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Berliner Zeitung 11.10.2019

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Die Angst des Schiedsrichters vor dem Pfiff – Lokalsport Seite 18 Linderung bei Rheuma Seite 17 9°/15° Viele Wolken Wetter Seite 2 S-Bahn soll 20 Millionen für Verspätungen zahlen Berlin Seite 12 www.berliner-zeitung.de Helle Zukunft? Wiees mit Osram weitergeht Made in Berlin Seite 6 Freitag,11. Oktober 2019 Nr.236 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Polen: Wahlkampf in einem gespaltenen Land Politik Seite 5 Mann des Jahres PS und Klima in trauter Einheit VonChristian Schlüter Die Frage, wann ein Mann ein Mann ist, wird von dem Männermagazin GQ seit gut 60 Jahren zuverlässig beantwortet: Er muss Auto fahren und ansonsten Stil haben und Karriere machen wollen. Die Nachricht vom Donnerstag, dass Lewis Hamilton vonder Redaktion des Magazins zu den „Männern des Jahres 2019“ gekürt worden ist, könnte insofern passender nicht sein: Der 34- jährige Formel-1-Pilot ist als inzwischen fünffacher Weltmeister erwiesenermaßen sehr gut darin, mit einem Auto im Kreis zu fahren. Zudem feiert der Brite seit einiger Zeit auch Lewis Hamilton, gewisse Erfolge fährtgut Auto und als Modedesigner – für das sieht gut aus. Label Tommy Hilfiger brachte er sogar schon eine eigene Kollektion heraus. Hamilton ist also eine gute Wahl, der Mann gibt nicht nur auf der Rennstrecke sehr beherzt Vollgas,sondern verfolgt mit seinem Gespür für Style & Fashion nachdrücklich weitere Karriereziele. Einen kleinen Schönheitsfehler mag man allenfalls darin sehen wollen, dass Hamilton bereits 2007 von der Jury des Gentlemen’s Quarterly,wie das ursprüngliche amerikanische GQ-Magazin eigentlich heißt, zum Jahresmann gewählt wurde –damals wurden auch schon seine rennsportlichen Kreisfahrerqualitäten belobigt und darüber hinaus seine kindlich-ausgelassenen Spritzereien mit der großen Champagnerflasche auf dem Siegerpodest. Schön und gut. Hamilton befindet sich in bester, inallemal illustrer Gesellschaft, geehrt wurden zum Beispiel schon David Garret, Bob Geldorf, Stefan Aust, Hans-Dietrich Genscher,Nicolas Cage,Bushido und –jetzt bitte aufgepasst –etwa auch Nora Tschirner als „die Frau, die jeder haben will“, oder Annie Lennox für ihren Kampf gegen das HI-Virus. Es gibt also auch Frauen des Jahres in diesem Männerkosmos, und was für welche: Für dieses Jahr wurde die Klima-Aktivistin Greta Thunberg mit dem „Game Changer Award“ ausgezeichnet, als Öko-Pin-up posierte die Schwedin im Oktober auf dem Cover der britischen GQ. Werglaubt, hier den Selbstwiderspruch entdeckt zu haben, Hamiltons emissionsintensiver PS-Sport konterkariere Thunbergs klimabesorgtes Engagement –den verurteilen wir als panikversessenen, techniknihilistischen Spaßverderber. Basta! Als modernes Auto- und Mode-Lifestyle-Magazin bedient GQ selbstverständlich beide Seiten: Fridays for Futureund Fridays for Hubraum. Anders gesagt: Ein Männermagazin bleibt ein Männermagazin. Freuen wir uns also auf die große GQ-Gala, auf die Preisübergabe an Lewis Hamilton am 7. November in der Komischen Oper Berlin. Zusammenhalten Am Tagnachdem rechtsextremen Anschlag demonstrieren viele Menschen in Halle ihre Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinde. In der Politik gibt es eine Debatte über geistige Brandstifter –und die Justiz nimmt rechte Netzwerke ins Visier VonMarkus Decker und Jörg Köpke Andiesem TaginHalle,dem Tag nach dem Anschlag, wollen viele Menschen ihreVerbundenheit mit der Jüdischen Gemeinde zeigen. Sie legen vor dem Gotteshaus Blumen nieder, verharren im Gedenken an die beiden Toten und Verletzten, einige weinen. Trauer mischt sicht mit der Entschlossenheit, Rechtsextremen nicht nachzugeben. Nachbarn haben ein selbst gemaltes Transparent an ihr Fenster gehängt: „Humboldstr. gegen Antisemitismus +Hass“ steht darauf. