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Berliner Zeitung 06.06.2019

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„Die SPD hat ihre Wähler vertrieben“: Oskar Lafontaine im Interview – Politik Seite 4 Heute mit Kulturkalender 29°/17° Schauer und Gewitter Wetter Seite 2 Der Fall Högel: Die Psyche eines Massenmörders Panorama Seite 28 www.berliner-zeitung.de Der Wald brennt: Das Großfeuer bei Jüterbog Berlin Seite 16 Donnerstag,6.Juni 2019 Nr.129 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Redebedarf: Die AfD und der Leipziger Kunststreit Leitartikel Seite 8 Pop Connors neues Lied VonChristian Schlüter Sarah Connor ist fassungslos. Da hat die 38-jährige Popsängerin in ihrer nun auch schon zwei Jahrzehnte währenden Karriere einige Höhen und Tiefen erlebt, auch den einen oder anderen Aufreger geboten wie etwa 2005 ihren missglückten Vortrag der Nationalhymne („Brüh im Lichte dieses Glückes“) bei der Eröffnungsfeier der Münchner Allianz Arena. Nun allerdings versteht die in Berlin lebende Künstlerin die Welt nicht mehr. Grund ist der Trubel, den ihr neues Lied „Vincent“ ausgelöst Sarah Connor will über ein wichtiges Thema sprechen. hat. Es handelt unter anderem von der Verwirrung und dem Herzschmerz eines Jungen als er erkennt, dass er schwul ist, und beginnt mit der folgenden, quasi-expliziten Zeile: „Vincent kriegt kein’ hoch, wenn er an Mädchen denkt“. Skandal! Etliche Radiosender nahmen den Song gleich ganz aus dem Programm, andere spielen ihn nur mit Einschränkungen, etwa indem sie ihn um die angeblich jugendgefährdende Zeile kürzen oder frühmorgens – wenn Kinder am Frühstückstisch sitzen oder im Auto zur Schule gebracht werden –nicht über den Äther schicken. Connor versteht das nicht. Ihr sei zwar bewusst, dass die erste Zeile verblüffen, ja auch empören könne, erklärte sie jetzt, aber das würde doch gerade zu einer Auseinandersetzung mit dem wichtigen Thema führen. Auch den Hinweis auf den Jugendschutz will Connor nicht gelten lassen. Sie habe das Lied ihrer Plattenfirma und auch ihren Kindern vorgespielt: „Ehrlich gesagt, gab es niemanden, der nicht am Ende des Songs verstanden hat, dass es um Liebe geht. Ich finde, man sollte es als Chance ergreifen, darüber zu sprechen.“ Nun, wir könnten noch hinzufügen, dass Connor die Chance genutzt hat, ordentlich Werbung für ihr neues Album „Herz Kraft Werke“ zu machen, auf dem „Vincent“ erschienen ist. Gleichwohl sollten wir es uns mit solchen Schlaumeiereien nicht zu leicht machen. Connor ist ihr gesellschaftliches Engagement durchaus abzunehmen: 2010 besuchte sie deutsche Soldaten in Afghanistan; während der Flüchtlingskrise 2015 nahm sie eine syrische Mutter mit deren fünf Kindern auf; mit ihrem Song „Wie schön Du bist“ (2015) veröffentlichte sie zudem ein wuchtiges Statement gegen Hass und Ausgrenzung. Und eines noch: Wir verdanken der Künstlerin mit der so kräftigen wie geschmeidigen Soulstimme eine Reihe schöner Lieder, erwähnt seien nur „From Sarah with Love“ (2001) oder, nun ja, „From Zero to Hero“(2005), doch ist „Vincent“ musikalisch wie textlich Connors bester Song seit langem. Anhören! Abgefahren Das DDR-Museum in Berlin widmet dem Trabi eine Sonderausstellung. 