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Berliner Zeitung 10.09.2019

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Wardie DDR wirklich pleite? Ein Gastbeitrag – Seite 6 Computer legte S-Bahn lahm Seite 11 12°/17° Es wird herbstlich. Wetter Seite 2 Senat will Mieter von der Grundsteuer entlasten Berlin Seite 9 www.berliner-zeitung.de Rechte Kameraden in der Bundeswehr Seite 3 Dienstag,10. September 2019 Nr.210 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € WieScheuer sich die Maut zurechtrechnete Politik Seite 5 Basketball Ein guter Chef lernt dazu VonChristian Schwager Ein guter Chef erreicht seine gesteckten Ziele. Insofern kann aus Dennis Schröder noch ein guter Chef werden. Der 25Jahre alte Spielmacher hat mit den deutschen Basketballern bei der Weltmeisterschaft in China zwar nur den 18. Platz belegt, aber nach dem 82:76 am Montag gegen Kanada immerhin die Chance auf Olympia gewahrt. Die Mannschaft darf nächstes Jahr an einem Qualifikationsturnier teilnehmen. Der direkte Wegzuden Spielen 2020 in Tokio blieb den Deut- Dennis Schröder schen verwehrt ist Anführer der deutschen Basketballer. gen zum Auftakt nach Niederla- gegen Frankreich und die Dominikanische Republik. Deshalb bei dieser WM immer wieder die Frage: Ist Schröder wirklich ein Chef auf dem Parkett? Starke Vorgesetzte dulden zumindest starke Mitarbeiter an ihrer Seite. Drei Basketballer aus der weltbesten Liga standen im Team; neben Dennis Schröder selbst (Oklahoma City Thunder) die NBA-Profis Maximilian Kleber (Dallas Mavericks) und Daniels Theis (Boston Celtics). Dazu Akteure europäischer Spitzenklubs. Schröder bediente sie mit Vorlagen, avancierte zum bisher besten Ballverteiler der WM, kam proPartie auf neun Assists im Schnitt. Gute Chefs delegieren. Und sie lernen aus Fehlern. So etwas wie bei der EM 2017 ist Schröder später nicht mehr passiert. Damals ließ er eine Tasche im Bus liegen, darin 21 000 Euro in bar. Gereift ist der Braunschweiger vor allem als Spieler.InOklahoma hat er neben Weltstars wie Russell Westbrook agiert, zwar nicht in der Startformation, allerdings: „Wenn es um etwas geht, stehe ich auf dem Feld.“ Daswar auch so bei der WM, das war das Problem, denn es ging von Anfang an um etwas. Im Angriff fixierte sich die Auswahl zu lange und zu durchschaubar auf Schröder. Die strategische Grundrichtung hatte Bundestrainer Henrik Rödl vorgegeben, in diesem Rahmen genoss der Guardaber alle Freiheiten. Am Ende gelang es ihm, im Angriff die anderen Akteure stärker einzubeziehen. Besser spät als nie,das gilt nicht zuletzt für Chefs.Nach der Niederlage gegen die Dominikanische Republik, als feststand, dass diese WM eine verkorkste WM werden würde, raufte sich die Mannschaft zusammen. Gute Vorgesetzte lassen andere zu Wort kommen. Gestern gegen Kanada hat Maximilan Kleber 20 Punkte erzielt, Kapitän Robin Benzing traf ebenfalls zweistellig, steuerte zwölf Zähler bei. Auf 21kam Schröder, dazu neun Assists, zehn Rebounds –erwar der Mann des Spiels. Ein guter Chef muss delegieren, zuhören, flexibel sein. Aber selbst etwas am Ball können, muss er natürlich auch. VonElmar Schütze und MikeWilms Nach dem tödlichen Unfall eines Porsche-SUV in Mitte verdichten sich Hinweise, dass der Fahrer einen epileptischen Anfall hatte. Der 43-Jährige soll, wie es aus Ermittlerkreisen heißt, vor der Fahrt ein Epilepsie-Medikament eingenommen haben. Die Polizei wollte denVerdacht am Montag auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren. Polizeipräsidentin Barbara Slowik sagte am Rande des Innenausschusses am Montag: „Wir schließen nach wie vor definitiv medizinische Gründe nicht aus.