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Berliner Zeitung 04.10.2019

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Eine deutsche Firma entzaubert den Tarnkappenbomber der USA – Brandenburg Seite 15 Heute mit Gesundheit und Vorsorge Seiten 16 und17 6°/12° Es regnet viel Wetter Seite 2 Der Auswechsler: Ante Covics Taktik fürHertha Sport Seite 20 www.berliner-zeitung.de Autofreie Friedrichstraße: Geglücktes Experiment? Seiten 8und 9 Freitag,4.Oktober 2019 Nr.230 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Viel mehr als Maja: Zum Todvon Karel Gott Panorama Seite 28 Bundesliga Der Trainer für die Ewigkeit VonMarkus Lotter Ein Blick zurück ins Fußballjahr 1991. Roter Stern Belgrad hat im Finale des Europapokals der Landesmeister in der Auseinandersetzung mit Olympique Marseille die besseren Nerven, siegt nach Elfmeterschießen 5:3. Jens Wahl erzielt für Hansa Rostock im letzten Endspiel des NOFV-Pokals (vormals FDGB- Pokal) gegen den Eishüttenstädter FC Stahl das siegbringende 1:0. Der 1. FC Kaiserslautern sichert sich durch ein 6:2 gegen den 1. FC Köln zum dritten Mal die Deut- Friedhelm Funkel, mag Zigaretten lieber als Smartphones. sche Meisterschaft. Und bei BayerUerdingen gibt der gerade mal 37 Jahre alte Friedhelm Funkel in der Grotenburg-Kampfbahn am 33. Spieltag sein Debüt als Bundesligatrainer. Der Gegner heißt Hertha BSC. DasEndergebnis lautet 1:2. Schnitt, zurück in die Gegenwart. Am Freitagabend bestreitet Friedhelm Funkel (zwei Ehen, zwei Kinder, zwei Enkel) mit der von ihm gecoachten Elfvon Fortuna Düsseldorf sein 500. Spiel als Bundesligatrainer. Nursechs Fußballlehrer haben mehr Einsätze inder höchsten deutschen Spielklasse vorzuweisen als der ehemalige Mittelfeldspieler. Bis zum Saisonende könnte Funkel noch Udo Lattek (523) und Thomas Schaaf (524) ein- und überholen. Der Gegner am Freitag heißt –der Spielplanmacher wollte es so –erneut Hertha BSC, wenngleich den Blau-Weißen dieses Maldas Heimrecht zukommt. Es ist das Jubiläum eines Hartnäckigen, eines widerstandsfähigen Trainers,der gleich mehrmals in seiner Karriere mit dem Urteil „altmodisch“ oder „nicht mehr zeitgemäß“ in die Arbeitslosigkeit verabschiedet wurde, aber immer noch da ist und deshalb mit weitaus positiveren Bezeichnungen belegt wird. Funkel, der sich ja auch bei der Hertha in der Saison 2009/10 als Nachfolger von Lucien Favre versuchte und am Saisonende für den Abstieg in die Zweite Liga in die Verantwortung genommen wurde, ist jetzt das „Urgestein“, das „Unikat“, der „Authentische“, ja das erfolgreiche Gegenmodell zu all den gernmal schnell überschätzten Jürgen-Klopp-Imitatoren. Einer wie Funkel geht eben nicht so leicht k. o.,ist in der Lage,sich anzupassen, ohne sich zu verbiegen. Wenngleich dem 65-Jährigen, wie er nun in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur gestanden hat, doch einiges missfällt. Die Tattoos der Spieler beispielsweise, die Hip-Hop-Musik in der Kabine und der aus seiner Sicht übertriebene Umgang der Profis mit dem Handy. Funkel sagt: „Früher haben Spieler in der Kabine geraucht. Die Zigaretten von damals sind die Smartphones von heute. Finde ich nicht gut, aber ich akzeptieredas.