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Berliner Zeitung 08.05.2018

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Stark: Die vierte Weißensee-Staffel über die Stasi-Familie – Feuilleton Seite 21 Wut: Parken auf Radstreifen, Seite 9 13°/26° Wolkenlos Wetter,Seite 2 Der Berliner Laden Zauberkönig muss raus Berlin Seite 10 www.berliner-zeitung.de Einzelkämpfer: John McCain regelt sein Erbe Seite 3 Dienstag,8.Mai 2018 Nr.106 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Online zum Arzt: Der Ärztetag will das erlauben Tagesthema Seite 2 Hotzenplotz Der Räuber ist wieder da VonMarcus Weingärtner Das ist eine Sensation! Am Montag gab der Thienemann-Esslinger Verlag bekannt, dass noch in diesem Jahr ein neues Abenteuer des Räubers Hotzenplotz erscheinen wird. Am 17. Juli kommt„Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ in die Buchläden. Unddas,obwohl sein Schöpfer Otfried Preußler bereits 2013 verstorben ist. Dasbis dato unbekannte Abenteuer hat die Tochter des Kinderbuchautors, Susanne Preußler-Bitsch, im Nachlass ihres weltberühmten Vaters entdeckt. Als Preußler- Räuber Hotzenplotz fliegt zum Mond. Bitsch, geboren 1958 und jüngstes von drei Kindern des Kinderbuchautors, auf das 50 Jahrealte Bühnenstück „Die Fahrt zum Mond“ stieß, sei ihr sofort bewusstgeworden, „welch wunderbarenSchatz ich in den Händen hielt“. Denn neben „Die kleine Hexe“ und „Krabat“ ist „Der Räuber Hotzenplotz“ von 1962 wohl Preußlers berühmtestes Werk und auch bei der Mondfahrt sind sie alle wieder mit dabei, die die Abenteuer des derben und fluchenden Pistolenschwingers begleitet haben: DasKasperl und der Seppel, die Großmutter und der Wachtmeister Dimpfelmoser. Sie alle wollen den Räuber dingfest machen, nachdem dieser aus dem Gefängnis ausgebrochen ist, und sind fest entschlossen, ihn dafür zum Mond zu schießen. Was ein wenig altbacken klingt, ist bei näherer Betrachtung die große Kunst des 1923 in der Tschechoslowakei geborenen Schriftstellers. Seine Figuren –die renitente kleine Hexe, die sich nicht fügen mag, der aufbegehrende Zauberlehrling Krabat und der vollbärtige Polterer Hotzenplotz –sind so warmherzige und authentische Charaktere, die in ihrenBemühungen, alles zu hinterfragen und Herausforderungen auf ihre ganz eigene Artzulösen, auch scheitern dürfen. Um es dann erneut zu versuchen. Preußlers Figuren sind Kinder in Märchengestalt, sie lernen durch ihre Fehler und arbeiten sich ab an Autoritäten, loten Grenzen aus und verweigern sich. Ihre Ängste und Probleme indes gleichen denen echter Kinder. Da ist der Räuber Hotzenplotz keine Ausnahme: Gerissen und gefährlich schwingt er die Pfefferbüchse,keine Flunkerei ist ihm fremd und nicht einmal des Kasperls Großmutter heilig. Gleichzeitig hat die Figur die Aura eines großen Freundes, ein Brummbär der Behaglichkeit, ambivalent und hinreißend. Man kann ihn fürchten und dabei Spaß an ihm finden. Und für die Familie Preußler ist er wohl Segen –mehr als 55 Millionen Bücher von Otfried Preußler wurden bis heute verkauft. Ab Juli dieses Jahres dürften es noch ein paar mehr werden. Klatschen für Putin Die Macht im Bild: Wladimir Putin ist erneut als Präsident Russlands vereidigt. Sein alter und neuer Ministerpräsident Dmitri Medwedew gratuliert und Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder applaudiert. Politik Seite 5 Berliner Mieten steigen extrem In nur sieben Jahren um 71 Prozent: Das ist die Bilanz des neusten Wohnungsmarktberichts VonUlrich Paul Das aktuelle Dilemma auf dem Berliner Wohnungsmarkt spiegelt sich in zwei Zahlen: Die Mieten sind in den vergangenen sieben Jahren um 71 Prozent gestiegen. Und der Neubau bereits genehmigter Wohnungen kommt nur schleppend voran. Bis Ende 2016 waren in Berlin von51551 genehmigten Neubauwohnungen gerade mal 64 Prozent in Bau. DerBerliner Wohnungsmarkt bleibt ein Problem, lautet die Botschaft des Wohnungsmarktbericht 2017 der Investitionsbank Berlin (IBB), der am Montag präsentiert wurde. „Die Anspannung auf dem Berliner Wohnungsmarkt hat sich weiter deutlich verschärft“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) bei der Vorstellung des Werks. Gerade mal zehn Prozent der freien Wohnungen seien im vergangenen Jahr noch für Mieten unter sieben Euro proQuadratmeter angeboten worden. Lompscher appellierte an die Bundesregierung, die Mietpreisbremse zu verschärfen und die Umlage der Modernisierungskosten zu begrenzen. „Sonst haben wir ein Problem“, sagte sie. Wereine Wohnung in Berlin mieten wollte, musste dafür im vierten Quartal 2017 im Schnitt 10,80 Euro proQuadratmeter kalt bezahlen. Immerhin: Die Preise für Neubauwohnungen stagnieren seit einigen Jahrenbei rund 13 Euro.Ein Indiz dafür, dass hier die Leistungsfähigkeit der Mieter erreicht ist. Die höchsten Mieten wurden in Mitte verlangt. Dahinter folgen Wohnungen in Friedrichshain-Kreuzberg, Charlottenburg-Wilmersdorf und Pankow. Am günstigsten waren Wohnungen in Marzahn-Hellersdorf, aber auch dort wurden durchschnittlich 7,16 Zwar hat der Senat im Jahr 2014 die Förderung von Sozialwohnungen wieder aufgenommen. Doch die Wohnungen, die in den nächsten Jahren geplant sind, werden den Wegfall alter Sozialwohnungen gerade mal ausgleichen. Ziel ist es laut dem IBB-Bericht, die Zahl von 100 000 Sozialwohnungen in Berlin Angebotsmieten Nettokalt für Wohnungen in Euro pro Quadratmeter 2017 12 und mehr 11 bis unter 12 10 bis unter 11 9bis unter 10 8bis unter 9 unter 8 keine Angebote BLZ/GALANTY; QUELLE: IMMOBILIEN SCOUT GMBH; EIGENE BERECHNUNGEN Euro je Quadratmeter verlangt. In denBericht flossen 110 000 Immobilienannoncen aus Berlin ein. Während die Mieten steigen, geht die Zahl der Sozialwohnungen immer stärker zurück. Von 2007 bis 2017 fielen laut IBB-Bericht rund 88 000 Sozialwohnungen aus der Bindung. Das heißt, sie verloren ihren Status als Sozialwohnung. Mittlerweile verfügtBerlin nur noch über rund 100 000 Sozialwohnungen. konstant zu halten. Wirkliche Entlastung für Geringverdiener durch mehr Sozialwohnungen wird esalso nicht geben. Beim Neubau ist mittlerweile nicht die Zahl der Baugenehmigungen das Problem. Die liegt seit zwei Jahren mit rund 25000 Wohnungen jährlich so hoch, dass damit ohne Probleme die rechnerisch benötigten 20 000 Wohnungen jährlich errichtet werden könnten. Das Prob- lem ist, dass ein großer Teil bereits genehmigter Wohnungen nicht realisiert wird. Das liegt zum einen daran, dass offenbar manche Grundstückseigentümer darauf spekulieren, bei einem Verkauf gute Gewinne zu machen, ohne selbst bauen zu müssen. Zumanderen liegt es aber an der Auslastung der hiesigen Baubetriebe.