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der in die Stadt gekommen ist, ruft zur Solidarität mit der jüdischen Bevölkerung auf. „Dieser Tagist ein Tagder Scham und der Schande“, sagt er. Einen solchen „feigen Anschlag“ zu verurteilen, reiche nicht. „Die Geschichte mahnt uns,die Gegenwartfordertuns.“ Der Tag danach ist auch der Tag der Ermittler.„Waswir gestern erlebt haben, war Terror“, sagt Generalbundesanwalt Peter Frank in Karlsruhe. Der mutmaßliche Täter Stephan B. habe sich zum Ziel gesetzt, in der Synagoge ein Massaker anzurichten und eine weltweite Wirkung zu erzielen. Nach Informationen des Südwestrundfunks hat der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof Haftbefehl gegen Stephan B. erlassen. Nach Angaben von Justizministerin Christine Lambrecht handelte es sich bei dem 27-jährigen Schützen, einem Deutschen aus Sachsen-Anhalt, um einen Einzeltäter mit antisemitischen und rechtsextremistischen Motiven. Bei den Toten handelt es sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen um eine 40 Jahre alte Frau aus Halle sowie einen 20 Jahre alten Mann aus Merseburg. Außerdem hat der Täter auf der Flucht nach dpa-Informationen ein Ehepaar in Landsbergverletzt. Es werdegeprüft, ob es Mittäter gegeben habe. Und der Tagdanach ist auch der Tag, an dem über die Konsequenzen gestritten wird. Der bayerische Innenminister Joachim Hermann (CSU) gibt der AfD eine Mitschuld an dem Anschlag auf die Synagoge und den Tod von zwei Menschen. Er spricht von geistigen Brandstiftern. In letzter Zeit seien da auch einige Vertreter der AfD in unverschämter Weise aufgefallen, so der CSU-Politiker. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) pflichtet ihm bei. „Joachim Herrmann hat recht“, sagt er der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk Deutschland). „Auch ich habe immer gewarnt, dass rechte Hetze, der Gebrauch vonNazi-Sprache und das Jonglieren mit NS-Gedankengut wie zum Beispiel von Herrn Höcke gefährlich sind und den Boden für schreckliche Taten bereiten können.“ Die AfD wehrt sich. „Wer dieses entsetzliche Verbrechen missbraucht, um die politische Konkurrenz mit haltlosen Diffamierungen zu verleumden, der spaltet die Gesellschaft und schwächt das demokratische Fundament, auf dem wir stehen“, sagt die Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Alice Weidel. Thüringens Partei- und Fraktionschef BjörnHöcke beklagt bei Twitter ein „wahnhaftes Verbrechen“. Abgesehen von der AfD herrscht Konsens über die wachsende rechtsextremistische Gefahr –und die Notwendigkeit, mehr gegen den Antisemitismus zu tun. Der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Konstantin von Notz, sagt: „Unsere Gesellschaft muss sich mit aller Schärfe gegen Antisemitismus wenden –und zwar nicht nur rhetorisch, sondern ganz „Wir sind froh über jede Synagoge, über jede jüdische Gemeinde und über alles jüdische Leben in unserem Land.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel praktisch. Das bedeutet auch, dass antisemitische Vorfälle im öffentlichen Dienst konsequent relevante Folgen haben müssen.