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Berliner Zeitung 12.06.2018

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Der Fußball und das Ende des fröhlichen Patriotismus – Feuilleton Seite 19 Dreckecken im Paradies Seite 3 14°/22° Frühlingshaft Wetter Seite 2 Geschmacksfrage: Wiein Berlin Essen gefälscht wird Berlin Seite 9 www.berliner-zeitung.de Alles in Frage: Daimler und der Dieselskandal Wirtschaft Seite 7 Dienstag,12. Juni 2018 Nr.134 HA -74. Jahrgang Auswärts/D**: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € WM-Frage: Geld gewinnt nicht immer Tagesthema Seite 2 Meister für 18 Minuten VonStefan Scholl Das Theater der Zukunft wirdzur Attraktion. „Bevor es aufklärt, wirdesdaran denken, wie es das Publikum unterhalten kann.“ Der russische TV-Produzent, Kino- und Filmregisseur Felix Michailow bemühte einmal ein Zitat des sowjetischen Bühnenrevolutionärs Wsewolod Meyerhold, um seine Vorstellung von Schauspiel zu erklären. Michailow inszeniert auch das Schauspiel, das am Donnerstag die ganze Welt unterhalten soll: die Eröffnungsfeier der Fuß- Felix Michailow gestaltet die WM-Eröffnung Russland ball-WM in Russland. Michailow, geboren in der dagestanischen Hauptstadt Machatschkala, 50, Vater von fünf Kindern, gilt als sichere Bank, wenn es in Russland ums Showgeschäft geht. Er hat für das Staatsfernsehen Dutzende Unterhaltungsshows produziert, darunter üppige Analogien zu „Stars in der Manege“ oder „Dancing on Ice“. Auch die luxuriöse Show zur Fifa-Auslosung der WM-Gruppen im vergangenen Dezember in Sankt Petersburg, bei der Michailow 350 Artisten aufbot, „um der Welt zu zeigen, dass Russland ein modernes, fortschrittliches Land ist, und dass die Russen ein sehr gutes Gefühl für Humor haben“. Er macht keinen Hehl daraus, dass er das internationale Entertainment verfolgt. „Man muss nicht immer das Fahrrad neu erfinden, manchmal ist es besser,eseinfach zu modifizieren.“ Die Branche hat er von der Pike auf gelernt. Als er 1992 das angesehene Leningrader Institut für Theater, Musik und Kino beendete, herrschte im Land Chaos. Er drehte Reklame-Clips, moderierte Hochzeiten oder inszenierte Nachtclub-Shows.„Wirhaben damals ums Überleben gekämpft“, sagt Michailow, der auch Mitbegründer und Chefregisseur des Petersburger Showtheaters „Leningrad Zentr“ ist. Vor dem Eröffnungsspiel am Donnerstag plant er eine lakonische Zeremonie, die außer Brasiliens Doppelweltmeister Ronaldo vor allem Robbie Williams im Duett mit der Opernsängerin Aida Garifullina bestreiten soll. Unddas nur 18 Minuten lang. Es sieht fast so aus,als wolle Michailow der Welt zeigen, dass die Russen inzwischen auch zum Understatement fähig sind. Berlin streicht Schulstunden VonMartin Klesmann Wegen des akuten Lehrermangels in Berlin rechnet Bildungssenatorin Sandra Scheeres mit Abstrichen beim schulischen Angebot. „Die Schulleitungen können Stunden für Sprachförderung, Integration oder Inklusion heranziehen, um das schulische Pflichtangebot zu sichern“, sagte Scheeres am Montag. „Dafür steht eine wahnsinnig hohe Zahl an Lehrerstunden zur Verfügung.“ Früher hatte die Senatorinstets betont, wie wichtig diese zusätzlichen Förderstunden seien, um alle Schüler im Zeitalter der Inklusion zu fördern. Doch nun sollen sie ganz offiziell dafür herhalten, das Mindestangebot abzusichern. Bisher geschah das nur bei hohem Krankenstand. Es ist ein Offenbarungseid. Die Berliner Bildungspolitik ist getrieben vom Mangel an qualifizierten Pädagogen, der nach aktuellen Prognosen noch mindestens vier Jahre anhalten dürfte. Scheeres rechnete am Montag vor, dass sie für das neue Schuljahr ab Sommer 2150 Vollzeit- Lehrer benötigt, bisher seien aber nur 900 eingestellt. Zudem hätten sich 2000 Quereinsteiger beworben, doch nur 1000 vonihnen hätten die Bildungssenatorin Sandra Scheeres findet nicht genügend Lehrer. Nun entfallen Zusatzangebote für Sprachförderung und Integration nötigen Mangelfächer wie Naturwissenschaften, Mathe, Musik, Sport oder Sonderpädagogik sowie Deutsch und Englisch für Grundschulen vorweisen können. Am Ende seien nur gut 800 Bewerber zum Vorstellungsgespräch erschienen. Rechnerisch tut sich also immer noch eine Lücke von etwa 500 Lehrern auf. Scheeres nutzte am Montag lieber das englische Modewort „gap“, was übersetzt ebendas