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Berliner Zeitung 09.01.2019

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Der Spielmacher: Bob Hanning und seine Handball-Weltmeisterschaft – Seite 3 Noch mehr Karstadt am Hermannplatz Seite 12 2°/5° Schneeregen Wetter Seite 2 Allessauber? So ökologisch ist der Bundestag Hauptstadt Seite 6 www.berliner-zeitung.de Schützen Bio-Lebensmittel vor Krebs? Wissenschaft Seite 17 Mittwoch, 9. Januar 2019 Nr.7HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Berliner SPD prüft Lehrer-Verbeamtung Berlin Seite 9 Schneechaos Gelassen durch die Katastrophe VonChristine Dankbar Bei den Schülerinnen und Schülern in seinem Landkreis ist Wolfgang Rzehak jetzt vermutlich einer der beliebtesten Politiker. Weil seine Region im Schnee versinkt, hat der Miesbacher Landrat am Montag den Katastrophenfall festgestellt und damit bis zum Ende der Woche auch die Schulen geschlossen. Die Entscheidung hat den oberbayerischen Landkreis westlich von Rosenheim bundesweite Aufmerksamkeit verschafft. Seit Tagen hat es hier ununterbrochen geschneit, so Wolfgang Rzehak, dass Straßen und grüner Landrat von zum Teil auch Miesbach in Bayern Skigebiete gesperrt werden mussten. Doch der 51-Jährige stellt gleich klar: „Bei uns hier geht nicht dieWelt unter.Wir haben den Katastrophenfall festgestellt, damit wir die Lage zentral koordinieren können.“ Am Dienstag gab es eine Schneepause, doch für den Abend wurden bereits neue Niederschläge angekündigt und das, obwohl die Räumdienste schon jetzt kaum noch mit dem Freischaufeln der Straßen hinterherkommen. „Das Problem ist, dass der Schnee so nass ist“, erklärt der Kommunalpolitiker. Nasser Schnee ist – im Wortsinne – viel schwerer zu räumen. Außerdem legt er sich auf die Zweige der Bäume,die dann zum Teil ganz oder teilweise umstürzen und wiederum Straßen versperren. Wie viele Bäume umgestürzt sind, kann Rzehak nicht sagen. Doch das Ausmaß sei erheblich und werde die Helfer noch wochenlang beschäftigen. Der Grünen-Politiker, den hier viele einfach Beppo nennen, koordiniert Hunderte Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk, um die öffentliche Infrastruktur am Laufen zu halten. Rzehak ist einer von zwei grünen Landräten in ganz Deutschland. Beide amtieren in Bayern.Rzehak erklärtdas damit, dass die Grünen hier vor allem den Umweltschutz ernst nehmen. Man habe mit 30 Prozent Biobauerninder Region die höchste Rate in ganz Deutschland, erklärt er stolz. Man sei hier aber nicht per se links.„Das hier ist nicht Kreuzberg“, sagt der Landrat. Und verrät dann, dass unter den Gästen, die man hier sehr gerne begrüßt, besonders viele Berliner sind. Panorama Seite 28 Der Hacker aus dem Kinderzimmer Ein 20-jähriger Schüler ist offenbar der Cyber-Attentäter der vergangenen Woche. BesondereKenntnisse und Hilfsmittel hatte er nicht. Nach seinem Geständnis ist er wieder auf freiem Fuß. VonMarkus Decker und Jörg Köpke Man braucht nicht viel, um das vielleicht größte Datenleck der deutschen Politik zu fabrizieren. Der Wiesbadener Oberstaatsanwalt GeorgUngefuk versucht am Dienstagmittag zu beschreiben, wie es möglich sein konnte, dass ein 20-jähriger Schüler aus Mittelhessen persönliche,teils intime Daten, Handynummern, Kreditkartenabrechnungen, Privatfotos und Chatverläufe von knapp 950 Politikern, YouTube- Stars, Moderatoren und Schauspielern sammeln und veröffentlichen konnte.Der junge Mann habe vorallem zwei Dinge gehabt, sagt der Ermittler: „Viel Zeit. Und ein gewisses Interesse.“ Es ist die spektakuläre Auflösung eines Rätsels, das die Republik seit nunmehr knapp einer Woche beschäftigt. Nicht russische Geheimdienste, keine professionellen Hackertrupps, keine rechtsradikalen Zirkel –ein junger Erwachsener aus der deutschen Provinz hat gestanden, aus seinem Zimmer in seinem Elternhaus heraus die Daten der Prominenten Stück für Stück zusammengetragen und schließlich anonym veröffentlicht zu haben. Ganz allein, ohne Komplizen, ohne Auftrag einer Organisation. Sein Ärger über Politiker und Prominente haben als Motivation gereicht. Das soll er zumindest den Ermittlern gesagt haben. Nach Einschätzung des Bundeskriminalamtes habe es „kein dominantes politisches Motiv gegeben“. Nach seinem Geständnis wurde er vorläufig wieder auf freien Fußgesetzt. Man kann es beruhigend finden, dass es offenbar keinen gezielten Angriff auf die politische Klasse im Superwahljahr 2019 gab. Gleichzeitig liegt ausgerechnet in der augenscheinlichen Harmlosigkeit des Täters –laut Sicherheitsbehörden ein Autodidakt –ein Grund für tiefe Beunruhigung: Es ist offenbar nicht sonderlich schwierig, in die Privatsphäre selbst von schutzwürdigen Personen einzudringen. Mankönnte sagen: Es ist ein Kinderspiel. Seit Jahren ist der junge Mann, fasziniert von Computerspielen, zu Hause in der Welt vonYouTube-Stars und Foren, in denen sich Jugendliche über Computerspiele und Hacks anonym austauschen. Ein Nerd, der sich einen Spaß daraus macht, Identitäten „Das ist ein typisches Muster für Fälle, von denen es schon sehr viele gab –nur noch nicht mit so einer Prominenz und so einer Medienaufmerksamkeit versehen.