“ Senat streitet über den Mietendeckel DieLinke wirft dem Regierenden Bürgermeister vor,sichvon den rigiden Plänen zu verabschieden VonMelanie Reinsch und Ulrich Paul „Die Ostdeutschen hatten es schwerer“ Angela Merkel zieht zum Jahrestag der Einheit eine sehr gemischte Bilanz –und spricht von Bürgern zweiter Klasse. Seite 2 In der rot-rot-grünen Koalition in Berlin verschärft sich die Auseinandersetzung über den Mietendeckel. Anlass sind Äußerungen des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD), in denen er von der ursprünglich beschlossenen Absenkung überhöhter Mieten abrückt. DieLinke pocht darauf, dass die Regelung wie verabredet in Kraft tritt. „Der Senat hat am 18. Juni die Eckpunkte des Mietendeckels beschlossen“, sagt Linken-Parteichefin Katina Schubert. „Das ist kein unverbindlicher Zettel gewesen, denn damit wurde die Rückwirkung der Regelung festgeschrieben.“ Mit Rückwirkung ist gemeint, dass die Mieten mit dem Inkrafttreten des Deckels auf dem Niveau vomTag des Senatsbeschlusses am 18. Juni eingefroren werden. „Wenn die Rückwirkung nicht gegenstandslos werden soll, muss sich das geplante Gesetz am Eckwertebeschluss des Senats orientieren und nicht an den Äußerungen des Regierenden Bürgermeisters“, so die Linken-Chefin. Müller hatte in einem Interview mit dem Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA), dem Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, erklärt, dass es beim Mietendeckel in Richtung „auf ein Mietenmoratorium für fünf Jahre“ gehen werde–„plus Inflationsausgleich“. Das würde bedeuten, dass die Mieten eingefroren werden, wobei die Vermieter die Miete weiter in Höhe der Inflationsrate anheben dürfen. Danach wären auch künftig Mietsteigerungen erlaubt, wenn auch nur um etwa ein bis zwei Prozent jährlich. Eine Möglichkeit, zu hohe Mieten abzusenken, wie sie der Senat im Beschluss vom 18. Juni über die Eckwerte des Mietendeckels formuliert hatte, gäbe es nicht. „Es ist offensichtlich, dass der Regierende Bürgermeister eine Kehrtwendevollziehtund keinen richtigen Mietendeckel mehr will“, sagt Linken-Chefin Schubert. Müller stehe offensichtlich unter dem Druck der Immobilienlobby. „Mit uns wird es einen Mietendeckel nicht geben, der ohne Konsequenzen bleibt“, stellt Schubertklar. DerRegierende Bürgermeister argumentiert dagegen mit rechtlichen Bedenken. „Ich sage seit Wochen,wir müssen einen Mietendeckel mit möglichst großer Rechtssicherheit schaffen“, so Müller am Donnerstag. „Deswegen ist es wichtig, dass wir nicht in bestehende Vereinbarungen über die Miete eingreifen, weil das eine Vielzahl von Prüf- und Widerspruchsfällen vor Gerichten nach sich ziehen wird.“ Im Übrigen würde damit ein erheblicher Verwaltungsaufwand produziert. „Ich halte deswegen daran fest, dass wir uns darauf konzentrieren sollten, die Mieten auf dem jetzigen Stand einzufrieren“, bekräftigte Müller seine Position. Linken-Chefin Schubert reicht ein Moratorium nicht. „Das würde die Vermieter belohnen, die die Mietpreise in den letzten Jahren nach oben getrieben haben“, sagt sie. Das sei ungerecht. „Ein wirksamer Mietendeckel muss in denMarkt eingreifen und die Absenkung vonüberhöh- „Ein wirksamer Mietendeckel muss in den Markt eingreifen und die Absenkung von überhöhten Mieten ermöglichen.“ Katina Schubert, Parteivorsitzende der Linken in Berlin ten Mieten ermöglichen.