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Berliner Zeitung 10.04.2018

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Berliner Zeitung

Mal langsam: Tempo 30 auf der Leipziger Straße – Seiten 8und 9 . . Dienstag, 10. April 2018 Nr.83HA-74. Jahrgangwww.berliner-zeitung.de 1.50 € Berlin/Brandenburg -1.60 € Auswärts/D* ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... D E U T S C H E VON STEFAN SAUER B A N K Die Mentalität des Jägers Obder Neue die Deutsche Bank auf Erfolgskurs bringt, wird man sehen. Immerhin aber unterscheidet er sich von seinen Vorgängern in wesentlichen Punkten, was angesichts des zurückliegenden Desaster-Jahrzehnts an der Börse offenbar als vorteilhaft gilt. Der Aktienkurs des Bankhauses jedenfalls schnellte am Montagmorgen nach der Ernennung von Christian Sewing zum Vorstandsvorsitzenden um fast vier Prozent in die Höhe.Ineinem Schreiben forderte Sewing die 100 000 Beschäftigten umgehend auf, sich kräftiger als bisher ins Zeug zu legen: „Mit Blick auf die Erträge müssen wir unsere Jägermentalität zurückgewinnen, uns in allen Geschäftsbereichen steigern und die Messlatte wieder Christian Sewing, neuer Chef der Deutschen Bank höher legen“, ließ der 47- jährige Westfale wissen. Dass Sewing Hoffnung auf bessere Zeiten weckt, liegt gewiss nicht nur,aber eben auch an Eigenschaften, die ihn von allen Chefs der Deutschen Bank seit Rolf Breuers Demission 2002 abheben. Anders als seine Vorgänger Josef Ackermann, Anshu Jain, Jürgen Fitschen und John Cryan ist Sewing kein Investmentbanker und damit nicht Vertreter jener Sparte, die für die Finanzkrise 2008 verantwortlich zeichnet. Sewing fühlt sich stattdessen dem traditionellen Privatkunden- und Kreditgeschäft verbunden. Er gilt als nahbar, debattenfähig und bodenständig. Er kennt die Bank, bei der er 1989 als Auszubildender begann, aus dem Effeff. Dennoch –oder gerade deshalb? –betonte Sewing zum Amtsantritt: „Es gibt nichts, worauf wir uns ausruhen können.“ Dies gilt insbesondere fürs Investmentbanking, an dem die Deutsche Bank viel zu lange festhielt. Ackermann, Jain und Fitschen hatten im Konzert der großen Investmentbanken Morgan Stanley, Goldmann Sachs und JP Morgan mitspielen wollen und sich dabei gründlich verkalkuliert. Während die US-Banken ihre Investmenterträge steigerten, gingen sie bei der Deutschen Bank gegenüber 2007 um ein Viertel zurück. Sewing dürfte sich stärker der traditionellen Kernaufgabe des Bankwesens zuwenden: Wirtschaftsunternehmen und Privatleute mit Krediten und anderen Finanzdienstleitungen zu versorgen. Zudem muss der NeueVersäumnisse aufarbeiten. So ist die IT-Ausstattung der Bank hoffnungslos überaltert. Noch immer sind mehr als 30 unterschiedliche Betriebssysteme im Einsatz. Auch die Bonus-Politik gehört auf den Prüfstand: Trotz tiefroter Zahlen schüttete die Bank 2017 Boni in Höhe von2,3 Milliarden Euro aus,davon 1,4 Milliarden an die 17 000 Investmentbanker. Als größte Herausforderung für Sewing könnte sich aber eine Personalie erweisen. Es geht um den Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner, der seit seinem Amtsantritt 2012 einen Fehler an den nächsten reihte, Jain und Fitschen viel zu lange die Stange hielt, Milliarden-Boni bewilligte,Cryan 2015 als Sanierer holte, ihn nun wieder vom Hof jagt –und bei alledem den Eindruck hinterließ, es gehe ihm vor allem um den Erhalt seines Aufsichtsratspostens. Sewing wird vermutlich nur erfolgreich sein können, wenn er für Achleitners Abgang sorgt. Wirtschaft Seite 7 Lotto-Quoten 15 ................................................................................................................. Rätsel, Sudoku 13, 25 ................................................................................................................. Kleinanzeigen 13 ................................................................................................................. Berliner Verlag GmbH, 10171Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr 10-16 Uhr), Fax–499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27 -50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de ................................................................................................................. 