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Berliner Zeitung 12.06.2019

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Anja Reich über den Besuch der Berliner Rütli-Schule in Israel – Seite 3 Politik als Fernsehserie Hauptstadt Seite 6 22°/31° Vereinzelt Gewitter Wetter Seite 2 WM: Gegen Spanien ohne die Spielmacherin Sport Seite 20 www.berliner-zeitung.de Die Babyboomer nehmen Abschied von der Macht Leitartikel Seite 8 Mittwoch, 12. Juni 2019 Nr.133 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Nachtflug oder Nachtruhe: Viel Lärm um Tegel Berlin Seite 11 Aufruhr in Görliwood VonChristian Seidl Ostdeutsche Kommunalpolitik schafft es normalerweise nicht nach Hollywood.Vermutlich hätte es die Meldung, dass am 16. Juni in Görlitz ein neues Stadtoberhaupt gewählt wird, nicht einmal bis außerhalb von Sachsen geschafft –wenn nicht ein Novum drohte: der erste AfD-Oberbürgermeister Deutschlands. Sebastian Wippel, Kandidat der Rechtspopulisten, geht bei der Stichwahl am kommenden Sonntag als Favoritins Rennen. „Geschockt“ von dieser Aussicht startete der Michael Simon de Filmproduzent Normier, Michael Simon Filmproduzent de Normier eine spektakuläre Aktion: Er trommelte mehr als 30 deutsche und internationale Film- und Kulturschaffende zusammen, die sich nun in einem offenen Brief an die Einwohner von Görlitz wenden: „Gebt Euch nicht Hass und Feindseligkeit, Zwietracht und Ausgrenzung hin“, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Schreiben. Unterzeichner wie der oscarprämierte Regisseur Stephen Daldry, die Schauspieler Daniel Brühl, TomWlaschiha und Burghart Klaußner, aber auch die Schriftsteller Bernhard Schlink und Daniel Kehlmann bitten die Görlitzerdaher,„bitte weise“ zu wählen. „Ausgerechnet in Görlitz“ wäre ein AfD-Bürgermeister ein „verheerendes Signal“, sagt Normier, Co- Produzent des in Görlitz gedrehten Welterfolgs„DerVorleser“.Wegen ihrerAltstadtfassaden ist die östlichste Stadt Deutschlands regelmäßig Kulisse großer Filmproduktionen: von „Inglorious Basterds“ etwa oder„The Grand Budapest Hotel“; auch Terrence Malicks in Cannes ausgezeichnetes Drama „A Hidden Life“ entstand zu großen Teilen in „Görliwood“. Normier sagt:„Wir alle lieben diese Stadt.“ Aber Schauspieler und Produzenten würden sich nicht mehr wohlfühlen, wenn die AfD regieren würde „und ein Klima von Ausgrenzung und Ablehnung entstünde“. Der 45-Jährige weiß, wovon er spricht: Als kürzlich bekannt wurde, dass Normier einen Beethoven-Film plane und bei der Besetzung die auffallend dunkle Haut des Komponisten berücksichtigen wolle,schlug die AfD in Beethovens Heimat Bonn Alarm: Es müsse alles getan werden, um diesen Film zu verhindern. Film Das Lächeln der Madonna Ein Gespräch mit der Musikerin und Provokateurin über ihr neues Album Seite 21 Der Countdown läuft Berliner Mieterverein erwartet nach Haus &Grund-Initiative eine Wellevon Mieterhöhungen in der Stadt VonJochen Knoblach Für den Sozialwissenschaftler Andrej Holm kommt der Aufruf des Immobilienbesitzervereins Haus &Grund an seine Mitglieder zur eiligen Mieterhöhung nicht überraschend. Es gehe schließlich um eine Prinzipienfrage. Darum, ob sich dieWohnungsversorgung in dieser Stadt allein nach Marktmechanismen richten soll oder dafür eine öffentliche Verantwortung wahrgenommen wird. „Klare Kante gegen linke Politik in Berlin“, nennt der Stadtsoziologe die Vermieter-Initiative. Dabei solle niemandem etwas genommen werden, so der Stadtsoziologe. „Sie sollen nur nicht noch mehr bekommen.“ AufderWebsite der Berliner Regionalvertretung des deutschen Immobilienbesitzervereins Haus &Grund tickt seit dem Wochenende der Countdown. Es werden die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden heruntergezählt. „Die womöglich letzte Chance,die Miete zu erhöhen, endet am 17. Juni“, steht darüber. Esist die besondereArt,mit der der hauptstädtische Vereinsableger auf das Eckpunktepapier zum angekündigten „Mietendeckel“ reagiert. Am 18. Juni will der Senat darüber entscheiden und möglicherweise einen Gesetzentwurf verabschieden, nach dem die Mieten in Berlin fünf Jahre lang nicht erhöht werden dürfen. Für Wohnungssenatorin Katrin Lompscher ist der Aufruf ein„verheerendes