Aufrufe
vor 2 Jahren

Berliner Zeitung 06.09.2018

  • Text
  • Cinestar
  • Kino
  • Berlin
  • Vorstellung
  • Berliner
  • Cineplex
  • Kinowelt
  • Palast
  • September
  • Urlaub
  • Zeitung
  • Berlin.de

Berliner Zeitung

Matteo Salvini: WieerItalien beherrscht und Europa bedrängt – Seite 3 Heute mit Kulturkalender 14°/26° Sonne, wenig Wolken Wetter Seite 2 „Idiot“: Bob Woodwards Enthüllungen über Trump Politik Seite 6 www.berliner-zeitung.de Schlicht: Wo Staatsgäste am BER landen sollen Berlin Seite 10 Donnerstag,6.September 2018 Nr.208 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € CSU –oder warum Markus Söder Berlin nicht mag Tagesthema Seite 2, Kommentar Seite 8 Nationalmannschaft Ein deutscher Spieler VonPaul Linke Nach den Pfiffen, Beleidigungen, dem Hass, nach den schwersten Momenten seines ohnehin nicht so leichten Fußballerlebens ist Ilkay Gündogan in die Kabine geflüchtet, mit Tränen in den Augen, und dort hat er sich erst mal in der Toilette eingesperrt. Mitte Juni war das: Länderspiel gegen Saudi-Arabien in Leverkusen, eine Woche vorder WM in Russland, einen Monat nach dem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, IlkayGündogan bleibt deutscher Nationalspieler. das Gündogan, 27, die „Sache mit den Fotos“ nennt und keinesfalls ein politisches Statement. Viele sahen das bekanntlich anders. Die Beleidigungen hörten nicht auf. Der Hass wurde immer größer. An diesem Abend spielt Deutschland gegen Frankreich, es ist der erste Auftritt der Nationalmannschaft nach dem „großen Misserfolg“, wie Gündogan es unaufgeregt nennt, weil er ein Fußballturnier nicht mit einer Staatskrise verwechselt. Vorein paar Tagen hat er erstmals darüber gesprochen, in den Zeitungen der Funke- Mediengruppe stand sein Bekenntnis: „Ich bin nach wie vor stolz, für Deutschland aufzulaufen.“ Und das wirderwohl auch tun. Im Gegensatz zu Mesut Özil hat Gündogan nie an einem Rücktritt gedacht. Doch wie wird ihn das Publikum in München empfangen? Wird es wieder Pfiffe geben? Oder Beifall, wenn er gefoult wird? Thomas Müller sagte vor dem Spiel, dass die Mannschaft sich bewusster vorGündogan stellen will. Aber wie? Und: Kommt das eigentlich nicht zu spät? Deutschland debattiert zurzeit darüber,wer hier in der Mehrzahl ist, welches Wir stärker ist. Jedes öffentlich gesprochene, gesungene Wort hat das Potenzial, die Debatte zu verschärfen. Gündogan will nur mit Deutschland gewinnen. Weil es auch sein Deutschland ist. SportSeite 20 Mehr Druck auf die Clans Berlin ermittelt jetzt konsequenter: Wieder geht die Polizei gegen eine kriminelle Großfamilie vor VonAndreas Kopietz Die Puhdys und das Geld Streit um die Rockerrente: Wemgehören die Songs der Band? Darüber können sich die Musiker nicht einigen –der Tonwird rau Panorama Seite 28 AmMittwoch stürmten Polizisten in Neukölln einen Laden und eine Wohnung. Wieder richtete sich die Aktion gegen einen polizeibekannten arabischen Clan. Beidem 28-jährigen Hassan C. fand die Polizei einen Karabiner, scharfe Munition, illegale Medikamente und Zehntausende Euro Bargeld. Immer wieder gab es in den vergangenen Wochen Razzien gegen arabische Großfamilien, von denen ein Teil der Mitglieder der organisierten Kriminalität (OK) zugerechnet werden. Clan C. soll im Geschäft mit Drogen, Prostituierten und Falschgeld aktiv sein. Ähnlich wie Familie R. die kürzlich mehrmals Polizeibesuch bekam. Der Clan soll hinter dem 100-Kilogramm-Goldmünzenraub aus dem Bodemuseum stecken. Beider Familie wurden im August 77 Immobilien beschlagnahmt. DerHauptgrund für die vermehrten Razzien liegt in einer neuen Ermittlungsweise: Seit vier Jahren sind für bestimmte Angehörige der Clans dieselben Ermittler bei Polizei und Staatsanwaltschaft zuständig. Jedes Delikt –vom Falschparken bis zum Einbruch –wird von denselben Beamten konsequent verfolgt. „Dadurch gewinnen wir mehr Informationen über die Zielperson“, sagt ein LKA-Ermittler.