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Berliner Zeitung 11.06.2019

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Lange Nacht der Wissenschaften: Mit Höhentraining gegen Übergewicht – Seite 16 Versicherungen für E-Tretroller Seite 6 21°/28° Sonne und Wolken Wetter Seite 2 Panikmache? Berlin und der Klimanotstand Kommentar Seite 8, Berlin Seite 9 www.berliner-zeitung.de Tempelhofer Träume: Was Bürgermeisterin Schöttler will Berlin Seite 15 Dienstag,11. Juni 2019 Nr.132 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Göttertränen: Abbau von Bernstein in der Ukraine Seite 3 Fußball-WM Ankunft einer neuen Generation VonChristian Schwager Der FC Bayern, natürlich. Giulia Gwinn wechselt zum FC Bayern, der damit ein Klischee zu bestätigen scheint: Dass er auf dem deutschen Fußballmarkt alle verpflichtet, die nachhaltig beeindrucken. Giulia Gwinns Transfer stand allerdings schon vordemWochenende fest.Vor dem Sieg ihrer deutschen Nationalelf bei der WM gegen China, dem 1:0 per Vollspann in der 66. Minute. Ein beeindruckendes Torwar es dennoch und nachhaltig nicht nur deshalb,weil es die Deutschen vor einem Fehlstart in Frank- Giulia Gwinn, Torschützin im Auftaktspiel gegenChina Giulia Gwinn reich bewahrte. steht für die Ankunft einer neuen Generation auf der großen Bühne, und es ist sicher kein Zufall, dass die 19-Jährige in Freiburg fußballerisch sozialisiert wurde.Beim SC, jenem Klub,der die meisten Spielerinnen des aktuellen deutschen WM-Kaders ausbildete. Giulia Gwinn hat im Breisgau vor allem eins gelernt: Vielseitigkeit. Gegen China wechselte sie nach der Pause von der offensiven Außenposition in die der linken Verteidigerin. Siegab auch dortImpulse,setzte Akzente in vertrackter Lage, tat in ihrem erst neunten Länderspiel das, was die routinierten Teamkolleginnen hätten leisten müssen. Denn sie hat ein Talent, das im Fußball oft mehr wert ist als ein strammer Schuss per Vollspann. Sie ist eine Problemlöserin. Sie entschlüsselt scheinbar ausweglose Situationen, verwandelt Druck in eine Idee. Dann, wenn sie „viel auf die Socken bekommt“, wie Giulia Gwinn es nach dem Auftaktspiel formulierte. Sie will aktiv sein, immer, mit und ohne Ball. Dass sie ihr Torals Verteidigerin erzielte, ist bezeichnend, auch wenn sie selbst später meinte: „Das gelingt mir kein zweites Mal.“ Da hatte sie gerade die Auszeichnung „Spielerin des Spiels“ erhalten. Diese Ehre war ihr schon zur Premierebei der U17-WM 2016 und der U20-WM 2018 zuteil geworden. Nun gelang ihr das Kunststück, als Teenager ein Torfür eine deutsche A-Auswahl bei einer Weltmeisterschaft zu erzielen. NurBirgit Prinz und Ariane Hingst hatten das vorher geschafft. Es gibt ein Foto vonGiulia Gwinn, das sie schon vorihrem Torauf Instagram gepostet hat, das aber passt, weil es vorübereilten Superlativen zu warnen scheint. Darauf hält sie den Zeigefinger vorden Mund. Bleibt mal ruhig, könnte das heißen und sich auf Erwartungen beziehen, die in München aufkeimen. Nicht immer haben sie mit Fußball zu tun. EinBoulevardblatt informierte seine Leserschaft über Giulia Gwinn so: „Sie erfreut die Fans auch bei Instagram mit heißen Fotos.“ Ganz ohne Klischee funktioniert der Wechsel zum FC Bayern wohl doch nicht. SportSeite 18 Vermieter fordern Senat heraus VonUlrich Paul Haus &Grund will dem geplanten Mietendeckel zuvorkommen und ruft zu kurzfristigen Erhöhungen auf. Der Regierende Bürgermeister warnt vor einer Konfrontation Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) warnt im Streit um den geplanten Mietendeckel voreiner Konfrontation. Nachdem der Eigentümerverband Haus &Grund die Vermieter dazu aufgerufen hat, vor einem Beschluss des Senats zum Mietendeckel am 18. Juni noch schnell die Miete anzuheben, sagte Müller am Montag zur Berliner Zeitung: „Ich bin sicher, dass diese Äußerung nicht im Interesse aller Vermieter ist.