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Berliner Zeitung 09.11.2018

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Freies Wort im Knast? Ein Gespräch mit dem Chef der Berliner Gefangenenzeitung – Seite 12 SPD will Hartz-IV abschaffen Seite 4 6°/13° Hin und wieder Regen Wetter Seite 28 Zeitgeist: Warumdie Industrie auf Start-ups setzt Made in Berlin Seite 6 www.berliner-zeitung.de Zeitgeschichte: Jüdisches Leben in Berlin Seiten 5, 8und 16 Freitag,9.November 2018 Nr.262 HA -74. Jahrgang Auswärts/D**: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Zeitzeuge: Meine Nacht des Mauerfalls Berlin Seiten 14 und 15 Forschender Träumer aus Harvard VonTorsten Harmsen Erhalte es mit Sherlock Holmes, sagt AviLoeb. Und er zitiert den Meister-Detektiv:„Wenn du das Unmögliche ausgeschlossen hast, dann ist das, was übrigbleibt, die Wahrheit, wie unwahrscheinlich sie auch ist.“ Die Wahrheit, die Avi Loeb an diesem Freitag auf der Falling Walls Conference in Berlin vorstellen will, klingt tatsächlich höchst unwahrscheinlich. Loeb AviLoeb, Astrophysiker an der Harvard University Alien-Besuch will belegen, dass möglicherweise vor einem Jahr eine außerirdische Technologie an der Erde vorbeischwebte. Avi Loeb ist nicht irgendwer. Der1962 in Israel geborene Astrophysiker leitet seit 2011 den Bereich Astronomie der Harvard University. Erist sozusagen einer der Chef-Astronomen der USA. DasObjekt, mit dem er sich beschäftigt, war das erste,das aus dem interstellaren Raum in unser Sonnensystem hineinflog –zumindest das erste beobachtete. Eskam nicht aus dem Einflussbereich der Sonne, sondern aus der Tiefe der Milchstraße. Im Oktober 2017 durch ein Teleskop auf Hawaii entdeckt, wurde es Oumuamua genannt: auf Hawaiianisch „zuerst erreichen“. Es flog recht nah an der Erde vorbei. 24 Millionen Kilometer –das ist nur die etwa 60-fache Entfernung der Erde zum Mond. Für seine Studie,die im Fachjournal The Astrophysical Journal Letters erscheinen soll, hat AviLoeb alle bekannten Informationen über Oumuamua herangezogen: die eigenartige,langgestreckte Form,das wechselnde Spiel des Sonnenlichts auf seiner reflektierenden Oberfläche, die seltsame Flugbahn, die von der abweicht, die aufgrund der Schwerkraft der Sonne zu erwarten ist. Beschleunigende oder bahnändernde Verdampfungsgase, die auf einen Kometen hindeuten könnten, habe man nicht gefunden, so Loeb. Seiner Meinung nach ist Oumuamua womöglich ein flaches Lichtsegel, weniger als ein Millimeter dick und vielleicht einige Hundert Meter groß –ein Objekt auf Erkundungsmission oder das Trümmerstück einer fremden Zivilisation.„Wir sollten nach anderen interstellaren Objekten am Himmel suchen“, sagt er. Befragt man andere Astrophysiker zu seiner Theorie, trifft man auf handfeste Skepsis.„Das ist natürlich höchst spekulativ, und wir werden nie erfahren, wie Oumuamua aussieht und was es ist –Asteroid, Komet oder Weltraumsegel“, sagt ein deutscher Weltraumexperte. Avi Loeb aber vertritt einen besonderen Typus von Forschern. Sie verbinden nüchterne Wissenschaft mit Ideen der Science-Fiction und der träumerischen Hoffnung, anderes Leben „da draußen“ zu finden. Auch der jüngst verstorbene Stephen Hawking gehörte zu ihnen. Die größte aller Revolutionen 9. November 1918:Warum es ein Glück war,dass dieser Tagnicht alles hinwegfegte VonArnoWidmann Heute voreinhundertJahren wurde in Berlin die Republik ausgerufen. Gleich zweimal. Fast gleichzeitig. Der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann tat es vom Westbalkon des Reichstages aus.Der Führer des Spartakusbundes Karl Liebknecht proklamierte im Lustgarten vor dem Berliner Stadtschloss „die freie sozialistische Republik Deutschland“. Die Vorstellung, die