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Berliner Zeitung 09.08.2018

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Muslimische Feministinnen? Die gibt es –hier in Berlin – Seite 3 Heute mit Kulturkalender 21°/31° Mal Sonne, mal Wolken Wetter Seite 2 Tutwas! Sabine Rennefanz zum Klimawandel Leitartikel Seite 8 www.berliner-zeitung.de Arthur Abele ist Europas König der Athleten Sport Seite 20 Donnerstag,9.August 2018 Nr.184 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Am Boden: Die Piloten von Ryanair streiken Wirtschaft Seite 5 Twitter Die freie Rede und der Hassprediger VonChristian Schlüter Jack Dorsey ist ein Sturkopf. Der41- Jährige schert sich wenig darum, was andereüber ihn und seine Arbeit denken. Unddas lässt er sich sogar einiges kosten. Als der Twitter-Gründer vor drei Jahren zu dem schwer kriselnden Kurznachrichten-Dienst zurückkehrte, wurde er gefragt, was er denn ändernmöchte,umseine Erfindung wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Dorseys bündige Antwort lautete: Nichts. Er wird wohl gewusst haben, dass ihn dieses bornierte, ja arrogante „Nichts“ an der Börse einige Milliarden Jack Dorsey, Gründer und Chef Dollar kosten vonTwitter könnte. Aber Dorsey tat es trotzdem. Und ersollte recht behalten.Wieder einmal. Seit einem Dreivierteljahr verzeichnet die Twitter-Aktie einen rasanten Aufstieg. Selbstverständlich hat Dorsey in seiner neu-alten Firma auch etwas mehr als nur „nichts“ getan. Zudem konnte er jeden Zweifel daran zerstreuen, ob er überhaupt zum Chef tauge. Immerhin wurde er 2008 wegen „mangelnder Managementfähigkeiten“ zum Rücktritt als Twitter-CEO gezwungen. Zudem hatte er seitdem die Zeit genutzt, um den Bezahldienst Square aufzubauen und musste jetzt also einen Doppeljob ausfüllen. Nun, Dorsey hat es allen gezeigt. Wieder einmal. Jetzt steht der Mann erneut voreiner Herausforderung. Anders als Apple, Facebook, Spotify und Youtube ließ der Twitter-Chef am Dienstag die Konten des rechtsradikalen Verschwörungstheoretikers Alex Jones nicht sperren. Seitdem hagelt es Kritik. Denn Jones betreibt die Internetseite Infowars,auf der er unter anderem behauptet, die US-Regierung sei für die Anschläge vom 11. September 2001 verantwortlich, das Schulattentat an der Sandy-Hook- Schule 2012 sei vorgetäuscht worden, um eine Verschärfung des Waffenrechts durchzusetzen, die Politikerin HillaryClinton habe eigenhändig Kinder getötet … Auf Twitter verteidigte Dorsey seine Weigerung so: „Wir haben Alex Jones oder Infowars gesternnicht gesperrt. Wirwissen, dass das für einige schwer zu verstehen ist, aber der Grund ist simpel: Er hat nicht gegen unsereRegeln verstoßen.“ Erläuternd fügte Dorsey noch hinzu, keine Entscheidungen fällen zu wollen, „durch die wir uns kurzfristig gut fühlen, die aber neue Verschwörungstheorien entfachen“. Letzterer Punkt ist durchaus bedenkenswert, ändert aber nichts daran, dass Dorsey der lieben Werbeeinnahmen wegen die menschenverachtende Mission eines Hasspredigers schützt. Das ist ein solitärer Standpunkt. UndDorsey wirdwohl damit durchkommen. Wieder einmal. Abschied in Blech Bei seiner letzten Meisterschaft hoffte Robert Harting vergeblich auf den großen Wurf –und blieb ohne Medaille. 