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Berliner Zeitung 12.10.2018

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18 Berliner Zeitung · N ummer 238 · F reitag, 12. Oktober 2018 ························································································································································································································································································· Sport Der bodenständige König In Abwesenheit von Jan Frodeno kommt dem Vorjahressieger Patrick Lange beim Ironman auf Hawaii die Favoritenrolle zu –trotz einer holprigen Vorbereitung VonFrank Hellmann In kaum einer Sportart verlaufen die Grenzen zwischen Amateuren und Profis so fließend wie beim Triathlon. Was sich zum einen aus dem hohen Trainingsaufwand ergibt, zum anderen aber auch aus dem Mythos Ironman gespeist wird. DieStrapazen nach 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen mischen sich zu einem Gefühlscocktail, den Gleichgesinnte gerne teilen. Nirgendwo scheint der Adrenalinstoß dabei so hoch wie auf Hawaii zu sein, wenn die Sprecher- Legende Mike Reilly sein berühmtes „You areanIronman“ röhrt. Seit 1978 kämpfen die besten Triathleten im aufgewühlten Pazifik und der glühenden Vulkanlandschaft um den WM-Titel. Patrick Lange ist vier Jahrzehnte nach der Premiere als Titelverteidiger am Start, wenn in der Bucht von Kailua Kona mit einem krachenden Kanonenschuss um 6.35 Uhr Ortszeit (18.35 UhrMESZ/ab 0Uhr ZDF) für die mehr als 2000 Teilnehmer der längsten Tagdes Jahres beginnt. Spezielles Lebensgefühl Der 32-Jährige erinnert sich gut daran, wie es ihm bei seiner Hawaii- Premiere 2016 erging. „Ich bin mit einem Grinsen aus dem Flieger ausgestiegen und mein Auftrag war,mit einem Grinsen wieder einzusteigen.“ Als Newcomer („Rookie“) war er wie Phönix aus (Lava-)Asche aufgestiegen und hatte als Dritter die Marathon-Bestzeit der Ironman- Legende Mark Allen pulverisiert. Im Vorjahr krönte sich der Darmstädter sodann mit einem Streckenrekord von8:01:40 Stunden zum König von Kona. „Seitdem hat sich noch mal viel verändert.“ Plötzlich saß der ausgebildete Physiotherapeut in Fernsehtalkshows neben Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg, plauderte auf einem Sofa mit dem heutigen Außenminister Heiko Maas, oder es bat ihn der hessische SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel um einen Termin. Zu Hause im Nordbad räumten die Vereinskollegen des DSV Darmstadt freiwillig die Schwimmbahn frei. Doch nirgendwo wirkt die Vereinnahmung so intensiv wie in der Rennwoche auf Big Island, in der die Ironman- Szene ihr spezielles Lebensgefühl zelebriert. „Jeder, der mich hier sieht, feuert mich an. Egal ob ich Patrick Lange ist zuversichtlich, weil es im Höhentrainingslager wieder „zu fließen“ begonnen hat. trainiereoder nicht“, hat Lange festgestellt. „Das gibt mir viel positive Energie.“ Vielen gilt der vomAltmeister Faris Al-Sultan trainierte Asket inzwischen als Vorbild: Wie ersich aus voller Überzeugung vegetarisch ernährt, sich nie auf etwas Erreichtem ausruht und bestimmt nicht zum Abheben neigt. Nur aus medialer Sicht mag er imVergleich zur charismatischen Überfigur Jan Frodeno beinahe zu bodenständig daherkommen. Die verletzungsbedingte Absage des Hawaii-Champions von 2015 und 2016 betrachtet der in Bad 6 Mal konnten Dave Scott und MarkAllen jeweilsden Ironman fürsich entscheiden. Scott in den Jahren 1980–84,1986, 1987, Allen von1989–1993 und 1995. IRONMAN HAWAII 1996 siegte die US-Amerikanerin Paul Newby-Fraser zum achten Mal. Sie ist damit die Rekordhalterin. Eine deutsche Siegerin gabes noch nicht. 