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Berliner Zeitung 10.08.2019

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Berliner Zeitung

Exklusiver Vorabdruck: Alexander Osangs neuer Roman – Magazin Heute mit Service und Immobilien 20°/27° Wolken, aber warm Wetter Seite 16 AM WOCHENENDE www.berliner-zeitung.de Sonnabend/Sonntag,10./11. August 2019 Nr.184 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 2.00 € Berlin/Brandenburg: 1.80 € Endlich in Klein Bademeusel Sommerserie Seiten 2und 3 Sitzenbleiben ist hier verboten Love Parade 1.0 Vor50Jahren hüllten sich Bobbi und Nick Ercoline in Woodstock in eine Decke. Nicht nur für sie begann eine neue Zeit. Magazin, Feuilleton Seiten 26 und 27 IMAGO IMAGES ,BENJAMIN PRITZKULEIT, AFP Einfach mal abtauchen Berlin bewegt sich Seite 20 Panorama Seite 32 Anzeige www.atala.de Mein lieber Sohn, Du bist nicht allein. MitDir gemeinsam werden an diesem Sonnabend rund 34 000 Kinder in Berlin eingeschult. Die Vorfreude ist unbeschreiblich, endlich Schluss mit Kindergarten und Vorschule. Jetzt geht es richtig los. Zugegeben, ich war in den letzten Tagen etwas abgelenkt: Die angesichts des nahenden Einschulungstermins gewiss nicht zufällige Diskussion über fehlende Deutschkenntnisse bei Erstklässlern, über fehlende Grundschulplätze in den kommenden Jahren und über das mehr oder minder vollumfängliche Versagen der Bildungspolitik, deren große Bedeutung von Politikern bekanntlich immer nur in ihren Sonntagsreden beschworen wird–ach ja, all das trübte kurzzeitig die Stimmung etwas ein. Wirsind einen langenWeggegangen. Viele Monate, beinahe ein Jahr haben wir uns auf diesen Tagvorbereitet. Wirfingen an, mit Dirüber die Schule zu sprechen, darüber, dass man hier Lesen, Schreiben und Rechnen lernt, dass es hier im Vergleich zur Kita deutlich strenger zugeht, man zum Beispiel nicht mehr zu spät kommen und für längere Zeit, immerhin 45 Minuten lang, nicht den Raum verlassen darf und an seinem Tisch sitzen sollte. Auch bei Dir stieg die Aufregung, zugleich war Dir der Stolz anzumerken, endlich zu den Größeren zu gehören. Und die Verheißungen größerer Selbstständigkeit: Du gehst jetzt einen ersten wichtigen Schritt aus Deinem Elternhaus. Uns, Deinen Eltern, bangt ein wenig davor. Uns hat ja nicht nur die Frage umgetrieben, welche Schule für Dich die Richtige ist. Vielmehr war und ist es auch der Umstand, dass wir Dich von der Hand lassen und einer öffentlichen, einer staatlichen Einrichtung übergeben: Dasist Dein unwiderruflicher Eintritt in die Leistungsgesellschaft –von nun an wirst Du benotet, trittst Du mit anderen Kindern in einen Wettbewerb. Meine Güte, ich wünsche uns viel Gelassenheit und Dir, dass Dir nicht der Spaß vergeht, dass Lernen also eine gute Erfahrung wirdund bleibt. Und ich wünsche Dir, dass Du neue Freunde gewinnst, dass Deine Schule nicht nur ein disziplinarischer Lern-, sondernauch ein angstfreier Spielortwird. Apropos Schule: Du wirst auf Deine Einzugsschule gehen. Eigentlich ganz einfach, sollte man meinen. Aber so einfach war es dann doch nicht, es gab da schon einiges Hinund Her: Vorallem die Frage,ob Du auf besondere Weise gefördert werden sollst –die Schulen bieten da ja unterschiedliche Schwerpunkte und auch Lernkonzepte. Aber dann haben wir uns locker gemacht. Zum einen, weil Du auf Deinem nur zehnminütigen Schulweg keine größere Straße überqueren musst. Zum anderen aber, weil wir hoffen, dass Du eine gute Klassenlehrerin oder einen guten Klassenlehrer bekommen wirst. Schwerpunkte und Lernkon- Fürs Leben Zehntausende Berliner Kinder kommen an diesem Sonnabend in die Schule. Aufregend –auch für die Eltern. Der Brief