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Berliner Zeitung 05.11.2019

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Honeckers Enkel –Porträt einer überforderten Generation – Seite 3 Kolumne: Auf eine Curry mitGysi Seite 14 7°/10° Es regnet öfter. Wetter Seite 2 Charité-Arzt: Aufklären hilft gegen die Impf-Angst Berlin Seite 10 www.berliner-zeitung.de Der FC Bayern hat nicht nur ein Trainerproblem Sport Seite 17 Dienstag,5.November 2019 Nr.257 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Ist Elektromobilität wirklich die Zukunft? Tagesthema Seite 2, Leitartikel Seite 8 Blockierer bei der Grundrente VonDaniela Vates Vor kurzem hat Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus mal eben die Koalition vom Tisch gewischt. Wenn es mit der SPD keine Einigung gebe bei der Grundrente, dann sei das eben so,verkündete der Unions- Fraktionsvorsitzende in einer internen Runde.Dann ende eben die Koalition, im Frühjahr werde neu gewählt, zack, fertig. So zumindest berichten es Teilnehmer. Es war eine etwas rabiatere Form dessen, was Brinkhaus seit einigen Wochen öffentlich sagt: „Wir Ralf Brinkhaus führtein wenig unberechenbar. CDU werden uns nicht verbiegen, um diese Koalition zu halten.“ In der Koalition gilt der 51-Jährige mittlerweile als zentrales Hindernis für eine Einigung bei der Grundrente. Selbst die sonst gerne auch sperrige CSU hat intern offenbar mehr Kompromissbereitschaft erkennen lassen. Ein Jahr nachdem Brinkhaus den Kanzlerinnen-Vertrauten Volker Kauder mit einer überraschenden Gegenkandidatur vom Fraktionsvorsitz gefegt hat, erlebt die Union nun also einen zweiten Revolutionsmoment mit dem Westfalen –zumindest einen Anlauf. Brinkhaus übernimmt die Rolle als Mann mit klaren, scharfen Ansagen –die Art der öffentlichen Positionsbestimmung, die ein Teil der CDU so schmerzlich vermisst. Bei seiner Wahl zum Fraktionschef hat Brinkhaus diese Sehnsucht schon einmal bedient. Er stehe für „einen neuen Aufbruch“, verkündete er der Fraktion, die sich vonKauder untergebuttertund vonMerkel zu wenig beachtet fühlte. Merkel-Gegner sahen in ihm ihren neuen Helden –die Kanzlerinhatte Kauder unterstützt. Das Bild vom Merkel-Gegner hat Brinkhaus dann im ersten Jahr seiner Amtszeit nicht erfüllt. Er ging nicht auf Konfrontation zur Regierung, sondern suchte mit nach Kompromissen. Er positionierte sich, aber schlug sich nicht immer auf die erwartete Seite: Für eine Abschaffung des Solidaritätszuschlags, die der Wirtschaftsflügel gerne gehabt hätte, verkämpfte sich der gelernte Steuerberater nicht. Brinkhaus, der unbekümmert selbstbewusst auftritt, sei schon ein bisschen unberechenbar, sagen CDU-Abgeordnete. Brinkhaus’ harte Haltung kann auch eine andereFolge haben: Wenn es doch noch einen Kompromiss bei der Grundrente gibt, kann er ihn möglicherweise glaubhafter vertreten als andere und etwa auf dem CDU-Parteitag Ende November eine Ablehnung abwehren – und damit einen Bruch der Koalition. VonPatrick Berger und Lutz Schnedelbach Die Ausschreitungen beim Derby der Fußball-Bundesliga zwischen Union Berlin und Hertha BSC (1:0) könnten drastische Strafen zur Folge haben. „Wir wollen die Linie der Geldstrafen beibehalten, wann immer es vertretbar ist“, sagt Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des DFB- Sportgerichts, dem Magazin kicker. In gravierenden Fällen könne aber auch weiterhin auf den Teilausschluss oder Totalausschluss