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Berliner Zeitung 12.07.2019

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Dorf-Theater: Die Pestspiele in Oberammergau – Seite 3 Zu viel Obst kann ungesund sein Seite 17 16°/24° Wolken und Regen Wetter Seite 2 www.berliner-zeitung.de Freitag,12. Juli 2019 Nr.159 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Sicherheit: S-Bahn schafft mehr Schutzhunde an Berlin Seite 9 Test: Der erste fahrerlose Linienbus fährt in Brandenburg Brandenburg Seite 16 Nordkreuz: Die Gefahr von rechts Politik Seite 5 Clärchens Ballhaus Der vorerst letzte Schwoof VonMarcus Weingärtner Die Nachricht war ein Schock, nicht nur für Freunde des Schwoofs: Clärchens Ballhaus,das legendäre Tanzlokal in der Auguststraße in Mitte, soll schließen. Das Gebäude mit dem wunderschönen Spiegelsaal im ersten Stock und dem Restaurant im Parterremit seinem lamettageschmückten Ballsaal ist verkauft. Ende des Jahres schon soll vorerst Schluss sein mit der Institution und das Haus saniert werden. Clara Bühler, Chefin des Ballhauses Berlin würde damit eine seiner Attraktionen verlieren, Alfred Döblin verewigte „Clärchens“, Heinrich Zille kehrte hier ein und wer noch nie im Garten des Hauses Würstchen mit Kartoffelsalat gegessen oder am Sonntag zugesehen hat, wie Paare vergnügt zur Musik der hauseigenen Band über die Tanzfläche wirbeln, der war nicht in Berlin. Zu DDR-Zeiten ist das Ballhaus eine beliebter Treffpunkt für Menschen aus beiden Teilen der Stadt, nach der Wende dient es des Öfteren für Filmproduktionen als Kulisse, darunter für „Stauffenberg“ und „Inglourious Basterds“. Die Dokumentarfilmerin Wilma Pradetto verewigt den Garderobier Günter Schmidtke,dessen Frau und Tochter ebenfalls im „Clärchens“ arbeiteten. UndClärchen? Werwar die Frau, deren Name untrennbar mit dem Ballhaus verbunden ist? Clara Bühler hieß sie mit vollem Namen und das Tanzlokal Bühlers Ballhaus, erbaut 1895 und von Fritz Bühler und seiner Frau am 13. September 1913 im Hinterhaus der Auguststraße 24/25 eröffnet. Eine Schönheit soll Clärchen nicht gewesen sein, wohl aber eine Frau mit Durchsetzungsvermögen, eine, die anpacken konnte und deren Ballhaus dank ihrer Tatkraft zwei Kriege und zwei Diktaturen überstand. Ende der Zwanzigerjahre stirbt Fritz Bühler und Clara führt nach seinem Toddas Tanzlokal vorerst alleine weiter. Drei Jahre später heiratet sie erneut und heißt fortan Habermann. Gatte Arthur unterstützt „Clärchen“ bei der Arbeit im Ballhaus.Die Chefin jedoch bleibt Clara, eine Frau, die emanzipiert ist, lange bevor der Begriff Bedeutung bekommt. Nach dem Krieg bietet sie Witwenbälle an, da ist ihr Ballhaus längst eine Institution. Bis 1967 führt Habermann ihr Ballhaus, vier Jahre vor ihrem Tod übernimmt ihreStieftochter Elfriede Wollf die Leitung und übergibt diesen Posten anschließend an ihren Sohn. Der neue Besitzer Yoram Roth übrigens will den Ballbetrieb nach der Sanierung fortsetzen: „Ich habe das Areal gekauft mit dem klaren Ziel, Clärchens Ballhaus zu beschützen.