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Berliner Zeitung 05.01.2018

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Reise durch den Jemen: Jürgen Todenhöfer im Gespräch – Seite 5 . . Freitag, 5. Januar 2018 Nr.4HA -74. Jahrgangwww.berliner-zeitung.de 1.50 € Berlin/Brandenburg -1.60 € Auswärts/D* ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... C A N N E S Herrin der goldenen Palmen VON SEBASTIAN MOLL Wer darum gebeten wird, der Jury des Filmfestivals vonCannes vorzustehen, der ist zweifellos angekommen im Pantheon der Filmgeschichte. Die Liste derer, die in den vergangenen 70 Jahren dieses Ehrenamt bekleiden durften, liest sich wie ein Mitgliedsregister des Clubs der allergrößten der Zelluloid-Zunft: Jeanne Moreau und Ingrid Bergman waren dabei, Francis Ford Coppola und David Lynch, Pedro Alomodovar und Fritz Lang. Cate Blanchett braucht eigentlich diese Bestätigung nicht mehr,ihr Status als Künstlerin, deren Schaffen die Zeiten überdauern wird, ist fest etabliert. Davon zeugen alleine schon die beiden Oscars und drei Golden Globes, die sie im Verlauf ihrer Karriere eingesammelt hat. Die kritische Rezeption für ihre Cate Blanchett, neue Präsidentin der Jury des Filmfestivals vonCannes Rollen von Queen Elizabeth bis hin zu BobDylan unterstreicht, dass ihr Talent in ihrer Generation seinesgleichen sucht. Die Verpflichtung zur Leitung des Auswahlgremiums für die Goldenen Palmen ist jedoch nicht alleine eine Würdigung des Werkes der 48-jährigen Australierin. DiePersonalentscheidung war ganz zweifellos auch eine politische. Blanchett hat sich seit dem Outing von Harvey Weinstein als eine der schärfsten Anklägerinnen des branchenüblichen Sexismus profiliert. Blanchett verurteilte scharf alle Männer, die ihre Machtposition dazu ausnutzen, Frauen sexuell zu missbrauchen,„gleich, ob es ein Hollywood- Produzent ist oder der Präsident der Vereinigten Staaten“. Zuletzt war Blanchett daran beteiligt, gemeinsam mit Meryl Streep und Jennifer Lawrence eine Initiativevon Frauen im Entertainment-Geschäft zu gründen, die sich gegen Geschlechterdiskriminierung am Arbeitsplatz wehrt. Cate Blanchett ist so gut wie kaum eine anderedazu geeignet, den Kampf der Hollywood-Frauen anzuführen. Die Australierin verströmt das unerschütterliche Selbstbewusstsein einer Künstlerin, die sich im komplizierten Machtgeflecht der Branche niemals in ausbeuterische Abhängigkeiten begeben würde. Blanchett hat sowohl mit Harvey Weinstein als auch mit Woody Allen zusammengearbeitet, doch es ist schwer vorzustellen, dass einer der beiden es je gewagt hätte, sie um eine Nacktmassage oder Ähnliches zu bitten. Reporter, die sie in der Vergangenheit danach gefragt haben, wie sie es schafft, Karriereund Familie zu verbinden, mussten sich stets fragen lassen, warum sie männlichen Kollegen nicht dieselbe Frage stellen. Ihre Ehe mit dem Drehbuchautor Andrew Upton war stets eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Soleiten die beiden gemeinsam die Sydney TheatreCompany. Die Verneigung der Branche vor einer starken Frau kann unterdessen, zynisch betrachtet, als Versuch der Schadensbegrenzung nach dem Weinstein-Debakel gesehen werden. Vermutlich wird man während der verschiedenen Preisverleihungen in den kommenden Wochen noch mehr derartiger Gesten sehen. Um die Kultur des Sexismus in Hollywood wirklich nachhaltig zu verändern, kann das jedoch bestenfalls ein Anfang sein. Verkehr,Notrufe,Lotto-Quoten 15 ................................................................................................................. Rätsel, Sudoku 12, 25 ................................................................................................................. Kleinanzeigen 12 ................................................................................................................. Traueranzeigen 12 ................................................................................................................. Berliner Verlag GmbH, 10171Berlin Redaktion: (030) 6333 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax –499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)2327-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27 -50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de ................................................................................................................. 