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Berliner Zeitung 07.03.2019

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Atomwaffen und Friedensliebe: Russlands Premier Medwedew im Gespräch – Politik Seite 6 Heute mit Kulturkalender 8°/14° Regnerisch Wetter Seite 30 Tipps für den Feiertag: Tanzen und demonstrieren Berlin Seite 16 www.berliner-zeitung.de Der Palast der Republik: Auferstanden als Festival Feuilleton Seite 23 Donnerstag/Freitag,7./8. März 2019 Nr.56HA-75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Jetztist alles vorbei: Der politische Aschermittwoch Politik Seite 4 Selbstbewusst und frei VonMarcus Weingärtner Die Berlinerin, sie bestimmt selbst, was zu tun ist. Die Berlinerin In einer Wochenzeitschrift war über die Berlinerin zu lesen, dass sie klug, mütterlich und einfühlend versuche, dem hilfesuchenden Mann mit Rat zur Seite zu stehen. Dasalles sei ganz typisch für die Berlinerin. Daswar 1951, und jede Berlinerin würde diese Beschreibung heute zu Recht entrüstet von sich weisen. Aber wie ist sie denn nun wirklich, die Hauptstädterin? Der Mikrozensus weiß, dass sie im Schnitt 42,9 Jahre alt ist, meist verheiratet, erwerbstätig und im Schnitt mit 1300 Euro netto nach Hause kommt. Die Berlinerin arbeitet 33,4 Stunden pro Woche und erreicht ihren Arbeitsplatz mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Sollten Sieinder Bahn eine 1,66 Meter große, 67,4 Kilogramm schwere Frau sehen, die in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis steht, handelt es sich um die Durchschnittsberlinerin. Das klingt alles recht nüchtern. Einem Fitnessmagazin zufolge flirtet die Hauptstädterin im bundesweiten Vergleich immerhin sehr gerne. Das kann man sich gut vorstellen, schüchtern ist die Berlinerin sicherlich nicht. Als freizügig gilt sie, eine Art moderne Anita Berber, beherzt und mutig wie Rosa Luxemburg für ihre Ideale einstehend. Selbstbewusst nimmt die Berlinerin ihr Leben in die Hände wie die Dietrich und die Knef –alleinerziehend, cool und, wie es der Psychologe sagen würde: angstfrei in der Auseinandersetzung mit ihrer sozialen Umwelt. Bis zum Zweiten Weltkrieg war Berlin eine Männerstadt, die die aufkeimende Frauenbewegung skeptisch beäugte,über Suffragetten und Bubiköpfe spottete. Nach dem Krieg hatten sich die Verhältnisse geändert. Frauen bestimmten nun das Straßenbild der zerbombten Stadt. DieBerlinerin räumte auf und baute auf –die Trümmerfrauen dieser Zeit haben maßgeblich zum Selbstbild der Berlinerin bis zum heutigen Tag beigetragen – die Freiheit, die der Krieg der Berlinerin paradoxerweise brachte, ließ sie sich danach nicht mehr nehmen. Dasist bis heute so – die Durchschnittsberlinern, mag sie aussehen, wie sie will, ist eine selbstbewusste und freie Frau. ZumGlück. 19% Nur VonChristine Dankbar Seit mehr als hundert Jahren wird der Frauentag in Deutschland gefeiert, doch in Berlin gibt es nun diese Premiere: Erstmals ist der 8. März auch ein arbeitsfreier Feiertag. Der Beschluss ging so schnell durchs Abgeordnetenhaus, dass keine Zeit blieb, den Tagmit einem angemessenen Inhalt zu füllen. Blumen am Arbeitsplatz gibt es nun ja nicht, dafür sind die Kinder zu Hause und wollen bespaßt werden, weil Schule und Kindertagesstätten geschlossen sind. Es müssen wohl neue Traditionen her. „Ich empfand diese FeiernamArbeitsplatz passender als andernorts. Insoweit bedaure ich die Entscheidung, ihn zu einem Feiertag zu machen, mit der Konsequenz, dass alle zu Hause bleiben und die Kollegin an ihrem Festtag zu Hausfrau und Mutti mutiert“, schreibt unsere Leserin Wilma Noffke. Sie und andere haben uns geschrieben, wie in den Berliner Betrieben vor und auch nach der Wende der Frauentag begangen wurde. Manche fanden es wunderbar, andere peinlich und überflüssig. Aber es war eben eine Tradition. Eines wird inden Briefen aber klar: Die Frauen erwarten mehr als nur Symbole. Und auch, wenn einmal im Jahr ein Frauentag gefeiertoder auch nicht gefeiertwerden mag, sehen sie klar, was bisher erreicht wurde –und was nicht. Besonders auf den Punkt gebracht hat das unsere Leserin Barbara Esch-Eckert. Sieschreibt:„Ich brauch keine Blumensträuße oder Essenseinladungen, sondern gleichen Lohn für gleiche Arbeit, freie Verfügungsgewalt über meinen Körper, Ganztagsschulen und -kitas mit kleinen Gruppen und viel qualifiziertem Personal, emanzipierte Männer und demokratische Parteien, die nicht nur reden, sondern handeln.