“ Clärchen würde das sicherlich sehr gefallen. Berlin Seite 11 Alle fahren nachBerlin Neue Zahlen zeigen: Immer mehr Touristen kommen in die Hauptstadt. Doch langsam werden die Grenzen des Wachstumserreicht. Made in Berlin Seite 6 Schlag gegen Clan-Kriminalität Die Abschiebung eines libanesischen Familienoberhauptes hat auch Auswirkungen auf Berlin VonPhilippe Debionne Mit der Ausweisung von Ibrahim Miri ist den Bremer Behörden am Mittwochabend etwas gelungen, was seit Jahren vonTeilen der Politik sowie Polizeigewerkschaften immer wieder gefordert wurde: Schwer kriminelle Clan-Mitglieder müssen abgeschoben werden. Anders, sodie Meinung von führenden Ermittlern, sei der außer Kontrolle geratenen Clan-Kriminalität nicht mehr beizukommen. Mit Ibrahim Miri ist eine der einflussreichsten und zugleich gefährlichsten Personen aus dem kriminellen Großfamilien-Milieu in den Libanon gebracht worden. Der Clan selbst ist aber nach wie vor in Deutschland aktiv. Laut Polizei vor allem in Bremen, Essen und in den vergangenen Monaten –auch in Berlin. 30 Familien mit rund 3000 Mitgliedern sollen unter dem Kommando des 46-jährigen Ibrahim Miri gestanden haben. Viele Gefolgsleute Ob dem Mann die Führung des kriminellen Imperiums durch seine Abschiebung tatsächlich genommen wurde oder er die laut Polizei weit verzweigten Geschäfte (Drogen, Prostitution, Menschenhandel, Waffen) vom Libanon aus weiter dirigiert, lässt sich nach Ansicht eines Berliner Ermittlers derzeit nur schwer beurteilen. „Der Mann hat nach wie vor seine Gefolgsleute, die ihm blind gehorchen“, so der Polizist. UnddaerimLibanon nach derzeitigem Kenntnisstand ein freier Mann ist, wird er„dort vermutlich völlig frei agieren können“, so der Ermittler weiter. Dass Ibrahim Miri möglicherweise in wenigen Monaten nach Deutschland zurückkehren könnte, hält man zumindest bei Teilen der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) für unwahrscheinlich. Er könne sich „bei einer illegalen Wiedereinreise nicht frei bewegen“ und wisse, „dass die Clans im Visier der Strafverfolgung stehen“, teilte die DPolG gestern bei Twitter mit. Der Mann habe schlichtweg „ein Problem, er ist sehr bekannt, um nicht zu sagen amtsbekannt“. Eine erneute Einreise mit anderem Namen und einem gefälschten Pass wolle man demnach durch klassische Polizeiarbeit verhindern. Unabhängig von der Abschiebung des mächtigen Clan-Bosses ist nicht auszuschließen, dass die hiesigen kriminellen Mitglieder des Miri- Clans auch weiterhin versuchen werden, ihre Geschäfte unbeeindruckt und unverändert zubetreiben. Vor allem für die Hauptstadt dürfte die Abschiebung vonIbrahim Miri eine weitaus geringere Auswirkung auf den Einfluss der Familie haben, als es sich die Sicherheitsbehörden wünschen. „Da, wo es möglich ist, kommen auch Abschiebungen in Betracht.“ Andreas Geisel, Berliner Innensenator Denn mit Ahmad M. lebt ein ebenfalls sehr mächtiges Mitglied des Clans in Berlin. Der 38-Jährige aus Wedding saß wegen Drogendelikten im Gefängnis, war zeitweise Mitglied der als höchst gefährlich und kriminell eingestuften Bruderschaft Arabisch-Kurdischer Clan (AKC) sowie eines der Gründungsmitglieder des mittlerweile wieder aufgelösten Rockerclubs Guerilla Nation. Ob einer der zwölf polizeibekannten Clans oder der großen Rockerclubs wie Bandidos,Hells Angels oder Gremium MC versuchen werde, Geschäftsfelder des Miri- Clans zu übernehmen, „sei reine Spekulation“, so der Ermittler. Was auch daran liegt, dass die Abschiebung von Ibrahim Miri für Berlins Unterweltvöllig überraschend kam. In jedem Fall werde man „den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen und den Druck auf die organisierte Kriminalität hochhalten“, teilte Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Donnerstag mit. „Auch wenn der Weglang ist: UnsereSicherheitsbehörden werden diesen Personen weiterhin auf den Füßen stehen.