Sozialdemokraten unter Friedrich Ebert, dem ersten Reichskanzler der Republik, der 1919 zum ersten Reichspräsidenten wurde,hätten die Revolution –oder wie Oskar Lafontaine im Jahre 2008 behauptetet, die Arbeiterbewegung –verraten, ist Unsinn. So rabiat die junge Republik – auch unter Zuhilfenahme der alten Apparate –gegen alles,was links von ihr stand, vorging, so vernünftig war das auch. Die Entwicklungen in anderen Staaten Europas zeigen, das sich nirgends eine Räterepublik hat durchsetzen können. Die von Bela Kunim März 1919 proklamierte ungarische Räterepublik wurde im August des Jahres von rumänischen Truppen niedergeschlagen. Die Macht übernahm bis 1944 Nikolaus Horthy von Nagybánya. Er wurde ein treuer Gefährte Mussolinis und Hitlers. InItalien war aus den Auseinandersetzungen um Landnahmen und Fabrikbesetzungen Mussolini und sein Faschismus als Sieger hervorgegangen. Friedrich Ebert und die von ihm geführte Sozialdemokratie haben nicht die Arbeiterbewegung verraten. Siehaben sie gerettet. Freie Gewerkschaften, freie politische Betätigung hätte es in einem rätesozialistischen Deutschland nicht gegeben. Daswussten die Zeitgenossen nur zu gut. DieEntwicklung in der Sowjetunion stand ihnen deutlich vor Augen. Zehntausende Flüchtlinge hatten nicht nur viel zu erzählen. Schon ihrebloße Anwesenheit zeigte jedem, der Augen hatte, wie es um Freiheit und Demokratie in jenem Land aussah, das die Kommunisten als ihr Ideal betrachteten. Die Revolution von 1918/19 ist nicht auf halber Strecke stehen geblieben. Sie wurde gestoppt, bevor sie dazu übergehen konnte,ihreKinder zu fressen. Dasist das große Verdienst der Sozialdemokratie. Sie rettete Deutschland. Das Land wurde, obwohl es bis 1923 zu immer neuen Aufständen und Putschversuchen von links und rechts kam, nicht zerrissen. Es übernahm auch kein Militär oder ein faschistoider Diktator das Kommando. Die Weimarer Republik war ein Erfolg. Das Genick brachen ihr die Weltwirtschaftskrise und der Hass, der ihr am Ende vonlinks wie rechts entgegengebracht wurde. Es war der Hass auf die Mitte,auf den Kompromiss, auf die friedliche Aushandlung von Interessen. Es war das Verlangen nach einem lautem Basta und nach Männern, die nicht nur auf den Tisch schlagen. Solche Stimmen gab es schon in den Jahren davor immer wieder.Aber lange,länger als die anderen 1917–1919 zusammengebrochenen Reiche, blieb die Weimarer Republik, die in Wahrheit ja eine Berliner Republik war, stabil. Am 10. November 1918 schrieb Theodor Wolff im Berliner Tageblatt über die Ereignisse des Vortages: „Die größte aller Revolutionen hat wie ein plötzlich losbrechender „Die größte aller Revolutionen hat wie ein plötzlich losbrechender Sturmwind das kaiserliche Regime mit allem, was oben und unten dazugehörte, gestürzt.“ Theodor Wolff, Chefredakteur des Berliner Tageblatts von 1906 bis 1933 Sturmwind das kaiserliche Regime mit allem, was oben und unten dazugehörte, gestürzt. Man kann sie die größte aller Revolutionen nennen, weil niemals eine so fest gebaute, mit soliden Mauern umgebene Bastille so in einem Anlauf genommen wurde ... Gesternfrüh war, in Berlin wenigstens, das alles noch da. Gestern Nachmittag existierte nichts mehr davon.