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Berliner Zeitung 08.10.2018

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Die letzte Diva –zum Todvon Montserrat Caballé – Feuilleton Seite 25 Hilfe im Streit mit der Versicherung Seite 6 5°/14° Verbreitet Sonne Wetter Seite 2 Privatschulen: Senat senkt Gebühr für arme Familien Kommentar Seite 8, Berlin Seite 9 www.berliner-zeitung.de Lesertag in Hoppegarten: Club holt DuMont-Preis Brandenburg Seite 17 Montag,8.Oktober 2018 Nr.234 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Gerettet: Union-Torwart trifft in letzter Minute Sport Seite 20 Geschreddert und gebanksyt VonKatrin Pribyl Gerade erst war an diesem Abend der Hammer für eine Rekordsumme gefallen. Mehr als eine Million Pfund wollte ein Bieter für das Mädchen, das einen roten, herzförmigen Ballon davonfliegen lässt, bezahlen. Die Gäste klatschten noch, als plötzlich eine Live-Performance begann: Das Werk zerstörte sich selbst. Eininseinen dicken, gold-barocken Rahmen eingebauter Schredder machte aus dem bekannten Bild „Girl with Balloon“, eine Re- „Girlwith Balloon“ vorder Selbstzerstörung per Schredder Street Art produktion des bekanntesten Motivs des britischen Street-Art- Künstlers Banksy, Schnipsel. Die Besucher im Auktionshaus Sotheby’s inLondon rissen entsetzt die Augen auf, hielten sich die Hände vor den Mund. Manche lachten belustigt auf über „den bisher wohl kühnsten Streich der Kunstgeschichte“, wie der Guardian die Aktion am Freitag nannte. „Es scheint, als wären wir gerade gebanksyt worden“, meinte Alex Branczik, Direktor für zeitgenössische Kunst. Und tatsächlich kommentierte der Künstler,dessen Identität trotz Spekulationen bis heute nicht zweifelsfrei geklärt ist, auf Instagram spöttisch: „Going, going, gone…“, zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten. Später veröffentlichte Banksy einVideo,indem er zeigt, wie er vor einigen Jahren den Zerstörungsmechanismus in den Rahmen einbaute –„für den Fall, dass es jemals versteigert wird“, hieß es im Untertitel des Clips. Wer die umgerechnet rund 1,18 Millionen Euro per Telefon geboten hatte, ist bislang ebenso wenig bekannt wie dessen Reaktion auf die ungewöhnliche Aktion. Ob der Bieter nun noch bezahlen will oder muss, dürfte sich in den nächsten Tagen zeigen. Man befinde sich in Gesprächen, verkündete Sotheby’s. Beobachter vermuten, dass es beim Auktionshaus Mitwisser gegeben haben muss. „Der Drang zur Zerstörung ist auch ein kreativer Drang“, ließ der Schablonenmaler derweil Medien wissen. Experten gehen bereits davon aus, dass das Werk aufgrund der weltweiten Medienaufmerksamkeit nun sogar noch begehrter wird. „Es ist in seinem zerschredderten Zustand Teil der Kunstgeschichte und wir schätzen, dass Banksy damit mindestens 50 Prozent an Wert hinzugefügt hat“, sagte Joey Syer von der Plattform MyArtBroker.com, die Banksy-Stücke vertreibt. Banksy kritisiert mit seinen Arbeiten immer wieder die Kommerzialisierung. Er lehnt Ausstellungen seiner Werke abund zeigt sich erzürnt darüber, dass seine Street Art häufig mitsamt dem Putz entfernt und verkauft wird. Feuilleton Seite 23 Ein Land zerbricht Allen Missbrauchsvorwürfen zum Trotzist Brett Kavanaugh als Richter ans höchste US-Gericht aufgerückt. Trump triumphiert, die Demokraten sind bestürzt. Vergebliche Proteste gegen Kavanaugh: Präsident Trump zementiertmit seinem Kandidaten vermutlich auf Jahrzehnte eine konservative Rechtsprechung. VonStefan Koch, Washington