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Berliner Zeitung 06.05.2019

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Arm, aber glücklich: Das Leben in Gelsenkirchen – Seite 3 Das älteste Bild eines Berliners Seite 10 3°/11° Hin und wieder Regen Wetter Seite 2 Vergebene Chance: Union verliert in Darmstadt Sport Seite 20 www.berliner-zeitung.de Impfpflicht: Spahn kündigt Gesetz an Politik Seite 4, Leitartikel Seite 8 Montag,6.Mai 2019 Nr.103 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Rechnung: Parklets kosten eine halbe Million Euro Berlin Seite 14 Theatertreffen Ein Plädoyer für die Angst VonUlrich Seidler SeineKunst komme aus dem Wald der dunklen Bilder, des Horrors und der unheimlichen Geräusche. Dassagt Ersan Mondtag, derTheaterkünstler und „Maximalist“ (Eigenbezeichnung), als er am Wochenende den 3sat-Preis für eine künstlerisch innovative Leistung erhält. Seine sympathisch verhaspelte Rede am zweitenTagdesTheatertreffens ist ein Plädoyer für die Angst. Das verblüfft, weil seine Ästhetik vor Selbstsicherheit und Bildmacht strotzt. Angst sei, so Mondtag, nicht zu verwechseln mit Ersan Mondtag, maximaler Feigheit, sie sei Theaterkünstler auch nicht das Gegenteil von Mut, sondernvon Effizienz. Ersan Mondtag, 1987 in Berlin geboren, und dem Publikum hier durch Arbeiten am Gorki-Theater und am Berliner Ensemble bekannt, lotet, so die Jury,„das Zwischenreich von Theater und bildender Kunst“ aus.Inseiner Rede holt er aus gegen die Sonnigkeit von Begriffen, gegen das Licht der allwissenden und ausgrenzenden Kulturträgerschaft, gegen das Monologisieren der Mächtigen, gegen den Markt, gegen die Telefonschleifenphrasen jener, die immer schon wussten, wie man es macht. Besondere Erwähnung fanden „die Tröge der Kommentarspalten“, die „urbane Mythen“ über seine Arbeitsweise verbreiteten. Im Haus der Berliner Festspiele spricht auch der Dortmunder Intendant Kay Voges, dessen Haus für Mondtags „Internat“ mit der Einladung zum Theatertreffen geehrtund in Verlegenheit gebracht wurde – weil es trotz aller Bemühungen kein Gastspiel organisieren konnte. Es hätte allein fünf Tage gedauert, das Bühnenbild aufzubauen. Voges kontertdas Angstplädoyerdamit, dass er Mondtags Mut als Künstler lobt, der keine Kompromisse mache,sondern „eine Zumutung“ sei. Er bedankt sich bei seinen Mitarbeitern und dem Ensemble.Sie seien es nämlich, die diesen Mut (das Wort versteckt sich in Zumutung) ausbaden dürfen. Da will nun wiederum Mondtag, der sein Bedauern ausdrückt, wenn er im Ausnahmezustand der Proben jemanden verletzt haben sollte, nicht zurückstehen. Er gibt seinen Pokal an die Dortmunder Inspizientin weiter. Feuilleton Seite 21 Die digitale Frage Deutschland auf dem Wegin dieZukunft: Bei der Internetkonferenz re:publica verhandelt die Netzgemeinde jedes Jahr,was in Sachen Digitalisierung funktioniert und was nicht. Diesmal könnte es unruhig werden VonJörg Hunke Bedeutender geht es nicht. Bundespräsident Frank- Walter Steinmeier wird an diesem Montag die Digitalkonferenz re:publica eröffnen. Inzwischen besitzt nahezu jeder Bundesbürger ein Smartphone –und die re:publica mit mehr als 10 000 erwarteten Teilnehmern bietet in den kommenden drei Tagen die größte Bühne, umüber die technische Revolution zu sprechen –schon klar, dass da der Bundespräsident hingehört. DieDigitalisierung ist ein Thema, mit dem sich die Regierung sehr schwertut. Werdie Investitionssummen vergleicht, die andere Länder – und damit sind nicht nur die großen wie USA und China gemeint –für Forschungsprojekte zur Künstlichen Intelligenz oder zur Digitalisierung des Gesundheitswesen bereitstellen, staunt über die geringen Beträge im Bundeshaushalt. Gut also, dass etliche Mitglieder der Bundesregierung an der Konferenz teilnehmen. Hoffentlich werden sie in Zukunft besser verstehen, welches Potenzial die neue Technik bietet und welche Verpflichtungen eingegangen werden müssen, um weltweit mithalten zu können. Die flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet ist nur ein wichtiger Aspekt. Steinmeier hat zuletzt eine „Ethik der Digitalisierung“ gefordert, dazu gehört für ihn eine moderne Arbeitswelt, in der die Rechte der Angestellten gewahrt bleiben. „Weil Zukunftsangst, wo immer sie vorhanden ist, sich nicht in Demokratieskepsis verwandeln darf“, lautet seine Begründung. Es kann sein, dass es sehr ernst zugehen wird bei der re:publica in diesem Jahr. Schon zu Beginn vor zwölf Jahren war die Konferenz ein guter Gradmesser, wo die Gesellschaft gerade steht in Sachen Digitalisierung. 