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Berliner Zeitung 06.04.2019

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Mieterdemo und Volksbegehren: Das Wochenende des Protests – Berlin Seiten 12 und 13 Heute mit Service und Immobilien 11°/22° Ein sonniges Wochenende Wetter Seite 18 AM WOCHENENDE www.berliner-zeitung.de Sonnabend/Sonntag,6./7. April 2019 Nr.81HA-75. Jahrgang Auswärts/D*: 2.00 € Berlin/Brandenburg: 1.80 € Im Magazin: Zurück ins Leben DasMartyrium des DJs Paul vanDyk Seiten 2und 3 Frühling am Hindukusch Junge Afghanen entdecken die Liebe Seiten 4und 5 Hugh Grant, übernehmen Sie! Maxim Leo hat den ultimativen Brexit-Plan Seite 10 Anzeige www.atala.de Halbmarathon: Die Lauf-Karte SportSeite 23 Die Blume der DDR Sie stand im Palast der Republik, sie sollte im neuen Humboldt Forum stehen. Doch die Gläserne Blume liegt verrümpelt und vergessen in Kisten. Report Seiten 2und 3 HEINZ KRÜGER Wiewar’s bei Bob Dylan? Feuilleton Seiten 30 und 31 Anzeige Heute in der Berliner Zeitung Gratis Wenn jemand eine Freundin besucht, ist das in der Regel nichts Besonderes.Wenn Barack Obama aber Angela Merkel besucht, dann merken viele auf. Seit Freitagnachmittag ist er in Berlin, und sofort werden die Erinnerungen wach. An seinen ersten Auftritt im Jahr 2008 an der Siegessäule,vor 200 000 begeisterten Menschen, und an eine zögerliche Kanzlerin, der dieser Hype suspekt war. Und die den Präsidentschaftskandidaten dann doch im Kanzleramt empfing. Zwischen den beiden hat sich über die Jahre wohl tatsächlich so etwas wie Freundschaft entwickelt, das ist selten unter Politikern. Es ist oft spekuliert worden, was die Nähe zwischen diesen beiden auf den ersten Blick doch so unterschiedlichen Persönlichkeiten ausmacht. Eine mögliche Antwort ist, dass sie beide als Außenseiter den Wegandie Spitze ihrer Länder geschafft haben, entgegen aller Wahrscheinlichkeit und gegen mächtige Netzwerke. Merkel gelang dies als erster Frau, Ostdeutscher und Protestantin in der westdeutsch, männlich und katholisch ausgerichteten CDU und Obama als Schwarzem mit multikulturellem Hintergrund in einer von Weißen dominierten Partei. Solche Erfahrungen verbinden. Dazu kommt eine nüchterne Sicht auf die Welt und das Machbare, verbunden mit dem Vertrauen in die Gültigkeit von Fakten und die menschliche Vernunft. Natürlich kann man Merkels Einladung an Obama auch als eine Botschaft an den Präsidenten in Washington verstehen.Vorallem diesen Eindruck wollte man in Berlin nicht aufkommen lassen. Die Kanzlerin, erklärte ihr Sprecher Steffen Seibert, empfange Obama zu einem Gespräch –wie es immer wieder vorkomme, dass sie mit früheren Präsidenten und Regierungschefs, „mit denen sie eine Strecke lang eng und gut zusammengearbeitet hat, auch durchaus nach deren Zeit noch einmal zusammentrifft“. Aufdie Frage,obdas Treffen ein Zeichen an Trump sei, sagte er:„Diesem Eindruck würde ich entschieden widersprechen.“ Aber neben Merkel sind auch viele andere Deutsche, die Berliner zumal, ihrer Sympathie zu diesem besonderen Präsidenten treu geblieben, trotz aller während seiner achtjährigen Amtszeit aufgetretenen Belastungen, etwa durch die Spionageaffäre umdie NSA und den von ihm geförderten Krieg der Drohnen. Mit seinem Charme und seinem Charisma, seiner Empathie sowie seinem Bekenntnis zur internationalen Zusammenarbeit stellt er eine ideale Projektionsfläche für alle dar, die an das gute Amerika glauben. Daswirkt umso stärker, als er gleich zwei Mal im unmittelbaren Vergleich mit Präsidenten stand, die eher das Gegenteil, das hässliche