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Berliner Zeitung 05.02.2018

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Berliner Zeitung

Einfach mal raus: Schöne Ferien in Berlin – Seite 14 . . Montag, 5. Februar 2018 Nr.30HA-74. Jahrgangwww.berliner-zeitung.de 1.50 € Berlin/Brandenburg -1.60 € Auswärts/D* ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... M E T O O - D E B A T T E Wo war Uma Thurman? VON JULIA GRASS UmaThurman beschuldigt Harvey Weinstein ebenfalls. Ihre Stimme wurde lange vermisst in der Debatte um sexuellen Missbrauch in Hollywood: Die Schauspielerin Uma Thurman schwieg zu denVorwürfen gegen den Produzenten Harvey Weinstein auch dann noch, als sich längst zahlreiche prominente Opfer weltweit zu Wort gemeldet hatten. Sie sei zu wütend, um zu sprechen, sagte sie bereits im vergangenen Oktober in einem Interview. Im November dann deutete sie in dem sozialen Netzwerk Instagram an, ebenfalls Opfer von Weinstein geworden zu sein. Siewünschte ihm langes Leiden, einen Gnadenschuss habe er nicht verdient. Es dauerte, bis die 47- Jährige wirklich etwas sagte, ausführlich und reflektiert. Sie tat es jetzt – zusammen mit einer Kolumnistin der New York Times, Maureen Dowd. In dem am Wochenende online erschienenen Artikel schildert Thurman, wie Weinstein sie in einem Londoner Hotelzimmer angegriffen habe. Sie habe sich wehren und entkommen können. Später habe sie ihn gewarnt: „Wenn du das,was du mit mir getan hast, auch anderenantust, dann wirst du deine Karriere, deinen Rufund deine Familie verlieren.“ In die Öffentlichkeit trat Thurman mit ihren Erlebnissen nie, auch nicht, als ihre Beziehung zum Regisseur Quentin Tarantino sie geschützt hätte. Beim Filmfestival in Cannes 2001 habe sie sich Tarantino anvertraut, der Weinstein anschließend zur Rede stellte.Weinstein habe zunächst verletzt auf ThurmansVorwürfe reagiert–dann sei seine Aggression umgeschlagen: in Scham. In dem nun erschienenen Interview wird die innere Zerrissenheit der Schauspielerin deutlich –der Zwiespalt, einerseits Opfer gewesen zu sein, andererseits aber auch Teil eines Systems,das diese Taten vertuschte und so dauerhaft ermöglichte.„Ich bin einer der Gründe, dass ein junges Mädchen allein in sein Zimmer gegangen ist –sowie ich“, sagt sie. Die wirklich schweren Vorwürfe jedoch, erhebt Thurman nicht gegen Weinstein, sondern gegen ihren einstigen Freund Quentin Tarantino. „Harvey hat mich angegriffen, aber das hat mich nicht umgebracht“, sagt Thurman. Was sie gebrochen habe,sei eine Situation am Setder „Kill Bill“- Filme gewesen. Für eine Szene habe Tarantino sie mit Druck überredet, ein Auto über eine kurvige Strecke zwischen Bäumen hindurch zu fahren, obwohl sie sich unsicher dabei fühlte. EinVideo vom Dreh zeigt, wie Thurman tatsächlich die Kontrolle über den Wagen verliertund gegen eine Palme kracht. DerUnfall hinterließ bleibende Schäden –körperliche wie seelische. Trotz zahlreicher Schikanen, sagt Thurman, habe sie bis dahin immer geglaubt, eine gewisse Macht über Situationen zu besitzen. Erst Jahre später habe sie realisiert, dass jenes männlich-kontrollierte System eines sei, in dem schon kleine Mädchen lernen, dass „Gewalt und Liebe irgendwie miteinander zusammenhängen“. Und sozeigt Thurmans spätes Bekenntnis auch, wie schwer es sein muss und wie viel Kraft es braucht, mit solchen Erlebnissen an die Öffentlichkeit zu gehen –und dass der Missbrauchs-Skandal noch lange nicht zu Ende ist. Spreewild 25 ................................................................................................................. Verkehr,Notrufe,Lotto 15 ................................................................................................................. Rätsel, Sudoku 14, 27 ................................................................................................................. Kleinanzeigen 14 ................................................................................................................. ................................................................................................................. Berliner Verlag GmbH, 10171 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr 10-16 Uhr), Fax–499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de ................................................................................................................. 