“ Die Briefe finden Sie auf der Doppelseite 18 und 19. Nicht nur reden, sondernhandeln –solebt Stephanie Auras. Sie ist in Finsterwalde geboren, hat im Westen der Bundesrepublik gelebt und ist dann nach New York gegangen. Und nein, sie ist dort nicht untergegangen, sondern fand es wunderbar. Dennoch ist sie in ihre Geburtsstadt zurückgekehrt. Weil sie es wollte. Dort suchte sie erst lange nach Arbeit und startete schließlich ein Rückkehrer-Projekt. Mittlerweile hat sie eine Familie gegründet und sagt, Kindern sei schließlich egal, „ob sie am Senftenberger SeeimSand spielen oder auf Long Island“. Selbstbewusster kann man als Brandenburgerin nicht sein. IhrPorträt lesen Sieauf Seite 12. Sandra Hüller ist auch wieder zurückgekehrt. Die preisgekrönte Schauspielerin ist in Thüringen geboren. Sie hat in Berlin studiert und war an TheaternimWesten Deutschlands und der Schweiz engagiert. Nun lebt sie wieder im Osten. Es ist weder ein Zufall noch ein besonderes politisches Postulat. Sieist einfach in ihre Heimat zurückgekehrt, in der sie eine ganz normale Kindheit gehabt habe, wie sie MwSt.GESCHENKT * noch bis DIESEN VERKAUFSOFFENEN SONNTAG, 10.03.2019 |13–18 Uhr Frauentag? Jeder Tag! Warum es gut ist, dass der 8. März ein Feiertag ist. Und warum es um mehr geht als um Symbole –eine besondere Ausgabe der Berliner Zeitung mit Porträts, Gedanken und Briefen. Über den Taghinaus uns erzählt. Das heißt nun aber nicht, dass sich nicht selbstbewusst verortet. Natürlich sei sie Feministin, erzählt sie. „Ich weiß gar nicht, wie man das in der heutigen Welt nicht sein kann.“ Das Porträt steht auf den Seiten 2und 3. Ob die Tochter unserer Kollegin Anne Lena Mösken sich einmal als Feministin bezeichnen wird, ist völlig unklar. Sie ist drei Jahre alt und geht am liebsten mit dem neuen Prinzessinnenkleid in die Kita, das ihr ihreOma geschenkt hat. Auf Seite 8 hat Anne Lena Mösken einen Brief an ihreTochter geschrieben und ihr darin erzählt, wie lang die Liste der Dinge ist, die Frauen auch im Jahr 2019 noch nicht erreicht haben, dem Jahr,indem derFrauentag in Berlin ein Feiertag wurde.„Mirselbsthat der Frauentag lange nichts bedeutet“, gesteht sie selbst. „Bei uns im Norden,woich groß geworden bin, gab es Blumen zum Muttertag. Ichhabenichts gegen Blumen, aber jetzt, wo ich selbst Mutter bin, hätte ich lieber eine Politik, die Frauen die gleichen Chancen wie Männern verschafft.“ Am Frauentag will sie mit ihrer Tochter für Frauenrechte demonstrieren. Und dabei aufpassen, wie viele Männer mitmachen. Das könnte natürlich ein guter Ansatz sein für eine neue Tradition am arbeitsfreien Frauenfeiertag: Männer machen sich stark für Frauenrechte. Statt Nelken zu überreichen und Kuchen mitzubringen, gehen sie in Scharen für Frauenrechte demonstrieren. Wir sehenuns dort! EinMuslim als Kanzler? „Warum nicht?“ CDU-Fraktionschef sagt: Religion nicht entscheidend Wer könnte auf Angela Merkel als Bundeskanzlerin folgen? Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) geht nach eigenen Worten zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer die nächste Kanzlerkandidatin vonCDU und CSU wird. Doch für die Zeit danach zeigt sich Brinkhaus bei der Kandidatenwahl offen. Der evangelischen Nachrichtenagentur Idea erklärte er, er könne sich auch einen muslimischen Kanzler vorstellen. „Warum nicht?“, sagte er auf eine entsprechende Frage im Interview.„Wenn er ein guter Politiker ist und er unsereWerte und politischen Ansichten vertritt, kann auch ein Muslim im Jahr 2030 CDU-Kanzler werden“, so Brinkhaus.„In manchen Regionen gehört nur noch ein Bruchteil der Bevölkerung einer Kirche an. Deshalb sind auch Muslime, die unsere Werte teilen und zum Grundgesetz stehen, herzlich eingeladen in der CDU mitzumachen.“ Und weiter: „Für mich ist nicht entscheidend, welcher Religion ein Mensch angehört, sondern welche Werteerhat. DieCDU ist keine Religionsgemeinschaft –das unterscheidet uns vonder katholischen Kirche, in der ich Mitglied bin.“ Es ist nicht das erste Mal, dass der Fraktionschef für mehr Offenheit gegenüber Muslimenwirbt. Im Dezember forderte er in der FAZ, auch Menschen anderen Glaubens oder Atheisten willkommen zu heißen. (BLZ/RND) Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, die nächste Ausgabe der Berliner Zeitung erscheint nach dem Feiertag am Sonnabend, dem 9. März. 194050 501603 41010 Möbel Hübner GmbH | Genthiner Str. 41 | 10785 Berlin | www.moebel-huebner.de *Davon ausgenommen sind bereits reduzierte Angebote, die Möbel Hübner PREMIUM-Kollektion, Gardinen sowie die Marken Musterring, Schöner Wohnen und Stressless ® ,nicht kombinierbar mit anderen Aktions- und Einkaufsvorteilen, gilt nur für Neukäufe bis 10.03.2019. Aus gesetzlichen Gründen kann die MwSt. nicht als solche erlassen werden. Der Kassenbon wird weiterhin eine MwSt. ausweisen.

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