„Daraus ergeben sich Verfahren, die jetzt zu den Durchsuchungen führen.“ Einanderer Fahnder sagt: OK-Ermittlungsverfahren dauerten im Schnitt vier Jahre und seien aufwändig. „Man muss observieren, Telefone überwachen, Dolmetscher hinzuziehen.“ Einige Verfahren sind nun so weit, dass die Beamten zuschlagen können. „Dass diese Arbeit immer öfter auch zum Erfolg führt, ist ein gutes Zeichen für die Sicherheit in unserer Stadt“, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) der Berliner Zeitung. Auslöser für Razzien sind aber auch vermehrte Auseinandersetzungen im Clanmilieu –zuletzt in der Nacht zum Montag, als in Britz zwei Männer niedergeschossen wurden. Unabhängig davon hatten sich zuvor zwei Clans in Kreuzberggeprügelt. Nicht zuletzt bieten auch neue rechtliche Möglichkeiten, kriminell erlangtes Vermögen abzuschöpfen, einen Anreiz, gegen die Clans vorzugehen. Im Juli 2017 setzte die Bundesregierung ein entsprechendes Gesetz in Kraft und erfüllte nach zwölf Jahren damit eine EU-Richtlinie laut der bei jedem Strafverfahren zwingend zur prüfen ist, ob kriminelles Vermögen eingezogen werden kann –mit überschaubaren Erfolg. 2017 passierte das in Berlin 791-mal mit einer Gesamtsumme von19Millionen Euro, wie die Justizverwaltung vermeldete. Das meiste Geld konnten die Behörden jedoch nicht einziehen: aus formalen Gründen, weil es nichts zu holen gab oder weil Ermittler vorGericht nicht die kriminelle Herkunft des Vermögens nachweisen konnten. Nur 1014 449 Euro undneun Cent konnte der Staat einbehalten, wie die Justiz auf eine Anfrage der FDP einräumte. Für den FDP-Abgeordneten Marcel Luthe sind die Razzien deshalb reine PR- Kampagne. Und Norbert Cioma von der Gewerkschaft der Polizei fordert: „Wir brauchen endlich die Beweislastumkehr. Ein Beschuldigter muss nachweisen, woher er das Geld für sein Luxusauto oder seine Villa hat.“ GETTY IMAGES/ULLSTEIN Kretschmer: „Es gab keine Hetzjagd“ Merkel widerspricht und bleibt bei ihrer Darstellung Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat in einer Regierungserklärung am Mittwoch dazu aufgerufen, Rechtsextremismus „mit aller Kraft“ zu bekämpfen. „Ich bin der festen Überzeugung, dass Rechtsextremismus die größte Gefahr für die Demokratie ist“, sagte er. Die Rede im Landtag war die Reaktion auf die Ereignisse in Chemnitz. Er warnte aber auch vorVorurteilen und kritisierte die Medien. „Klar ist: Es gab keinen Mob, keine Hetzjagd und keine Pogrome.“ Daraufhin forderte der AfD-Chef Jörg Meuthen von Kanzlerin Angela Merkel eine Entschuldigung. Ihr Sprecher hatte über die rechten Demonstrationen am 27. August unter anderem gesagt, es habe „Hetzjagden“ gegeben. Noch am Mittwochnachmittag reagierte Merkel. Sie bekräftigte ihre Verurteilung der Ausschreitungen und Proteste in Chemnitz. Es habe Bilder gegeben, die „sehr klar Hass und damit auch die Verfolgung unschuldiger Menschen“ gezeigt hätten. Davon müsse man sich distanzieren, sagte Merkel in Berlin. „Damit ist alles gesagt“, fügte sie hinzu. Derweil bereiten zahlreiche Prominente eine Großdemonstration in Berlin am 13. Oktober für eine offene und solidarische Gesellschaft vor. (dpa) Politik Seite 4, Kommentar Seite 8, Berlin Seite 9 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 41036 EXTRAPORTION SHOPPINGZEIT Sonntag, 09.09. von13–18Uhr rathauscenter-pankow.de GRATIS PARKEN!

2019

2018