4 Postvertriebsstück A6517 /Entgelt bezahlt 194050 501504 21015 Terrorgefahr in Berlin? Die Polizei geht verstärkt gegen mögliche islamistische Gefährder vor. Doch die Ermittlungen sind kompliziert. VON ANDREAS KOPIETZ UND ALEXANDER SCHMALZ Der Verdacht eines geplanten Terroranschlags auf den Berliner Halbmarathon hat sich bislang nicht bestätigt. Die am Sonntag festgenommenen Männer sind am Montag wieder freigelassen worden. Die Generalstaatsanwaltschaft verzichtete darauf, gegen die sechs mutmaßlichen Islamisten im Alter von 18bis 21 Jahren Antrag auf Untersuchungshaft zu stellen. Die Beweise gegen die Männer reichten nicht aus. „Bei den Durchsuchungen der Wohnungen wurden weder Waffen oder Sprengstoff noch andere Gegenstände gefunden, die den Tatverdacht untermauern könnten“, sagte ein Polizeisprecher der Berliner Zeitung. Es habe einen Anfangsverdacht wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat gegeben. Trotz der Freilassung werten Kriminaltechniker die beschlagnahmten Computer und Handys aus. Abed El-Rahman W. (29), Walid S. (19), Sadik I. (18), Maher El- F. (19), Ahmet Y. (20) sowie ein weiterer Beschuldigter waren am Sonntag um die Mittagszeit von Polizisten festgenommen worden. In allen Fällen stürmten Spezialkräfte die Wohnungen der Verdächtigen. Vor allem Abed El-Rahman W. soll mit Anis Amri, dem Attentäter vomBreitscheidplatz, intensiven Umgang gehabt haben. Er und seine Bekannten besuchten regelmäßig die inzwischen geschlossene Fussilet-Moschee.Die Räume in Moabit, in der auch Amri ein und aus ging, waren ein bekannter Treffpunkt vonSalafisten, der vom Verfassungsschutz beobachtet wurde. Nach dem Anschlag auf denWeihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz wurde der Moscheeverein verboten. Ein Polizeisprecher räumt ein, dass es„sehr vage Hinweise“ waren, die zu den Festnahmen geführt hätten. Am Vorabend der Sportveranstaltung überprüfte die Polizei, ob es in der Szene der als islamistische Gefährder geführten Personen verdächtige Bewegungen gab.Mindestens Abed El-Rahman W. und Walid S. werden als Gefährder geführt. Sie und die anderen hatten sich am Vorabend des Halbmarathons auffällig für die Laufstrecke interessiert und waren diese zum Teil abgelaufen. Das genügte offenbar als Auslöser für eine Festnahme. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) lobte am Montag die Polizeiaktion:„Die Entscheidung war absolut richtig“, sagte er der Berliner Zeitung. „ImZweifel geht es um die Sicherheit der Bürger dieser Stadt und ihrer Gäste.“ Lob bekommt er dafür von der Opposition: Derinnenpolitische Sprecher der Berliner CDU und Vorsitzende des Amri-Untersuchungsausschusses, BurkardDregger,ist ebenfalls davon überzeugt, dass die Festnahmen aus Gründen der Gefahrenabwehr gerechtfertigt waren. Er geht davon aus, dass die Polizei ausreichend Anhaltspunkte hatte, dass von den Verdächtigen eine konkrete Gefahr ausging. „Es ist ungeheuer wichtig, „Im Zweifel geht es um die Sicherheit der Bürger dieser Stadt und ihrer Gäste.“ Andreas Geisel, Innensenator dass die Polizei präventiv eingreift, damit es nicht zu Anschlägen kommt“, sagte Dregger der Berliner Zeitung. Ähnliche präventive Einsätze wegen des„Verdachts derVorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ hatte es in der Vergangenheit in Berlin des Öfteren gegeben. Bereits im Dezember vergangenen Jahres war die Polizei auf Abed El- Rahman W. gestoßen, der am Sonntag im Zusammenhang mit dem Halbmarathon festgenommen worden war. Er und drei weiteremutmaßliche Islamisten wurden verdächtigt, Ausreisen in das Herrschaftsgebiet der Terrormiliz „Islamischer Staat“ unternommen zu haben. Bei der Durchsuchung seiner Charlottenburger Wohnung wurde jedoch nichts Verdächtiges gefunden. Er kamwieder