zurückgegriffen werden, sagt er. Die Austragung von Geisterspielen ist also möglich. BeidenVorfällen am Sonabend in Köpenick wurden drei Personen verletzt. Ein Union-Fan sowie ein Polizist kamen durch aus dem Gästeblock abgefeuerte Leuchtraketen zu Schaden. Nach dem Spiel kletterten Unioner in den Innenraum. Ein Platzsturmwurde durch den Einsatz der Spieler verhindert. „Diese Bilder will kein Verein sehen“, sagt Max Jung, Mediendirektor bei Hertha. Manwerde nun wie vomDFB aufgefordert Stellungnahmen abgeben. Strafen werdeman versuchen, an die Einzeltäter weiterzugeben. Unions Sprecher Christian Arbeit findet: „Kollektivstrafen aufbrummen und alle raus –ist das die Lösung? Bestimmt nicht!“ Ohne Mauern Mit Videoprojektionen und Performances begann auf dem Alexanderplatz die Feierwoche zum 30. Jahrestag der friedlichen Revolution. Michael Müller würdigte den Mut der Berliner. Seite 9 Geisterspiel für Union? Nach den Ausschreitungen beim Stadt-Derby müssen beide Clubs mit harten Strafen rechnen Der Fall liegt beim DFB-Kontrollausschuss. „Es geht hier nicht um eine kleine Geschichte“, sagt ein DFB-Richter der Berliner Zeitung. Der Strafenkatalog des DFB schreibt vor: 1000 Euro propyrotechnischem Gegenstand im Block, 3000 Euro für Pyro außerhalb. Die gleiche Summe muss bezahlt werden, wenn eine Person in den Innenraum drängt. Erschwerend kommt für die DFB- Justiziare hinzu, dass Union und Hertha in ihren Augen Wiederholungstäter sind. 56 800 Euro musste Union im Sommer zahlen, weil beim Aufstiegstrubel die Fans den Rasen gestürmt hatten und eine Feuerwerksrakete im Gästeblock landete. Zwischen Herthanern und der Polizeikam es voreinem Jahr zu heftigen Ausschreitungen bei einem Gastspiel in Dortmund. Nach einer Statistik der Polizei werden gegenwärtig 974 Fans beider Vereine als „gewaltbereit“ und 256 „Kollektivstrafen aufbrummen und alle raus –ist das die Lösung?“ Christian Arbeit, Presse- und Stadionsprecher des 1. FC Union als „gewaltsuchend“ eingestuft. Die meisten gewalttätigen Fans gebe es bei Hertha, so die Spezialisten des Landeskriminalamtes. 412 gehören zur Kategorie Bund 61 zur Kategorie C. BeiUnion sollen es 342 gewaltbereite Anhänger sein und 55 gewaltsuchende –alle namentlich bekannt. Derweil laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. 18 Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung, Landfriedensbruchs sowie Verstößen gegen das Versammlungs-, Waffen- und Sprengstoffgesetz wurden eingeleitet. Sieben weitere Ermittlungsverfahren gibt es wegen gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruchs und Zusammenrottung. DieErmittler sind zurzeit dabei, die Aufnahmen der Überwachungskamerasauszuwerten. Wesentlich bei ihren Ermittlungen sei die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass eine Einlasskontrolle am Stadion von Union-Fans überfallen wurde, damit sie unkontrolliert indie Sportstätte gelangen konnten, sagt ein Beamter. Union- Sprecher Arbeit sagt dazu: „Kein Ordner ist verpflichtet, sich zusammenschlagen zu lassen.“ Wie kann der Pyro-Wahnsinn gestoppt werden? „Das ist das Thema, an dem wir uns alleWoche fürWoche abarbeiten“, sagt Arbeit. Hauptproblem sind die „Clips“ genannten Raketen in der Größe eines Kugelschreibers. Sie werden bei Kontrollen oft übersehen. Ein Sicherheitschef eines Fußball-Bundesligisten, der anonym bleiben will, sagt: „Eine Identifikation der Übeltäter ist für uns oft ausgeschlossen. Wirtun alles dafür.Die Täter ziehen sich im Block aber unter Fahnen komplett um, tauschen ihre Klamotten. Es gibt kaum eine Chance für uns, sie einwandfrei rauszupicken.