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Berliner Zeitung 05.12.2019

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Der Stolz der Mark: Neuruppin am Ende des Fontane-Jahres – Brandenburg Seite 18 Heute mit Kulturkalender -1°/5° Weiter heiter Wetter Seite 2 Peter Handke: Debatte über Kunst oder Moral Feuilleton Seite 23 www.berliner-zeitung.de Google: Die Gründer und der neue Chef Seite 3 Donnerstag,5.Dezember 2019 Nr.283 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Hertha: Stürmer Grujic über den Klinsmann-Effekt Sport Seite 22 CNN Der Schatten von Melania VonSebastian Moll Washington ist ein hartes Pflaster für Journalisten im Zeitalter von Donald Trump. Die täglichen Ungeheuerlichkeiten des Präsidenten sind eine Nachrichtenmaschine auf Hochtouren, und dranzubleiben, ist ein Job, der niemals aufhört. Im Vergleich dazu hat Kate Bennett ein entspanntes Leben. Die 45-Jährige ist zwar auch mittendrin im Zirkus rund um das Weiße Haus, doch auf ihrem Gebiet ist sie konkurrenzlos. Die CNN-Reporterin hat als einzige Journalistin nur die Aufgabe,sich Kate Bennett, auf Me- CNN-Reporterin und lania Trump zu Buchautorin konzentrieren. Seit dem Amtsantritt des Gatten beschattet sie Melania, begleitet sie auf Reisen von Toronto bis Berlin, sie kommentiert ihre Mode und ist die Top-Expertin geworden, wenn es darum geht, die Körpersprache der schweigsamen und auch etwas geheimnisvollen Präsidentengattin zu lesen. Nun hat Bennett ihr Exklusivwissen zu einem Buch verarbeitet, das „Free, Melania“ heißt. DerTitel verrät bereits die These des Werks. Durch Einsetzung des Kommas in den bekannten Hashtag widerspricht sie der Theorie, dass für Melania Trump das Weiße Haus eine Art goldener Käfig ist, in dem sie mit ihrem Mann ihr tristes Dasein fristen muss. Bennett zeichnet Melania als selbstbewusste Frau, die ihre Rolle als First Lady nicht bloß aushält, sondern aktiv gestaltet. Sie telefoniere täglich mit ihrem Mann, heißt es, und sage ihm dabei gründlich ihre Meinung zu den Themen des Tages. Und neben den Moderatoren von Fox News habe niemand so viel Einfluss auf ihn wie sie. Insbesondere beim Thema Einwanderung habe sie ihm kräftig Kontra gegeben, sie sei zwar auch für strenge Gesetze, bei der Trennung von Familien habe sie jedoch einen Strich gezogen. Diegroße Frage,die sich die Leser stellen, wie es nämlich um die Ehe der beiden bestellt ist, beantwortet Bennett freilich nicht vollständig. Sie sei in vielerlei Hinsicht eine traditionelle Ehefrau und Mutter, heißt es. Die vielen glaubhaften Anschuldigungen von außerehelichen Affären und gar sexuellem Missbrauch durch ihren Mann habe sie aber nicht stumm ertragen. Immerhin habe Melania deshalb schon einmal einen Staatsbesuch abgesagt. Da endete dann aber auch schon die Rebellion der Frau, die Bennett für eine Feministin hält. Ansonsten erfährtman, dass sie gerade dabei sei, den Ostflügel des Weißen Hauses zu renovieren. Sie macht es sich gemütlich in den Kammern der Macht. Undwenn der Mann auf der anderen Seite des Gebäudes wieder was Schlimmes tut, dann bleibt sie halt wieder ein paar Tage zu Hause. Hoch hinaus Russische Diplomaten ausgewiesen Deutschlandmacht Moskau für den Mord an einem Georgier in Berlin im August verantwortlich von Andreas Kopietz Die Mieten steigen und steigen – in Berlin und ganz Deutschland. Die neuen Zahlen Berlin Seite 12 Anfangs sah es aus wie ein Mord unter gewöhnlichen Kriminellen: Am 23. August wurde in Berlin-Moabit ein Georgier im Kleinen Tiergarten erschossen. Nun aber sorgt die Tatfür eine diplomatische Krise zwischen Deutschland und Russland. Es gibt den Verdacht, dass es sich bei der Tatumeinen von Russland in