26 Geschichten über Sehnsucht, Ärger und Liebe Seite 13 BER: Nur Hoffnung, keine Garantie DerVerkehrsminister zweifelt am Eröffnungstermin –der Flughafenchef sagt: „Ich gehe weiterhin davon aus …“ VonPeter Neumann Die Stimmung ist angespannt. „Vom Briefeschreiben wird der BER nicht fertig“, sagte ein Planer am Mittwoch genervt. Wieder einmal hat die Flughafengesellschaft FBB ein Schreiben bekommen, in dem der Zeitplan für das Schönefelder Milliardenprojekt infrage gestellt wird. Es gebe „Unsicherheiten hinsichtlich einer termingerechten Eröffnung im Oktober 2020“, warnte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in dem Brandbrief, über den zuerst die Funke-Mediengruppe berichtet hatte. Ebenfalls am Mittwoch wurde aber auch eine andereEinschätzung laut –vonseiten der Opposition, die Projekten mit Bundesbeteiligung sonst meist kritisch gegenübersteht. „Auch wenn klar geworden ist, dass die Puffer erschöpft sind und nichts mehr schiefgehen darf, könnte dies eine Punktlandung werden“, sagte der Berliner Grünen-Bundestagsabgeordnete Stefan Gelbhaar.„Mirgibt das die Hoffnung, dass trotz des eng getakteten Zeitplans die Eröffnung des BER im Oktober 2020 möglich ist.“ So viel steht fest: Knapp anderthalb Jahrevor der angekündigten Inbetriebnahme des Flughafens, der eigentlich 2011 ans Netz gehen sollte,gibt es weiterhin Unsicherheiten. Auch am Mittwoch wich Flughafenchef EngelbertLütke Daldrup keinen Deut vondem ab,was er seit Monaten sagt. „Ich gehe weiter davon aus, dass der Flughafen im Oktober 2020 in Betrieb genommen werden kann“, sagte er im Beteiligungsausschuss des Abgeordnetenhauses.Was Scheuers Schreiben anbelangt, handele es sich um einen „normalen Vorgang zwischen einem Gesellschafter und seinem Unternehmen“, sagte der FBB-Chef trocken. Lütke Daldrup wiederholte, was er zuvor dem Verkehrsausschuss des Bundestages mitgeteilt hatte: Das Vorhaben bewege sich in dem Zeitrahmen, den die FBB Ende 2017 skizziert hatte. „Wir liegen im Erwartungskorridor.“ Auffällig war diesmal, dass die Firmen, die für die verbliebenen risikoträchtigen Gewerke zuständig sind, in beiden Parlamentsgremien den Optimismus teilten. Da ist zum einen Bosch, zuständig für die Brandmeldeanlage. Für deren Fertigstellung gelte der Zeitraum „Ende Juni bis in den Juli hinein“, sagte Thomas Reinicke von Bosch Sicherheitssysteme. Berichte, wonach das Unternehmen einen für Ende Märzgesetzten Termin gerissen habe, träfen nicht zu. DieVorgabe war,852 Szenarien zu testen –das sei geschehen. „Wir haben unsere Verpflichtungen in vollem Umfang erfüllt und liegen im gemeinsam vereinbarten Zeitraum“, sagte der Ingenieur. Bosch habe keine Schwierigkeiten mit der Brandmeldeanlage. Auch bei der Verkabelung soll eine wichtige Etappe in vier bis sechs Wochen enden. „Wesentliche Mängel werden bis Ende Juni abgearbeitet“, sagte Burkhard Schmidt, Chef „Dieser Brief ist sonderlich. Der Bund ist Miteigentümer dieses Flughafens.“ Stefan Gelbhaar, Obmann der Grünen im Verkehrsausschuss im Bundestag der FirmaROM. Damit zeigte er sich sogar noch zuversichtlicher als der Flughafenchef, der von Juli 2019 sprach. Gemeint waren Mängel, die behoben werden müssen, bevor die Wirk-Prinzip-Prüfung beginnt –der große Verbundtest, bei dem das Zusammenwirken aller Anlagen imTerminal untersucht wird. Diese Prüfung soll in diesem Sommer beginnen und im Herbst enden, bekräftigte Lütke Daldrup. Dem Vernehmen nach ist der Start für Ende Juli oder Anfang August vorgesehen. InklusiveVorbereitung und Nachlauf werden drei Monate veranschlagt. Im Herbst will die FBB beim Bauordnungsamt in Königs Wusterhausen die Baufertigstellungsanzeige einreichen, die Nutzungsfreigabe wird für Frühjahr 2020 erhofft. Doch noch bleiben Unwägbarkeiten. Kein Planer will die Hand dafür ins Feuer legen, dass die Wirk-Prinzip-Prüfung positiv