Amerika repräsentieren: Sein Vorgänger George W. Bush, den bei seinem Feldzug gegen den Irak internationale Regeln ge- Macht der Erinnerungen Barack Obama und Angela Merkel treffen sich wieder im Kanzleramt. Ist das eine Botschaft an Donald Trump? Eins ist auf jeden Fall klar: Früher war nicht alles, aber vieles besser VonHolger Schmale Freundschaft, die ist selten unter Politikern. Aber es gibt sie: Angela Merkelund Barack Obama. DPA nauso wenig interessiert haben, wie das heute bei Donald Trump der Fall ist. In diesem Kontrast strahlt die Lichtgestalt Obama umso heller. Es gibt nur wenige Politiker, denen es gelingt, weit über ihre Amtszeit hinaus Ansehen und Einfluss zu wahren oder sogar zu steigern. In Deutschland ist Helmut Schmidt dafür ein Beispiel, dessen Ruhm umso mehr zu steigen schien, je länger seine Kanzlerschaft zurücklag. Gleichwohl sind es Charaktereigenschaften, die dabei eine Rolle spielen. Eine klareHaltung, Bescheidenheit und die Achtung dessen, was sich nach allgemeinem Empfinden gehört, zählen dazu. Deshalb ist das Ansehen von Schmidts Nachfolgern Helmut Kohl und GerhardSchröder, der übrigens an diesem Sonntag 75 wird, eher überschaubar –während es sich bei Angela Merkel wieder anders entwickeln könnte. Die Popularität Obamas und seiner Ehefrau Michelle zahlt sich im Übrigen im wahrsten Sinne desWortes aus. Ergehört zuden am besten bezahlten Rednern weltweit. Für einen Vortragvor BankerninNew York soll er 400 000 Dollar erhalten haben. Die billigsten Eintrittskarten für einen Auftritt in Köln am Donnerstag kosteten 75 Euro. Für 5000 Euro konnte man an einem Abendessen mit dem Ex-Präsidenten teilnehmen. Allerdings fließen diese Einnahmen zum größten Teil nicht in die Taschen der Obamas, sondern kommen ihren Stiftungen zu Gute. Dereigentliche Anlass für Obamas Besuch ist ein „Townhall-Meeting“ seiner Stiftung an diesem Sonnabend in Berlin. Daran nehmen rund 300 junge Menschen aus mehreren europäischen Ländern teil. „Präsident Obama und die Stiftung wollen direkt von aufstrebenden Führungskräften aus ganz Europa hören –über ihreBestrebungen, Herausforderungen und Themen von Interesse und Chancen“, teilte die Stiftung mit. Ein Ziel der Stiftung ist es, junge Menschen für bürgerschaftliches Engagement und die Übernahme von Führungsverantwortung zu begeistern. Die Veranstaltung findet in der privaten Europäischen Schule für Management und Technologie im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR in Mittestatt. Siewirdab15Uhr über die Webseite obama.orgausgestrahlt. Obama war am Freitag mit einem Privatflugzeug in Berlin eingetroffen. Anschließend besuchte er Angela Merkel im Kanzleramt. Sein Quartier bezog erwie bei früheren Aufenthalten im Hotel Adlon. Vondort sind es nur wenige Schritte zur US-Botschaft, in welcher der von Donald Trump entsandte offizielle Botschafter der Vereinigten Staaten, Richard Grenell, residiert. Es ist nicht bekannt, ob es während des Aufenthalts vonObama zu einem Kontakt der beiden Männer kommen sollte. Wahrscheinlich ist das nicht, denn Obamas Besuch wird als rein privat bezeichnet. Aber es ist derBesuch eines Botschafters des anderen Amerika. Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499 Leser-blz@dumont.de; Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501801 61014 Die schönstenStunden erleben Sie an einem Ort, an dem alles stimmt. Mit Formen, die einfach und klar sind. Ralph Bosshammer GmbH Karl-Marx-Allee 77 –79. 10243 Berlin. Tel. 030 42201520. www.dk-bulthaup.berlin

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