Auftrag gegebenen Mord handelt. Die Bundesanwaltschaft hat den Fall am Mittwoch an sich gezogen. „Es bestehen zureichende tatsächliche Anhaltspunkte dafür, dass die Tötung von Tornike K. entweder im Auftrag von staatlichen Stellen der Russischen Föderation oder solchen der Autonomen Tschetschenischen Republik als Teil der Russischen Föderation erfolgt ist“, teilten die Ermittler mit. „Im Hinblick auf diesen mutmaßlichen politischen Hintergrund der Tat wurde die Schwelle zum Anfangsverdacht nunmehr überschritten, nachdem sich die neuesten Ermittlungsergebnisse mit den bislang vorliegenden Indizien zu einem Gesamtbild zusammengefügt haben.“ Ein Anfangsverdacht bedeutet, dass es noch keine klaren Beweise gibt. Allerdings prüft die Bundesanwaltschaft die Fakten genau, bevor sie einen Fall an sich zieht. Deutschland wies noch am Mittwoch zwei russische Diplomaten aus.„Mit diesem Schritt reagiert die Bundesregierung darauf, dass die russischen Behörden trotz wiederholter hochrangiger und nachdrücklicher Aufforderungen nicht hinreichend bei der Aufklärung des Mordes anTornike K. im BerlinerTiergarten am 23.08.2019 mitgewirkt haben“, erklärte das Auswärtige Amt. Bundeskanzlerin Angela Merkel rechtfertigte dies. Der Schritt sei nötig gewesen, „weil wir nicht gesehen haben, dass Russland uns bei der Aufklärung diese Mordes unterstützt“, sagte sie beim Nato-Gipfel in London. Wie der Spiegel berichtet, handelt es sich bei den ausgewiesenen Diplomaten um Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdienstes GRU. Die russische Regierung sprach von einem „unfreundlichen und grundlosen Schritt“. Eine Antwortwerde nicht lange auf sich warten lassen, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow. „Wir sind besonnene Menschen und werden erst einmal prüfen, was uns überhaupt zur Last gelegt wird.“ DerGeorgier Tornike K. wollte am 23. August in Berlin zum Freitagsgebet, als von hinten ein Radfahrer kam und aus nächster Nähe zweimal auf ihn schoss. Der 40-Jährige war sofort tot. Kurz darauf nahmen Polizisten einen Russen fest. Sein Pass war auf Vadim Sokolow ausgestellt. Tatsächlich soll er Vadim K. heißen. Er sitzt in Haft und schweigt. Bald schon wurde spekuliert, dass ein russischer Geheimdienst hinter der Tat stecken könnte.Die russische Regierung bestritt jede Verbindung. Tornike K. hatte zwei Alias-Namen. Als „Zelimkhan Khangoshvili“ wurde er nach dem Mord in den Medien bekannt. Russland hatte ihn als Terroristen eingestuft: Er sei Mitglied der terroristischen Vereinigung Kaukasisches Emirat gewesen. In Geor- „Die Bundesregierung hat diese Maßnahme ergriffen, weil wir nicht gesehen haben, dass Russland uns bei der Aufklärung dieses Mordes unterstützt.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Ausweisung der russischen Diplomaten gien soll er Kämpfer ausgebildet haben und für ihreSchleusung zuständig gewesen sein. Im Tschetschenien-Krieg kämpfte er nach Angaben georgischer Nichtregierungsorganisationen gegen Russland. Er soll eine tschetschenische Miliz kommandiertund 2008 im Auftrag der georgischen Regierung eine Kampfeinheit zur Verteidigung Südossetiens aufgestellt haben. Bereits 2015 gab es in Georgien einen Anschlag: EinUnbekannter versuchte, ihn zu erschießen. Dann beantragte er für sich und seine Familie Asyl in Deutschland. Die Ermittler vermuten, dass der mutmaßliche Täter Vadim K. bereits 2013 einen ähnlichen Mord in Moskau begangen hat. Auch damals näherte sich der Täter auf einem Rad seinem Opfer, einem Geschäftsmann. Der Attentäter tötete ihn durch Schüsse in Oberkörper und Kopf. Im Juli 2015 löschte die russische Polizei die Fahndung nach Vadim K. Zwei Monate später stellten russische Behörden