“ Markus Beckedahl, Gründer des Blogs Netzpolitik.org und Passwörter vonbekannten You- Tube-Stars zu erbeuten und sie anonym zu veröffentlichen, der fremde Accounts in sozialen Netzwerken kapert, der sich selbst „God“ nennt. So schildern ihn zumindest die Sicherheitsbehörden, die den jungen Mann nach der Festnahme mehrere Stunden verhört haben. „Doxxing“ nennt man in der Szene das Veröffentlichen von privaten Daten, um anderebloßzustellen. DerDatenklau ist alles andereals harmlos, daher ist auch Bundesin- GETTY IMAGES/ISTOCKPHOTO nenminister Horst Seehofer (CSU) alarmiert. Er warnte am Dienstag eindringlich vordem sorglosen Umgang mit den eigenen Daten.Wichtig sei ein risikobewusstes Handeln jedes Einzelnen, sagte er. Das betreffe Anwender,Nutzer und Anbieter gleichermaßen. Zunächst trage jeder im privaten Bereich selbst die Verantwortung für den sicheren Umgang mit dem Schutz von sensiblen Daten. Sorglosigkeit wäre vollständig fehl am Platze. Der Minister kündigte einen Entwurffür ein„IT-Sicherheitsgesetz 2.0“ noch für das erste Halbjahr an. Es soll Maßnahmen zum Schutz der Bürger, aber auch „zur Stärkung des Staates“ sowie derWirtschaft geben. So solle es ein Kennzeichen geben, das erstmals die IT-Sicherheit eines Geräts für die Bürger sichtbar machen werde. Der Verbraucherschutz soll als zusätzliche Aufgabe des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik gesetzlich verankert werden. Ferner sollten die Befugnisse der Behörde zum Schutz der Bundesverwaltung und der Gesellschaft ausgeweitet werden.Zudem wolle er mitVerbraucherschutzministerin Katarina Barley (SPD) eine „Gesamtkonzeption“ vorstellen, wie der Verbraucherschutz verstärkt werden könne. (mit dpa) Politik Seite 4, Kommentar Seite 8 Empörung über Angriff auf AfD-Politiker Bundespräsident verurteilt die Gewalt Gewalt ist kein Mittel der politischen Auseinandersetzung. Ausnahmen? Keine.Auf diesen Nenner lassen sich alle Reaktionen auf die Attacke gegen den Bremer AfD- Landesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Frank Magnitz bringen. Bundespräsident Frank- Walter Steinmeier schrieb nach Informationen der Deutschen Presseagentur in einem Brief an Magnitz: „Jede Form der Gewalt gegen Mandatsträger ist ein Angriff auf unseren Rechtsstaat. Dem müssen wir uns geeint und entschlossen entgegenstellen.“ Mit Empörung haben auch Politiker anderer Parteien reagiert. Magnitz war am Montagabend von bislang Unbekannten angegriffen und zusammengeschlagen worden. Nach Angaben der Bremer AfD wurde Magnitz von dreiVermummten attackiert. Sie hätten ihn mit einem Kantholz bewusstlos geschlagen und vor den Kopf getreten. Er liege nun schwer verletzt im Krankenhaus. Die Bremer Polizei bildete eine Sonderkommission. Auch das Bundeskriminalamt ermittelt. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) sagte: „Gewalt kann und darf niemals Mittel politischer Auseinandersetzung sein.“ Außenminister Heiko Maas (SPD) schrieb bei Twitter, wer ein solches Verbrechen verübe, müsse „konsequent bestraft werden“. Linke-Bundestagsfraktionschef Dietmar Bartsch erklärte, es gebe „keine Rechtfertigung für ein solches Verbrechen“. Der Grünen- Politiker Cem Özdemir betonte: „Auch gegenüber der AfD gibt es keinerlei Rechtfertigung für Gewalt.“ Insgesamt hat die politisch motivierte Gewalt –von rechts wie von links –zugenommen. Tagesthema Seite 2, Leitartikel Seite 8 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 31002 Jetztbis zu 25%Rabatt. Hol’ dir dein Viertel zurück: nur noch bis morgen buchen und sparen!* *DerRabatt gilt für Reisen auf ausgewählten Strecken ab und nach Deutschland vom 30.01.19 bis 03.07.19 und One-way p. P.,basierend auf zwei Passagieren, die mit der gleichen Buchung reisen. Der Sale endet am 10.01.19 um Mitternacht. Stand: 20.12.18.

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