4 Postvertriebsstück A6517 /Entgelt bezahlt 194050 501504 11006 Im Endspurt Die möglichen Koalitionäre haben am Wochenende ausdauernd miteinander gerungen und gehen nun in die Verlängerung. Sicher ist: Sie wollen den Mieterschutz verbessern VON TOBIAS PETER UND DANIELA VATES Auf den letzten Metern ihrer Verhandlungen über eine neue Koalition haben CDU, CSU und SPD Milliardenprogramme für Mieter und Wohnungskäufer und zur Verbesserung der Internet-Versorgung in Deutschland angekündigt. Angesichts der hohen Mieten und des Wohnungsmangels in Großstädten soll der Bund sich weiterhin mit zwei Milliarden Euro am sozialen Wohnungsbau beteiligen. Die Förderung würde sonst 2019 auslaufen. Die Mietpreisbremse soll verschärft werden, indem Vermieter zur Offenlegung bisheriger Mieten verpflichtet werden. Dies geht über die Vereinbarung im Sondierungspapier hinaus. Darüber hinaus sollen Wohnungsmodernisierungen künftig nur noch in geringerem Umfang auf die Mieter umgelegt werden können: DerProzentsatz soll von elf auf acht Prozent sinken. Um Wohnungskäufe zu erleichtern wird ein neues Baukindergeld von1200 Euro proKind und Jahr eingeführt, vondem Familien bis zu einem Jahreseinkommen von 75 000 Euro profitieren. ProKind werden dazu je 15 000 Euro dazugerechnet. Der Bund rechnet dabei mit einem Finanzaufwand von rund 440 Millionen Euro. Insgesamt soll auch der reguläre Wohnungsbau mit rund zwei Milliarden Euro gefördert werden. Um Spekulation mit Bauland zu begrenzen, sollen ungenutzte Grundstücke stärker besteuert werden. Union wie SPD sprachen von einem zentralen sozialen Thema. Weitere zwölf Milliarden Euro sollen in die Digitalisierung fließen. Die Finanzierung dieser Summe blieb allerdings zunächst noch offen. Wahrscheinlich setzen die Parteien hier auf die Versteigerung von Mobilfunklizenzen, deren Erträge sich allerdings im Vorhinein nur schwer kalkulieren lassen. SPD- Generalsekretär Lars Klingbeil verkündete außerdem, es werde ab 2025 ein gesetzlich verbrieftes „Recht auf schnelles Internet“ geben. Die laufende Wahlperiode endet im Jahr 2021. Insgesamt steht der Koalition ein Finanzrahmen von mindestens 45 Milliarden Euro zur Verfügung. Obwohl die Verhandlungen eigentlich am Sonntag beendet werden sollten, vertagten sich die Verhandler am Abend auf den Montag. Ungelöst blieb zunächst der Streit über die Gesundheits- und die Arbeitsmarktpolitik. Die verbesserte Versorgung gesetzlich Krankenversicherter und rechtliche Grenzen für zeitlich befristete Arbeitsverträge hatte der SPD- Parteitag zur Bedingung für den Eintritt der Partei in eine dritte große Koalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel gemacht. Beide Streitpunkte müssten von den Parteivorsitzenden persönlich gelöst werden, hieß es. Über die Flüchtlingspolitik hatten sich die möglichen künftigen Regierungsparteien wegen eines anstehenden Bundestagsbeschlusses über den Familiennachzug schon in der vergangenen Woche geeinigt. DasThema dürfte aber weiter heikel bleiben, da es für SPD wie für CSU großen Symbolwert hat. Das Wochenende diente auch dazu, die umfangreichen Einigungspapiereder Facharbeitsgruppen „Es bringt ja jetzt auch nichts, Druck zu machen, schnell fertig zu werden. Und nach einer Woche sagen wieder alle: Washaben die da für einen Quatsch verhandelt?