ihm einen Pass auf den Namen Vadim Sokolowaus. Am 17. August 2019 flog er von Moskau nach Paris. Französische Behörden hatten ihm ein Schengen-Visum ausgestellt. Dem Visumsantrag war eine Arbeitgeberbescheinigung beigefügt. Unterzeichnet hatte sie die Firma ZAO Rust aus St. Petersburg, die ihm bescheinigte,Bauingenieur zu sein. Tatsächlich handelt es sich laut Bundesanwaltschaft um ein Ein-Mann-Unternehmen mit 1100 Euro Einnahmen pro Jahr. Eine Fax- Nummer der Firmawar zwei Firmen zugeordnet, die dem russischen Verteidigungsministerium gehören. Der Verdächtige reiste in Paris in die EU ein, später checkte er in einemWarschauer Hotel ein. Er verließ es am 22. August. Wo er sich bis zum Mordanschlag am nächsten Tagaufhielt, ist unklar. Die Ermittler haben keine Hinweise darauf, dass er sich vor dem 22. August in Berlin aufgehalten hat, dass er das spätereOpfer ausspähte oder dass er vor Ort den Mord selbst logistisch vorbereitete. Die Tat weist Parallelen zum Anschlag auf den früheren russischen Geheimdienstoberst Sergej Skripal im Jahr 2018 in England auf. Vermutet wird, dass GRU-Agenten ihn und seine Tochter mit einem Nervengift angegriffen haben. Westliche Länder wiesen daraufhin etwa 100 russische Diplomaten aus. (mit dpa) GETTY IMAGES/BLOOMBERG Haft auf Bewährung für Lkw-Fahrer Er hatte bei einem Unfall einen Jungen getötet Weil er einen sieben Jahre alten Radfahrer beim Abbiegen mit seinem Lastwagen erfasst und überrollt hatte,ist ein 61-Jähriger zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. DasAmtsgericht Berlin- Tiergarten sprach den Mann am Mittwoch der fahrlässigen Tötung schuldig. Der Unfall wäre vermeidbar gewesen, urteilte das Gericht. Als der 61-Jährige im Stadtteil Spandau von der Nauener Straße nach rechts in den Brunsbütteler Damm abbog, sei „genügend Zeit und Wegstrecke gewesen, um anzuhalten“. Den Jungen auf dem Fahrrad und dessen Mutter hätte erüber mehrere Spiegel seines Fahrzeugs sehen können und müssen. Das Gericht verhängte zudem eine Geldauflage von500 Euro gegen den Angeklagten. Der Junge war am Morgen des 13. Juni 2018 mit seiner Mutter auf dem Fahrradweg unterwegs und trug einen Helm. Sieseien bei für sie grüner Ampel losgefahren, sagte die 41-Jährige als erste Zeugin im Prozess. Ihr Sohn sei kurz vor ihr gefahren. „Plötzlich tauchte der Lkw auf, touchierte meinen Sohn.“ Als ihr Sohn fiel, habe sie ihr Radweggeworfen und geschrien. DerLkw seinoch einige Metergefahren. Der Richter sagte, der Fall gehe deutlich über anderehinaus. „Eswar eine langeStrecke,woder Junge und seine Mutter aufdem Fahrradweg zu sehen waren.“ Der Bereich sei für den Angeklagten komplett einsehbar gewesen. Eine Geldstrafe,wie sie häufig bei tödlichen Verkehrsunfällen verschuldet durch ein Augenblicksversagen verhängt werde, komme deshalb nicht in Betracht. Einem Gutachten zufolge wurde das Kind etwa sechs Metervom Lastwagen mitgeschleift und schließlich vom Hinterrad überrollt. Der Junge, der fünf Tage später acht Jahrealt geworden wäre, erlitt schwerste Kopfverletzungen und verstarb noch am Unfallort. Die Mutter sagte, als sie dem Lkw-Fahrer auf der Straße gegenüberstand und mit beiden Händen auf ihren Sohn zeigte, habe der Mann erklärt: „Worauf soll ich noch alles achten.“ Derinzwischen arbeitslose Angeklagte gestand, dass er die erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen hatte: „Es tut mir wahnsinnig leid.“ (dpa) Berlin Seite9 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@berlinerverlag.com Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@berlinerverlag.com Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 41049

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