“ Dies gelte vor allem für die Bundeswehr und die Sicherheitsbehörden. FDP-Innenexperte Konstantin Kuhle wirft die Frage auf, „warum Synagogen an einem so herausgehobenen Tagwie JomKippur nicht bundesweit mit demselben Stand geschützt sind“. Darüber müssten die Innenminister von Bund und Ländern bei ihrer Konferenz Anfang Dezember beraten. „Die Länder sollten einen gemeinsamen Standard für den Schutz jüdischer Einrichtungen und die politische Präsenz vereinbaren und durchsetzen.“ Kuhle betont überdies, der Anschlag von Halle sei „keine Zäsur.Erist das jüngste Ereignis einer Eskalation rechtsextremer Gewalt, zu der auch die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gehört“. Das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestages (PKGr) wird amMontag zu einer Sondersitzung zusammen kommen, um sich über die Ereignisse von Halle informieren zu lassen. Das hat dessen Vorsitzender Armin Schuster (CDU) mitgeteilt. Es sei zu früh, die Ereignisse abschließend zu bewerten. Damit sei es auch „zu früh“, vonStephan B. „als einem Einzeltäter zu sprechen“. Dabei wird esauch um die Frage nach den rechtsextremen Netzwerken in Deutschland gehen müssen. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat den Rechtsextremismus als eine der aktuell größten Bedrohungen bezeichnet, denen der Rechtsstaat mit allen Mitteln gegenübertreten müsse. Rechtsextremismus trete in Deutschland immer gewalttätiger und aggressiver auf, sagt Lambrecht am Donnerstag in Karlsruhe. Der Nährboden beginne oft zunächst mit Worten,denen dann Taten folgen. Man müsse ganz deutlich machen, dass man die Mitmenschen in Deutschland schütze, sagte die Ministerin. Es gehörezur Staatsräson, dass Juden in Deutschland sicher leben könnten. Lambrecht kündigt an, Vorschläge zu machen, wie Internetplattformen verpflichtet werden könnten, rechtsextreme Äußerungen zu verhindern. Tatsächlich haben Sachsen-Anhalt ebenso wie Sachsen oder Hessen seit längerem ein gravierendes rechtsextremistisches Problem. Nach Angaben desLandesamtes fürVerfassungsschutz gibt es in Sachsen-Anhalt 1300 Rechtsextremisten – plus 500 Reichsbürger, von denen viele als rechtsextremistisch gelten. Dem stehen 530 Linksextremisten, 300 Islamistenund 250 militante Kurdengegenüber. Seiten 2, 3und 8 AFP Nobelpreise für Handke und Tokarczuk Literaturauszeichnungen der Jahre 2018 und 2019 Der Literaturnobelpreis 2019 geht an den österreichischen Schriftsteller Peter Handke. Er werde für sein „einflussreiches Werk“ ausgezeichnet, das mit „sprachlicher Genialität die Peripherie und die Spezifität der menschlichen Erfahrung untersucht“, begründete die Akademie ihre Entscheidung. Im vergangenen Jahr war die IMAGO IMAGES AFP Peter Handke Olga Tokarczuk Vergabe der Auszeichnung wegen eines Skandals bei der Schwedischen Akademie ausgefallen und auf dieses Jahr verschoben worden. DerPreis für 2018 geht an die polnische Autorin OlgaTokarczuk. Siewerde fürihre„erzählerische Vorstellungskraft“ geehrt, die „das Überschreiten von Grenzen als Lebensform symbolisiert“. Die je mit rund 830 000 Euro dotierten Preise werden am 10. Dezember verliehen. Feuilleton Seite 21 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 ! 194050 501603 51041 Unsere 15% Wochen! Standort Olympiastadion: Trakehner Allee 1a |14053 Berlin Tel.: 030 /300 907 40 Standort Treptower Park: Am Treptower Park 71 |12435 Berlin Tel.: 030 /530 028 77 www.der-hollaender.de Coupon 1*: Beet- &Balkonpflanzen *Bei vorlage dieses Coupons erhalten Sie 15% Rabatt auf Artikel der Warengruppe Beet- &Balkonpflanzen. Nicht mit anderen Rabattaktionen kombinierbar.

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