“ Manuela Schwesig, SPD-Vize und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin zu kürzen, ohne dabei wesentliche inhaltliche Übereinkünfte außer Acht zu lassen. Einigungen gab es zuletzt noch in der Klima-, Energie- und Agrarpolitik. Dabei wurde das Klimaschutzziel für das Jahr 2020 als nicht erreichbar aufgegeben. Inden Blick genommen werden von Union und SPD stattdessen die Zieljahre 2030 und 2050. Bis Ende des Jahres soll eine Kommission ein Aktionsprogramm erarbeiten. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) erklärte,Deutschland sei weiter als „Klimaschutzpionier“ unterwegs. Die umstrittene Anwendung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat würde eine Groko zurückhaltend angehen. Sie solle „so schnell wie möglich“ beendet werden, heißt es wenig konkret. Die Familienpolitiker vereinbarten eine Steigerung des Kindergelds um 25 Euro pro Kind und Monat. Außerdem soll es staatliche Gutscheine für Haushaltshilfen geben. Auch dem langen Drängen von Unicef und anderen Kinderschutzorganisationen wird nachgegeben: Kinderrechte werden im Grundgesetz verankert –Voraussetzung ist hierfür allerdings, dass auch die Bundesländer mehrheitlich zustimmen. Bereits in der vergangenen Woche hatten sich die Unterhändler von Union und SPD über die Renten-, Bildungs-, Pflege- und Europapolitik verständigt. Mitder Einigung auf einen Koalitionsvertrag ist die Regierungsbildung allerdings noch nicht abgeschlossen. Die SPD will sich den Eintritt in eine große Koalition von ihren rund 440 000 Mitgliedern absegnen lassen. Für die Abstimmung und die anschließende Auszählung werden rund drei Wochen angesetzt. Der Ausgang der Mitgliederbefragung gilt auch als entscheidend für den Verbleib von Martin Schulz auf dem Posten des SPD-Chefs. Bei einem Ja könntedie neue Regierung etwa Mitte März stehen, also knapp ein halbes Jahr nach der Bundestagswahl. Tagesthema Seite 2 AFP/TOBIAS SCHWARZ NICHT VERPASSEN ❖ EISNÄCHTE Es soll eisig werden in den kommenden Nächten. Unddas trifft besonders die Obdachlosen Berlins.Einer vonihnen starb in der Nacht zum Sonnabend –erwar der erste Kältetote des Jahres in Berlin. Damit nicht noch mehr Menschen in frostigen Zeiten auf der Straße sterben, haben sich die Hilfsorganisationen vorbereitet. Hilfe gibt es beispielsweise in der Traglufthalle namens HalleLuja. Berlin Seite 9 MIETERÄNGSTE Dass selbst Berliner Mieter mit besonderem Kündigungsschutz vorVerdrängung nicht sicher sind, zeigt ein Beispiel aus der Reichenberger Straße in Kreuzberg. Doch die Mieter dortwollen kämpfen. Berlin Seite 12 ROSENGRÜSSE DerOnlinehandel ist in der Blumen-Branche noch eine Nische.Die Ware ist empfindlich und deshalb schwierig zu versenden. EinBlick auf die Anbieter und ihr Geschick für einen eleganten Transport. Wirtschaft Seite 6 GARDEMASS Er ist der jüngste Neuzugang beim 1. FC Union. An diesem Montagabend muss Marvin Friedrich, 22 Jahrealt und aus Augsburgnach Berlin gekommen, in Bielefeld beweisen, dass er einem kriselnden Team helfen kann. SeinVorteil als Verteidiger:Erist 1,90 Meter groß.SportSeite 22 INSTINKTMENSCH Rolf Zacher hat in über 250 Filmen und Fernsehspielen mitgewirkt, aber in nur sehr wenigen schien er dabei einem Drehbuch zu folgen. Vielmehr drückte er den Filmen, für die er engagiert wurde,kurzerhand die Zacher-Rolle auf –unangepasste Verlierer,kleine Gauner,empfindsame Glückssucher,lebensfrohe Zocker.AmSonnabend ist der Volksschauspieler Zacher im Alter von76Jahren gestorben. Feuilleton Seite 22 PARTYPAUSE Bringt das mehr Ruhe und Ordnung für Anwohner in den belebten Simon-Dach-Kiez? Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzbergführteine Sperrstunde ein. Ab dem 2. Maimüssen alle Kneipen und Gaststätten ab 23 UhrihreTische und Stühle vonder Straße rücken. Kommentar Seite 8, Berlin Seite 11 WETTER IMAGO BERLIN: Heute ist es wechselnd bewölkt. Tagestemperaturen um 2 Grad, nachts bis minus 6Grad. Seite 2

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