Aufrufe
vor 3 Monaten

Berliner Zeitung 04.11.2019

  • Text
  • Berliner
  • Berlin
  • November
  • Joker
  • Zeitung
  • Hertha
  • Finsternis
  • Spiel
  • Perfekte
  • Geheimnis
  • Berlin.de

Berliner Zeitung

Glückstag: Der 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz – Politik Seite 4 Heute mit Stadt- Geschichte Seite 10 8°/11° Regnerisch Wetter,Seite 28 Kovac muss als Trainer der Bayern gehen Sport Seite 18 www.berliner-zeitung.de Schabowskis Zettel wird nun in Berlin gezeigt Berlin Seite 9 Montag,4.November 2019 Nr.256 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Merkel und der Machtkampf Politik Seite 5 Senatssprecherin Die Stimme des Roten Rathauses VonAnnika Leister Jetzt kann sie aufhören „mit fremden Zungen zu sprechen“, wie sie es nennt. Senatssprecherin Claudia Sünder gibt ihr Amt Ende März2020 ab. Sie wird dann in die Wirtschaft wechseln und als Geschäftsführerin bei der Projektentwicklungsgesellschaft BoB Immobilienkonzepte GmbH anfangen. Sie habe die Chance ergreifen wollen, selbst zu gestalten, begründet Sünder den Schritt. Einen Nachfolger im Roten Rathaus gibt es noch nicht. Claudia Sünder, Senatssprecherin seit 2017 Zwei Jahre lang war es Sünders Aufgabe,die Entscheidungen anderer so gut wie möglich zu verkaufen. Siebegleitete die Projekte der rot-rot-grünen Koalition, vor allem aber den Regierenden Bürgermeister, auf Schritt und Tritt. Dabei ging sie auch spätabends noch ans Telefon und beantwortete Emails von Journalisten –selbst wenn sie gerade auf SafariinAfrika war. Gefragt nach den Höhepunkten ihrer Zeit als Sprecherin, zählt sie das Solidarische Grundeinkommen auf oder den kürzlich beschlossenen Mietendeckel. Themen voller Konfliktpotential, bei denen sich die drei Regierungsparteien zum Teil harte Gefechte lieferten. Doch der Kampfmodus ist ihr der liebste.„Eine kleine Rampensau steckt in jedem, der Sprecher ist“, sagt sie. Nur ein Thema gibt es, das auch ihr zeitweise die Sprache verschlug: der Terroranschlag auf den Breitscheidplatz, gleich zu Beginn ihrer Karriere an der Seite von Michael Müller.„Es gab immer viel mehr Fragen als Antworten“, sagt sie. Claudia Sünder, die gerade 50. Geburtstag feierte, wuchs in Mecklenburg-Vorpommern auf. Sie ist in der SPD und versuchte nach dem Umzug nach Baden-Württemberg selbst den Sprung in die Bundespolitik. 2009 und 2013 kandidierte sie für den Bundestag –allerdings erfolglos. Auch Erfahrung in der Bau- und Wohnungswirtschaft kann sie bei ihrem neuen Arbeitgeber vorweisen: Schon in der Heimat arbeitete sie als Kauffrau in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft. Vor dem Wechsel zu Müller war sie zuerstVorstandsreferentin, dann Kommunikationsleiterin beim Berliner Wohnungsunternehmen Degewo. Sie werde vieles vermissen, sagt Sünder: die Themenvielfalt, die Arbeit im politischen Epizentrum der Hauptstadt. Mit Blick auf die Berliner Dreier-Koalition, in der häufig brisante Themen an die Presse weitergegeben werden, bevor sie offiziell spruchreif sind, kann sie sich eine Spitze aber nicht verkneifen: Sie wäre lieber häufiger tatsächlich Sprecherin gewesen, die Dinge zu verkünden habe –anstatt als„Tatortreinigerin“ hinterher aufzuräumen. Der Mauerfall in den Köpfen Exklusive Forsa-Umfrage der Berliner Zeitung: Wiedenken die Berliner 30 Jahre danach über die Ereignisse VonAnnika Leister Berlin feiertindieser Woche das 30-jährige Jubiläum des Mauerfalls mit Konzerten, Theater, Ausstellungen und Diskussionen. Mehr als 200 Veranstaltungen in sieben Tagen und an sieben Schauplätzen. Wie aber steht es fernab der offiziellen Feierlichkeiten um Einigkeit und Zusammenhalt in der einst geteilten Stadt? Wiesieht es in den Köpfen der Berliner aus? Dashat die Berliner Zeitung in einer repräsentativen Forsa-Umfrage gefragt. 