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Berliner Zeitung 06.02.2019

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Cornelia Geißler über den neuen Roman von Günter Kunert – Feuilleton Seite 21 Die Stadt und die Clans Seite 12 0°/6° Meist bewölkt Wetter Seite 2 EinHauch von Exklusivität –was nur Politiker dürfen Hauptstadt Seite 6 www.berliner-zeitung.de Aus für Germania –warum die Fluglinie pleite ist Wirtschaft Seite 7 Mittwoch, 6. Februar 2019 Nr.31HA-75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Gleiches Geld, mehr Macht –was Frauen wollen Tagesthema Seite 2, Leitartikel Seite 8 Berlins härtester Torsteher VonPaul Linke Vor drei Wochen stand Rune Jarstein im Smoking und mit Fliege auf einer Galabühne, inden Händen hielt er einen goldenen Ball. Er sei stolz, dankbar,berührt, sagte er –und lächelte verlegen. Norwegen hatte ihn, den Stammtorwart von Hertha BSC, gerade zum Fußballer des Jahres gewählt. „Es war nicht einfach“, gestand Jarstein später, „ich habe drei, vierWortegesagt, dann konnte ich nicht mehr.“ Mankann das als Übertreibung abtun, ihm vielleicht Koketterie vorwerfen. Doch wer Jarstein, 34, besser kennt, ihn Rune Jarstein, die Nummer eins im Torbei Hertha BSC Hertha BSC dabei beobachtet, wie er stets das Zentrum der Aufmerksamkeit meidet und welchen inneren Kampf er führt, wenn er sich selbst zum Gesprächsthema machen soll, der muss ihm glauben. Die gute Nachricht lautet daher: Jarstein hat sich längst wieder erholt. Er wirdandiesem Mittwochabend im Olympiastadion der Mann sein, den der FC Bayern bezwingen muss, um das Pokalachtelfinale gegen Hertha zu gewinnen.Vor4000 Zuhörerneine Rede halten? „Das mag ich nicht.“ Vor 80 000 Zuschauern Fußball spielen? „Ich liebe es.“ Dafür lebt er.Jarstein ist ein Synonym für Professionalität. Er sieht nicht gerade so aus und ist es trotzdem: Berlins härtester Torsteher –inzwischen auch ein bundesligaweit anerkannter Meister des Handschuhwerks.Wenn die Abwehr wackelt, gibt Jarstein ihr wieder Halt; er kratzt Bälle aus dem Winkel und pflückt Flanken vom Himmel. Er ist auch einer, den man den Spielaufbau mit dem Fußanvertrauen kann. Undfür alle, die wie Herthas Trainer Pal Dardai einen Pokalabend in Überlänge erwarten, sei daran erinnert, dass Jarstein in seiner Karriere bislang jeden vierten Elfmeter pariert hat. Sven Ulreich, der den am Daumen verletzten Manuel Neuer vertreten könnte,jeden achten. Jarsteins besonderes Gespür für den Ball blieb lange unentdeckt. Nach seinem Wechsel im Sommer 2014 war er zunächst die Nummer zwei bei Hertha, hinter Thomas Kraft. Jarstein zweifelte, fragte sich, wie gut er wirklich sei, wollte schon wegund beschloss dann doch: „Jetzt will ich es wissen.“ Jarstein wurde die Nummer eins. Und jetzt wissen es auch alle anderen. SportSeite 20 VonAndreas Niesmann und Tobias Peter SPD-Chefin Andrea Nahles hat ihr lange erwartetes Konzept für den Umbau des Sozialstaates vorgestellt. Mit dem Plan will die SPD-Chefin das Hartz-IV-Trauma ihrer Partei überwinden. Im exklusiven Interview mit der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk Deutschland) verrät Nahles zum ersten MalDetails aus ihrem Konzept „Sozialstaat 2025“. Kraft,einen neuen Jobzufinden Kern des Konzepts ist die Abschaffung des bisherigen Arbeitslosengeldes II, HartzIVgenannt. Stattdessen will die SPD eine neue Grundsicherung einführen, die „Bürgergeld“ heißen soll. In den ersten zwei Jahren des Bürgergeldbezugs soll es eine Übergangsphase für Leistungsempfänger geben, in der zum Beispiel die Angemessenheit der Wohnung grundsätzlich nicht infrage gestellt werde, kündigte Nahles an. „In dieser Zeit sollen die Menschen in ihren Wohnungen bleiben können und von diesbezüglichen Sanktionen verschont bleiben“, sagte die SPD-Chefin. „Die Betroffenen brauchen ihre Kraft, einen neuen Jobzufinden, nicht eine neue Wohnung“, fügte Nahles hinzu. Auch SPD kündigt Hartz IV Mehr Solidarität, Bürgergeld statt ALG II, weniger Sanktionen: Parteichefin Andrea Nahles erklärt im großen Interview, wie sie den Kurs ihrer Vorgänger korrigieren und den Sozialstaat wieder gerechter machen will nach den zwei Jahren wolle die SPD sinnvolle Regeln finden, kündigte die Vorsitzende an. „Niemand soll seine vierWände verlassen müssen.