eines Vaters an einen Erstklässler VonChristian Schlüter Wir, Deine Eltern, werden uns jetzt nur noch in der Kunst des Loslassens üben müssen. Und damit fangen wir sofort an. zepte hin oder her:Auf diese Bezugsperson kommt alles an. So war es auch bei uns in der Schule. Mehr als 90 Prozent der Erstklässlerinnen und Erstklässler werden an öffentliche Schulen kommen. Wir befinden uns also in bester Gesellschaft. Und sehr wahrscheinlich wirdhier der Anteil sozial schwacher Schülerinnen und Schüler so wie im vergangenen Jahr etwa ein Drittel betragen. Undwir wissen auch, dass in Berlin etwa 40 Prozent der Eingeschulten aus Familien mit nicht deutscher Herkunftssprache kommen. Womit allerdings noch nichts über die Sprachkenntnisse des Kindes gesagt ist. Aber gut, damit wären wir ja schon wieder mitten in der Debatte.Wir werden sie nicht das letzte Mal geführt haben. Aber dafür ist heute nicht der Tag. HeutestehstDu mit Deiner Schultüte da … Auf Dich kommen ohnehin noch eine ganzeReihe anderer Herausforderungen zu, wie es immer so schön heißt, wenn man das offenbar unanständig gewordene Wort „Probleme“ vermeiden möchte. Denn selbstverständlich ist es so, dass Du nicht für die Schule, sondern immer noch, bitte sehr,fürsLeben lernst. Unddieses Leben hat es in sich: DieWelt ist ein unübersichtlicher, gefährlicher Ort, Klimawandel, Flüchtlingskrise, Rechtspopulismus, Internetüberwachung, Islamismus –esgibt zur Zeit nicht gerade wenige Themen, über die man sich gernaufregt. Allerorten wirddas Ende beschworen, das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Wir leben in einer angstlustvollen, endzeitseligen Epoche. Ich will mich davon nicht anstecken lassen. Und ich hoffe, dass wir Dir nicht die Zukunft mit unseren Ängsten vergraulen. Stattdessen möchten wir uns über jeden noch so kleinen Lernfortschritt freuen und Dir diese Freude vermitteln. Deine Schule wirdDir hoffentlich viele,viele Erfolgserlebnisse und Könnenserfahrungen ermöglichen. Unddann wirst Du alsbald vom Kleinen ins Große ausschreiten, wirst Dich an größeren Aufgaben ausprobieren und diese Prüfungen bestehen. Wirst vielleicht auch die ganzeWelt retten, wie es zurzeit die älteren Jahrgänge Deiner Schule mit ihren „Klimastreiks“ versuchen. Du wirst schnell merken, es gibt so viele gute Vorbilder. Die Jugend vonheute ist großartig! MitDir ist die Welt schon jetzt ein besserer Ortgeworden–und sie wird mit Dir ein noch besserer Ort werden. Du bist hier und jetzt gerade zur richtigen Zeit gekommen.Wir, Deine Eltern, werden uns jetzt nur noch in der Kunst des Loslassens üben müssen. Unddamit fangen wir sofortan. Ja, der Ernst des Lebens hat begonnen, aber zu ernst sollte er dann auch nicht sein: Nein, wir wollen nicht als stolzverblödete Statussymbolträger in der Einschulungsfeierei allzu unangenehm auffallen. Montag ist der Tagder Tage,dann geht die Schule wirklich los: die Mühen der Ebenen. Einen Menschen auf seinem eigenen Wegbegleiten –eswird ein langer Wegsein. Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499 Leser-blz@dumont.de; Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501801 61032 Wandern ··· mit Zufriedenheits-Garantie! Nicht vergessen, rechtzeitigWanderschuhe zu kaufen. Schuhe plus Socken sollten eingetragen werden. Wir empfehlen für eine ausführliche Wanderschuhberatung bei unseren Spezialisten mindestens 30 Minuten einzuplanen, dann wird es der richtige Schuh für den perfekten Wanderurlaub. Zufahrt und Parken schillingstraße via Singerstraße bzw. Magazinstraße wegen Baustelle Karl-Marx-Allee Die OutDOOr-insiDer Karl-Marx-Allee 32 Berlin-Mitte www.camp4.de

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