“ Zuerst hatten Berliner Morgenpost und Tagesspiegel darüber berichtet. Konkreter ist derVersuch der Polizei, die Krankenakte des Fahrers zu beschlagnahmen. Dazu muss die Staatsanwaltschaft die Sicherstellung der Akte einleiten. Ob dies bereits geschehen ist, war am Montag nicht zu erfahren. Ein Gutachter soll der Polizei außerdem helfen, den Unfallhergang zu rekonstruieren. Verdacht auf fahrlässige Tötung Die Ermittlungsbehörden bestätigten Berichte,wonach wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt wird. Allerdings sei dies bei „Verkehrsunfällen mit Verstorbenen absolut üblich“, so eine Polizeisprecherin. DerUnfallfahrer liegt weiterhin schwer verletzt in einer Klinik. Wann er vonder Polizei befragt werden kann, ist noch unklar. Ein Tötungsvorsatz wird nach derzeitigem Stand ausgeschlossen. Am Freitagabend war an der Invaliden-/Ecke Ackerstraße der Fahrer eines rund zwei Tonnen schweren Porsche Macan, einem sogenannten Sport Utility Vehicle (SUV), nach links von der Fahrbahn abgekommen und hatte vier Menschen mitgerissen, die auf dem Bürgersteig standen. Zwei Männer, 28 und 29 Jahrealt, eine 64-jährige Frau und ihr dreijähriger Enkel starben noch an der Unfallstelle. Die 67-jährige Schwiegermutter des Todesfahrers sowie ein sechsjähriges Mädchen saßen im Auto und wurden verletzt. Gleich nach dem Unfall war eine Debatte darüber entbrannt, ob schwereSUVs aus der Innenstadt verbannt werden sollen. Nachdem mehrere Grünen-Politiker bereits am Wochenende mit solchen Forderungen an die Öffentlichkeit gegangen waren, hat sich jetzt auch Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) eingeschaltet. Bevor sie sich am Montagnachmittag selbst ein Bild vom Unfallort machen wollte, ließ sie mitteilen, dass sie „SUV ohne Zweifel“ für eine „besonders negativeAusprägung von klimaschädlichen und platzfressenden Fahrzeugen“ halte. Dennoch: „Eine Verbotsdebatte verkürzt das Thema zu stark und wird auch die Probleme nicht lösen.“ Man müsse Verkehrssicherheit breiter angehen –und das tue der Senat auch: „unter anderem mit dem Fußverkehrsteil im Mobilitätsgesetz, besseren Radwegen, mehr Tempo 30, dem Umbau von Kreuzungen und verkehrsberuhigten Zonen.“ Auch bei den anderen Fraktionen der rot-rot-grünen Koalition herrscht Skepsis. Der SPD-Verkehrspolitiker Tino Schopf hält nichts davon, SUV auszusperren. „Ich möchte niemandem vorschreiben, welche Autos er kauft. Wir müssen die Straßen sicherer machen, solch ein Verbot bringt uns nicht weiter.“ Er sei dafür,„jeden Cent und jeden Euro in den Ausbau „Der SUV ist der Dinosaurier unter den Personenwagen. Er ist übergroß und er gefährdet andere Lebewesen. Hoffentlich stirbt er bald aus.“ Roland Stimpel, Sprecher des Fußgänger-Lobbyvereins Fuss e.V. Raus aus der des ÖPNV zu stecken, um den Menschen ein gutes Angebot zu machen, dann verzichten sicher auch mehr Menschen freiwillig auf ihr Auto“. Auch bei der Linken ist keine Mehrheit für ein Verbot in Sicht. Erstens, soder verkehrspolitische Sprecher Harald Wolf, „kann auch ein Kleinfahrzeug tödliche Wirkung haben“. Zweitens halte er ein„Verbot für nicht praktikabel. Natürlich muss man regulierend eingreifen, aber man muss sich auch fragen, welche Regulierung greift“. Längst ist die Debatte auch auf Bundesebene angelangt. Dortspricht sich der Deutsche Städte- und Gemeindebund gegen ein Verbot aus. „Ein Verbot in Städten ist keine zielführende Lösung“, sagte Hauptge- Stadt? Der schwere Unfall in Berlin löst eine heftige Debatte über ein SUV-Verbot in Innenstädten aus DPA schäftsführer Gerd Landsberg der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk Deutschland).