8 deutsche Sieger gab es bis dato bei den Männern. Wobei Thomas Hellriegel im Jahre 1997 den Anfang machte. IMAGO Wildungen aufgewachsene Hesse „mit einem lachenden und weinenden Auge“. Bei der Nachricht sei er im Trainingslager in Texas „fast aus dem Bett gefallen“. Einerseits sei der größte Favorit damit aus dem Weg, andererseits bedauere erdas Malheur:„Es ist eine Schande,wenn der dominierende Athlet nicht am Startseinkann.“ Der Ausgang der Tortur scheint völlig offen zu sein: Möglich, dass der unerbittliche Kanadier Lionel Sanders,30, diesmal den längeren Atem hat; dass der aufstrebende Schwede Patrick Nilsson, 27, einen Generationswechsel einläutet oder dass sogar noch einmal Langes Landsmann Sebastian Kienle, 34, nach einem Strategiewechsel als diesjähriger Sieger der Challenge-Konkurrenz in Roth ein zweites Mal triumphiert. Unddann gibt es ja auch noch Javier Gomez: Der fünffache Weltmeister von der Kurzdistanz hat sich mit 34 Jahren für den Umstieg entschieden. Der zähe Spanier als einer „der höchstdekorierten Triathleten der Geschichte“ (Lange) gilt sofort als Podiumsanwärter. Selbstverliebte Eisenmänner DerIronman-Weltmeister selbst hat noch keinen Saisonsieg davongetragen: Beim Ironman 70.3 Kraichgau und Ironman Frankfurt düpierte ihn Frodeno, beim Ironman 70.3 Rügen sah er nur die Hacken des Nachwuchsmannes Florian Angert. Doch schon im Höhentrainingscamp in St. Moritz habe es wieder begonnen „zu fließen“, wie Lange sagt. Zum Saisonhöhepunkt („Das ist das Rennen, das zählt“) würden Form und Fitness stimmen. Unddann ist da ja noch der Glaube, sich als exzellenter Läufer das entscheidende Überholmanöver für die letzten Kilometer aufzusparen. Weil gewisse Holprigkeiten zu seinen beiden vergangenen Hawaii- Starts gehörten, startet die Nummer eins mit einem verhaltenen Optimismus: „Ich sehe mich in der Lage, um den Sieg mitkämpfen zu können.“ Triathlon sei eben ein „never ending project“. Nirgendwo sonst scheint die Tüftlerrate so dicht wie bei den bisweilen selbstverliebten Eisenmännern. Kein Wunder, dass aus dem Feld der 53 Männer-Profis wieder einige effekthascherische Kampfansagen ertönen. „Es gibt einige Jungs, die stark auf die Brust trommeln“, hat auch Lange registriert. Sein Respekt vor der naturgewaltigen Szenerie ist zu groß, um einen Sieg hinauszuposaunen und vielleicht noch als erster Mensch auf der Trauminsel unter acht Stunden finishen. „Ich versuche bei mir zu bleiben und mich nicht verrückt zu machen.“ Motto: cool bleiben. Waseingedenk der erwarteten Hitzeschlacht unter lauter Grenzgängern alles andere als selbstverständlich ist. Frank Hellmann weiß als Triathlet nur zu gut, wie Triathleten ticken. Voneiner,die auszog, um irgendwann mal für Berlin zu spielen Die schwedische Tischtennisspielerin Matilda Ekholm ist eine Soforthilfe für die ambitionierten Ziele des TTC Eastside. In der Champions League kann sie das gleich beweisen VonMichael Jahn Wer sich bei Youtube einige Spielszenen von Matilda Ekholm anschaut, der begreift sehr schnell, dass der Schwedin der Ruf einer sehr emotionalen Tischtennisspielerin vorauseilt, die auch das Publikum mit ihrer aggressiven Offensive animieren kann. Am Freitagabend (19 Uhr, Freizeitforum Marzahn) gibt die 36-Jährige ihr Debüt in der Champions League für ihren neuen Verein, den TTC Berlin Eastside. Erster Gegner in der Königsklasse ist UCAM Cartagena aus Spanien, ein Verein, bei dem Ekholm noch im Vorjahr spielte. Sollten keineVerletzungen auftreten, will Irina Palina, die Cheftrainerin von Eastside, ihre im Moment stärkste Formation aufbieten: Neben Ekholm schmettern die Ungarin Gina Pota und die deutsche Nationalspielerin Nina Mittelham. Letztere kommt als neue Europameisterin nach Berlin. Mitte September siegte sie beim Championat in Alicante gemeinsam mit Kristin Lang (ehemals Silbereisen) überraschend im Doppel. Ekholm, die mit Pota seit 2016 ein internationales Doppel bildet, errang die Bronzemedaille. „Cartagena hat eine gute Mannschaft beisammen“, sagte Matilda Ekholm, „aber in Südspanien geht es nicht ganz so professionell zu wie etwa in der deutschen Bundesliga.“ Ekholm besitzt viel Erfahrung mit dem spanischen Tischtennis.Vor ihrer Zeit in Cartagena war sie auch sechs Jahrebei Fotoprix VicinBarcelona aktiv.„Ichhabe die Lebensweise in Spanien geliebt“, schwärmt Ekholm,„da herrschte eine gute und lockereStimmung. Diespanische Liga ist in der Spitze nicht ganz so stark, aber leistungsmäßig sehr breit aufgestellt. Man musste mit Barcelona und Cartagena, den führenden Klubs, schon gegen viele Gegner richtig kämpfen.“ Schnelle Eingewöhnung Man kann die Linkshänderin, die in Stockholm lebt und im zwei Stunden von der schwedischen Metropole entfernten Linköping geboren und aufgewachsen ist, als überzeugte Europäerin bezeichnen. Schon 2004 Überzeugte Europäerin: Matilda Ekholm. Die Eingewöhnung sollte ihr leichtfallen. Mit Pota, die seit fast zehn Jahren bei Eastside agiert, ist Ekholm eingespielt und befreundet. Viele Turniersiege haben sie gemeinsam errungen. Potas einstiger Trainer in Budapest kam auf die Idee,die beiden zusammenzubringen. „Das passt super“, sagt Ekholm. Sie steht auf Weltranglistenplatz 23, vor ihren Teamkolleginnen. Daverließ sie ihreHeimat, wo sie in vier Vereinen schmetterte, um im Ausland Erfahrungen zu sammeln: Saarlouis-Fraulautern (Zweite und Erste Bundesliga), Vic bei Barcelona, Werner-Schlager-Academy in Wien- Schwechat, der Spitzenklub SSV Ströck (beides Österreich), Cartagena und nun der TTC Berlin Eastside. Ein Verein, den Ekholm als „ihrenTraum“ tituliert. IMAGO bei eilte die Schwedin in ihrer langen Karriere nicht nur von Erfolg zu Erfolg. „Ich habe immer von Olympia geträumt, aber ich musste lange dafür kämpfen und viele Tiefschläge wegstecken.“ Waswar passiert? Olympischer Frust Schon 2008 hatte sich Ekholm für Olympia in Peking qualifiziert. Da sie nur auf Rang 106 der Weltrangliste stand, nominierte sie das schwedische Nationale Olympische Komitee nicht – „wegen Chancenlosigkeit“. Vier Jahre später schaffte die ehrgeizige Spielerin erneut die Qualifikation für die Spiele in London. Nun war sie auf Platz 50 der Weltrangliste vorgerückt und besser platziert als die schwedischen Männer. Wieder verweigerte das NOK ihr die Teilnahme, dasie keine Chance besessen hätte, unter die ersten Acht zu kommen. Das rief damals sogar internationale Proteste in der Tischtennisszene hervor. Athletensprecher Vladimir Samsonov aus Weißrussland initiierte auf Facebook eine Kampagne „Matilda for Olympics“. Vergeblich. Erst 2016 in Rio erfüllte sich ihr Traum. Beim olympischen Turnier landete sie –genauso wie die Deutsche Petrissa Solja –auf Rang 17 im Einzelwettbewerb. Das Aus kam in Runde drei. „Die Jahrevor Rio waren schon ab und an kompliziert für mich“, sagt Ekholm heute,„aber Aufhören oder Aufgeben wollte ich nicht. Ichliebe Tischtennis zu sehr.