Aufrufe
vor 2 Jahren

Berliner Zeitung 04.12.2018

  • Text
  • Berlin
  • Berliner
  • Phantastische
  • Grinch
  • Zeitung
  • Grindelwalds
  • Verbrechen
  • Millionen
  • Bohemian
  • Rhapsody
  • Berlin.de

Berliner Zeitung

Warum auf Merkel eine Frau folgen sollte. Ein Bekenntnis – Politik Seite 5 Lieber Luther statt Frauentag Seite 9 3°/9° Sonne und Wolken Wetter Seite 2 Der FU-Erfinder: Karol Kubicki erinnert sich Ressort Seite 3 www.berliner-zeitung.de Kunst oder Denunziation? Die Folgen von Chemnitz Feuilleton Seite 20 Dienstag,4.Dezember 2018 Nr.283 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Hartz IV abschaffen? Klingt gut. Und dann? Wirtschaft Seite 6 Stimme der Gelbwesten VonBirgit Holzer Jacline Mouraud protestiertgegen hohe Spritpreise. Frankreich Sie spricht klar und direkt, in einem strengen Tonfall und angetrieben vomZorn, der spürbar in ihr brodelt. „Was,bitte,machen Siemit der Knete der Franzosen?“, fragte Jacline Mouraud Mitte Oktober in einer Video- Aufnahme,die sie ins Netz stellte und in der sie sich an den französischen Präsidenten Emmanuel Macron richtete. Eine „Hetzjagd auf Autofahrer“ würde veranstaltet: steigende Spritpreise, höhere Bußgelder, Radaranlagen überall. „Wohin steuert Frankreich, Herr Macron?“ Was die 51- Jährige mit dem silbergrauen Haar wohl kaum geplant hatte: Ihr Video wurde seither millionenfach geklickt und mehrere Male wurde sie als Gast in diverse Fernseh-Talkshows eingeladen. MouraudsWut-Tiraden dienten als Hintergrundmusik für die Bewegung der „Gelbwesten“, die inzwischen an drei Sonnabenden in Folge in ganz Frankreich demonstriertund mitunter auch randaliert haben. Auslöser des Protests waren die steigenden Spritpreise,hohe Lebenshaltungskosten und die Wut auf Macron, der die Not der „kleinen Leute“ übergehe. Essind genau Mourauds Themen. Fehlten den dezentral organisierten „Gelbwesten“ stets eindeutige Vertreter, so machten die Medien die Bretonin zu deren Sprachrohr. Sie selbst bezeichnet sich als Durchschnitts-Französin, die jeden Monat ihr Konto überziehe, da sie nichts besitze außer einem Diesel- Auto.Wenig repräsentativ ist der Beruf der Hobby-Akkordeon-Spielerin und dreifachen Mutter: Sie arbeitet als Hypnose-Therapeutin, die mit überirdischen Medien kommuniziert. Mouraud gehört zu der Gruppe der „freien Gelbwesten“, die nun einen Appell für gewaltfreien Protest und konstruktive Gespräche mit der Regierung veröffentlichten. Mouraud nannte als Vorbedingung für die Begegnung den Widerruf der Erhöhung der Spritsteuer im Januar. Obdie Regierung nachgibt, erscheint ungewiss. Wenn nicht, droht ein weiteres Wut-Video der berühmtesten „Gelbweste“. Ein für Dienstag angesetztes Treffen mit Premierminister Édouard Philippe sagte die Gruppe am Montag erstmal wieder ab. Berlins Mietverhältnisse Das Land hat nicht nur am Checkpoint Charlie mit der Investorenfirma Trockland zu tun VonGabriela Keller und Kai Schlieter Große Freude Im Tierpark Berlin hat Eisbärin Tonja wieder ein Jungtier geboren. Berlin Seite 11 Vor wenigen Tagen erst haben Berichte über die umstrittenen Investorengruppe Trockland den Senat wegen geheimer Absprachen über die Gestaltung des Checkpoint Charlie in Erklärungsnot gebracht – jetzt stellt sich heraus,dass das Land Berlin schon seit längerem mit dieser FirmaGeschäfte macht. Das Park Center Herzberge, ein denkmalgeschützter Industriebau in Lichtenberg, wurde 2013 vonTrockland übernommen. DerInvestor vermarktet den Komplex als Standort für Start-ups und Dienstleistungsfirmen. Auf der Website vonTrockland steht, dass die 23 600 Quadratmeter zu Hundert Prozent gewerblich vermietet werden. Auch der Ankermieter ist genannt, der mit 46 Prozent knapp die Hälfte des riesigen Areals mietet: das Land Berlin. DieBerliner Zeitung hatte Anfang Juli berichtet, dass hinter dem Namen Trockland ein komplexes Firmennetzwerkmit Zweigen in Steueroasen wie Luxemburg und Zypern steht. Mehrere Gesellschafter stammen aus Russland und sind oder waren für Banken tätig, die wegen Off- Shore-Geschäften in die Schlagzeilen gerieten. Diese Details sind umso gravierender, als die Senatsverwaltung für Finanzen sich mit Trockland hinter verschlossenen Türen auf einen sogenannten Letter of Intent geeinigt hat, eine Absichtserklärung, die im Kern festhält, wie die beiden Brachen am Checkpoint Charlie künftig