4 Postvertriebsstück A6517 /Entgelt bezahlt 194050 501504 51001 VON MELANIE REINSCH Was das Arbeiten mit Computern erleichtern, also beschleunigen soll, ist möglicherweise eine kapitale Sicherheitslücke. Milliarden Rechner sind betroffen, wie ein Forscherteam aus Deutschland, Österreich und den USA herausgefunden hat: Danach soll es möglich sein, vertrauliche Daten, Passwörter, Schlüssel oder Speicherinhalte abzufangen. Es geht um die Technik, die im Grunde alle Chiphersteller einsetzen. Um die Rechenleistung des Prozessors,das Herz eines jeden Computers, zuerhöhen, wird eine Technik eingesetzt, bei der der Chip im Voraus Prozesse startet, die möglicherweise später benötigt werden. Dafür werden Daten in einem Zwischenspeicher gelagert. Genau dieses System kann jedoch offenbar ausgetrickst und damit Daten jeglicher Art –also auch Passwörter und Verschlüsselungen –abgefangen werden, auch aus der Ferneüber den Browser. DieForscher,die unter anderem für Google arbeiten, konnten bisher jedoch noch nicht sagen, ob diese Sicherheitslücke schon ausgenutzt worden sei. Bemerken würde man es ohnehin nicht, da eine Attacke keine Spuren auf den Prozessorprotokollen hinterlassen würde. Chip-Marktführer Intel teilte mit, dass gemeinsam mit anderen Firmen an Lösungen gearbeitet werde, bezweifelte aber zugleich, dass die Lücke bereits ausgenutzt wurde. Der kleinere Intel-Konkurrent AMD, der von den Entdeckern der Schwachstelle ebenfalls genannt wurde, bestreitet, dass seine Prozessoren betroffen seien. Chipdesigner ARM, dessen Prozessor-Ar- Die Lücke im System Experten haben auf Computer-Prozessoren ein Sicherheitsproblem entdeckt. Daten und Passwörter können abgegriffen werden. Betroffen sind nahezu alle Chips chitektur in den meisten Smartphones verwendet wird, bestätigte dagegen, dass einige Produkte anfällig seien. Die Forscher gehen allerdings davon aus, dass nahezu alle modernen Prozessoren betroffen sind. Diesesind nicht nur in Computern, sondern auch in Smartphones oder Tablets verbaut –und zwar in allen gängigen Betriebssystemen. Laut dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) könnte es sogar bei Cloud- und Internetdienstanbietern ein Sicherheitsproblem geben. Auch das BSI betonte, dass bisher keine Attacke bekannt sei. „Das BSI hat in der Vergangenheit bereits mehrfach auf die Problematik von IT-Sicherheitsproblemen in Hardware-Produkten hingewiesen. Der vorliegende Fall ist ein erneuter Beleg dafür, wie wichtig es ist, Aspekte der IT-Sicherheit schon bei der Produktentwicklung angemessen zu berücksichtigen“, sagte BSI-Präsident Arne Schönbohm. Das BSI forderte Diensteanbieter auf, ihre Anwendungen schnellstmöglich abzusichern und empfiehlt Unternehmen und Privatpersonen, sogenannte Sicherheitspatches (Korrektursoftware) für Betriebssysteme und insbesondere für Browser unmittelbar zu installieren, sobald sie von den Herstellern zur Verfügung gestellt werden. Das Gleiche gelte für Smartphones. Zudem sollten Apps nur aus vertrauenswürdigen Quellen bezogen werden. Allerdings sprach das BSI von „schwer zu behebenden IT-Sicherheitslücken“. Die IT-Sicherheitsstelle der US-Regierung, Cert, empfiehlt daher einen viel radikaleren Schritt: „Die Prozessor-Hardwareersetzen.“ Denn die Sicherheitslücke gehe auf Design-Entscheidungen bei der Chip-Architektur zurück. Um die „Der vorliegende Fall ist ein erneuter Beleg dafür, wie wichtig es ist, Aspekte der IT-Sicherheit schon bei der Produktentwicklung angemessen zu berücksichtigen.“ Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik Schwachstelle komplett zu entfernen, müsse die anfällige Prozessor-Hardware ausgetauscht werden,hieß es.Netzpolitik.org- Chefredakteur Markus Beckedahl sagt, dass es fast unmöglich sei, einfach einen Chip auszuwechseln. „Ein Update könnte aber funktionieren“, sagte er der Berliner Zeitung. Wer für den Schaden aufkommen muss, sei es durch einen Prozessoraustausch oder gar durch Datenmissbrauch, ist bisher unklar.„Sollte sich später herausstellen, dass durch die Sicherheitslücke ein Schaden entstanden ist, sollten Verbraucher aktiv werden und esmuss dann je nach Sachverhalt geprüft werden, wer für diesen aufkommen muss“, erklärte Michèle Scherer von der Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB). „Wir fordern jetzt aber von den Anbietern und Herstellern, dass sie schnell reagieren, umso Schäden möglichst abzuwenden“, sagte sie. Scherer empfahl Verbrauchern, die aktuellen Ereignisse weiter zu verfolgen und Updates zu installieren. Intel teilte mit, dass Nutzer nach einem Update keinen signifikanten Leistungsabfall befürchten müssten. Zunächst hatte es in Berichten geheißen, dass die Rechner nach einem Update rund 30 Prozent langsamer arbeiteten. Viele Anbieter wie Windows oder auch Android hatten am Donnerstagnachmittag schon reagiert und entsprechende Updates veröffentlicht. Die Sicherheitslücke war schon im Sommer entdeckt, aber nicht öffentlich gemacht worden, weil man das Leck erst hatte schließen wollen. DieVeröffentlichung war für den 9.Januar geplant, doch die erhöhte Update-Aktivität fielauf und Gerüchte über die Schwachstelle beiIntel machten die Runde. Am Donnerstag wurde bekannt, dass der Intel-Konzernchef Brian Krzanich schon im November 2017 Aktien seines Konzerns im Millionenwert verkauft hat –dasoll erlängst von den Sicherheitslücken gewusst haben. Laut Business-Insidern hat Intel dementiert, dass der Verkauf etwas mit den Sicherheitslücken zu tun habe.Die Aktie sank nach Bekanntwerden der Vorfälle am Mittwoch um rund drei Prozent. (mit dpa) ISTOCKPHOTO NICHT VERPASSEN ❖ BAYERISCHES TRAININGSLAGER Die CSU-Bundestagsabgeordneten bereiten sich auf eine mögliche Koalition mit der SPD vor. Mansei schon bereit, hieß es zum Auftakt der Klausur in dem oberbayerischen Kloster Seeon. Aber natürlich nicht um jeden Preis.Für Alexander Dobrindt ist es seine erste Klausur als Chef der Landesgruppe.Damuss man Stärke zeigen. Er spricht vonkonservativer Revolution. Politik Seite 4, Kommentar Seite 8 SAUBERES NETZ DieIdee ist einfach: PerGesetz werden Hassreden im Internet verboten. Seit dem Jahreswechsel gilt nun das sogenannte Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Undschon der erste Problem-Tweet der AfD beim Kurznachrichtendienst Twitter kurznach dem Jahreswechsel führtdas Gesetz an seine Grenzen, sagen die Kritiker. Tagesthema Seite 2, Leitartikel Seite 8 FREITAG STÜRZT Biszur Landung des ersten Sprungs war alles gut. Die Weite mit 130 MeterninSiegnähe. Doch dann stürzte RichardFreitag beim Skispringen in Innsbruck. Zumzweiten Durchgang tritt er erst gar nicht mehr an. Damit haben sich auch die Hoffnungen auf einen deutschen Sieg bei der Vierschanzentournee erledigt. SportSeite 18 WETTER DPA/KERSTIN JOENSSON POTSDAMER POSSE Bald zehn Jahre währtder Streit um die Uferwege am Groß Glienicker Seeund am Griebnitzsee.Einige Grundstücksbesitzer in dem vornehmen Potsdamer Stadtteil hatten die Wege mit Barrikaden blockiert, wodurch Spaziergänger sie nicht mehr nutzen konnten. Nunist eine Vorentscheidung gefallen, die den Potsdamer Oberbürgermeister freut. Kommentar Seite 8, BrandenburgSeite 15 IM FILMGESCHÄFT Wiesexistisch und frauenfeindlich ist das deutsche Filmgeschäft? Diejüngsten Anschuldigen gegen den Regisseur Dieter Wedel stellt die Frage neu, auch wenn er allen Vorwürfen entgegentritt und widerspricht.Wasdie Aufklärung erschwert, ist allerdings eine manifeste Schweigespirale in dieser Branche,sagt die Regisseurin Jutta Brückner. Feuilleton Seite 19 BERLIN: Starkbewölkt. Zeitweise Regen. Tageshöchstwerte um 9Grad, nachts um 7Grad. Seite 2

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