“ Jetzt will Matilda Ekholm ihre enorme Erfahrung einbringen, um den TTC Eastside wieder an die Spitzezubringen –inder Bundesliga und in Europa. Die fünfmalige schwedische Meisterin im Einzel kann auf acht Teilnahmen bei Weltmeisterschaften zurückblicken. TTC-Trainerin Irina Palina ist sich sicher:„Matilda wirduns sehr helfen!“ Berlins Manager Andreas Hain sagt: „Gegen Cartagena sind wir der klare Favorit und wir wollen dieser Rolle gerecht werden.“ Hain war es, der Matilda Ekholm Anfang des Jahres von einem Wechsel nach Berlin überzeugen konnte. „Der Wunsch war aber von beiden Seiten da“, bekräftigt die Schwedin,„ich wollte unbedingt einmal bei Eastside spielen.“

Berliner Zeitung · N ummer 238 · F reitag, 12. Oktober 2018 19 * ························································································································································································································································································· Sport Die Leiden des Joshiko Saibou Albas Aufbauspieler würde gern helfen, kann aber nicht VonChristian Kattner Nicht eingreifen zu können, wenn es mal nicht so gut läuft oder Teil des Teams zu sein, wenn es einen Sieg auf dem Feld feiert. Ja, es gibt eigentlich nichts Schlimmeres für einen Sportler,als in die Rolle des Zuschauers schlüpfen zu müssen. Bis zum Pokal-Spiel gegen Bayreuth hatte Joshiko Saibou dieses Gefühl nicht kennengelernt. „Ich habe bis dahin kein Spiel in meiner Karriere verpasst“, sagt Alba Berlins Aufbauspieler. Erstaunlich, denn Saibou hat mit seinen 28 Jahren schon so einige Stationen in seiner Vita stehen. Jetzt hat es aber auch den Berliner erwischt. Eine Entzündung im rechten Fuß hatte ihn schon in der Vorbereitung behindert, doch pünktlich zum Saisonstart stand er wieder in der Trainingshalle und bei den Siegen gegen Jena (BBL) und Bursa (Euro Cup) auch auf dem Feld. „Nach zehn Tagen habe ich die Schmerzen aber wieder gemerkt“, erzählt er.DreiBegriffe bestimmen derzeit seinen Alltag: Behandlung, Therapie und Geduld. Letzteres muss der Aufbauspieler natürlich erst noch lernen, weiß aber auch, dass das während es Heilungsprozesses ungemein wichtig ist. Neben den Behandlungen der medizinischen Abteilung hat Saibou auch die Ernährung umgestellt. Der größte Feind bei Verletzungen: Zucker. Darauf wird erst einmal größtenteils verzichtet, stattdessen zu Alternativen gegriffen. Nurein positiver Aspekt Nicht nur beim Spiel gegen Bayreuth gehörte Joshiko Saibou nicht zum Kader, auch gegen Zagreb war der Aufbauspieler nicht dabei, reiste erst gar nicht mit der Mannschaft nach Kroatien. Die 73:75-Niederlage, die erste für Alba Berlin in dieser Saison, verfolgte Saibou diesmal wie ein Fan: vor dem Fernseher. Die schwache Wurfquote von gerade einmal 36 Prozent und auch die 21 Ballverluste hatte auch er gesehen. Dass alle elf mitgereisten Teamkollegen zum Einsatz kamen und Punkte erzielten, war sicherlich ein positiver Aspekt im Alba-Spiel, der auch Saibou nicht entgangen ist. Dem Aufbauspieler war aber noch etwas anderes aufgefallen, das sich nicht in Zahlen messen lässt. „Der Spielfluss der vorherigen