“ Die Grünen versuchen den Streit zu moderieren. Alle Beteiligten seien aufgefordert, sich konstruktiv und konzentriert in den Prozess einzubringen, sagt Fraktionschefin Antje Kapek. „Wer Änderungswünsche formuliert, ohne dabei einen Lösungsweg imSinne eines politischen Konsens zu formulieren, macht es sich zu einfach und behindert den Prozess“, so Kapek. Der Berliner Mieterverein (BMV) fordertdie Koalition auf, zu den zentralen Punkten des Senatsbeschlusses vom Juni zustehen. Er habe kein Verständnis dafür, dass der Regierende Bürgermeister selbst Mieten, die unter Rechtsverstößen der Vermieter zustande gekommen seien, mit dem Mietendeckel nicht korrigieren wolle, erklärt BMV-Geschäftsführer Reiner Wild. „Wir empfehlen dem Senat dringend, eine weitestgehend rechtssichere Absenkungsmöglichkeit zu schaffen, auch wenn dadurch das Gesetz etwas später in Kraft treten kann“, sagt Wild. Unter dem Motto „Richtig deckeln, dann enteignen“ sind am Donnerstag nach Aussagen der Veranstalter rund 4000 Menschen vom Alexanderplatz bis zum Kottbusser Torgezogen, um gegenVerdrängung, für einen Mietendeckel und die Enteignung großer Wohnungsunternehmen zu demonstrieren. Darunter Heike Pelchen, die forderte, dass sich die rot-rot-grüne Regierung mutig für einen echten Mietendeckel entscheide. „Wenn Berlin das hinbekommt, hätte das eine Signalwirkung“, sagte sie.Die Bevölkerung stünde hinter der SPD,wenn sie den Mietendeckel nicht verwässere. Mieterin Elke Kiene sagte, sie hätte sich nicht vorstellen können, dass sie noch mal „für Selbstverständlichkeiten demonstrieren“ gehe. Früher sei sie gegen das geplante Atommülllager in Gorleben auf die Straße gegangen. Heute demonstriere sie, weil sie der Meinung sei, etwas gegen dieVerdrängung tun zu müssen. „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“, steht auf ihrem Plakat. Gastbeitrag Seite 11 DPA/CHRISTIAN CHARISIUS EU-Parlament kritisiert den Johnson-Plan Brexit-Vorschläge des Premiers noch zu unklar Die Brexit-Fachleute im Europaparlament haben die Vorschläge des britischen Premierministers Boris Johnson zur Änderung des Austrittsvertrags als unzureichend zurückgewiesen. Diese seien in jetziger Form keine Basis für eine Einigung, der das EU-Parlament zustimmen könnte, erklärte die sogenannte Steuerungsgruppe am Donnerstag. Die entscheidenden Fragen würden nicht geklärt. Johnson hatte am Mittwoch einen Ersatz für die umstrittene Garantieklausel für eine offene Grenze in Irland –den sogenannten Backstop –vorgeschlagen. Die EU-Parlamentarier erheben drei Einwände: Erstens werde nach Johnsons Vorschlag nicht klar,woauf der irischen Insel Zollkontrollen stattfinden sollten. Es bestehe die Gefahr eines „erheblichen Lochs im Gemeinsamen Binnenmarkt“ der Europäischen Union. Zweitens ließen sich die Details derVorschläge erst nach dem für den 31. Oktober geplanten Brexit klären; das EU-Parlament müsste also einer Regelung zustimmen, deren volle Tragweite noch nicht abzusehen sei. Drittens wolle Johnson seine Regelung vonder Zustimmung derVolksvertretung in Nordirland abhängig machen, die seit drei Jahren nicht getagt habe. Das mache das Konzept unsicher, vorläufig und abhängig von einseitigen Entscheidungen, monieren die Abgeordneten. Ernste Bedenken „Zusammengefasst hat die (Steuerungsgruppe) ernste Bedenken gegen diesen britischen Vorschlag, wie er jetzt vorliegt“, heißt es in einer Erklärung der Gruppe, inder alle großen Parteien im Parlament vertreten sind. „Die britischen Vorschläge entsprechen nicht im Entferntesten dem, was im Backstop als ausreichender Kompromiss vereinbart war.“ Das Europaparlament bleibe offen dafür,alle Vorschläge zu prüfen, aber diese müssten glaubwürdig und rechtlich umsetzbar sein und denselben Zweck erfüllen wie die Kompromisse im Austrittsabkommen. (dpa) PolitikSeite 5, Kommentar Seite8 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 51040

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