“ Auch bei den umstrittenen Sanktionen plant die SPD Erleichterungen. „Unsinnige Sanktionen müssen weg“, sagte Nahles. Das gelte für die verschärften Sanktionen für unter 25-Jährige, die nur dazu führten, dass der Staat den Kontakt zu diesen Menschen komplett verliere. Auch 100-Prozent-Streichungen von finanziellen Mitteln, etwa den Kosten für Wohnraum, solle es nicht mehr geben. „Sanktionen, die Obdachlosigkeit zur Folge haben, werden wir abschaffen“, sagte Nahles. Außerdem will die SPD-Chefin einen kompletten Kulturwandel in der Sozialverwaltung in die Wege leiten. „Wir müssen weg vom Prinzip der „Wenn ich mir eine Kanzlerkandidatur nicht zutrauen würde, hätte ich mich niemals um das Amt der SPD-Vorsitzenden beworben.“ Andrea Nahles, SPD-Chefin Zuständigkeiten und hin zu einer modernen Begleitung von Menschen. Das heißt, dass Betroffene sich künftig nur noch an eine einzige Stelle wenden müssen, wenn sie staatliche Leistungen benötigen“, sagte sie. Behörden müssten für Bedürftige eine Lotsenfunktion erfüllen, mit dem Heiße-Kartoffel-Spiel, bei dem Menschen von Behörde zu Behörde geschickt würden, müsse Schluss sein. Das Sozialstaatskonzept ist auch ein Befreiungsschlag für die Vorsitzende,die seit längerem unter Druck steht. Nahles wird immer offener von einflussreichen Genossen kritisiert, vor allem Altkanzler Gerhard Schröder, wie Nahles Mitglied der SPD, hatte ihr zugesetzt. Schröder hatte dem Magazin Der Spiegel gesagt, der nächste Kanzlerkandidat PHOTOTHEK.NET/UTE GRABOWSKY müsse über ökonomische Kompetenz verfügen. Aufdie Frage,obNahles über diese Kompetenz verfüge, sagte er:„Ichglaube,das würde nicht mal sie selbst von sich behaupten.“ Am kommenden Sonntag und Montag will die SPD-Spitze bei einer Klausurtagung in Berlin Wege aus der tiefen Krise suchen und den Erneuerungsprozess mit neuen Ideen, etwa hinsichtlich Alternativen zu HartzIVbeschleunigen. Korrektur nach 16 Jahren „Wir lassen HartzIVhinter uns“, kündigte Nahles an. „Damit korrigieren wir die Sichtweise, die wir vor 16Jahren eingenommen haben, als noch Massenarbeitslosigkeit herrschte.“ Mit der Einführung des Bürgergeldes stelle die SPD das System und den Geist dahinter wieder vom Kopf auf die Füße. Auf die Frage, obsie sich – trotz der Kritik von Schröder –eine Kanzlerkandidatur zutraue, sagte Nahles:„Aber sicher!“ Wenn sie sich „eine Kanzlerkandidatur nicht zutrauen würde“, sagte die Parteichefin, „hätte ich mich niemals um das Amt der SPD-Vorsitzenden beworben“. Allerdings stehe die Entscheidung darüber jetzt nicht an. Anfang Januar hatte Vizekanzler Olaf Scholz erklärt, dass er sich das Kanzleramt zutraue. PolitikSeite 4 In 80 Minuten von Berlin nach Dresden Start für den Bau neuer Gleise nach langem Streit VonPeter Neumann Schon fast 30 Jahreist es her,dass die Mauer fiel. Doch erst jetzt gewinnt die Schließung einer der letzten teilungsbedingten Lücken im Schienennetz dieser Region weiter an Tempo. Am Dienstag wurde in Lichtenrade der offizielle Start des Neubaus der Dresdner Bahn gefeiert. Für rund 560 Millionen Euro baut die Deutsche Bahn (DB) zwischen dem Südkreuz in Berlin und Blankenfelde in Brandenburg auf 16 Kilometer Länge zwei elektrifizierte Gleise für Fern-und Regionalzüge. Ende 2025 soll der Zugbetrieb beginnen. Aufder Strecke soll unter anderem der Flughafenexpress verkehren, der den Berliner Hauptbahnhof und den BER in 20 Minuten verbindet. Kürzer wird auch die Fahrzeit Berlin–Dresden, die 2025 auf 92, im Jahr 2028 auf 80 Minuten schrumpfen soll. Heutesindes128 Minuten. Selbst für deutsche Verhältnisse verging ungewöhnlich viel Zeit, bis im Herbst 2017 erste Baumaßnahmen beginnen konnten. Der Planfeststellungsbeschluss wurde erst 2015 erlassen –rekordverdächtige 18 Jahrenach der Antragstellung. Anwohner verlangten, in Lichtenrade einen Tunnel zu bauen, um sie vor Lärm und Erschütterungen zu bewahren. Als Reaktion unterbrach der damalige Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) 1998 das gerade erst begonnene Planfeststellungsverfahren für zwei Jahre –ein in Deutschland einmaliger Vorgang. Ein prominenter Lichtenrader unterstützte die Bürger: Klaus Wowereit (SPD), lange Zeit Regierender Bürgermeister von Berlin. Doch auch die DB trägt Mitschuld an den Verzögerungen. Sie plante lange nur auf Sparflamme. Kommentar Seite 8, Berlin Seite 9 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 31006 15. &16. BERLIN MESSEN Februar 2019 Dein Marktfür Ausbildung &Jobs, 9–16 Uhr Weiterbildung &Qualifizierung Freier Eintritt Cafe Moskau Karl-Marx-Allee 34 10178 Berlin Attraktive Ausbildungs- undJobangebote Checkder Bewerbungsmappen Kostenlose Bewerbungsbildervom Profi Interessante Arbeitgeber undPräsentationen WeitereInformationen: www.berlinmessen.de SCHIRMHERRSCHAFT Frau Elke Breitenbach Senatorin für Integration,Arbeit undSoziales

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