“ Theodor Wolff war nicht naiv. Er wusste, was noch alles da war. Aber es war ihm wichtig, darauf hinzuweisen, was die Revolution alles geschafft hatte. Ohne großes Blutvergießen. Er schrieb das auch, um die Leser und Leserinnen mit der Nase darauf zu stoßen, dass sie allen Grund hatten, stolz zu sein auf das, was geschehen war. Und er schrieb November 1918: Matrosen und Arbeiter einer Waffenfabrik in den Straßen von Berlin SZ PHOTO es, umdeutlich zu machen, dass die Größe einer Revolution sich gerade nicht daran bemisst, wie viele Tote sie produziert. Die deutsche Revolution von 1918/19 war wohl die einzige erfolgreiche Revolution in einem hochindustrialisierten Staat vor 1989. Die Revolution von 1918/1919 war nicht nur die Abschaffung der Monarchie. Sie war Teil einer das ganze Leben umwälzenden Bewegung. Als im Januar 1919 bei den Wahlen zur Nationalversammlung erstmals in Deutschland Frauen auf nationaler Ebene wählen und gewählt werden durften, gab es 2,8 Millionen mehr weibliche als männliche Wähler. Weimar war weiblich. Heute wissen wir, welchen Hass das bei vielen Männernschürt. Wirwissen es,nicht weil wir die Geschichte studieren, sondern weil wir sehen, was in den USA passiert. Die Geschichte ist kein Reservoir an abrufbaren Erfahrungen. Wir können sie brauchen, nicht weil sie uns etwas sagt darüber,woher wir kommen. Wir brauchen sie, um uns die An-, ja Hinfälligkeit eines jeden status quo vorAugen zu führen. Jeder Blick zurück zeigt uns, was alles ständig geändertwerdenmuss, damit das Ganze sobleiben kann, wie es ist. Die friedliche Heimkehr von Hunderttausenden Soldaten wäre dem Kaiserreich wohl nicht mehr möglich gewesen. Für dieses Minimalprogramm war die Verwandlung in eine Republik und die Ersetzung des Maxvon Baden durch Friedrich Ebertnötig gewesen. Die frühen Jahre der ersten deutschen Republik waren schwere, waren auch gewalttätige Jahre. Aber sie waren ein Glück im Vergleich zu dem, was bei den anderen Verlierern des ersten Weltkrieges passierte.Wir Trump gibt sich extrem aggressiv US-Präsident attackiert Medien und Minister Die Hoffnungen, dass sich US- Präsident Donald Trump nach seinem halben Sieg in den Midterm- Wahlen weniger konfrontativ zeigen würde, haben sich binnen Stunden erledigt. In einer Art Rundumschlag warfererst seinen Justizminister Jeff Sessions raus und legte sich dann in beispielloser Art und Weise mit den Medien an. Wegen des Sessions-Rücktritt warnten die oppositionellen Demokraten Trump davor, sich in die Arbeit von FBI-Sonderermittler Robert Mueller einzumischen. Sessions hatte sich bewusst aus dessen Ermittlungen ferngehalten, weil er als Mitglied des Wahlkampfteams Trumps Kontakt mit dem damaligen russischen Botschafter hatte.Trump hatte den Minister wegen dessen Umgang mit den Ermittlungen zu möglichen illegalen Kontakten seines Wahlkampfteams nach Russland 2016 immer wieder öffentlich attackiert. Trump übertrug nun seinem Vertrauten, Sessions' bisherigem Stabschef Matthew Whitaker, die vorübergehende Leitung des Ministeriums. Whitaker hatte Mueller im vergangenen Jahr vorgeworfen, seine Ermittlungen zu sehr auszuweiten. Der Anführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, rief Whitaker auf, sich nicht in Muellers Ermittlungen einzumischen. „Eine fürchterliche Person“ Sessions ist das erste Opfer einer Kabinettsumbildung, die für die Zeit nach den Kongresswahlen erwartet worden war. Einen Tag nach den Wahlen verdeutlichte Trump somit gleich, dass er nicht vorhat, seinen politischen Stil zu verändern. Daszeigte sich auch bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus,als sich der Präsident mit mehreren Journalisten anlegte. Nach hartnäckigen Fragen vondem bekannten CNN-Reporter JimAcosta fing Trump an, diesen zu beschimpfen: CNN müsse sich schämen, ihn als Mitarbeiter zu haben. „Sie sind eine unverschämte, fürchterliche Person.“ Kurz darauf bezeichnete der Präsident Acosta wegen der angeblichen Verbreitung von „Falschnachrichten“ gar als „Feind des Volkes“. Im Anschluss entzog das Weiße Haus Acosta die Akkreditierung. (AFP) Politik Seite 4 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt sollten feiern. Seiten 2,3 und 21 4 194050 501504 51045

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