Aufrufe
vor 1 Jahr

Berliner Zeitung 09.10.2018

  • Text
  • Berlin
  • Berliner
  • Oktober
  • Unglaublichen
  • Zeitung
  • Menschen
  • Welt
  • Venom
  • Polizei
  • Astar

Berliner Zeitung

Karriere im DDR-Kombinat: Christa Bertag war Chefin von „Berlin Cosmetics“ – Seite 3 Götz Aly zum Syrien-Krieg Seite 8 8°/19° Viele Wolken Wetter Seite 2 Abgefahren: Die BVG und ihr Flüchtlingsprojekt Berlin Seite 9 www.berliner-zeitung.de Buchpreis für Berliner Autorin Inger-Maria Mahlke Feuilleton Seite 21 Dienstag,9.Oktober 2018 Nr.235 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Die Pflege wird teuer, aber reicht das Geld? Politik Seite 6 Interpol Das Messer auf dem Smartphone VonFinn Mayer-Kuckuk Ein Messer. Dieses Emoji konnte Meng Hongwei noch an seine Frau absetzen. Diese wusste sofort: „Mein Mann glaubte sich in Gefahr.“ Seit dieser Textnachricht am 25. September herrscht Funkstille. In der Zwischenzeit wuchs nicht nur zu Hause die Sorge, sondernauch international die Irritation:„Interpol sucht seinen eigenen Präsidenten“ – das waren skurrile Überschriften. Der Chef der internationalen Polizeiorganisation sollte nicht einfach so verschwinden, noch dazu auf Heimatbesuch. Meng Hongwei war einer der mächtigsten Männer Chinas. Seit Montag ist bekannt, dass er gerade deshalb so spurlos verschwinden konnte, weil er nach China geflogen war. Die Korruptionsermittler der Kommunistischen Partei, deren Mitglied er ist, haben ihn in Gewahrsam genommen. „Bestechlichkeit im Amt“, lautet derVorwurf, der in China keiner weiteren Beweise bedarf, um zu einerVerurteilung zu führen. Meng muss von seinen Posten zurücktreten, darunter auch dem Interpol-Job. Der soplötzliche, tiefe Sturz hinterlässt sowohl China-Beobachter als auch Polizeikreise ratlos. Denn Meng war einer der mächtigsten und am besten vernetzten Beamten seines Landes.Der 65-Jährige war nicht nur Vizechef des Ministeriums für Öffentliche Sicherheit, das Chinas riesigen Polizeiapparat kontrolliert. Er war sogar Mitglied des Parteikomitees des Ministeriums und gehörte damit dem eigentlichen Führungskreis an. Er war einer der Oberbefehlshaber der BewaffnetenVolkspolizei und bekleidete noch weitere Posten –etwa den eines Direktors des Amtes für Seegewässerangelegenheiten. Alles vorbei. Des Rätsels Lösung könnte in der politischen Konstellation liegen. Meng gehörte einst zur Seilschaft von Zhou Yongkang, dem Sicherheitschef der vorigen Regierung. Zhou war jedoch ein Rivale des derzeitigen Präsidenten Xi Jinping. Nachdem dieser Parteichef wurde, ging es mit Zhou steil bergab: Wegen Korruption angeklagt, sitzt er seit 2015 im Knast. Lebenslang. Seine Gefolgsleute verloren größtenteils ebenfalls ihreÄmter. Meng konnte sich zunächst halten: Er sagte sich rechtzeitig von Zhou los. Die Führung um Xi vertraute ihm genug, um seine Ernennung zum Interpol-Präsidenten zu unterstützen. Doch als Anhänger des falschen Lagers stand er unter Beobachtung. Ob er nun wirklich korrupt war,oder ob in der Partei nur die Stimmung gegen ihn gekippt ist, wirddieWelt vermutlich nie mit letzter Sicherheit erfahren. China lässt sich da nicht in die Karten schauen. Doch die Erfahrung mit ähnlichen Fällen in der Vergangenheit lässt vermuten, dass einfach beides wahr ist. VonMartin Klesmann Der Berliner Senat probiert immer neue Lockmittel aus, um angesichts des grassierenden Pädagogenmangels genug Lehrer für die viele offenen Stellen an Berliner Schulen zu finden. Erst erhöhte man das Lehrergehalt, dann warb die Bildungsverwaltung mit Anzeigen in österreichischen und selbst niederländischen Medien um Pädagogen. Schließlich reaktivierte man sogar massenhaft Rentner und legte Studenten nahe, statt in der nächsten Bar hinterm Tresen zu stehen, doch lieber gleich in einer Schule zu unterrichten. Am Montag nun präsentierte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ein weiteres Lockmittel: das Berliner Lehramt-Stipendium. 