“ Genau diese Haltung führe ja „zu der Konfrontation, die wir gerade erleben“, so Müller. „Um gemeinsam nach Lösungen zu suchen, brauchen wir auch das Engagement der Privaten“, betonte der Regierungschef. Es gehe nur miteinander. „Aber so wie die meisten Vermieter verantwortungsbewusst handeln, muss auch der Senat darauf reagieren, dass viele Berliner mit einem normalen Einkommen ihre Miete kaum noch bezahlen können.“ Haus &Grund fordertdieVermieter auf seiner Internetseite dagegen zum Handeln auf: „Erhöhen Sie unbedingt bis zum 17. Juni die Miete!“, schreibt der Verband –und führt die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden, die den Vermietern dafür noch verbleiben, in einem Countdown auf. Nach dem 17. Juni werde die Miete in Berlin womöglich „für lange Zeit“ nicht mehr angehoben werden können, warnt Haus &Grund. Der Anlass: Mit dem Mietendeckel will der Senat die Mieten für fünf Jahre einfrieren. Die neue Regelung soll zwar erst Anfang 2020 in Kraft treten, doch rechnet Haus &Grund damit, dass die Landesregierung mit einer Stichtagsregelung Anhebungen bereits vomTag des Senatsbeschlusses an untersagen könnte. „Das geht“, sagt der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild. Die letzte Möglichkeit für die Vermieter wäredann, die Miete bis zum 17. Juni zu erhöhen. „Haus &Grund hält eine Mieterhöhung für erforderlich, damit deutlich wird, dass die Eigentümer auf die Mieteinnahmen angewiesen sind, um die Immobilie ordnungsgemäß zu bewirtschaften“, sagt Carsten Brückner, Chef von Haus & Grund Berlin. DerTagesspiegel hatte zuerst darüber berichtet. Die rot-rot-grüne Koalition geht auf Distanz zum Aufruf des Eigentümerverbands.„Mit dem Countdown für die letzte Mieterhöhung demaskiert sich Haus und Grund selbst“, sagt die Linken-Abgeordnete Gaby Gottwald. „Ziel des Eigentümerverbandes ist ganz offensichtlich, aus Mietwohnungen die maximale Rendite herauszuquetschen.“ Angesichts des völlig überhitzten Wohnungsmarktes den Run auf Mieterhöhung zu organisieren, sei „völlig unverantwortlich“. Die SPD-Abgeordnete Iris Spranger äußert sich ähnlich. Haus & Grund offenbare sich als „Mietpreistreiber“, sagt sie. „Die Vermieter,die bisher ordentlich mit ihren Mieternumgegangen sind, werden dies auch in Zukunft tun – und nicht auf Haus &Grund hören“, so Spranger. Die Linken-Politikerin Gottwald kritisiert, dass in der Debatte „mit falschen Informationen“ Panik gemacht werde. So seien „gesetzlich vorgeschriebene Modernisierungen auch weiterhin“ möglich. Und eine Umlage der Modernisierungskosten werde erlaubt, wenn Einspareffekte bei den Betriebskosten erzielt würden. „Unterbunden wird lediglich „Ich bin sicher, dass diese Äußerung nicht im Interesse aller Vermieter ist. Genau diese Haltung führt ja zu der Konfrontation, die wir gerade erleben.“ Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin, zur Aufforderung des Verbandes Haus &Grund, jetzt noch schnell die Mieten anzuheben der Schindluder, der jetzt mit Modernisierungen betrieben wird“, so Gottwald. DieLinken-Politikerin bezeichnet die „Kampagne“ von Haus &Grund als „unterirdisch“. Der Eigentümerverband wiederum findet noch drastischere Worte an die Adresse des Senats. Haus &Grund- Chef Brückner verweist darauf, dass sein Verband trotz Bedenken den neuen Mietspiegel unterzeichnet habe.