frei. Einen Monat zuvor durchsuchte die Berliner Polizei bei einer Anti-Terror-Razzia vier Orte in den Bezirken Charlottenburg- Wilmersdorfund Reinickendorf. Die Beamten beschlagnahmten Revolver, Waffenteile und zwei Sturmgewehre AK-47 sowie mehrere Hundert Schuss scharfer Munition bei einem 40-Jährigen türkischer Herkunft. Seine Besuche in einer Salafisten-Moschee, seine Aggressivität und sein Waffenbesitz veranlassten die Generalstaatsanwaltschaft, gegen den 40-Jährigen vorzugehen. Er hatte offenbar ein Geflecht von Briefkastenfirmen, darunter Immobilien- und Baufirmen. Es besteht der Verdacht, dass sie für Geldwäsche aus kriminellen Geschäften genutzt wurden. Mit den Waffenteilen soll er gehandelt haben. DerVerdacht, dass er terroristische Gruppen finanziell unterstützte, bestätigte sich nicht. Auch im Mai vergangenen Jahres splitterten in mehreren Berliner Stadtteilen die Wohnungstüren. Polizisten vollstreckten vier Haftbefehle gegen gewaltbereite Islamisten aus dem Irak undSyrien. Dievier Beschuldigten sollen mit Kokain, Haschisch und Ecstasy gehandelt undmit demErlös dschihadistische Gruppen unterstützt haben. DerVerdacht konnte bishernicht erhärtet werden. Leitartikel Seite 8 DPA/PAUL ZINKEN DIE NEUE BERLINER ZEITUNG Liebe Leserin, lieber Leser, am Mittwoch werden Sie Ihre Berliner Zeitung neu entdecken. Die neue Berliner Zeitung präsentiert Ihnen modernen, vertrauenswürdigen Journalismus –großzügig, leserfreundlich, auf den Punkt. Wir wollen ein Kompass für alle Berliner und Neu-Berliner sein.Werdie neue Berliner Zeitung liest, der wird die Stadt besser verstehen. Selbstverständlich behält die Berliner Zeitung den Charakter,den Sieschätzen. Siepräsentiertihrebekannten Autorinnen und Autoren, den Tonund die klareHaltung. Aber sie wird noch besser und großzügiger gestaltet sein –und Sie werden sie besser lesen können, weil wir auch das Schriftbild klarer gestaltet haben. Vorallem aber wollen wir Ihnen noch mehr von den für die Stadt so wichtigen Geschichten bieten, sei es, dass diese Themen in der Stadt spielen –oder aber dass sie die Stadt undSie interessieren. Am Mittwoch erscheintzum Beispiel zum ersten Mal die neue „Hauptstadt“-Seite, die wir Ihnen von nun an wöchentlich präsentieren. In der ersten Ausgabe zeigen wir Ihnen detailliert, was es eigentlich kostet, dass die Bundesregierung nicht nur in Berlin, sondern in Teilen auch immer noch in Bonn ihren Sitz hat. Die Zahlen sind wirklich überraschend. Aufder „Hauptstadt“-Seite wird es jeden Mittwoch auch eine neue Kolumne von besonderen Autoren geben: Sie heißt „Platz der Republik“. Für Holger Schmale, der zu den erfahrensten Autoren impolitischen Berlin gehört, ist so ein Berliner Platz der Balkon, auf dem sich die Jamaika-Verhandler immer wieder gezeigt haben. Lesen Sie amMittwoch Holger Schmales Kolumne dazu. Freuen Siesich auch auf eine Begegnung mit Monika Maron auf der Seite 3. Meine Kollegin Cornelia Geißler hat die Schriftstellerin getroffen und mit ihr über unser Land geredet. Ulrich Paul, unser Experte für Wohnen und Bauen in der Stadt, hat für die neue Berliner Zeitung mit Andrej Holm geredet. Sie können sich denken, worum es in dem Gespräch ging: um ein Thema, das alle Berlinerinnen und Berliner bewegt –die ständig steigenden Mieten in derHauptstadt. Selbstverständlich werden wir am 50. Jahrestag an die Schüsse auf Rudi Dutschke in Berlin und an das bewegte Jahr 1968 erinnern–mit einem großen Essay von Arno Widmann, der die Geschichte Berlins wie kaum ein anderer kennt. Und natürlich beschäftigen wir uns mit der Zukunft unserer Stadt – in den nächsten Tagen besonders mit dem Verkehr der Zukunft: dem Fahrradverkehr. Mein Kollege Peter Neumann wird Ihnen dazu neue Wege aufzeigen–in derneuen BerlinerZeitung. Seien Siegespannt. WETTER Herzlich, Ihr Jochen Arntz und die Redaktion der Berliner Zeitung BERLIN: Heiter.Schwacher Wind aus Südost. Tageshöchstwerte bei 24 Grad, nachts um 13 Grad. Seite 2

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