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Berliner Zeitung 08.06.2018

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Teures Geschäft: Mit Lebensmittel-Lieferdiensten verdient noch niemand Geld – Made in Berlin Seite 7 Löws letzter Test vor der WM Seite 20 16°/29° Sonne und Wolken Wetter,Seite 2 Todesfahrt: Junge Frau stirbt durch Fluchtauto Berlin Seite 9 www.berliner-zeitung.de Stimmabgabe: Berliner Türken wählen Tagesthema Seite 2 Freitag,8.Juni 2018 Nr.131 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Stadtmuseum: Die neue Ausstellung „BerlinZeit“ Feuilleton Seite 21 Popstar Die Rettung des Robbie Williams VonChristian Schlüter Am Ende reckt Robbie Williams seinen Daumen in die Höhe: Alles noch mal gut gegangen. DerPopsänger ist gerade die Feuerleiter des Londoner Luxushotels Mandarin Oriental heruntergegangen, ruhig und gelassen, beinahe schlendernd. Im Hintergrund gellen die Sirenen. DieFeuerwehr ist mit 20 Löschzügen und 120 Mann angerückt, um den Brand zu löschen. Über dem Hotel am Londoner Hyde Park türmt sich eine riesige Rauchwolke … So geschah es am Mittwochnachmittag. Eine Robbie Williams nutzt jede Gelegenheit Beinahe-Katastrophe. Und für den guten Zweck. selbstverständlich wurde sie von zahlreichen Handybesitzern gefilmt, weswegen uns nun eben auch der coole Abgang von Williams überliefert ist: Der 44-Jährige hatte die Haare adrett zur Seite gekämmt, er trug einen schwarzen Trainingsanzug mit Unicef-Logo auf der Brust, weiße Turnschuhe und eine Hornbrille. Der Künstler war in dem Hotel gemeinsam mit seiner Frau, der US-Schauspielerin Ayda Field (39), abgestiegen. Die Szene von Williams’ Rettung, die nun in den sozialen Netzwerken die Runde macht, wirkt wie ein ausgelassener, sommerlicher und in jedem Fall quasi-privater Spaziergang. Sie erscheint wie eines jener Reality- Formate,andie wir uns ja auch schon längst gewöhnt haben. Und sie erscheint einigermaßen bizarr angesichts der Gefahrenlage: Das Feuer hatte sich entlang einer mit Pflanzen bewachsenen Fassade über mehrere Stockwerke ausgebreitet; 36 Hotelgäste und 250 Angestellte mussten das Gebäude verlassen. Nunalso überlagertWilliams’Spaziergang auf der Feuerleiter das Geschehen. Auch die BBC wollte sich diesen Augenzeugen nicht entgehen lassen und befragte ihn zum Hotelbrand. Das ist Williams keineswegs vorzuwerfen, fügt sich aber nahtlos in eine lange Reihe von Auftritten, mit denen sich der verblassende Weltstar im Gespräch hält. In den sozialen Medien ließ er uns auch schon teilhaben an seiner Drogensucht oder an der Geburt seiner Kinder. Seinen Geburtstag 2015 feierte er splitterfasernackt auf Twitter, mit nichts als einer Sahnetorte vor dem Gemächt gratulierte er 2016 seiner Frau auf Instagram zum Geburtstag. Und sogeht das munter bis heute weiter. Das bezeugt auch –ganz unfreiwillig indes –sein „Auftritt“ in London. Undwer möchte es ihm verdenken? Nutzte er doch die Gelegenheit, auf das Wohltätigkeits-Fußballturnier Soccer Aid am Sonntag hinzuweisen. Williams ist nicht nur Kapitän seiner Mannschaft, sondern auch Mitbegründer der Unicef- Sportveranstaltung, die seit 2006 jährlich ausgerichtet wird. Vorhang auf für Grütters Mit Burkard Dregger,dem designierten Fraktionschef der Berliner CDU, scheint die Machtfrage in der Partei vorerst geklärt. Der 54-Jährige stellt sich klar hinter die Landesvorsitzende Monika Grütters –die damit alle Optionen in der Hand hat VonJan Thomsen Ist das die entscheidende Chance für die Berliner CDU, wieder an die Macht in der Hauptstadt zu kommen? Und, falls ja: Kann die Union diese Chance nutzen? In einer Zeit, in der Berlins Sozialdemokraten ihrem Vorsitzenden, dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller, lieber per Abstimmung einen Denkzettel verpassen und gepflegte Zerrüttung statt