Signal“. „Wer Mieterhöhungen gezielt einsetzt, um die Politik auf Kosten vonMieterinnen und Mietern unter Druck zu setzen, entlarvt sich selbst“, so die Linken-Politikerin. Beim Berliner Landesverband von Haus & Grund in der Potsdamer Straße wird die Initiative zur eiligen Mieterhöhung indes verteidigt. „Das ist keine Empfehlung, sondern eine Aufforderung“, stellt Landesverbandschef Carsten Brückner klar.Die Mieterhöhungen seien nötig, um Wohnungen weiterhin bewirtschaften zu können. Laut Brückner befindet sich derzeit etwa ein Drittel der insgesamt 1,4 Millionen privat vermieteten Wohnungen in Berlin im Besitz von Haus & Boden-Mitgliedern. Wie diese auf die Aufforderung reagieren, war am Dienstag noch un- „Essoll niemandem etwas genommen werden. Sie sollen nur nicht noch mehr bekommen.“ Andrej Holm, Sozialwissenschaftler an der Humboldt-Universität und früherer Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen klar. „Es hat sich keiner beschwert“, sagt der Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht, der die geforderte Mieterhöhung als letzte Chance betrachtet: „Ich gehe davon aus,dass der Mietdeckel nicht nur für fünf Jahregedacht ist.“ Derweil scheint man imübergeordneten Zentralverband etwas erstaunt, ob des Tons seines Berliner Landesvorsitzenden. „Momentan gibt es in Berlin nicht mehr als ein Eckpunktepapier zum Mietendeckel. Wir glauben nicht, dass es Frau Lompscher gelingen wird, daraus einen verfassungskonformen Gesetzentwurf zu entwickeln. Und eswird erst recht keinen bundesweiten Mietendeckel geben. Daher haben wir keinen Grund, Empfehlungen an unsere Mitglieder auszusprechen“, so Vereinspräsident KaiWarnecke. Auch der Bundesverband Freier Immobilien, der in Berlin etwa 290 000 Wohnungen verwaltet, will hier keinen vergleichbaren Aufruf starten. Muss man auch nicht mehr.Beim Berliner Mieterverein sind die Folgen jedenfalls schon jetzt klar:„Wir erwarteninden nächsten Tageneine Welle von Mieterhöhungen“, sagt Vereinsgeschäftsführer Reiner Wild und rät, diese „nicht kampflos“ hinzunehmen, sondernprüfen zu lassen. Wird eine Mieterhöhung bis zum 18. Juni zugestellt, hat der Mieter bis Ende August Zeit für einenWiderspruch. Stadtsoziologe Holm betrachtet die Mieteinnahmen für die Vermieter ohnehin als auskömmlich. Undwenn nicht, dann werde esimMietendeckel Ausnahmen geben. Zehn Jahre sei es mit den Mieten in dieser Stadt nur aufwärts gegangen, sagt Holm. „Damussnun auch malgut sein.“ IMAGO IMAGES Pollesch wird Intendant der Volksbühne Lederer verkündet Personalentscheidung VonUlrich Seidler Der Dramatiker und Regisseur René Pollesch soll Intendant der Volksbühne werden, berichtete der RBB. Die Personalie soll an diesem Mittwoch von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) bekanntgegeben werden, bis dahin will die Kulturverwaltung den Namen nicht offiziell bestätigen. Die Nachricht kommt allerdings erwartet, das Gerücht gibt es seitWochen. Pollesch arbeitete lange als Spielstättenleiter DPA René Pollesch und Hausregisseur an der Volksbühne und wurde zum dritten Fixpunkt des von Frank Castorf und Bert Neumann geleiteten Hauses.NachdemTodvon Neumann und der Abberufung von Castorf hatte Pollesch eine Zusammenarbeit mit dem Castorf-Nachfolger Chris Dercon und später auch eine Übernahme der Intendanz abgelehnt. Inzwischen ist Dercon zurückgetreten. Der Geschäftsführende Direktor Klaus Dörr führtdas Haus bis 2021. Pollesch hat in den 80er-Jahren an der Gießener Universität den neuen Studiengang Angewandte Theaterwissenschaften absolviert. Nach einemguten KarrierestartamFrankfurter TATmusste ersich als Drehbuchcoach durchschlagen. Der künstlerische Durchbruch kam, als er 2001 den Prater der Volksbühne übernehmen konnte und für ein neues,junges Publikum erschloss. Pollesch hat Freunde und Bewunderer auf allen Seiten der im Volksbühnenstreit aufgerissenen Gräben. Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 31024 2. und3. November 2019 10 –17Uhr Cafe Moskau Karl-Marx-Allee 34 10178 Berlin Jetzt Aussteller werden! Diebesten Jahre Doppelmesse Reise &Gesundheit Anmeldung unter: berlin.messen@dumont.de oder (030)2327 6758 BERLIN MESSEN

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