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Berliner Zeitung 11.02.2019

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Zeichnen als Gegengift: Zum Todvon Tomi Ungerer – Feuilleton Seite 23 Psychologie des Sparens Seite 6 2°/7° Meist trüb Wetter Seite 2 Solar-Kiosk: Zwei Berliner Firmen erleuchten Afrika Seite 3 www.berliner-zeitung.de S-Bahn-Bau: Pendler müssen lange warten Berlin Seite 9 Montag,11. Februar 2019 Nr.35HA-75. Jahrgang Auswärts/D**: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Empfehlung für Löw: Herthas Selke trifft wieder Sport Seite 20 Berlinale Weltweite Standards PetraKohse Feuilleton-Redakteurin Jedes Fest braucht sein Kostüm. Bei der Berlinale sind es die grauen oder weißen Rucksäcke mit dem großen Bärenmotiv und dem kleineren Audi-Logo. Als Stoff gewordene Behauptung, dass in diesen Tagen nur das Kino zählt, wird erauch von jenen getragen, die Funktionsästhetik im echten Leben ablehnen und sonst niemals Werbeträger sind. Jetzt ist das egal. Mit dem Berlinale-Rucksack ist man Teil der Bewegung, die im Wurmlochdunkel haust und sich mit der indigenen Bevölkerung Kanadas oder Widerstandskämpfern irgendeines Krieges identifiziertund natürlich weder den Abwasch noch die Tagespost erledigen kann, sonderninfreundlicher Abwesenheit durch den Absperrungsparcours des Potsdamer Platzes geistert. Wobei auch die Freundlichkeit Teil des Berlinale-Kostüms ist. Wann sonst ist das Lächeln, Danke-Sagen und herzliche Wegweisen in Berlin zu Hause? Nurwenn internationales Publikum dergleichen für so selbstverständlich hält, dass auch unser Festivalpersonal nicht anders kann. Noch in einer anderen Hinsicht heißt, vom weltweiten Standard zu lernen, möglicherweise siegen lernen: Im temporären Norway House, direkt neben dem Abgeordnetenhaus –indem jeder siebte ernsthaft daran festhält, die Notwendigkeit von Diversitätspolitik infrage zu stellen –, wurde am Freitag vonder internationalen Filmfrauen-InitiativeWIFT die Kampagne „10 % for 50/50“ vorgestellt. Die Idee ist, dass Filmproduktionen, die an leitenden Stellen Frauen beschäftigen, bei Postproduktionsfirmen zehn Prozent Rabatt bekommen. Manbraucht vier Punkte in acht Kategorien, wobei Diversität doppelt zählt, was einem nicht seltsamer vorkommen sollte als die Tatsache, wie homogen die Filmwelt im Vergleich zur übrigen Welt noch immer ist. Einhandfestes Bekenntnis an wirksamer Stelle. Schon über 40 Firmen machen mit. Berlinale Seiten 21 und 22 Enteignung spaltet die Stadt Teile des Senats wollen Bestände von Wohnungsbaukonzernen vergesellschaften. Die Berliner Wohnungswirtschaft wehrt sich mit einem Rechtsgutachten dagegen Wohnen ist für die Berliner derzeit die soziale Frage Nummer eins. Entsprechend aufgeregt ist die Debatte. VonElmar Schütze Der Vorsitzende des Integrationsrats von Nordrhein-Westfalen, Tayfun Keltek, hat gefordert, Englisch an Grundschulen unter anderem durch Türkisch zu ersetzen. Begründung: EinDrittel aller Schüler in NRW habe einen Migrationshintergrund und spreche vor allem Türkisch, Russisch oder Polnisch. Würden Kenntnisse in der Muttersprache und in Deutsch vertieft, falle später auch das Englische leichter. „Am besten würden Fremdsprachen erlernt, wenn sie von Muttersprachlern vermittelt würden“, sagte Keltek. Für Sevim Dagdelen, Vizechefin der Linken-Fraktion im Bundestag, ist der Vorschlag „grober Unfug“. Den Unterricht in Weltsprachen wie Englisch oder Französisch durch Türkisch ersetzen zu wollen, komme einer Provinzialisierung gleich. „Der Vorschlag ist eine Absage an eine weltoffene Orientierung und würde die Bildungschancen von Kindern deutlich vermindern“, sagte Dagdelen der Berliner Zeitung. „Die Alltagssprache der Kinder in Deutschland ist überwiegend Deutsch, auch in Familien in denen die Herkunftssprache gesprochen wird.“ Dagdelen, die selbst kurdischeWurzeln hat, warnte voreiner „Türkisierung“ und Diskriminierung kurdischsprachiger Familien. „Wir müssen uns mehr darauf konzentrieren, dass die Kinder fehlerfrei Deutsch können und Fremdsprachen erlernen, die sie weltweit auch weiterbringen.