„DieBauwirtschaft hat die Kapazitätsgrenze erreicht“, sagte IBB-Vorstandschef Jürgen Allerkamp. „Die Auftragsbücher sind voll.“ Überall seien die Baubetriebe an der Kapazitätsgrenze, weiß auch Senatorin Lompscher. Es fehle an Fachkräften, Baumaschinen und selbst an Deponieflächen für den Erdaushub. Sie ermutige die Firmen dazu, ihre Kapazitäten zu erhöhen, sagte Lompscher. Doch die Unternehmen reagierten noch zögerlich. Sie verweisen laut Lompscher darauf, dass sie sich in den 90er-Jahren verschätzt und zu große Kapazitäten aufgebaut hätten. Die Auslastung der Bauwirtschaft führt laut Wohnungswirtschaft dazu, dass die Baubetriebe bei Ausschreibungen hohe Preise durchsetzen können. Dasverteuert die Wohnkosten neben steigenden Preisen für knappes Bauland zusätzlich. Nicht nur Mietwohnungen, auch Wohneigentum verteuert sich. Ein- und Zweifamilienhäuser wurden im letzten Quartal des vergangenen Jahres für durchschnittlich 435 000 Euro angeboten. Gegenüber 2016 entspricht dies einer Steigerung um 16 Prozent. Wirtschaft Seite7,Leitartikel Seite8 AFP/ALEXEI DRUZHININ Doppel-Prozess in Hanoi und Berlin Der mutmaßlich Entführte zieht Berufung zurück Zwischen den Gerichtsorten liegen mehr als 8000 Kilometer,doch es geht um denselben Fall, um den mutmaßlich aus Berlin entführten Vietnamesen Trinh Xuan Thanh. In der Hauptstadt ist seine Frau am Montag in den Zeugenstand getreten. Sie wurde angehört ineinem Verfahren gegen einen Landsmann, der bei der mutmaßlichen Entführung ihres Mannes beteiligt gewesen sein soll. Zugleich nahm am Montag der Prozess in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi gegen ihren Mann eine überraschende Wendung. Der frühere Geschäftsmann und kommunistische Parteifunktionär Trinh Xuan Thanh zog seine Berufung gegen die Verurteilung zu zweimal lebenslangerHaftunvermittelt zurück. Die Entscheidung wurde bekannt, kurz bevor am Montag in Vietnams Hauptstadt Hanoi der Berufungsprozess beginnen sollte. Damit verzichtete der 52-Jährige auf eine Chance,seine Strafe zu reduzieren. Nach Angaben eines Gerichtssprechers machte Trinh für seinen Verzicht auf die Berufung gesundheitliche Gründe geltend. Spekuliert wird aber auch, dass es im Hintergrund Absprachen gab.Das Auswärtige Amt hielt sich bedeckt. Eine Sprecherin sagte lediglich, man habe den Rückzug der Berufung zur Kenntnis genommen. Der Verzicht auf eine Berufung hat laut der deutschen Trinh-Anwältin PetraSchlagenhauf viele Gründe. „Einer ist, dass er keine Hoffnung auf Gerechtigkeit hat“, sagte sie am Montag in Berlin. „Er hat betont, dass er unschuldig ist“, fügte sie hinzu. Der Fall belastet die Beziehungen zwischen Deutschland und dem kommunistischen Einparteienstaat massiv. Die Bundesregierung ist überzeugt, dass TrinhimJuli 2017 aus Berlin, wo er sich um Asyl bemüht hatte,entführtwurde.Vietnam behauptet, dass Trinh freiwillig zurückgekehrtsei. Der ehemalige Vorstandschef eines staatlichen Baukonzerns war im Frühjahr wegen Korruption und Misswirtschaft verurteilt worden. DerVietnamese hat angekündigt, irgendwann nach Deutschland zurückkehren zu wollen. Dort leben seine Frau und seine Kinder. (dpa/ tom.) Berlin Seite 12 Berliner Verlag GmbH, 11509Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 21019

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