gestaltet werden sollen. Trotz aller Kritik hielt das Land bislang daran fest, erst Anfang der Woche distanzierte sich der Senat. Vorwenigen Tagen war ein Bericht des Tagesspiegels erschienen, der Verbindungen zwischen Trockland und Angehörigen des verstorbenen turkmenischen Diktators Saparmurad Nijasow aufzeichnete: Dokumente, die der Berliner Zeitung vorliegen, bestätigen, dass es sich bei Trockland-Partner Vladimir Sokolov offenbar um den Schwiegersohn des früheren Despoten handelt: Sokolov, der früher bei einer russischen Investmentbank tätig war, ist bei Trockland für Finanzen zuständig. Musa Nijasowa war oder ist an mehreren Trockland-Gesellschaften beteiligt. Mehrere Unterlagen legen nahe, dass es sich um die Witwe des turkmenischen Diktators handelt. AusGesellschafterlisten geht hervor, dass Musa Nijasowa an mehreren Trockland-Gesellschaften beteiligt war oder ist: Dass es sich um die Witwedes turkmenischen Despoten handelt, legen diverse Unterlagen nahe: Der Berliner Zeitung liegt ein Auszug aus einem russischen Grundbuch vor, in dem der vollständige Name von Musa Nijasowa auftaucht, Musa Alekseevna Nijasowa. Das Papier dokumentiert die Übertragung einer Moskauer Wohnung an Irina Saparovna Sokolov – ihre Tochter.Diese ist oder war mit Sokolov verheiratet; jedenfalls sind beide an derselben Adresse in London registriert. Auch auf der Website der Turkmen Initiativefor Human Rights (TIHR) taucht Sokolov inBezug auf Nijasow auf: „Sein Sohn Murad, seine Tochter Irina und ihr Ehemann Vladimir Sokolov lebten in Europa, außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung in Turkmenistan.“ Am Checkpoint Charlie wird Trockland ihre Baupläne vielleicht nicht mehr umsetzen können. In Lichtenberg aber vermietet sie bereits rund 10 000 Quadratmeter an das Land. Wie die Konditionen aussehen, konnte die Finanzverwaltung nicht beantworten. Die Senatsverwaltung für Soziales bestätigte, dass es an dieser Adresseeine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge gibt; Nähereskonnte die Behörde gesternnicht sagen. Es sieht aber so aus, dass das Land bereits öffentliches Geld an Trockland überweist. An der Objektgesellschaft Trockland VII Herzbergstraße 82–84 war bis Juli übrigens auch Musa Nijasowa beteiligt. Dann gab sie ihre Anteile ab, anEkaterina Sokolova –offenbar die Tochter von Vladimir Sokolov. Tagesthema Seite 2 TIERPARK BERLIN Überfall auf Geldtransport: Haftbefehl Erster Tatverdächtiger wurde in Berlin festgenommen VonPhilippe Debionne Nach dem spektakulären Überfall auf einen Geldtransporter im Oktober konnten die Ermittlungsbehörden nun einen ersten Erfolg verzeichnen. Wie erst jetzt bekanntwurde, haben Einsatzkräfte der Polizei bereits am vergangenen Freitag einen 38-Jährigen festgenommen, der an der Tatmöglicherweise beteiligt war. Der Mann konnte in seiner Wohnung überwältigt werden, sagen Ermittler. Im Rahmen der anschließenden Wohnungsdurchsuchung seien Beweismittel sichergestellt worden, die „den Verdacht einer Beteiligung an dem Überfall auf den Geldtransporter erhärtet“ hätten, sagte Martin Steltner,Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft. Aufgrund dieser Beweismittel sei Haftbefehl gegen den 38-Jährigen erlassen worden, „unter anderem wegen versuchten Mordes und schweren Raubes“, so der Sprecher weiter. Der Mann soll in Beziehung stehen zu einem der polizeibekannten Clans, die in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Überfällen, Einbrüchen und Gewalttaten auffielen. Der Verdächtige ist kurdisch-libanesischer Herkunft; er hat eine ungeklärte Staatsangehörigkeit. Am 19. Oktoberwar ein Geldtransporter in Mittevon zwei Pkw gestoppt worden. Der jetzt Festgenommene soll dann mit vier Komplizen die Besatzung des Transporters mit vorgehaltenen Schnellfeuergewehren bedroht, die Tür des Transporters mit Spezialgerätaufgebrochen und einen hohen Geldbetrag entwendet haben. Ein alarmierter Funkstreifenwagen wurde beschossen. Die Sicherheitskassette mit dem erbeuteten Bargeld ließen die Täter nach einem Unfall im Fluchtfahrzeug liegen. (mit dpa) Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 21049 Cafe Moskau Karl-Marx-Allee 34 10178 Berlin 15. &16. Februar2019 9–16 Uhr Dein Marktfür: Ausbildung &Karriere Weiterbildung &Qualifizierung Jetzt Aussteller werden berlin.messen@dumont.de 030-2327-50

2019

2018