Spiele war nicht so da, wir haben auch nicht die nötige Intensität gebracht“, sagt er. Auswertung der Niederlage, Vorbereitung auf den nächsten Gegner – bei Alba Berlin blieb dafür diesmal nicht viel Zeit. Am Donnerstag kam das Team aus Kroatien zurück, schon am Freitagabend erwartet der deutscheVizemeister um 20.30 Uhrinder Arena am Ostbahnhof in der BBL den nächsten Gegner. Der heißt diesmal Crailsheim Merlins und reist als Aufsteiger an. In der Saison 2014/15 hat auch Saibou das Trikot der Merlins getragen. Im Duell mit den ehemaligen Kollegen wird er aber diesmal nur Zuschauer sein. Eine ungewohnte Rolle für den ungeduldigen Saibou. Zwei Männer,eine Umarmung: Albas Sportdirektor Ojeda und Saibou. IMAGO/EIBNER Geldmanns Sorgen Warum derÄra Abramowitsch,die dasFußball-Geschäft in ganz Europa veränderthat,womöglich das Ende droht VonStefan Scholl, Moskau Pressekonferenzen meidet er, sein letztes Interview soll er vorüber zwölf Jahren gegeben haben, er gilt als der verschlossenste aller russischen Oligarchen. Aber es gibt Momente, da öffnet Roman Abramowitsch,51, seine Seele sperrangelweit, vorzehntausenden Zuschauern und laufenden TV-Kameras: Etwa vergangenen Mai, als sich der langjährige Chelsea- Kapitän John Terry vor dem jubelnden Zuschauern imStadion an der Londoner Stamford Bridge verabschiedete. Dabei dankte Terry per Mikrofon auch dem „besten Eigentümer im Weltfußball“. Abramowitsch stand strahlend in seiner VIP- Loge, winkte in die Menge, faltete dann seinerseits die Hände zu einer demutsvollen Dankesgeste. Eineinhalb Jahre nach dem Spieler Terry könnte sich auch der Besitzer Abramowitsch von seinem Lieblingsklub trennen. Seit Monaten spekulieren russische und britische Medien über einen möglichen Verkauf des Chelsea FC, angeblich verlangt der Russe für den Klub die Rekordsumme von drei Milliarden Pfund. Nach Angaben der Agentur Bloomberg hat Abramowitsch bereits die New Yorker Handelsbank Raine Group LLC als Berater für das Geschäft eingeschaltet. Damit reagiert Abramowitsch offenbar auf Probleme, die die britischen Behörden dem kremlnahen Geldmann machen, seit der Fall Skripal das Verhältnis zwischen beiden Ländern abstürzen ließ. Der Ära Abramowitsch, die das Fußball-Geschäft in ganz Europa veränderthat, droht der Abpfiff. Der Magnat, laut Forbes selbst 10,8 Milliarden Dollar reich, kaufte den vom Bankrott bedrohten Chelsea FC im Juni 2003 nach angeblich nur 20 Verhandlungsminuten. Preis: 140 Millionen Pfund, damals auch Rekord. Und Abramowitsch schob gleich 120 Millionen Pfund für Spielerkäufe nach, prompt schaffte es Chelsea 2004 bis ins Champions- League-Halbfinale. Esfolgten Jahre des Geldes und der Siege. Abramowitschs Mannschaft holte in 15 Jahren fünf nationale Meisterschaften und einen Champions-League-Pokal, insgesamt 17 Titel. Zum Vergleich: In den 90 Jahren vorher errangen die Blues 15Titel, darunter gerade mal eine englische Meisterschaft. Abramowitsch gab bis dahin unerhörte Summen für immer neue Spitzenspieler aus, 36 Millionen Euro für Didier Drogba, 13 Millionen Euro für Peter Cech, 18 Millionen Euro für Arjen Robben, zehn Millionen für den alternden Andrij Schewtschenko und 7,5 Millionen Euro Jahresgehalt für Coach José Mourinho. Der Russe verschliss insgesamt elf Startrainer, ließ sich laut dem Boulevardblatt The Sun indieser Zeit allein die Abfindungen für die gefeuerten Übungsleiter 89,3 Muss sich Abramowitsch von seinem Lieblingsspielzeug