Geschlossenheit demonstrieren, sortiert sich die größte Oppositionspartei im Abgeordnetenhaus an der Fraktionsspitze neu. Burkard Dregger soll es werden, der 54-jährige Konservative und innenpolitische Hardliner – aller Voraussicht nach wird er eine solide Mehrheit der 31 Christdemokraten im Abgeordnetenhaus hinter sich bringen. Um die 80 Prozent, schätzen manche Fraktionäre. „Es wird auf jeden Fall mehr Zustimmung, als Michael Müller auf dem Parteitag bekam“, sagt Dregger selbst. Müller wurde mit nur knapp 65 Prozent wiedergewählt. Doch mit der Personalie Dregger, die am kommenden Dienstag während der Fraktionssitzung ansteht, ist viel mehr verbunden als ein rascher Wechsel des Oppositionsführers. Für die Machtfrage im Land Berlin ist es viel entscheidender,dass die CDU-Landesvorsitzende Monika Grütters sich mit ihrem Wunschkandidaten durchsetzte und nun selbst freie Bahn hat, Spitzenkandidatin für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin im Wahlkampf 2021 zu werden. Oder auch nicht: Es sei für sie ein „echtes inneres Ringen“, ob sie antreten wolle, sagte Grütters kürzlich im Magazin Spiegel. Und verärgerte all jene einmal mehr, die gern mehr Verve und Willen sähen. Dennoch macht Burkard Dregger, Sohn des 2002 verstorbenen hessischen CDU-Rechtsaußen Alfred Dregger, jetzt im Gespräch mit der Berliner Zeitung klar:„Monika Grütters ist eine glanzvolle liberale Hauptstadtpersönlichkeit –das Amt der Regierenden Bürgermeisterin ist ihr geradezu auf den Leib geschnitten.“ Wenn Grütters, derzeit Kulturstaatsministerin, in Berlin antreten wolle, dann „hat sie meine volle Unterstützung“, betont Dregger. Dass er selbst als Fraktionschef schon qua Amt ein möglicher Kandidat wäre, wisse er, sagt Dregger. Doch er nimmt sich zurück. Sollte Grütters auf die Kandidatur verzichten, dann habe er „keine priorisierte Position“, erklärtDregger.„Dann muss die Partei entscheiden, weresmacht.“ Freudloser Florian Graf „Monika Grütters ist eine glanzvolle liberale Hauptstadtpersönlichkeit –das Amt der Regierenden Bürgermeisterin ist ihr geradezu auf den Leib geschnitten.“ Burkard Dregger über die Berliner CDU-Landesvorsitzende Tatsächlich ist damit eine neue Situation entstanden. Binnen kürzester Frist: Noch am vorigen Wochenende schien es, als erginge sich die Hauptstadt-Union einmal mehr in hinterzimmrigen Kungelrunden mit zweifelhafter Zuständigkeit. Derbisherige Fraktionsvorsitzende Florian Graf, in der unabweisbaren Rolle als Angreifer gegen Rot-Rot-Grün ziemlich freudlos, hatte sich überraschend vom Chefposten zurückgezogen. Sofort wurden Nachfolger- Namen durchgestellt, hüben wie drüben. Es formierte sich dann zunächst eine Mehrheit für den ehemaligen Sozialsenator MarioCzaja – dessen Wiederaufstiegsehrgeiz als ebenso stark gilt wie sein Image als überforderter Ex-Manager der Flüchtlingskrise schlecht ist. Doch Grütters, die gleich für Dregger war, wollte sich vonden Pro-Czaja-Kreisvorsitzenden nicht schon wieder diktieren lassen, wen sie auf welchem Posten hinzunehmen hat. Czaja wähnte sich schon im Amt, als ihn Grütters in einem Sechs-Augen- Gespräch mit Dregger davon abbrachte, eine Kampfkandidatur zu wagen. Siesetzte sich, überraschend klar, durch –obwohl sie als Parteichefin und Mitglied des Bundestags natürlich auch keinesfalls zuständig dafür ist, wer die Fraktion im Berliner Landesparlament führt. Eine „kluge Moderatorin“ sei sie gewesen, sagt Dregger dazu. Czajas Verzicht auf den Chefposten in der Fraktion (er soll nun Vizevorsitzender werden) enttäuscht allerdings einige: sowohl seine wirklichen Anhänger als auch die taktisch Verbündeten, die sich von ihm Vorteile versprachen. „Das war es dann IMAGO STOCK&PEOPLE mit ihm in der Landespolitik“, resümiertein Fraktionsmitglied. Stimmt die Einschätzung, dann fiele Czaja –der erst