleise und die Spreeführt. Noch trägt sie eine der am stärksten belasteten Autobahnen nicht nur Berlins,sondernganz Deutschlands. Doch lange hält das Bauwerk nicht mehr durch. Normalerweise führt auf dem Stadtring jede kleinste Störung dazu, dass es Stress und kilometerlange Staus gibt. Jetzt verspricht ein Ingenieurbüro, die Bau- Aufgabe mit wenigen kurzen Vollsperrungen erfüllen zu können – und ohne Verkehrschaos. AmDonnerstag stellte es sein Konzept vor. Zentrale Idee: Anders als derzeit wird die Rudolf-Wissell-Brücke künftig aus zwei Überbauten bestehen. Siesollen nacheinander errichtet werden. DerPlan stammt vomIngenieurbüro Leonhardt, Andrä und Partner. Eshat in Berlin schon die Kuppel und das Tragwerk des Reichstagsgebäudes konstruiert. DasBürosetzte sich bei demWettbewerb durch, den die Planungsgesellschaft Deges,die Bund und Ländern gehört, und die Senatsverkehrsverwaltung 2017 ausgelobt hatten. Das ist der Plan: Zunächst wirdeine neue Der Brückenschlag Eine der wichtigsten und meistbefahrenen Autobahnen in Berlin, die Rudolf-Wissell-Brücke, wird abgerissen und neu gebaut. Und das ohne Verkehrschaos, versprechen die Planer Brücke östlich des alten Bauwerks errichtet. Sie ist für die Fahrbahnen gedacht, die nach Norden zum Dreieck Charlottenburgführen. Mit17,50 Meter Breite wird sie aber genug Platz haben, um während der Bauzeit auch die Fahrstreifen in Richtung Süden zum Dreieck Funkturm aufzunehmen –vorübergehend wird es dort sechs, zum Teil verengte Fahrspuren geben. Ist der erste Teil des Brückenschlags fertig, entsteht Die Stadtautobahn wird zur Großbaustelle geplante Strecke Spandau A100 Dreieck Funkturm Siemensdamm Rudolf-Wissell-Brücke wird abgerissen und mit zwei Überbauten neu errichtet rund 60 Meter entfernt der zweite Überbau –nachdem die jetzige Brücke abgerissen worden ist. Bei diesem Teil des Projekts wird eine Methode angewandt, die in dieser Größenordnung noch nicht erprobt worden ist. Der Kern der neuen Brücke, riesige Stahl-Hohlkörper,werden auf die alte Konstruktion gelegt. Diese wirdzwischen den Pfeilern zerteilt und abtransportiert. Dann werden Hilfsstützen gebaut, Spree Tegel A111 A100 Jakob- Kaiser- Platz Wedding Dreieck Charlottenburg wird umgestaltet BLZ/REEG; QUELLE: DEGES LEONHARDT, ANDRÄ UND PARTNER auf denen die Hohlkörper ruhen. Die alten Pfeiler und Brückereste werden abgerissen, neue errichtet. Sind sie fertig, verschwinden die Hilfsstützen, die Stahlteile werden abgesenkt und miteinander verbunden. Am Ende werden Beton und Asphalt der Fahrbahn gegossen. Diese Methode hat den Vorteil, dass die Baustelle wenig Platz benötigt. Dennoch werden Kleingärten weichen müssen. Wie viele, ist noch nicht klar, und es gibt eine Gnadenfrist: Sollten Klagen gegen das mit fünf Jahren Bauzeit veranschlagte Vorhaben nicht alles verzögern, wirderst 2023 begonnen. Zu dem Projekt zählt auch der Umbau des Dreiecks Charlottenburg, an dem die A100 und die A111 miteinander verknüpft werden. Der Knotenpunkt wird umgestaltet, damit der Verkehr flüssiger rollt. Die Planer der 1950er-Jahre konnten nicht vorhersehen, dass einmal so viele Fahrzeuge in Richtung Tegel abbiegen werden. Der Neubau, der 200 Millionen Euro kosten soll, ist dringend erforderlich. 1958 bis 1961 für 20 000 Fahrzeuge amTag errichtet, ist die Brücke durch Alter und Überlastung durch immer schwerere Lastwagen mürbe geworden. Ihre Standsicherheit muss ständig überwacht werden. Damit die Brücke funktionstüchtig bleibt, wirdvom 9. Juli an die Fahrbahn Richtung Süden saniert. Das soll eine Woche über das Ende der Sommerferien hinaus dauern. Staus werden erwartet. Aber die gleichen Arbeiten Richtung Norden waren2017 schneller fertig als geplant. Polizei nimmt Asylbewerber in Gewahrsam Großeinsatz in Ellwangen – Seehofer fordert Härte Mit einem massiven Polizeieinsatz haben die Behörden im baden-württembergischen Ellwangen einen abgelehnten Asylbewerber aus dem Togo in Abschiebegewahrsam genommen. DerVersuch,den 23-Jährigen abzuholen, war das erste Malin der Nacht zu Montag am Widerstand der anderen Heimbewohner gescheitert. Auch am Donnerstag gab es teils massivenWiderstand und diesmal einige Festnahmen. Der Widerstand löste eine Debatte über die Sicherheit in Flüchtlingsheimen aus. Der Vorfall sei ein „Schlag ins Gesicht der rechtstreuen Bevölkerung“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Donnerstag in Berlin. „Diese Dinge müssen mit aller Härte und Konsequenz verfolgt werden, und die zuständigen Stellen haben dabei meine vollständige Unterstützung.“ DieGrünen-Innenexpertin IreneMihalic bezeichnete das Vorgehen der Flüchtlinge gegen die Polizei ebenfalls als inakzeptabel. Die Vorfälle zeigten aber auch, wie problematisch die Unterbringung von Geflüchteten ingroßen Sammelunterkünften sei, sagte sie. Drei Bundesländer machen mit Genau das hat aber Seehofer vor. Am Donnerstag präsentierte er seineVorstellungen der sogenannten Ankerzentren, zentrale Asyl- und Abschiebeeinrichtungen. Schutzsuchende sollen dort untergebracht werden unddas Asylverfahren durchlaufen. Wernicht anerkannt wird, soll vondortaus abgeschoben werden. Bislang haben nur drei Bundesländer Interesse gezeigt, sich an der Pilotphase solcher Zentren zu beteiligen. Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen haben sich gemeldet, Standortegibtesnoch nicht. Der Regierungspartner der Union ist skeptisch. Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) hatte erklärt: „Ich wünsche viel Spaß bei der Suche nach geeigneten Standorten und den Gesprächen mit den zuständigen Landräten.“ Insbesondere, wenn in diesen Zentren vor allemjunge Männer ohne Bleibeperspektive untergebracht würden, werde sich so schnell keine Kommune freiwillig melden. (BLZ) Tagesthema Seite 2, Kommentar Seite 8 Berliner Verlag GmbH, 11509Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 51018

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