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Berliner Zeitung 04.05.2019

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Mehr als ein Drittel Plagiat? Zweifel an Franziska Giffeys Doktorarbeit – Berlin Seite 12 Heute mit Service und Immobilien 6°/9° Wolken und Schauer Wetter,Seite 2 AM WOCHENENDE www.berliner-zeitung.de Sonnabend/Sonntag,4./5. Mai 2019 Nr.102 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 2.00 € Berlin/Brandenburg: 1.80 € Im Magazin: Hatun Sürücü wareine von uns SherryHormann und ihr Ehrenmord-Film Seiten 2und 3 Gundermann gewinnt Eine Scheibe Kindheit DasHörspiellabel Europa trotzt allen Krisen Seite 7 Über sieben Rücken musst du gehen Maxim Leo ergibt sich der Physiotherapie Seite 10 Anzeige www.atala.de Schulbauten verzögern sich Berlin Seite 9 Der Film über den DDR-Liedermacher ist der große Gewinner des Deutschen Filmpreises. Auch Hauptdarsteller Aleander Scheer bekam eine Lola. Feuilleton Seite 25 MICHAEL BREXENDORFF Kühnert gibt nicht nach Politik Seite 5 Anzeige Heute in der Berliner Zeitung Gratis Die Zahl ist erschreckend hoch: 13 Prozent aller Sekundarschüler verlassen in Berlin die Schule ohne Abschluss. Dieser Wert ist zuletzt noch gestiegen und stellt eine große Hypothek auf die Zukunft dar. Eine grundlegende Lösung dagegen hat bisher keiner vorgelegt. Eine Hauptursache für Schüler ohne Abschlüsse sind mangelnde Deutschkenntnisse vor allem unter den Kindern mit Migrationshintergrund. Das meint zumindest der CDU-Abgeordnete Christian Gräff, der für die Fraktion in Sachen Wirtschaftspolitik spricht. Seine Lösung präsentiert er dieses Wochenende auf der Klausurtagung in Thüringen. In dem Positionspapier „Berlin- Vision 2030“ fordert Gräff unter anderem, dass „eine verpflichtende Summer School für Kinder mit ungenügenden Deutschkenntnissen fester Bestandteil des deutschen Schulsystems“ wird. Außerdem sollten künftig „Schüler und Eltern mit Migrationshintergrund gemeinsam über unser Bildungssystem informiertwerden“. Berliner Schulleiter reagieren verwundert auf die Idee mit der verpflichtenden Summer School. „Wer bitte soll in der unterrichtsfreien Zeit diesen Unterricht übernehmen“, sagt Sabine-Astrid Busse,Chefin des Interessenverbandes Berliner Schulleitungen, auf Anfrage der Berliner Zeitung. Es fehle ja jetzt schon an ausgebildeten Pädagogen. Undviele Schüler seien in der Ferienzeit ohnehin auf Besuch bei den Großelternin der Türkei und anderswo, berichtet die Leiterin der Neuköllner Grundschule in der Köllnischen Heide.Viel wichtiger sei eine gute, möglichst frühe Sprachförderung in der Kita. In den Sommerferien könne der Besuch von eher projektorientierten Feriencamps helfen. „Wichtig wäre es, den Lernerfolg wissenschaftlich zu begleiten.“ TomErdmann, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, hält von dem CDU- Vorstoß ebenfalls nicht viel. „Auch Kinder haben ein Recht auf Freizeit“, sagt er. Allerdings gebe es durchaus Studien aus den USA, die zeigen, dass Kinder,die in der Ferienzeit verreisen, deutlich mehr lernen als jene, die in ihrer gewohnten Umgebung zu Hause bleiben. Vondaher würde er persönlich eher für den Besuch vonFeriencamps plädieren. Der Verfassungsrechtler Ulrich Battis nennt den Vorschlag der Schule in den Ferien „hochproblematisch“. Denn: „Die immerhin von der Kultusministerkonferenz festgelegten Ferien würden in ihr Gegenteil verkehrt.