“ Zudem kündigte Geisel indirekt an, auch Berliner Kriminelle aus Deutschland auszuweisen. So sagte Geisel wörtlich: „Da, wo es möglich ist, kommen auch Abschiebungen in Betracht.“ Zumindest für Ahmad M. dürfte diese Aussage des Innensenators jedoch völlig belanglos sein. Abschiebestopp für Syrien Denn M., der bei der Berliner Ausländerbehörde als staatenloser Palästinenser geführt wurde, soll kürzlich bei der syrischen Botschaft vorstellig geworden sein. Hier soll er mit entsprechenden Dokumenten nachgewiesen haben, dass er in Wahrheit syrischer Staatsbürger sei –und daraufhin einen syrischen Pass bekommen haben. Weil es laut Auswärtigem Amt „erhebliche Risiken für Rückkehrer“ gebe, wurde auf der Innenministerkonferenz der Abschiebestopp nach Syrien verlängert. DieRegelung greift auch für Gefährder oder Straftäter. Unddamit auch für Ahmad M. Tagesthema Seite 2, Kommentar Seite 8 EYEEM/MICHAEL ZWAHLEN SPD darf Sarrazin rauswerfen Ex-Finanzsenator kündigt Berufung gegen Urteil an VonMelanie Reinsch Die SPD darf den umstrittenen ehemaligen Finanzsenator Thilo Sarrazin nach 45 Jahren aus der Partei ausschließen. Die Schiedskommission Charlottenburg-Wilmersdorf habe der Partei mitgeteilt, dass dem Antrag stattgegeben werde, erklärte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. „Wir sehen uns in unserer klaren Haltung bestätigt. Sarrazin hat mit seinen Äußerungen gegen die Grundsätzeder Partei verstoßen und ihr Schaden zugefügt. Rassistische Gedanken haben in der SPD keinen Platz“, so Klingbeil. Es war der dritte Versuch, den für seine islamkritischen Thesen bekannten Autor („Deutschland schafft sich ab“) aus der Partei zu werfen. Der erste scheiterte 2010, der zweite endete ein Jahr später mit einem Vergleich. In der Begründung hieß es unter anderem, dass Sarrazin vorige Warnungen ignoriert habe. Das Gericht erklärte, dass Sarrazins neues Buch„Feindliche Übernahme“ in seiner „antimuslimischen Stoßrichtung als klar rassistisch“ anzusehen sei. Sarrazin hat angekündigt, gegen das Urteil in Berufung zu gehen.„Wir werden den Instanzenzug über das Landes- und das Bundesschiedsgericht der SPD, darüber hinaus nötigenfalls alle normalen Zivilinstanzen von Landgericht Berlin, über Kammergericht und Bundesgerichtshof, danach das Bundesverfassungsgericht bemühen und anrufen“, erklärte sein Rechtsbeistand Andreas Köhler. Solange bleibe Sarrazin Mitglied der SPD. Sein Parteibuch muss Sarrazin erst einmal bei der Landesschiedskommission abgeben. Christian Gaebler, SPD-Kreisvorsitzender in Charlottenburg-Wilmersdorf, begrüßte das Urteil. „Das ist ein klares Zeichen, dass Rassismus in der SPD nichts zu suchen hat“, sagte er der Berliner Zeitung. Sarrazin sollte sich überlegen, was ihn noch mit der SPD verbinde. Er können den Weggehen, den er eingeschlagen habe, aber nicht in der SPD,soder Chef derSenatskanzlei. Kurz nach Bekanntwerden des Urteils meldete sich die AfD zu Wort und lud Sarrazin ein, mit der Partei in den Dialog zu treten. Leitartikel Seite 8 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 51028

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