Schämt euch, schämt euch“, rufen die Demonstranten, als sie gefesselt vonder Polizei aus dem Kongress abgeführt werden. Mehrere Dutzend Frauen und Männer hatten sich als Besucher ausgegeben, um direkt im Parlamentsgebäude gegen eine der umstrittensten Entscheidungen der vergangenen Jahre zu protestieren. Draußen, direkt vordem Kongressgebäude, werden die Festgenomenen unter dem Jubel von mehreren hundertGleichgesinnten empfangen, die vonder Polizei nur mit Mühe zurückgedrängt werden. Unweit des Parlamentshügels war die Menge der Regierungskritiker zu diesem Zeitpunkt bereits auf mehrere tausend angewachsen. „Wir sind eure Wähler! Glaubt den Überlebenden!“, skandieren mehrere Gruppen. Und immer wieder ist „Stoppt Kavanaugh, stoppt Kavanaugh“ zu hören. Doch die Wutund Empörung helfen an diesem mit Spannung erwarteten Tagnicht weiter: Mit einem der engsten Ergebnisse, das jemals in der amerikanischen Geschichte bei der Berufung eines Richters zum Supreme Court erzielt wurde, stimmt der Senat am Sonnabend dem Wunschkandidaten von Präsident Donald Trump zu: 50 Senatoren –einschließlich des Vizepräsidenten Mike Pence – votieren für Kavanaugh, 48 gegen ihn. Entgegen der Parteilinien enthält sich die gemäßigte Republikanerin Lisa Murkowski ihrer Stimme, und der konservativeDemokrat JoeManchin aus West Virginia stimmt für ihn. DerRepublikaner SteveDaines blieb der Abstimmung fern, da seine Tochter an diesem TaginMontana heiratete. Bereits wenige Minuten nach der Abstimmung äußert sich Trump begeistert und sagt, dass der Richter „Es geht allein um die Macht. Ich sah elf Männer, mächtige Männer, die einem anderen Mann in eine machtvolle Position verhelfen wollten.“ Elizabeth Warren, Senatorin der Demokratischen Partei aus dem US-Bundesstaat Massachusetts eine großartige Leistung für das Land erbringen werde. Mehrere Senatoren der Demokratischen Partei wie Chuck Schumer sprechen dagegen voneiner dunklen Stunde, dadas Nominierungsverfahren nicht den Ansprüchen des modernen Amerikas entspreche. Für Empörung sorgt insbesondere der Umgang mit den Vorwürfen von Christine Blasey Ford. Die renommierte Psychologieprofessorin aus Kalifornien wirft Kavanaugh eine versuchteVergewaltigung vor. FordsAussagen vordem Justizausschuss wurden im Fernsehen live übertragen und allgemein als glaubwürdig eingestuft. Die zuständigen Senatoren und auch Trump stimmten anschließend zwar einer Untersuchung durch das FBI zu, allerdings wurde der Bundespolizei eine Frist von sieben Tagen gesetzt, in der die Ermittler weder Ford noch Kavanaugh und auch nicht mehrere Zeugenverhörte, diesich freiwillig gemeldet hatten. Zweifel ander Qualifikation des Kandidaten meldeten mehrere oppositionelle Senatoren auch nach dessen öffentlichem Auftritt an: DerJurist habe sich zu schweren Vorwürfen gegen die Demokratische Partei hinreißen lassen und sogar Verschwörungstheorien in die Welt gesetzt. Viele Frauen, dieamWochenende in Washington demonstrierten, zeigten sich denn auch sichtlich verbittert über den Umgang mit der kalifornischen Professorin und jubelten später am Abend Elizabeth Warren zu. Die Senatorin aus Massachusetts mischte sich nach der Abstimmung unter die Demonstranten und rief: „Ich habe die Anhörung genauestens verfolgt. Es geht allein um die Macht. Ichsah elf Männer,mächtige Männer, die einem anderen Mann in eine AFP/ROBERTO SCHMIDT machtvolle Position verhelfen wollten. Ichbin wütend im Namen all der Frauen, die wieder und wieder zurückgesetzt werden.