500 Euro monatlich erhält ein Student, wenn er nach dem Bachelor in Mathe, Physik, Chemie, Biologie oder Informatik doch noch ein Lehramtsstudium in diesen Fächern aufnimmt –und nach bestenfalls vier Semestern abschließt. „Wir wollen neue Lehrer damit an Berlin binden“, sagte Scheeres. Tatsächlich wird ihre Freizügigkeit damit starkeingeschränkt. Denn die Stipendiaten verpflichten sich, auch ihr eineinhalbjähriges Referendariat in der Hauptstadt zu absolvieren und danach mindestens drei JahreimBerliner Schuldienst tätig zu sein. Werdas Stipendium annimmt, Es wird eng Alles, was bislang zur Rettung des Klimas getan wurde, reicht nicht. Und die Zeit, noch was zu ändern, wird knapp, warnt der Weltklimarat. Seiten 2, 7und 8 Berlin-Zulage für Lehrer Personalmangel macht es möglich: Studenten, die auf Lehramt umsatteln, erhalten 500 Euro monatlich dazu hat also auf viele Jahreeine ArtResidenzpflicht in Berlin. So soll auch verhindertwerden, dass die Junglehrer in andere Bundesländer wechseln, wo sie anders als in Berlin verbeamtet werden. Neben dem bundesweit bisher einzigartigen Stipendium können die Studenten selbst weiter Bafög beziehen und zudem auch noch in einem Minijob auf 400-Euro-Basis arbeiten. „Mitunter handelt es sich ja um Menschen, die schon etwas älter sind und schon eine Familie unterhalten müssen“, sagte Scheeres.Das dürfte insbesondere auf die Menschen zutreffen, die nach einem nichtpädagogischen Hochschulabschluss in Mathe oder Naturwissenschaften noch einmal Sachunterricht auf Lehramt studieren. Auch an sie richtet sich das Angebot. Voll ausgebildete Mathe- oder Physiklehrer sind in Berlin schon seit Jahren kaum mehr zu finden. Meist unterrichten in diesen wichtigen SchulfächernQuereinsteiger.Imvergangenen Jahr haben an den Berliner Universitäten nur gut 40 Physiklehrer ihr Studium beendet. Noch nicht restlos geklärtist übrigens, obdas neue Stipendium und der damit verbundene Abschluss auch in anderen Bundesländern anerkannt wird. Das lasse man gerade in der Kultusministerkonferenz prü- „Mit dem Berliner Lehramt-Stipendium setzen wir auf zielstrebige Persönlichkeiten aus dem Bereich Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.“ Sandra Scheeres (SPD), Bildungssenatorin, will Quereinsteiger mit Mangelfächern, die sich für die Berliner Schule entscheiden, nun finanziell belohnen. fen, hieß es in der Verwaltung. „Kritisch gesehen wird, dass das Bachelorstudium gar nicht lehramtsbezogen ist“, sagte Daniela Caspari, Vize- Direktorin der Dahlem School of Education an der Freien Universität. Ohnehin mutmaßt sie, dass das Stipendium für die Studienwechsler bei den regulären Lehramtsstudenten auf Neid und Unverständnis stoßen dürfte. Eine Anerkennung auch für diese Lehrer wäre aus Sicht von Daniela Caspariwünschenswert. Zunächst wird das Lehramt-Stipendium für den schnellen Quereinstieg nur an 100 Interessenten vergeben, die Bewerbungsfrist läuft noch bis Ende Oktober.Das Programm soll