verläuft – darüber entscheiden die Prüfer. Deshalb will auch Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD), der Berlin in der FBB-Gesellschafterversammlung vertritt, nicht garantieren, dass der Flughafen im Oktober 2020 öffnet. Von einer Garantie wolle er nicht sprechen, sagte er im Beteiligungsausschuss – wohl aber von einem „zielorientierten Prozess“ zur Fertigstellung. „Wäre Verkehrsminister Scheuer so besorgt, wie sein Brief es glauben machen will, dann hätte er heute alle seine Fragen stellen können“, sagte Gelbhaar nach der Sitzung im Bundestagsverkehrsausschuss. Auch dort hätten die Firmen ihre Zeitpläne „monatsscharf“ vorgestellt und damit Scheuer, der den Stand der Arbeiten kritisch eingeschätzt hatte,indirekt widersprochen. DerCSU-Mann sei nun schon der dritte Bundesverkehrsminister, den das Projekt erlebt habe,sagte Kollatz. „Alle drei haben sich darin gefallen, den Weiterbetrieb Tegels ins Gespräch zu bringen“, keiner habe den BER gut gefunden, grollte er. Wer hat recht, wenn es um den BER geht? Andreas Otto von den Grünen brachte das Dilemma auf den Punkt. Die Situation sei immer wieder die gleiche: Es gebe Zweifel, und die FBB reagiere. „Was soll uns Herr Lütke Daldrup hier eigentlich sagen?“, fragte er.„Ichkann nur hoffen, dass es nicht allzu viele Dinge gibt, die er uns nicht sagen kann.“ DPA/PAUL ZINKEN Fünf Jahre Mietenstopp für Berlin Rot-Rot-Grün will die Preise einfrieren VonUlrich Paul InBerlin soll es in den nächsten fünf Jahren so gut wie keine Mieterhöhungen mehr geben. Das geht aus einem Eckpunktepapier für einen sogenannten Mietendeckel hervor, das die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erarbeitet hat. Mit dem Mietenstopp solle „die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt“ beruhigt und den Mieterndie Sorgevor steigenden Mieten genommen werden, sagte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) am Mittwoch.„ImKern soll das Gesetz die Mieten auf dem heutigen Stand für fünf Jahreeinfrieren und überhöhte Mieten bei Wiedervermietung auf eine angemessene Höhe reduzieren.“ Geplant ist ein Landesgesetz, das einen Mietenstopp für alle frei finanzierten Wohnungen in Mehrfamilienhäusern vorschreibt. Das sind etwa 1,4 Millionen der 1,9 Millionen Wohnungen in der Bundeshauptstadt. Ausgenommen von der geplanten Regelung sind Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Sozialwohnungen. Für Neubauten, die noch nicht vermietet wurden, soll der Mietendeckel ebenfalls nicht gelten, heißt es in dem Konzept, das der Berliner Zeitung vorliegt. Die Berliner Morgenpost hatte zuerst darüber berichtet. Nicht nur in Berlin, sondern bundesweit werden Forderungen nach einem besseren Schutz der Mieter vor steigenden Wohnkosten laut. Der Deutsche Mieterbund verlangte am Mittwoch von der Bundesregierung „eine Neuausrichtung in der Wohnungs- und Mietenpolitik“. Mieterbund-Präsident Franz-Georg Rips sagte: „Bloße Parolen und Lippenbekenntnisse wie bauen, bauen, bauen, mietrechtliche Kleinstreformen zur Mietpreisbremse und zur Modernisierung reichen nicht aus.“ Nötig seien „in erster Linie bezahlbare Mietwohnungen und mehr Sozialwohnungen“, so Rips. Deutschlandweit müssten 80000 Sozialwohnungen sowie 120000 weitereerschwingliche Wohnungen pro Jahr errichtet werden.Außerdemmüsse einGrundrecht auf angemessenes und bezahlbaresWohnen eingeführtwerden. Tagesthema Seite 2, Kommentar Seite 8 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 41023

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