“ Die Demonstranten in Washington finden an diesem Wochenende in den US-Medien einen enormen Widerhall, allerdings führt das Ringen auf Seiten der Republikaner ebenfalls zu unerwarteten Reaktionen: Laut jüngster Umfragen von NPR/PBS mobilisiert die Auseinandersetzung um Kavanaugh die konservative Basis mehr als jede andere Streitfrage der vergangenen Monate. Anders als im Frühjahr oder im Sommer schätzen viele Republikaner die Zwischenwahlen am 6. November mittlerweile als„überaus bedeutsam“ ein. MitchMcConnell, Fraktionschef der Republikaner im Senat, gab am Wochenende gegenüber mehreren Journalisten denn auch ganz offen zu: „Mit dem Streit um das Richteramt bescheren uns die Demokraten ein großes Geschenk.“ DieAnhänger der GOP seien nun motivierter denn je, im NovemberzurWahl zu gehen. Auch am Obersten Gerichtshof schafft das Weiße Haus schnell Fakten: Kavanaugh wurde noch am Sonnabend vereidigt und nimmt bereits am Dienstag an denersten Beratungen desSupreme Courtteil. In naher Zukunft haben die Richter, die nun mit einer Mehrheit von fünf zu vier dem republikanischen Lager zuneigen, über heikle Streitthemen wie Abtreibung, Einwanderung und die Machtbefugnisse des Präsidenten zu entscheiden. Elsenbrücke hat 28 Meter langen Riss Ausmaß des Schadens wird immer deutlicher VonPeter Neumann Eswar eine Nachricht, die für Aufsehen sorgte.Wegen eines Risses im Beton musste die Elsenbrücke, die wichtige Straßenverbindung zwischen Treptow und Friedrichshain Ende August unverzüglich halbseitig gesperrt werden. Staus sind die Folge. Nun wird immer klarer, wie groß das Ausmaß des Schadens an der 1968 eröffneten Spreebrücke ist. Der Riss im nördlichen der drei Brückenbögen ist rund 28 Meter lang. Diese Größenordnung wurde von einem Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung jetzt bestätigt. Mit bis zu 1,8 Millimeternist der Riss,der über dem Nordufer beginnt, auch ungewöhnlich breit. In einer Tiefe vonneun bis 14 Zentimeternverläuft er zu beiden Seiten des Spannkanals, in dem sich Stahllitzen befinden, die für die Stabilität der 185 Meter langen Straßenbrücke wichtig sind. Elektronische Überwachung Als Reaktion lässt der Senat das Bauwerk nun intensiv überwachen. Sensoren kontrollieren, ob der Riss im Überbau Südost breiter wird –was bislang nicht geschehen ist. Der andereÜberbau wirdalle 14 Tage in Augenschein genommen. Bislang wurde die Elsenbrücke dreimal im Jahr von Experten kontrolliert, alle drei Jahre fand eine mehrtägige umfangreiche Brückenprüfung statt. Das System der Brückenüberwachung habe sich bewährt und auch in diesem Fall funktioniert, hieß es in der Verwaltung. Der Riss war entdeckt worden, als Ingenieure die Ende Juni begonnene Hauptprüfung, die unterbrochen werden musste, nach acht Wochen fortsetzten. Die Lücke im Beton war offenbar in der Zwischenzeit aufgeplatzt. Die Schadensermittlung dauert an. Nicht ausgeschlossen wird, dass die Brücke abgerissen werden muss. Die Chancen, dass das Bauwerk saniertwerden kann, gelten derzeit als gering, weil ein für die Standfestigkeit wichtiger Teil ausgefallen sei. Doch noch gibt es keine Entscheidung darüber, wie es mit der Brücke weitergeht. „Ob und wenn ja in welcher Form ein Neubau nötig wird, ist noch offen“, teilte die Senatsverkehrsverwaltung mit. Berlin Seite13 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt Leitartikel Seite 8 4 194050 501504 11041

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