aber weiter ausgebaut werden, auch für musische Fächer gelten. Technische Fächer für Berufsschulen sind jetzt schon mit dabei. Der Quereinstiegs-Master beginnt an der FU, der Technischen Universität und der Humboldt-Uni. Dafür stehen in diesem Jahr 600 000 Euro und im nächsten Jahr 1,2 Millionen Euro zur Verfügung. Professoren fragen sich indes, was passiert, wenn es bald mehr Bewerber als Plätze geben dürfte.Inder Bildungsverwaltung gibt es offenbar Pläne, dann die Plätze einfach zu verlosen. Doch eigentlich müsste man dann prüfen, wer besonders bedürftig sei oder wer durch einen gut verdienenden Ehepartner das Geld womöglich nicht so nötig hat, heißt es an den Universitäten. Die Personalnot jedenfalls macht die Verwaltungsmitarbeiter erfinderisch. 2017 schlossen in Berlin 736 Lehramtsstudenten mit einem Master oder einem Staatsexamen ab. Gleichzeitig musste Berlin 2700 neue Lehrkräfte einstellen. 750 davon waren Quereinsteiger, die an einer Einrichtung der Bildungsverwaltung namens Weiterbildungszentrum „Steps“ eine Zusatzausbildung erfuhren. Die Standards dort sehen Professoren sehr kritisch. Und 900 der neu Eingestellten waren Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung, die weder ein Pädagogikstudium noch ein Fach studiert haben, dasan Höhere Steuern für Benzin und Diesel? Vorschlag aus dem Umweltministerium Autofahrer müssen mit höheren Spritpreisen rechnen. Das Bundesumweltministerium plädiert dafür, Diesel- und Benzinsteuer anzuheben. Bei der Besteuerung von Energien müsse nachjustiert werden, sagte Staatssekretär Jochen Flasbarth am Montag im ARD-„Mittagsmagazin“. „Es kann doch nicht sein, dass wir den Strom, der immer erneuerbarer wird, höher besteuern, während wir die Energieträger Heizöl und Sprit relativ niedrig besteuern.“ Es gebe deswegen beispielsweise zu wenig Anreize, beim Antrieb vonBussen vonDiesel auf E- Motoren umzusteigen. Der Ausstieg aus den fossilen Energien müsse „schneller kommen, als wir das bisher gedacht haben, als das mancher wahrhaben wollte“, sagte Flasbarth. Entscheidung in Berlin Das ist die neueste Wendung in der Debatte um einen saubereren Autoverkehr. ImMittelpunkt steht aber unverändert der Diesel. Für die Berliner Besitzer solcher Autos fällt an diesem Dienstag vor dem Verwaltungsgericht eine wichtige Entscheidung. Möglicherweise macht es den Weg frei für Fahrverbote, wie Gerichte sie bereits in anderen Städten verlangt haben, weil auf anderem Wegdie Grenzwerte nicht eingehalten werden konnten. Nach Recherchen des RBB sind vonFahrverboten vielleicht auch Diesel-Autos der Schadstoff-Normen 6a,bund cbetroffen. Umweltsenatorin Regine Günther bestätigte auf Anfrage entsprechende Überlegungen. Lediglich Euro-6d-Dieselautos hielten die Grenzwerte zuverlässig ein. Derweil gibt aus der Autoindustrie weitere Betrugsmeldungen. Gegen den Autobauer Audi wird im Zuge des Abgasskandals wegen Betrugsverdachts in Südkorea ermittelt. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München II am Montag bestätigte, geht es um falsch angegebene Fahrgestellnummern. Zuvor hatte die Süddeutsche Zeitung berichtet. Demnach soll die VW-Tochter jahrelang Fahrgestellnummern und Testprotokolle gefälscht haben, um die südkoreanischen Behörden zu täuschen. (BLZ/ dpa) Leitartikel Seite 8, Wirtschaft Seite7,Berlin Seite10 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt Berliner Schulen unterrichtet wird. 4 194050 501504 GETTY 21041

2019

2018