bedeutet: Lücke,Kluft, Spalte. Schon jetzt ist absehbar, dass die Quereinsteiger-Quote bei den Neueinstellungen im Sommer einen neuen Spitzenwert erreichen wird. „Wohl über 50 Prozent Quereinsteiger quer über alle Schulen“, hieß es in der Bildungsverwaltung. Mitallerlei Maßnahmen versucht dieVerwaltung derweil die Lücken zu stopfen. DieUnterrichtszeit der oft nicht pädagogisch geschulten Quereinsteiger sollte eigentlich um zwei auf 17 Stunden reduziert werden, während sie das Referendariat machen –umsie in dieser besonders stressigen Lebensphase etwas zu schonen. Jetzt sollen es 18 Stunden sein, dadurch „Wir werden neue Lehrer umlenken in die sozialen Brennpunkte. Dort sind die Herausforderungen größer als beispielsweise in Pankow.“ Bildungssenatorin Sandra Scheeres über die Verteilung von Lehrern auf offene Stellen muss Berlin statt 120 nur 60 Lehrerstellen neu besetzen. Zudem sollen Lehrer bis zum 68. Lebensjahr weiterarbeiten dürfen. 160 rüstige Bald- Pensionäre haben bereits ihr Interesse bekundet. Lehramtsstudierende werden aufgefordert, als Lehrer auf Minijob- Basis einzuspringen, was die Unis kritisieren. Zudem könnten ab Sommer auch Sprachlernassistenten mit Bachelorabschluss eingestellt werden, was Personalräte stört. Mit Hamburgund Bremen will Berlin zu- BERLINER ZEITUNG dem regulär für das Lehramt zulassen, die nur für ein Fach ausgebildet wurden. Auch einige Lehrer,die derzeit an anderen Orten tätig sind, sollen zurück in die Schulen. „An den Europaschulen aber wird das keine Lehrer betreffen“, stellte Scheeres klar. Pädagogen, die an den Universitäten in der Lehrerausbildung tätig sind, sollen zumindest noch ein Jahr dortverbleiben. Ein besonders heikles Thema ist die möglichst gerechte Verteilung der neuen Lehrer.Denn Schulen in sozialen Brennpunkten haben die meisten offenen Stellen, greifen in der Notam häufigsten auf Quereinsteiger zurück. „Wir wollen eine faire und solidarische Verteilung“, mahnte SPD-Bildungspolitikerin Maja Lasic an und verwies auf einen für diesen Dienstag vorgesehenen Fraktionsbeschluss. „Wir werden neue, qualifizierte Lehrer umlenken in die sozialen Brennpunkte“, sagte auch Scheeres. Dort seien die Herausforderungen größer als in bürgerlichen Vierteln. Linke- Bildungspolitikerin Regina Kittlerforderte, Studenten sollten das Masterstudium künftig drei Monate früher beenden, so dass sie gleich ins Referendariat wechseln können. FDP-Politiker Paul Fresdorf warnte vor einer nicht mehr aufzuhaltenden Abwärtsspirale. Kommentar Seite 8 VageAngaben zum Rückflug von Ali B. Auswärtiges Amt war über Aktion wohl nicht informiert Die Erleichterung über den Fahndungserfolg im Fall der ermordeten 14-jährigen Schülerin Susanna F. war auch am Montag zu spüren. DieBundesregierung hat die Abschiebung des tatverdächtigen Ali B. aus dem kurdischen Nordirak begrüßt. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, man sei erleichtert darüber, dass der Tatverdächtige nun in Deutschland den zuständigen Behörden vorgeführt werde. Auch die Polizei würdigte den Erfolg. Allerdings werden auch die Fragen drängender, unter welchen rechtlichen Bedingungen die Rückführung eigentlich erfolgte.Der Chef der Bundespolizei persönlich, Dieter Romann, hatte den mutmaßlichen Mörder aus dem Nordirak nach Deutschland geholt. Auswärtiges Amt und Justizministerium waren offenbar in die Aktion nicht einbezogen. Ali B. wurde im autonomen Kurdengebiet im Nordirak festgenommen. Ein Auslieferungsbegehren hätte an die Zentralregierung in Bagdad gehen müssen. Viele Fragen blieben am Montag unbeantwortet. Streit über Migrationspolitik Auch die, wie es insgesamt mit der Migrationspolitik weitergeht. Eigentlich wollte an diesem Dienstag Innenminister Horst Seehofer seinen Masterplan Migration vorstellen. DerTermin wurde am Montag abgesagt. Hintergrund sind Differenzen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Frage, welche Flüchtlinge künftig an der deutschen Grenze zurückgewiesen werden sollen. SPD und FDP sprachen von einem „Desaster“, auch aus CDU und CSU kam Kritik. CDU und CSU hatten erst im Herbst ihren langen Streit über eine Obergrenzefür Flüchtlinge beigelegt. (BLZ) Politik Seite 4 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 21024 m l

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