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Berliner Zeitung 08.10.2019

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1. FC Union: Viel Lob, wenig Punkte. Wiegeht es nun weiter? – Seite 17 Kolumne: Eine Curry mit Gysi Seite 12 6°/13° Eher regnerisch Wetter Seite 26 www.berliner-zeitung.de Dienstag,8.Oktober 2019 Nr.233 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Exklusiv: Mietenwatch.de zeigt, wo Berlin teuer gewordenist Berlin Seiten 10 und 11 Portugal Stark, ungeduldig, freundlich VonMartin Dahms Auf den ersten Blick hat sich nicht viel verändert in Portugal. Die drei großen linken Parteien haben bei den Parlamentswahlen am Sonntag gemeinsam zwei Prozentpunkte zugelegt, die beiden großen bürgerlichen Parteien haben zweieinhalb Punkte verloren. Kein Erdrutsch nirgends. Aber es gibt einen klaren Sieger: António Costa. Vor vier Jahren war er der unwahrscheinliche Ministerpräsident. Jetzt ist er der unbestritten starke Mann Portugals. Das ist nicht unbedingt die leichtere António Costa, Rolle. Sozialist in Portugal, Der 58-jährige Costa, Vor- gewinnt Wahlen. sitzender der Sozialistischen Partei (die in Europa zur sozialdemokratischen Familie gehört), möchte nach diesem Wahlsonntag am liebsten alles beim Alten belassen. Das Bündnis seiner Sozialisten mit dem Linksblock und den Kommunisten sei doch offenbar bei den Portugiesen gut angekommen, sagte er am frühen Montagmorgen. Warum also nicht weiter so? Portugal hat sich an diesem Sonntag mal wieder als ein Wunder an politischer Stabilität in instabilen Zeiten erwiesen. Es gibt keine klügere Erklärung dafür als die eines Nationalcharakters, der zur Mäßigung neigt. Was nicht heißt, dass nicht auch einem Portugiesen mal die Gäule durchgehen können. Zumal wenn er der mächtigste Mann im Staate ist. António Costa, der zur Selbstverliebtheit neigt, kann sehr ungeduldig werden, wenn er sich mit jemandem streiten muss. Das konnten seine Landsleute am Freitag sehen, als ihr Ministerpräsident den Anschein machte, als wollte er sich mit einem Kritiker auf offener Straße prügeln. Natürlich tat er es nicht. Aber er ist nicht immer der freundlich strahlende Mann, als den man ihn meistens sieht. Für die anstehenden Regierungsverhandlungen mit den anderen linken Parteien wird ersich von seiner besten Seite zeigen müssen. Seine bisherigen Partner sind anspruchsvoller geworden. Diesmal geht es nicht, wie vor vier Jahren, darum, eine rechte Regierung zu verhindern –sonderneinen allzu mächtigen Regierungschef Costa. VonFabian Boerger,Sebastian Stein und JanSternberg Esist kurznach vier am Morgen. Die Temperatur liegt knapp über dem Gefrierpunkt. Die Straßen der Hauptstadt sind wie leer gefegt. „Wir schwärmen aus“, lautet die Nachricht über den Messenger der Aktionsgruppe. Der Protest von Extinction Rebellion (XR) beginnt. Etwa 600 Aktivisten marschieren in Richtung Großer Stern. Ihr Ziel ist es, den Berliner Berufsverkehr lahmzulegen. Um kurz nach halb fünf kommt hier keiner mehr durch. Aktivisten sitzen auf dem Boden, tanzen oder singen. Kleine Grüppchen haben sich an den Zufahrtsstraßen in Position gebracht und präsentieren aufgebrachten Auto- und Lastwagenfahrern ihre Transparente. „Ihr haltet mich vom Weg zur Arbeit ab“, brüllt ein Caddy-Fahrer aus dem Fenster. Ein Kleintransporter hält auf die Barrikade zu, bleibtwenige Meter vor ihnen stehen und hupt. Kein Durchkommen. Nur Rettungskräfte lassen die Aktivisten durch. Für Kanzleramtsminister Helge Braun handelt es sich bei der Blockade um einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr,wie er im Ruhender Verkehr Demonstranten blockieren den Potsdamer Platz und den Großen Stern rund um die Siegessäule: Ein Zeichen für Umweltschutz oder sinnloser Aktionismus? Kein Durchkommen: Friedlicher Protest der Bewegung Extinction Rebellion auf dem Potsdamer Platz, am Nachmittag räumte die Polizei den Platz. „ZDF-Morgenmagazin“ sagt. Braun verteidigt die Klimapolitik der Regierung und auch die langsame Steigerung der CO 2 -Bepreisung. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist Klagen über eine Abschwächung des Klimaschutzkonzepts an diesem Montag energisch entgegengetreten. Bei der Eröffnungsfeier der sogenannten Klima-Arena im nordbadischen Sinsheim betonte sie die Bedeutung von Kontrollmechanismen im Konzept der Regierung. Es sei gerade eine sehr große Nervosität in der Diskussion. „Dieses Monitoring, diese Überwachung, wirdglasklar in dem Klimaschutzgesetz verankert sein“, sagte Merkel. Doch den Organisatoren der Proteste geht das nicht schnell genug. Radikalere Maßnahmen müssten her, „um einen umfassenden und tiefgreifenden Wandel herbeizuführen, der das Klima rettet“, sagt Eva Escosa-Jung, eine Sprecherin von Extinction Rebellion. Am Mittag warten alle auf den Auftritt der ehemaligen Sea-Watch- 3-Kapitänin Carola Rackete, die „Wenn wir die letzten dreißig Jahre mit Petitionen und Demonstrationen und Fridays for Future vor drei Wochen anschauen, dann hat sich leider erschreckend wenig bewegt.“ Carola Rackete, Klimaaktivistin und ehemalige Kapitänin der „Sea Watch 3“ symbolisch um fünf nach zwölf sprechen soll. Doch es wirdetwas später. Vor1000 Menschen fordert Rackete die Bundesregierung auf, den ökologischen Notstand auszurufen. Aber kann diese Form des Protest etwas verändern? „Wenn wir die letzten dreißig Jahre mit Petitionen und Demonstrationen und Fridays for Futurevor drei Wochen anschauen, dann hat sich leider erschreckend wenig bewegt“, sagt Rackete der Berliner Zeitung (RedaktionsnetzwerkDeutschland). DPA Nicht nur der Große Stern stand an diesem TagimMittelpunkt der Proteste. Neben der angemeldeten Kundgebung am Potsdamer Platz blockierten Aktivisten im gesamten Stadtgebiet Straßen, Kreuzungen und Kreisel. Radfahrer legten um 11.20 Uhr den Ernst-Reuter-Platz lahm. „Wir blockieren auch für deine Zukunft“, steht auf ihren Bannern. Am Potsdamer Platz sitzen und stehen rund 500 Menschen auf der Fahrbahn und blockieren einen weiteren Knotenpunkt. Am späten Nachmittag beginnt die Polizei damit, die Demonstration zu beenden. Möbel, die Demonstranten zuvor aufgebaut hatten, werden weggeräumt. auch die ersten Aktivisten werden fortgetragen, wie ein dpa- Reporter berichtet. Am späten Abend melden die Demonstranten, dass die Polizei sich zurückgezogen habe. Die Behörde will sich dazu nicht äußern. Die ehemalige Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth warnte vor der Klima-Bewegung Extinction Rebellion (XR). „XR ist keine „gewaltfreie Klimabewegung“, sondern eine religiöse-gewaltfreie esoterische Sekte, welche an die Apokalypse der baldigen „Auslöschung der Menschheit“ glaubt, twitterte Ditfurth am Sonntagabend. Seiten 2, 3und 8 Nobelpreis für die Krebsforschung Medizin-Auszeichnung geht an Amerikaner und Briten Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an William Kaelin (USA), Peter Ratcliffe (Großbritannien) und Gregg Semenza (USA). Die drei Forscher entdeckten molekulare Mechanismen, mit denen Zellen den Sauerstoffgehalt in ihrer Umgebung wahrnehmen und sich daran anpassen, wie das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mitteilte. Ihre Arbeiten hätten die Grundlagen gelegt für die Entwicklungneuer Strategien zur Bekämpfung vonBlutarmut, Krebs und vielen anderen Erkrankungen, hieß es von der Nobeljury. Der Sauerstoffgehalt in der Umgebung beeinflusst in bestimmten Fällen das Wachstum der Zellen in einemTumor unddessenVersorgung. Daher gelten die zugrundeliegenden Mechanismen als mögliche Ansatzpunkte für Krebstherapien. Alle Tiere benötigen Sauerstoff, um aufgenommene Nahrung im Inneren der Zellen in lebenserhaltende Energie umzuwandeln. Verändert sich der Sauerstoffgehalt, verändert sich die Aktivität zahlreicher Gene und damit letztlich der Stoffwechsel. Gregg Semenza vom Johns Hopkins Institute for Cell Engineering in Baltimore identifizierte in den frühen 90er-Jahren ein Protein, das diese sauerstoffabhängigen Reaktionen reguliert. 1995 konnte der 1956 in NewYork geborene Biologe das Protein gewinnen und weiter erforschen. Der Name des Faktors: HIF (Hypoxia Inducible Factor). DerMedizinerWilliam Kaelin von der Harvard Medical School in Boston, geboren 1957 in New York, untersuchte eine Krebserkrankung, die auf einem fehlerhaften Protein beruht. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist mit 830 000 Euro (9 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. (dpa)Wissenschaft Seite 16 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 21041 Jetzt ein Statementsetzen! Berliner Zeitung lesen. 14 TAGE KOSTENLOS TESTEN! (030) 24 00 25 berliner-zeitung.de/testangebot

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