64,33 Meter reichten für den Berliner im EM-Diskus-Finale nur zu Platz 6. Gefeiert wurde er trotzdem Sport Seite 20 Die Prora-Pleite Der Investor eines Gebäudekomplexes auf Rügen hat Insolvenz angemeldet –mit Folgen für die Nachbarn VonGabriela Keller und Ulrich Paul Luxuswohnungen an der Ostsee, eine kolossale Ferienanlage aus der NS-Zeit, ein neuer Ortsteil, der am Rand des Seebads Binz entsteht –die aufwendige Sanierung des kilometerlangen Komplexes in Proraauf Rügen ist mit großen Erwartungen verknüpft. Jetzt aber sorgt die Insolvenz eines der Investoren mitten in der Hauptsaison für Unruhe. „Es ist schon ein Rückschritt“, sagt Ronald Rambow, Vorstandsvorsitzender des Fremdenverkehrsvereins Binz/Rügen. DieBerliner Investorenfirma „Wohnen in ProraVermögensverwaltungs GmbH &Co. KG“ hatte vorvier Jahren begonnen, Block 1des insgesamt 2,5 Kilometer langen Gebäuderiegels zu sanieren; die übrigen vier Blöcke sind nicht betroffen. Trotzdem macht die Nachricht von der Insolvenz viele Menschen auf Rügen nervös. „Die Strandpromenade vor dem Block sollte verlängert werden“, sagt Rambow, „da ist es unschön, wenn dann ein Kuckuck am Gebäude klebt.“ Die Investoren erklären ihren Insolvenzantrag mit einer Entscheidung der finanzierenden Bank. „Unser Bankdarlehen wurde bedauerlicherweise nicht ein weiteres Malverlängert“, so das Geschäftspaar Iris Hegerich und Gerd Grochowiak. „Trotz aller Bemühungen sind die Verhandlungen am 31. Juli 2018 endgültig gescheitert.“ Die Schwierigkeiten, die zum verlängerten Kreditbedarf geführt hätten, lägen zum einen in einer erheblichen Bauzeitverlängerung mit damit verbundenen Mehrkosten. „Zum anderen haben wir uns vom Generalunternehmer wegen unerfüllbarer Forderungen mitten in der Bauphase trennen müssen“, so Hegerich und Grochowiak. Zu Verzögerungen sei es beispielsweise gekommen, weil behördliche Auflagen lange gedauert hätten. Die meisten der 280 Wohnungen in Block 1, die für 3500 bis 8000 Euro pro Quadratmeter angeboten wurden, sind aber verkauft. Nur drei seien noch zu haben. DerInsolvenzverwalter Philipp Hackländer vonder Kanzlei White &Case erklärte am Mittwoch, die verkauften Wohnungen seien bereits übergeben und bezogen. Das Gemeinschaftseigentum – Grünanlagen, Parkplätzeund Straßen –sei aber „noch nicht vollständig fertig“. Laut Hegerich und Grochowiak wurden auch geplante Gewerbeeinheiten noch nicht realisiert. Prora steht für den Größenwahn der Nazis. Diese wollten auf Rügen Ferienunterkünfte für 20 000 Menschen bauen. Zwar wurden die Arbeiten 1936 gestartet, aber nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wieder eingestellt. Ursprünglich bestand die Anlage aus acht Blöcken, die sich auf einer Länge von 4,5 Kilometer am Ostseestrand entlangzogen. Fünf Blöcke sind heute noch übrig. EinTeil wurde mittlerweile saniert. Die Erwerber derWohnungen in Block 1habennach Angaben des Insolvenzverwalters 91,5 Prozent der Kaufpreise gezahlt –wie es vertraglich vereinbart wurde. „Für die Käufer sind Eigentumsvormerkungen in den Grundbüchern eingetragen, die ihre Ansprüche sichern“, so Hackländer. Nach Makler- und Bauträgerverordnung zahlen Käufer ihre Raten je nach Baufortschritt. Solange nicht sämtliche Arbeiten erbracht sind, ist der volle Preisnicht fällig.„Wurde dieses übliche Vorgehen hier eingehalten, sind die Risiken der Anleger begrenzt“, sagtDanielBauer,Vorstandsvorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Insolvenzverwalter Hackländer kündigte an, er wolle die Arbeiten mit Hilfe des Hauptgläubigers„noch 2018“ fertigstellen. Die Nachbarschaft ist über die Pleite nicht erfreut.„Wir bedauerndie Entwicklung im Block 1, sehen sie aber nicht als grundsätzlichen Rückschlag für die Gesamtentwicklung von Prora“, sagt Ulrich Busch, Investorund Gründer des Hotels ProraSolitaire, das 2015 im Block2inBetrieb ging. „Wenn der Insolvenzverwalter mit dem dort fast abgeschlossenen Projekt verantwortungsvoll umgeht, kann das auch erfolgreich für alle Beteiligten gemanagt werden.“ Busch will nichts auf den Standortkommen lassen. Das Hotel sei im dritten Jahr am Markt.