„Wir lösen unsere Probleme nicht mit immer neuen Verbotsorgien. Wir brauchen nicht mehr neue Vorschriften, die ohnehin nur schwer zu kontrollieren sind.“ Die FDP im Bundestag kritisiert die Berliner Debatte scharf. DerVerkehrsexperte der Fraktion, Oliver Luksic aus dem Saarland, sagte: „Die eiskalteVerwendung eines tragischen Unglücks für politische Zwecke ist geschmacklos und erinnert vom Stil an die AfD.“ Es komme auf den Fahrer an, nicht auf das Auto.„EinTesla Sist schwerer als ein Porsche Macan und beschleunigt mindestens genauso schnell. Fordern die Grünen jetzt ein Verbot für Kleinwagen und E-Autos?“ Anteil der SUV wächst Platzeck fürchtet neue Spaltung Im Zentrum der Einheitsfeier stehen daher Bürgerdialoge VonMarkus Decker Der Vorsitzende der Regierungskommission zu 30 JahreMauerfall und Deutsche Einheit, Matthias Platzeck (SPD), hat vor einer Verschärfung der Spannungen zwischen Ost- und Westdeutschen gewarnt. Das Doppeljubiläum finde in einer schwierigen Stimmungslage statt, sagte er vorJournalisten in Berlin. Undesbestehe „das Risiko, dass die Gräben wieder tiefer werden“. In Ostdeutschland nehme das „Wessi-Bashing“ erneut zu, sagte der langjährige brandenburgische Ministerpräsident und ehemalige Vorsitzende der SPD. InWestdeutschland wiederum sei zuweilen bestenfalls ein „positives Desinteresse“ zu beobachten. Trennend wirke auch der Aufstieg der„Nationalradikalen“. Gründe für den beiderseitigen Missmut, den er jeweils durchaus nachvollziehen könne,gebe es viele,sagte Platzeck. Entscheidend sei nun, dass man der deutsch-deutschen Entfremdung in diesen Jubiläumsjahren entgegenwirke. Dabei müsse das Motto gelten: „So viel Staatsakt wie nötig, so viel Debatte wie möglich.“ Die 22-köpfige Regierungskommission plant, die Veranstaltungen nicht erst am 9. November, also am Tagdes Mauerfalls, beginnen zu lassen. Stattdessen will sie den Prozess dorthin –die friedliche Revolution – in den Blick nehmen. Als Meilensteine gelten die Ereignisse in der Prager Botschaft, die Großdemonstrationen in Leipzig, der Mauerfall, die erste freie Volkskammerwahl, die Wirtschafts- und Währungsunion sowie schließlich dieVereinigung am 3. Oktober. Dazu soll es jeweils Veranstaltungen geben –soetwa einen Sonderzug von Dresden nach Prag oder 26Veranstaltungen quer durchs Land am 9. November. Das Herzstück der Feiern sollen Bürgerdialoge sein. DasDoppeljubiläum dürfe nicht dem Slogan folgen: „Nun seid stolz und freut Euch!“, sagte Platzeck. Vielmehr dürfe man nicht an den Problemen vorbei feiern, sondernmüsse versuchen, existierende Streitthemen überhaupt erst wieder in einen produktiven Dialog zu überführen. Voraussetzung dafür sei, neues Interesse aneinander zu wecken. Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt Keine Meinung hat das Bundesverkehrsministerium. Man wolle sich nicht „an politischen Debatten beteiligen“, sagte eine Sprecherin am Montag. Unterdessen erfreuen sich SUV wachsender Beliebtheit. Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) belegen einen rasanten Anstieg der Zulassungen. Bundesweit waren am Stichtag 1. Januar 2018 mehr als 2,62 Millionen SUV in Deutschland zugelassen, am 1. Januar 2019 waren es bereits mehr als 3,14 Millionen. Das ist ein Anstieg um 19,9 Prozent. Der Anteil der SUV an den Personenkraftwagen lag zu Jahresbeginn bei 6,7 Prozent. Seitdem setzt sich der SUV- Boom nahtlos fort. Allein im Juli 2019 wurden in Deutschland 66 660 SUVs neu angemeldet. Zwischen Januar und Juli waren es 442 642 Fahrzeuge. Inzwischen ist jeder fünfte neu angemeldete Pkw (20 Prozent) ein SUV. Ein Pro und Contra zur Verbotsdebatte Tagesthema Seite 2 4 194050 501603 21037

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