kürzlich in eine Beratungs- und Beteiligungsfirma in der Gesundheitsbranche einstieg – als Konkurrent für Dregger und vor allem für Grütters künftig aus. Und die Grütters-Gegner in Partei und Fraktion, die schon mehrfach Kostproben ihres spalterischen Potenzials zum Besten gaben, haben keinen anderen Kandidaten für die erste Reihe zur Verfügung. Zumindest noch nicht. Option Kampfabstimmung BurkardDregger jedenfalls ist zuversichtlich, die noch vor wenigen Tagen drohende Spaltung der Fraktion abwenden zu können. Dass zwischenzeitlich ein anderer Kandidat in Frage gekommen sei, ist ein „ganz normaler Vorgang in einer demokratischen Partei“, sagt er.Warum dann keine Auswahlzwischen zwei Kandidaten? „Das wäre auch eine Option gewesen“, sagt Dregger versöhnlich. Doch es sei „die Aufgabe verantwortungsvoller,kultivierter,bürgerlicher Politiker“, zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen, wenn sie denn möglich sei. Ausdrücklich lobt er Czaja für diese Einsicht. Recht behalten könnte Dregger dann, wenn ihm erstens die Fraktionsführung gelingt. Undwenn zweitens die avisierte Arbeitsteilung zwischen Grütters als liberaler Großstadtfrau und Dregger als wertkonservativem Traditionalisten aufgeht. „Ich kann auf der konservativen Flanke viel Vertrauen zurückgewinnen“, sagt Dregger mit Blick auf die AfD. „Mein Ziel ist es, die CDU als wirkliche Alternative zu präsentieren: vernünftig, werteorientiert, aber Flüchtling soll 14-Jährige getötet haben Mädchen in Wiesbaden vergewaltigt und ermordet Die seit zwei Wochen in Wiesbaden vermisste 14-jährige Susanna ist vergewaltigt und getötet worden. Ihre Leiche ist am Mittwoch in einem schwer zugänglichen Gelände bei Wiesbaden-Erbenheim gefunden worden, teilte die Polizei am Donnerstag mit. EinTatverdächtiger –der 20 Jahre alte irakische Flüchtling Ali B. –sei auf der Flucht. DieErmittler fahnden nach ihm, B. wirdim Nordirak vermutet. Ein weiterer Asylbewerber, der zunächst verdächtig war, wurde wieder freigelassen. Gegen ihn besteht nach neuesten Ermittlungserkenntnissen kein dringender Tatverdacht mehr, sagte Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn. Fahndung nach 20-Jährigem Der andere Verdächtige sei vermutlich am vergangenen Donnerstag mit seinen Eltern und sieben Geschwistern überhastet aus einer Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden abgereist, hieß es.Der 20-Jährige war bereits mehrfach polizeilich aufgefallen, er wurde auch mit der Vergewaltigung eines Kindes in Verbindung gebracht worden. Sein Asylantrag war Ende 2016 abgelehnt worden. Da ein Anwalt dagegen eine Klage eingereicht hatte, sei das Verfahren noch nicht abgeschlossen. Der entscheidende Hinweis auf die mutmaßlichen Täter kam den Ermittlernzufolge voneinem 13-Jährigen, der ebenfalls in der Flüchtlingsunterkunft wohnte. Erhatte den Ermittlern berichtet, Ali B. habe ihm vonder Tatpersönlich erzählt. Die Schülerin wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft erwürgt oder erdrosselt. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Mädchen ermordet wurde, um die Vergewaltigung zu vertuschen. Laut Obduktion der Leiche soll sich die TatamAbend ihres Verschwindens ereignet haben. Der Zentralrat der Juden zeigte sich tief betroffen über das Verbrechen. „Susanna und ihre Mutter waren bzw. sind Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Mainz“, hieß es in einer Mitteilung. „Wir erwarten von den Strafverfolgungsbehörden eine rasche,umfassende Aufklärung sowie harte Konsequenzen für den oder die Täter. Alle voreiligen Schlüsse oder gar Ressentiments verbieten sich jedoch.“ (dpa, AFP) Politik Seite 4 Berliner Verlag GmbH, 11509Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt eben auch weltoffen.“ 4 194050 501504 51023

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