700 Blogger trafen sich in der Kalkscheune. Facebook war damals drei Jahre alt, Instagram gab es „Wenn es eine gewisse Schärfe in den Diskussionen gibt, dann entspricht das unserem Plattform-Gedanken. Es geht uns darum, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzubringen.“ Andreas Gebhard, Geschäftsführer und Gründungsmitglied der re:publica, über kontroverse Debatten, die die Konferenz prägen könnten noch nicht. Die Nerds hatten Spaß daran, eigene Texte im Netz zu verbreiten. Auch viele Frauen gehörten damals schon zur Blogger-Szene. VonKlassentreffen war die Rede. Später passten der Hype um Katzenvideos und die Sorge umDatensicherheit nach denVeröffentlichungen von Edward Snowden wunderbar zusammen, die Netzgemeinde war noch dabei, sich zu finden. Inzwischen sind aus einigen einst kleinen Plattformen mächtige Tech-Giganten geworden, ihre Methoden sind manchmal strafbar,oft umstritten. In Berlin fürchteten Aktivisten die Überwachung durch Google. Sie verhinderten vorMonaten ein Campus des US-Unternehmens in Kreuzberg. Sie werden bei der re:publica GETTY IMAGES auf Urheberrechtsgegner treffen, die bei den Protesten vor einigen Wochen auf der Seite von Google standen. Andreas Gebhard, Geschäftsführer und einer der Gründer der re:publica, sagt über das Spannungsfeld, in dem sich die Konferenz in diesem Jahr befindet: „Wenn es eine gewisse Schärfe in den Diskussionen gibt, dann entspricht das unserem Plattform-Gedanken. Uns geht es darum, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzubringen.“ Die geplante Diskussion zwischen dem CDU-Europapolitiker Axel Voss und dem Netzpolitiker Markus Beckedahl über das Urheberrecht könnte so ein Moment werden, denn die beiden vertreten extrem gegensätzliche Positionen. Und dann sind da die Kritiker, denen die re:publica zu groß, zu laut und zu massentauglich geworden ist. Gebhardspricht dagegen voneinem speziellen Auftrag in Zeiten, in denen sich die Rahmenbedingungen durch Innovationen ständig ändern. „Es ist ja eigentlich skandalös, dass so eine monumentale Veränderung in der Gesellschaft keinen Ort der Verhandlung hat“, sagt er. Obwohl es aus seiner Sicht zumindest einen gibt: die re:publica. Tagesthema Seite 2, Wirtschaft Seite 6 Wiegeht es Ihrem Bezirk? Interview-Serie mit den Berliner Bürgermeistern Monika Herrmann liebt ihr Fahrrad, besteht beim geschriebenen Wort auf dem Gendersternchen (oder zumindest darauf, dass beide Geschlechterformen genannt werden), und hält es für einen großen Fehler,dass die Eisbärin auf den Namen Hertha getauft wurde. Den West-Berliner Fußballclub als Namenspaten zu nehmen, sei ein Signal, dass die Menschen im ehemaligen Ostteil nicht gesehen werden, sagt die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg. „Schließlich gibt es mit dem 1. FC Union auch einen Fußballverein in ihrem Teil der Stadt.“ MitMonika Herrmann beginnt die Berliner Zeitung die Interview-Reihe „Lassen Sie uns über Berlin reden – Bürgermeister spezial“. In loser Reihenfolge werden wir mit allen zwölf Bezirksbürgermeisternreden. Es wird um Berlin gehen, ganz allgemein. Gentrifizierung wird eines der Themen sein, die immer wieder auftauchen. Und natürlich wird auch über die Probleme vorOrt,über den Bezirk gesprochen. In Friedrichshain- Kreuzberg ist zum Beispiel ein Thema zentral, das auch im Rest der Stadt diskutiert wird: Radfahren. „Wir brauchen eine bessere Infrastruktur für Radfahrende“, sagt Monika Herrmann. Doch damit alleine ist es nach Ansicht der Grünen-Politikerin noch nicht getan. Deswegen fordert sie, „dassVerstöße gegen die Straßenverkehrsordnung –egal ob vonFußgängern und Fußgängerinnen, Radfahrern und Radfahrerinnen oder Autofahrern und Autofahrerinnen –härter bestraft werden.“ Und zwar mit Geldstrafen, die gerne auch einen vierstelligen Bereich erreichen dürfen. (BLZ) Berlin Seite 12 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 11019 2. und3. November 2019 10 –17Uhr Cafe Moskau Karl-Marx-Allee 34 10178 Berlin Jetzt Aussteller werden! Diebesten Jahre Doppelmesse Reise &Gesundheit Anmeldung unter: berlin.messen@dumont.de oder (030)2327 6758 BERLIN MESSEN

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