1008 Berliner standen dem Meinungsforschungsinstitut dafür im Oktober telefonisch Rede und Antwort. Wurden Fehler gemacht? „Die Mauer muss weg“ forderten Demonstranten 1989 bei Montagsdemonstrationen und bauten so den notwendigen Druck auf das DDR- Regime auf, die Grenzen zu öffnen. Acht Prozent der Berliner aber fänden es heute noch gut, wenn dies nie passiert wäre. Sie sind der Meinung, dass es besser wäre, wenn die Mauer zwischen Ost und West heute noch stehen würde. Besonders oft wünschen sich Anhänger der rechtspopulistischen AfD und der liberalen FDP die Berliner Mauer zurück –mit 28 beziehungsweise 16 Prozent. Die überwältigende Mehrheit der Berliner – 87 Prozent –ist hingegen froh darüber, Ein Mann mit Mut Torwart Rafal Gikiewicz hat mit dem FC Union das Derby gegen Hertha gewonnen – und allen Respekt verdient, weil er Ultras seines Vereins entgegentrat. Seiten 2und 3 dass es dieses trennende Bollwerk nicht mehr gibt. Die Gründe für die historische Entwicklung hin zum Mauerfall bis zur Wiedervereinigung sind vielzählig: Die hartnäckigen Proteste der DDR-Bürger spielten ebenso ihre Rolle wie das sowjetische Reformprogramm unter Michail Gorbatschow oder die massive Aufrüstung der USA in den 80er-Jahren. Am Ende stand die deutsche Wiedervereinigung –und das nur elf Monate nach dem Mauerfall. Noch heute wird diskutiert: War das alles überstürzt?Verhandelten OstundWest zu wenig auf Augenhöhe? Wurden in der Eile zentrale Fehler gemacht? DieBerliner sind gespalten in der Frage, obdie Wiedervereinigung zu schnell vollzogen wurde: 42 Prozent teilen diese Ansicht, 41 Prozent aber nicht. Besonders häufig glauben Wähler der Linken, dass die Einigung zu rasch vorangetrieben wurde –etwa 80 Prozent. Auf dem zweiten Platz der Skeptiker folgen Wähler der AfD mit 54 Prozent. 17 Prozent der Befragten –insbesondere die Jüngeren –trauen sich zu dieser Frage gar keine Einschätzung zu. Wesentlich deutlicher fällt das Ergebnis auf die Frage aus,obman sich 30 Jahre nach dem Mauerfall zu den Gewinnern oder den Verlierern der Wiedervereinigung zählt. Mit nur vier Prozent empfinden sich nur sehr wenige Berliner als Verlierer. Mehr Die Berliner sind in der Frage gespalten, ob die Wiedervereinigung zu schnell vollzogen wurde. als ein Drittel (38 Prozent) zählt sich zu den Gewinnern. 55 Prozent entscheiden sich für die moderate Antwort„weder noch“. Bei dieser Frage macht es einen leichten Unterschied, ob man in Ostoder Westdeutschland geboren wurde. Die in Ostdeutschland geborenen Berliner zählen sich mit 45 Prozent etwas häufiger zu den Gewinnern der Wiedervereinigung als die Berliner, die in Westdeutschland geboren wurden (34 Prozent). Auch bei dieser Frage fallen Anhänger der AfD besonders ins Auge: Mit 18Prozent sind sie diejenigen, die sich überdurchschnittlich häufig als Verlierer der Wiedervereinigung