“ In Dänemarkkommt „kalte Pyro“ zum Einsatz. Der Unterschied: Die Feuer werden 230 statt 2000 Grad heiß. Hautverbrennungen kann es aber bei direktem Kontakt ebenfalls geben. Das Risiko für Verletzungen ist aber viel kleiner.Fanvertreter von Bundesligavereinen waren bereits in Skandinavien und informierten sich darüber. Der Sicherheitschef: „Eine mögliche Lösung.“ Aber: „Der Reiz liegt immer im Verbotenen.“ Kolumne Seite 14, SportSeite 18 AFP/JOHN MACDOUGALL Eine weiße Rose für die Opfer des NSU Merkel gedenkt der Toten am Mahnmal in Zwickau Enver Simsek war das erste Opfer des Nationalsozialistischen Untergrunds.Ihm zu Ehren war ein Gedenkbaum gepflanzt worden. Bislang Unbekannte haben den Baum dann Anfang Oktober abgesägt. Nun ist die Gedenkstätte nicht nur erneuert, sondern erweitert worden. In Zwickau wirdnun mit zehn Bäumen an alle Opfer des rechten Mörder- Trios gedacht. Zur Einweihung kam sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Kanzlerin legte an der Gedenkstätte eine weiße Rose nieder. Sie sei ganz bewusst gekommen, sagte sie. Sie war allerdings ohnehin in der Nähe.Sie nahm teil am Festakt ausAnlass des Produktionsstarts des E-Autos im VW-WerkinZwickau. Am 4. November 2011 war die NSU-Terrorgruppe von Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe aufgeflogen. Zwischen 2000 und 2007 töteten die Terroristen acht türkischstämmige und einen griechischstämmigen Kleinunternehmer sowie eine Polizistin. Außerdem werden sie für zwei Sprengstoffanschläge und diverse Raubüberfälle verantwortlich gemacht. Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe hatten sich zuletzt in Zwickau versteckt. Während die Kanzlerin, begleitet von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und der Zwickauer Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD), die Gedenkstätte besucht, demonstrieren in Sicht- und Hörweite hinter einer abgeriegelten Kreuzung Vertreter von rechten und rechtsradikalen Organisationen. Kretschmer sagt, man sei zusammengekommen, um Menschen die Ehre zu erweisen, die unschuldig und auf heimtückische Weise umgebracht worden seien. „Und es gibt Leute, die dagegen demonstrieren. Daranmerken Sie, welchen Zeitgeist und welche Haltung diese Leute haben.“ Merkel lässt nicht erkennen, ob sie die Proteste wahrnimmt. Sie hört aufmerksam den Erklärungen zum Gedenkort zu. Die Bäume werden vonder Polizei nachts bewacht. Merkel sagte: „Wir haben Blumen niedergelegt und damit möchte ich ausdrücken, für die ganzeBundesregierung auch, dass wir alles tun werden, das habe ich den Angehörigen auch versprochen vor vielen Jahren schon, damit sich solche Dinge nicht wiederholen.“ Danilo Starosta vom Kulturbüro Sachsen sagt zum Besuch derKanzlerin: „Es ist eine Wertschätzung für die Akteure vor Ort.“ Sein Verein gehört zum bundesweiten Aktionsbündnis „NSU-Komplex auflösen“. DieInitiativen setzen sich dafür ein, dass in Zwickau ein ständiges Bildungs-, Dokumentationsund Archivzentrum zu den Verbrechen des NSU-Trios und seines Unterstützerumfeldes eingerichtet wird. (tom., dpa) PolitikSeite 4 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499 Leser-blz@dumont.de, Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 21045

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