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Berliner Zeitung 05.05.2018

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Heimat ist hier: Zu Besuch bei Frankreichs Botschafterin in Berlin – Berlin Seiten 10 und 11 6°/20° Fast keine Wolken Wetter,Seite 32 AM WOCHENENDE www.berliner-zeitung.de Sonnabend/Sonntag,5./6. Mai 2018 Nr.104 HA -74. Jahrgang Auswärts/D**: 1.90 € Berlin/Brandenburg: 1.70 € Im Magazin: Ach Mann! Wasmacht einen echten Kerl aus? Seiten 2und 3 Aufbruch ins Unbekannte Aufden Spuren des Forschers GeorgForster Seiten 4und 5 Der Fall Chico Seltsame Solidarität mit einem Kampfhund Seite 6 Anzeige Alles, was Marx ist AFP/JOHANNES EISELE www.fliesen.de Abschied von Wolfgang Völz Berlin Seite 14 Anzeige Karl Marx hat wie kaum ein anderer die Welt geprägt. Es gibt Glückwünsche und Verwünschungen zum 200. Geburtstag. Seiten 2und 3, 8, 26 und27, Magazin Skaterkurs –wo ist die Bremse? Berlin bewegt sich Seite 20 Tag der offenen Tür Sa., 5. Mai |10:30-18:00 Uhr bundesrat.de/offenetuer #bundesrat Die Schwedische Akademie, gegründet 1786, ist eine der ältesten und wichtigsten Kulturinstitutionen der Welt. Sie hat Kriege überstanden, innere Zerwürfnisse überwunden, äußerem Druck getrotzt.Vorallem aber hat sie seit 1901 zuverlässig den Nobelpreis für Literatur verliehen, unterbrochen fast ausschließlich durch die beiden Weltkriege, und damit den Ruf Schwedens als wichtige Kulturnationen manifestiert. Doch nun hat sich die ehrwürdige Institution so tief in einen Skandal verstrickt, dass die Zukunft des bedeutendsten Literaturpreises der Welt infrage steht. „Der Preisträger von2018 wirdparallel mit dem Preisträger von 2019 benannt und bekannt gegeben“, teilte die Akademie am Freitag mit. Der kommissarische Sekretär Anders Olsson erklärte: „Wir haben den Beschluss aus Respekt für die Preisträger getroffen.“ Mit anderen Worten: Der Ruf der Akademie ist so schwer beschädigt, dass man derzeit keinen namhaften Schriftsteller mit dem Nobelpreis belästigen möchte. In Literaturkreisen wurde die Entscheidung trotz ihrer Drastik wohlwollend aufgenommen. „Die ganze Buchbranche steht da wie ein Kind, das erfährt, sein Geburtstag sei aufs nächste Jahr verschoben worden“, sagte Jo Lendle der Berliner Zeitung, dessen Hanser-Verlag die Werke zahlreicher Nobelpreisträger herausgibt. „Wenn Aufarbeitung und Neujustierung nun gelingen, kann der Preis sogar gestärkt herauskommen.“ DerschwedischeVerleger und Kulturjournalist Svante Weyler sagte der Berliner Zeitung: „Für die Akademie war diese Entscheidung richtig. Aber für die Literatur war sie falsch.“ Die Vergabe des Nobelpreises sei wichtiger als die Befindlichkeiten der Institution, die ihn vergibt. „Es wärebesser gewesen, wenn die Akademie ihre Schwäche eingeräumt und Hilfe vonaußen geholt hätte.“ Es ist keine übertriebene Zuspitzung, dass die Akademie und damit der Nobelpreis zum Opfer eines Grabschers geworden sind – und zum Opfer ihrer vollkommenen Unfähigkeit, mit der Affäreangemessen umzugehen, die er verursachte. Es geht um den Fotografen Jean-Claude Arnault, Ehemann der SchriftstellerinKatarina Frostenson, die der Akademie angehört. Im November veröffentlichte die Tageszeitung Dagens Nyheter die Berichte von18Frauen, die schilderten, wie Arnault sie sexuell belästigt und missbraucht hatte.Einen Monat zuvor hatten gleiche Anschuldigungen gegen den amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein die weltweite #metoo-Kampagne ausgelöst. Die Vorwürfe gegen Arnault reichten bis zur Vergewaltigung, mehrere Übergriffe fanden in aller Öffentlichkeit statt und wurden von prominenten Kulturschaffenden bezeugt. Doch jahrzehntelang gebot ihm offenbar niemand Einhalt –auch nicht die Akademie, die seinen Kulturclub in der Stockholmer Innenstadt finanziell förderte. Es gibt zudem Vorwürfe, wonach Arnault die Namen von Preisträgern vorzeitig verbreitet und damit Wetten beeinflusst haben soll. Er selbst bestreitet strafbareHandlungen. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen wegen der Sexualdelikte ein. In dieser akuten Krise agierten die 17 aktiven Mitglieder der Akademie Dichter aller Länder, dieses Jahr gibt es keinen Literaturnobelpreis. Wegeneines Missbrauchsskandals verschiebt die schwedische Akademie die Kür auf nächstes Jahr VonFrederik Bombosch und Cornelia Geißler Die Tür bleibt zu. Für Literaturfans aus aller Welt ist es die berühmteste Tür Schwedens. Davor wird verkündet, werden Nobelpreis bekommt. Dieses Jahr niemand IMAGO/UNITED ARCHIVES jedoch nicht etwa geschlossen. Stattdessen bildeten sich zwei Lager, derenVertreter ein öffentliches Drama darboten. Besonders tat sich dabei der Lyriker Horace Engdahl hervor, ein Freund Arnaults. Er warf der Ständigen Sekretärin Sara Danius vor, sieführe ihr Amtsoschlecht wie keiner ihrer Vorgänger seit 1786. Danius trat zwei Tage später zurück – so wie sieben weitere Mitglieder der Akademie im Lauf der Wochen. Sie hatten einen transparenten Umgang mit der Affäre gefordert und eine Untersuchung veranlasst. Eine der größten Herausforderungen für die Akademie wird es nun, die verwaisten Stühle zu besetzen. In kurzer Zeit geeignete Kräfte zu finden, dürfte schwer fallen –die Arbeit ist zeitaufwendig, der Kreis der potenziellen Kandidaten im Land ist begrenzt, und als angenehme Diskussionspartner haben sich einige der verbliebenen Mitglieder wahrlich nicht empfohlen. Zudem gibt es weiteren Reformbedarf. Lange schon steht die Akademie in der Kritik, weil sie allzu oft scheiterte, einen Proporz zwischen den Sprachen und Kontinenten, auch zwischen den Geschlechtern zu finden –nur zwölf Frauen haben den Literaturnobelpreis bisher erhalten. Wergewürdigt wird, darfsich freuen, muss aber nicht vonallen als großer Schriftsteller angesehen werden. So waren inden vergangenen Jahren etwa die Zuerkennung für Dario Fo(1997), Mo Yan(2012) und Bob Dylan (2016) umstritten. Und dieListe derer, die den Preis verdient hätten, aber nie bekamen, ist mindestens so lang wie jene der Ausgezeichneten. Vermisst und als Kandidaten gehandelt werden seit Jahren etwa Salman Rushdie, Margaret Atwood, Amos Oz undYan Lianke. Ulrich Schreiber, Gründer und Leiter des Internationalen Literaturfestivals Berlin, glaubt dennoch, dass der Schaden reparabel ist: „Ich habe das Gefühl, dass es eine richtige Entscheidung ist. Denn wer immer jetzt in die Jury nachrückt, muss ja auch Zeit haben, Bücher zu lesen. Undich hoffe,dass bald eine wasserdichte Lösung gefunden wird.“ Er äußerte aber auch sein „Erstaunen darüber, dass es solche Vermengungen vonGeld und Machtander Akademiegegeben hat“. Möglicherweise liefertdie Akademie ja selbst Stofffür ein preiswürdiges Werk. JoLendle weiß auf Nachfrage sofort, wer das aktuelle Drama literarisch aufarbeiten sollte. „Der beste Autor, um diese Nobelpreis- Vorgänge in einem Roman zu verarbeiten, wäre einer, dem auch der Preis schon lange gebührt: Philip Roth. Aber der hat zu meinem Kummer sein Schreiben eingestellt.“ Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501702 61018 -30 % AUF AUSGEWÄHLTE DAMENMODE GALERIES LAFAY ETTE SONNTAGSSHOPPING 06.05. 13-18 UHR FRIEDRICHSTRASSE 76 – 78 · BERLIN WWW.GALERIESLAFAYETTE.DE · GALERIESLAFAYETTEBERLIN AUSTERN BOUZIGUES N°3 1,50 € PRO STÜCK Alle Angebote solange der Vorrat reicht | *Gilt nicht bei Einkäufen im Le Gourmet. | Ein Angebot der Galeries Lafayette (Deutschland) GmbH, Französische Str. 23, 10117 Berlin POP UPSTORE MIT SPANNENDEN, NEUEN BABYTRAGEN, KINDERWAGEN & WICKELTASCHEN 1GLAS CREMANT BEI JEDEM EINKAUF AB 50 €*

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