bewerten. DieAfD ist die einzige Partei, die bei dieser Frage ein zweistelliges Ergebnis verzeichnet. Auf Platz zwei folgen Wähler der Linken mit acht Prozent. Besonders häufig als Gewinner verstehen sich hingegen SPD-, CDU- und FDP-Wähler. Undwie sieht es im Privaten aus? Hier ist die Trennung nach wie vor strikt –und abhängig davon, wo man selbst aufgewachsen ist: 91 Prozent der in Ostdeutschland geborenen Berliner haben vor allem Ostdeutsche als enge Freunde. Umgekehrt umgeben sich im Westen geborene Berliner zu 82 Prozent vor allem mit Freundenaus dem Westen. Partyohne Pomp Der rot-rot-grüne Senat wird den Mauerfall in diesem Jahr auf andere Art feiern als üblich. Zurückgenommener und nachdenklicher sollen die Veranstaltungen ausfallen, mehr kleine Veranstaltungen statt großer Pomp,mehr Anregung zur Reflexion als Anlass zur Party–so der vonKultursenator Klaus Lederer (Linke) formulierte Anspruch. Und vielleicht ist die Abkehr von Vergnügungen wie Domino-Stein- Schubsen tatsächlich ein überfälliger Schritt: Bisher nämlich hat ein Drittel der Berliner noch nie eine solcheVeranstaltung zum Mauerfall besucht. Berlin Seite9 IMAGO IMAGES/BERND KÖNIG Özdemir und Roth auf Todeslisten Grünen-Politiker will gegen Hasskriminalitätvorgehen VonMarkus Decker Der Grünen-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Parteivorsitzende Cem Özdemir hat nach den Morddrohungen gegen ihn und seine Parteifreundin Claudia Roth zu entschlossenerem staatlichen Handeln aufgerufen. Beide hatten Ende Oktober E-Mails des mutmaßlich deutschen Ablegers einer Gruppe namens „Atomwaffen Division“ erhalten, die in den USA zu Hause ist und als rechtsextremistisch und gewaltbereit gilt. Özdemir steht demnach auf Platz eins einer Todesliste, Roth auf Platz zwei. Özdemir sagte der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk Deutschland/RND): „Hasskriminalität ist kein Kavaliersdelikt und kein Problem der virtuellen Welt, sondernGift für unser tägliches Zusammenleben.“ Erkönne sich auf den Begleitschutz durch das Bundeskriminalamt verlassen. „Doch was ist mit all den Kommunalpolitikerinnen und den ehrenamtlich Engagierten, die angefeindet werden und keinen Personenschutz haben?“ Es müsse „möglich sein, am Spielfeldrand, im Busund auf der Betriebsfeier für eine offene Gesellschaft einzutreten, ohne danach Hasskommentare in den sozialen Netzwerken zu bekommen“. Der Grünen-Politiker plädierte für Demokratiebildung sowie die Vermittlung von Medienkompetenz und sagte weiter: „Aber wir müssen auch dafür sorgen, dass Hasskriminalität konsequenter ermittelt und zur Anzeige gebracht wird. Dafür braucht es Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften und eine bessere Ausstattung undAusbildung der Polizei, Strafverfolgungsbehörden und Gerichte zum Thema digitale Gewalt.“ Schließlich müssten die juristischen Hürden für Zivilklagen abgebaut und die Anbieter von Social-Media- Diensten stärker in die Pflicht genommen werden. Özdemir wurde in derVergangenheit bereits wegen seiner scharfen Kritik am türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan von türkischen Nationalisten massiv bedroht und erhält seit längerem Personenschutz. Rechtsextremisten haben ihn ebenfalls im Visier. 4 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 194050 501603 11045

2019

2018