“ In Schleswig-Holstein ist Türkisch-Unterricht vielerorts schon Realität –darunter an sieben Lübecker Schulen. Das Schulamt wollte jetzt wissen, wie viele Schüler teilnehmen. Die Idee der Enteignung großer Wohnungsbauunternehmen bestimmt seit Wochen die Debatte um zunehmende Wohnungsnot in der Mieterstadt Berlin. In den vergangenen Tagen und Wochen hat die Berliner Zeitung Gastbeiträge von Politikern, Juristen und Wirtschaftsvertretern zum Thema veröffentlicht. DerTenor deckt die Bandbreite der Debatte ab: voneinem klaren Ja, weil nur so die Marktmacht der Privaten und damit der ständige Mietenanstieg zu brechen sei, zu einem kategorischen Nein, weil damit die soziale Marktwirtschaft ausgehebelt werde. Jetzt wehrt sich die private Wohnungswirtschaft. Sie hat ein Rechtsgutachten angekündigt, mit dem sie gegen das Enteignungs- Volksbegehren vorgehen will. Sie halte das „nicht für zulässig“, sagte MarenKern, Vorstand des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Immobilienkonzerne,amWochenende Aufgebracht wurde die Enteignungs-Idee von Mieterinitiativen. Sie wollen Unternehmen mit 3000 Wohnungen und mehr enteignen und stützen sich auf Artikel 15 des Grundgesetzes, in dem Vergesellschaftung gegen Entschädigung vorgesehen ist. Hauptangriffspunkt ist die Deutsche Wohnen, mit rund 115 000Wohnungen größter privater Anbieter auf dem Berliner Markt. Ab dem 6. Aprilwollen die Aktivisten Unterschriften sammeln. Für 20 000 Unterschriften haben sie sechs Monate Zeit. In der zweiten Phase müssen binnen vier Monaten sieben Prozent der Stimmberechtigten das Anliegen unterstützen. Das sind rund 200 000 Menschen. Folgt das Abgeordnetenhaus dem Volksbegehren nicht, kommt es zum Volksentscheid. Selbst wenn dieser erfolgreich sein sollte, wäre das Ergebnis nicht bindend. So rückt der Senat trotz eines entsprechenden Volksentscheides nicht von der Schließung des Flughafens Tegel (sobald der BER in Betrieb ist) ab. In ihrem Gastbeitrag greift Beatrice Kramm, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK), die Verantwortlichen der Initiative, vor allem aber den Senat scharfan. Dieser versage beim Wohnungsbau auf ganzer Linie. Weil der Senat keine Rezepte gegen Wohnungsnot habe, „Sollte das Enteignungs-Volksbegehren Erfolg haben und umgesetzt werden,hätte das eine überbordende Belastung des Haushalts zur Folge –ganz vorsichtig schätzen wir das auf mindestens 25 Milliarden Euro.“ Maren Kern, Vorstand des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen nutzten Populisten den entstehenden Raum. „Ausgerechnet mit einer deplatzierten Enteignungsdebatte begibt sich der Senat auf dieses Niveau, just im Jubiläumsjahr des Mauerfalls“, schreibt Kramm. Mit ihrer Haltung steht die Wirtschafts-Lobbyistin der Stimmung in der Stadt entgegen. Angesichts steigender Mieten und Angst vor Verdrängung spricht sich eine Mehrheit für Enteignung aus.Ineiner Umfrage des Meinungsforschungsinstituts IMAGO Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung waren im Januar 44 Prozent der Befragten dafür und 39 Prozent dagegen, 17 Prozent enthielten sich. Auch im Senat ist Enteignung umstritten. Während die Linke die Initiative unterstützt, gibt es von SPD und Grünen unterschiedliche Signale. Nicht zuletzt die ungeklärte Rechtslage – noch nie wurde auf Grundlage vonArtikel 15 tatsächlich enteignet –lässt viele zögern. Ebenso offen ist eine mögliche Entschädigung. Wie hoch der erwartete zweistellige Milliardenbetrag tatsächlich ausfallen würde,ist noch unklar. Auch die grundsätzliche Frage,ob Enteignung richtig ist, ist noch nicht entschieden. So spricht sich Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) dagegen aus. Besser wäre es, selbst mehr zu bauen. Sein Parteifreund, der Regierende Bürgermeister Michael Müller,hat zu Jahresbeginn vonEnteignung als „drittem, viertem oder fünftem Schritt“ gesprochen. Müller sagte,erwolle die Bestände der ehemals landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft GSW zurückkaufen. Das sind derzeit mehr als 50 000 Wohnungen. Die GSW war vor 15Jahren verkauft worden. Heute gehört sie der Deutsche Wohnen, dem Hauptfeind der Mieter-Aktivisten. Kommentar Seite 8, Gastbeitrag Seite 11 Linke lehnt Unterricht in Türkisch ab NRW-Integrationsrat will dafür Englisch streichen VonJörg Köpke Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 11007 15. &16. BERLIN MESSEN Februar 2019 Dein Marktfür Ausbildung &Jobs, 9–16 Uhr Weiterbildung &Qualifizierung Freier Eintritt Cafe Moskau Karl-Marx-Allee 34 10178 Berlin Attraktive Ausbildungs- undJobangebote Checkder Bewerbungsmappen Kostenlose Bewerbungsbildervom Profi Interessante Arbeitgeber undPräsentationen WeitereInformationen: www.berlinmessen.de SCHIRMHERRSCHAFT Frau Elke Breitenbach Senatorin für Integration,Arbeit undSoziales

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