„Wir sind derzeit wieder zu fast 100 Prozent ausgebucht“, sagt er. Im kommenden Jahr würden in der zweiten Reihe weitere80Eigentumswohnungen entstehen, so Busch. Im Rathaus will niemand das Scheitern der Berliner Firma kommentieren. Bürgermeister Karsten Schneider ist in Urlaub, sein Stellvertreter Axel Behrens äußerte sich nicht, nur so viel:„Wir werden Anfang nächster Woche interninder Verwaltung diskutieren, was das bedeutet. Vorher gibt es keine Auskunft.“ In jedem Fall ist die Nachricht von der Pleite für viele Menschen in Binz ein Schlag. „Es ist dramatisch und ärgerlich und wirft nicht unbedingt ein gutes Licht auf den Namen Prora“, sagt Ulf Dohrmann, Vorstandsvorsitzender der CDU-Ortsgruppe Binz, die Folgen träfen vor allem die Handwerksbetriebe, die an der Sanierung des Blocks mitgearbeitet haben und jetzt womöglich auf unbezahlten Rechnungen sitzen bleiben. Zwar sei vieles in Block 1fertig. Für die Gemeinde bringe die Insolvenz aber dennoch einige Ungewissheiten mit sich, etwa die Frage, wie esnun mit der geplanten Promenade weitergehen soll: Mit der Firma „Wohnen in Prora“ war abgesprochen, dass die Gemeinde den Flanierweg auf dem Grundstück des Investors bauen kann –nun müsse der Insolvenzverwalter entscheiden, wieesdamit weitergeht. Die Gemeinde rechnet damit, dass inProra einmal 2000 neue Anwohner leben werden und 3500 Betten für Touristen entstehen. Schon jetzt gibt es auf Rügen 64 000 Betten für Feriengäste, allein 15 300 in Binz, zu viel für die Insel, meinen Kritiker. Tagesthema Seite2 DPA/BERND THISSEN Senat wirbt um 600 Millionen für Berlin Müller spricht mit Siemens-Managern Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat sich mit Managern von Siemens getroffen, um über einen möglichen Zukunftscampus zu sprechen. Es habe einen „ersten konstruktiven Austausch“ zwischen dem Vorstandsmitglied Cedrik Neike und Müller gegeben, teilte ein Sprecher des Konzerns am Mittwoch mit. Zu den Inhalten äußerte er sich nicht. Auch die Senatskanzlei machte zu dem Treffen im Roten Rathaus zunächst keine Angaben. Siemens will binnen zehn Jahren ein Innovationszentrum errichten und dafür bis zu 600 Millionen Euro ausgeben. Als Standort ist die Siemensstadt in Berlin-Spandau im Gespräch. Siemens könnte sich aber auch für eine internationale Ausschreibung entscheiden. Dann müsste Berlin mit anderen Städtenetwa in Asien konkurrieren. Die Campus-Pläne waren vor rund zwei Wochen aus Unternehmenskreisen durchgesickert. Demnach sollen dort Büros, Forschungslabors und Hightech-Produktionsanlagen untergebracht werden. Geplant ist zudem, Start-up-Firmenauf dem Gelände anzusiedeln und Wohnungen zu bauen. Siemens wurde 1847 in Berlin gegründet. DiedeutscheHauptstadt ist der größte Produktionsstandort des Münchner Elektrokonzerns. Der Konzern erwartet vom Land Berlin für seine Investitionen aber Zugeständnisse wie erweiterte Baurechte und eine „konstruktiveHandhabung“ des Denkmalschutzes bei Umbauten. Zudem müsse die Infrastruktur verbessertwerden, etwa die Anbindung zum künftigen Hauptstadtflughafen und die Ausstattung mit Breitband-Internet. Der FDP-Abgeordnete Stefan Förster teilte mit, es sei gut, dass Müller eingesehen habe, dass der Zukunftscampus vonSiemens Chefsache werden müsse.„Durchdas Zögern und Zaudern des Senats wäre das Projekt beinahe geplatzt, ehe es noch in den Startlöchernstand.“ Der CDU-Abgeordnete Christian Gräff sagte dem RBB, normalerweise erwarte man voneinem Ministerpräsidenten, „dass er den Investor vom Flughafen abholt und ihm die Stadt schmackhaft macht“. (dpa, gle.) Berlin Seite 9 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 41032

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