“ Auch die Berliner Bildungsverwaltung macht klare rechtliche Bedenken geltend. „Der Vorschlag würde alle Familien in Berlin betreffen und einen harten Eingriff in das Familienleben darstellen“, sagte die neue Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers (SPD). Eine Zwangsbeschu- Nachsitzen im Sommer Der CDU-Wirtschaftspolitiker Christian Gräff fordert Sommerschulen für Migranten mit schlechten Deutschkenntnissen. Die Pflicht träfe nicht nur sie VonElmar Schütze und Martin Klesmann „Die immerhin von der Kultusministerkonferenz festgelegten Ferien würden in ihr Gegenteil verkehrt.“ Ulrich Battis, Verfassungsrechtler lung in den Ferien sei nicht sinnvoll, zumal es erhebliche rechtliche Bedenken gebe. Das Ganze könne einen Eingriff in das grundgesetzlich besonders geschützte Elternrecht und in die allgemeine Handlungsfreiheit darstellen. Auch könnte der Gleichbehandlungsgrundsatz verletzt werden. Denn eine solche Regelung müsste alle Kinder,die schlecht Deutsch sprechen, gleichermaßen betreffen, also etwa auch die eines Topmanagers aus den USA. Und nicht nur die.Die Sprachstandserhebungen in Berlin zeigen jedes Jahr auch erhebliche Deutschdefizite unter den Kindern ohne Migrationshintergrund. Safter Cinar, Sprecher des Türkischen Bundes Berlins, erkennt in Gräffs Forderungen „populistische Vorschläge, die die Schuld den Migrantenfamilien aufbürden wollen“. Im Übrigen seien ohnehin nicht in erster Linie Migrantenfamilien das Problem, sondern ein „veraltetes und ausgrenzendes Schulsystem“. So gebe es weiterhin zu große Klassen und zu wenige Möglichkeiten zur individuellen Förderung. Marianne Burkert-Eulitz, bildungspolitische Sprecherin derGrünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, erinnert daran, dass „Zwang und Druck noch keinem Kind die Lust am Lernen zurückgebracht haben“. Sie verweist auf die UN-Kinderrechtskonvention, nach der diese ein Rechtauf Ruhe,Freizeit und Spiel sowie ein Rechtauf Ferien hätten. Auch der Vorschlag von CDU- Mann Gräff, eine elektronische Zeiterfassung an den Schulen einzuführen, um das Schulschwänzen in den Griff zu bekommen, kommt nicht gut an. Dabei habe sich „Herr Gräff wohl von China inspirieren“ lassen, „wo der Persönlichkeitsschutz von Menschen vor dem Staat kaum eine Rolle spielt und wo Schüler per Gesichtserkennung in der Schule überwacht werden“, sagt Burkert-Eulitz. Es fehle „nur noch die Forderung nach einer elektronischen Fußfessel“ als disziplinarische Maßnahme für diejenigen Jugendlichen, die mehr als vier unentschuldigte Fehlzeiten in einem Schuljahr haben. Ob sich Gräff mit seinem Ausflug in die Bildungspolitik einen Gefallen getan hat, wirdsich zeigen. Sicher ist zumindest, dass seine Position zum WirtschaftsstandortBerlin in der hitzigen Debatte sehr kurz kommt. In seinem Papier rechnet Gräff mit der Wirtschaftspolitik des Senats ab. Dieser betreibe eine Politik gegen Wirtschaft, Unternehmen und Betriebe.„DieVerfügbarkeit vonWohnraum insgesamt wird zur sozialen Frage mit großem gesellschaftspolitischen Verhetzungspotenzial in der Stadtbevölkerung“, schreibt Gräff. Auch bei der Infrastruktur sieht er Berlin „einzigartig schlecht aufgestellt“ und nennt eine marode Infrastruktur im öffentlichen Personennahverkehr oder die Unfähigkeit, einen internationalen Flughafen fertigzustellen. Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499 Leser-blz@dumont.de; Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501801 61018 TOTALUMBAU 70% * IM ERDGESCHOSS Räumungsverkauf: Boutique, Leuchten, Teppiche und Gardinen *Rabattesind gültig bis zum Ende des Räumungsverkaufsinden Abteilungen Boutique, Leuchten, Teppiche und Gardinen. 50% 30% * * MöbelHübnerGmbH | GenthinerStr.41|10785Berlin | www.moebel-huebner.de

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