„Wenn der Senat auf Betreiben der Senatorin (für Stadtentwicklung, die Red.) jetzt den Mietspiegel außer Kraft setzt, indem Mieterhöhungen gar nicht mehr zulässig sein sollen, sind wir nicht nur enttäuscht vom Verhalten der Politik, sondernfühlen uns –pardon –verarscht“, so Brückner.Die Zukunft des Mietspiegels sei IMAGO IMAGES [M] völlig ungewiss, denn in den nächsten fünf Jahren werde dieser keine Bedeutung mehr haben. Der Mietspiegel gibt Auskunft über die sogenannte ortsübliche Miete einerWohnung. Werden Mieterhöhungen künftig per Mietendeckel verboten, entfällt seine Funktion als Instrument zur Begründung von Mieterhöhungen. Denkbar ist, dass der Mietspiegel in den nächsten fünf Jahren als Richtschnur für die ebenfalls geplanten Mietobergrenzen herangezogen wird, die parallel zum fünfjährigen Mietenstopp eingeführt werden sollen. Die Kombination aus Mietenstopp und Mietobergrenzen soll dazu führen, dass Mieten oberhalb der Grenzen abgesenkt werden –Mieten, die noch unter den zulässigen Grenzen liegen, dürfen indes nicht weiter steigen. Der geplante Mietendeckel wäre der gravierendste Eingriff des rotrot-grünen Senats in den Wohnungsmarkt. Er soll den Mieterneine „Verschnaufpause“ von den sonst üblichen Mietsteigerungen von bis zu 15 Prozent in drei Jahren verschaffen. Der Mietendeckel soll für alle preisfreien Wohnungen in Mehrfamilienhäuserngelten. Dassind etwa 1,4 Millionen der 1,9 Millionen Wohnungen in der Bundeshauptstadt. Ausgenommen sind Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Sozialwohnungen. Für Neubauten, die noch nicht vermietet wurden, soll der Deckel ebenfalls nicht gelten. Wichtig: DerMietendeckel soll nicht nur Mieter in bestehenden Verträgen schützen, sondern zugleich bei der Wiedervermietung greifen.Werumzieht, soll nicht mehr Miete bezahlen als derVormieter.Ein Effekt könnte sein, dass Mieter wieder häufiger umziehen, wenn die bisherigeWohnung zu Grüne nehmen Onlinehändler ins Visier Vernichtung von Retouren soll verboten werden Online-Versandhändlern wie Amazon, Otto und Co. sollte nach Ansicht der Grünen verboten werden, von Kunden zurückgeschickte neuwertige Waren zu vernichten. „Wir erleben eine Perversion der Wegwerfgesellschaft“, sagte Fraktionschefin Katrin Göring- Eckardt den Zeitungen der Funke- Mediengruppe.Hier sei der Staat gefordert. Beiden Retouren handele es sich oftmals um neuwertige Produkte, die voll funktionsfähig seien und höchstens einen Kratzer hätten. Die Politikerin schlug vor, zurückgeschickte Produkte,die nicht mehr in den Verkauf könnten, zu verschenken –etwa über Sozialkaufhäuser. Greenpeace betonte,man fordere bereits seit der Enthüllung der „gängigen Vernichtungspraktik“ des Handels im Sommer 2018 ein umfassendes Ressourcenschutzgesetz von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Dieses sollte neben einem Verbot der Vernichtung neuwertiger beziehungsweise voll funktionstüchtiger Konsumgüter etwa auch die steuerliche Förderung von Reparaturleistungen beinhalten. Wirtschaftswissenschaftler der Universität Bamberghaben ermittelt, dass die Bundesbürger bei Bestellungen im Internet jedes sechste Paket wieder zurückschicken. Im vergangenen Jahr sind das demnach 280 Millionen Pakete und 487 Millionen Artikel gewesen. BeiKleidung und Schuhen geht sogar fast die Hälfte der Pakete zurück an den Absender, teilten die Forscher im Aprilmit. Die Retouren belasten durch zusätzliche Transporte das Klima, die Kosten müssen einerseits die Kunden durch höhere Marktpreise tragen, andererseits erzielen die Händler geringereMargen. Nach Erkenntnis der Forscher landen rund vier Prozent der zurückgeschickten Artikel im Müll. Immerhin gut 79 Prozent werden direkt wieder als A-Ware verkauft, 13 Prozent als B-Ware. Und drei Prozent würden an industrielle Verwerter verkauft oder an gemeinnützige Organisationen gespendet. Amazon erklärte, die überwiegende Mehrheit der zurückgegebenen Produkte komme erneut in den Verkauf, gehe an Lieferanten zurück oder werde angemeinnützige Organisationen gespendet. (dpa) Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt groß oder zu klein geworden ist. 4 194050 501603 21024

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