trennen? Teilnehmen: Fans des FC Chelsea, die wegen rassistischer oder antisemitischer Äußerungenmit einer Stadionsperre belegt wurden, können in Zukunft an einem Bildungsprogramm des Klubs teilnehmen. Im Rahmen der Initiative„SayNoToAntisemitism“ sind auch Besuche des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz geplant. Millionen Pfund kosten. Außerdem zahlte er,soder Daily Mail, 2,5 Milliarden Pfund für die Gehälter seines kickenden und managenden Personals, weitere 1,5 Milliarden für Spielerkäufe.Insgesamt weit über 4Milliarden Pfund. Abramowitsch wurde der Mann, der die Mode im englischen Fußballprofi diktierte. Die Unsummen, die er für Chelsea demonstrativ aus dem AUSCHWITZ-REISEN FÜR FANS IMAGO/CALABRESEN Daneben benehmen: In der Vergangenheit waren einigeChelsea-Anhänger wiederholt durch antisemitisches Verhalten aufgefallen. Im September 2017 hatten Fans nach einem Spielbei Leicester City antisemitische Gesängegegen den Lokalrivalen Tottenham Hotspur angestimmt, der für seine jüdische Fangemeinde bekannt ist. Fenster warf, produzierten sportliche Titel, auf die halb London stolz war. Und halb Russland. Die Londoner Fans skandierten „Kalinka, Kalinka“, in sibirischen Provinzstädten eröffneten reihenweise Pubs mit dem Namen Chelsea. Der Fußball öffnete Abramowitsch aber auch Türen zur Londoner High Society. In seiner Loge an der Stamford Bridge tauchten Lord Rothschild auf oder Im Moment des Schreis Bernie Ecclestone.„Er braucht keine PR-Agentur,erhat Chelsea“, zitieren die britischen Autoren des Buches „Londongrad. From Russia with Cash“ einen russischen Wirtschaftsanalytiker. Aber der Fußballzar vonLondongrad konnte sich nicht wirklich im inneren Kreis der Hauptstadt-Snobility festsetzen. Zwar hat er fünf seiner sieben Kinder auf englische Schulen geschickt, zwar basiert sein Stahl und Bergbau-Konzern Evraz in London, aber dessen größte Betriebe arbeiten in Russland. Und jetzt tobt zwischen Briten und Russen ein neuer Kalter Krieg. Nach dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergei Skripal im März machte Großbritannien russische Geheimdienstler verantwortlich. Und Abramowitsch bekam Schwierigkeiten. Die britischen Behörden verlängerten sein Ende Aprilauslaufendes Jahresvisum nicht. Und ein im Januar erlassenes Gesetz bietet britischen Kriminalisten zusätzliche Handhaben bei der Überprüfung mutmaßlich illegaler Investitionen. Sie könnten Abramowitsch treffen, ebenso die neue britische Sanktionsliste,auf der er laut The Times gelandet ist:„Wenn unseren Gesetzgebern derMut reicht“, schreibt die Zeitung, „geraten nicht nur seine Immobilien in Gefahr,sondern auch Chelsea.“ Angebot vonRatcliffe abgelehnt Schon im Mai beschaffte sich der Milliardär einen israelischen Pass, mit dem er jährlich sechs Monate ohne Visa in England leben kann. Aber laut Bloomberghat er sich dort seit Monaten nicht mehr blicken lassen. Und kurz nach der Visa-Sperre für seinen Eigentümer stoppte Chelsea den geplanten Ausbau der mit 40 000 Plätzen viel zu kleinen StamfordBrigde. Aber noch kann Abramowitsch nicht von Chelsea lassen. Obwohl Auditoren von KPMG den Wert des Vereins auf 1,26 Milliarden Pfund taxieren, lehnte er im Juni ein Angebot des britischen Großindustriellen Bill Ratcliffe von über zwei Milliarden Pfund glatt ab. Vielleicht auch, weil Abramowitsch nicht weiß, wo er dieses Geld anlegen könnte. Der Petersburger Wirtschaftswissenschaftler Dmitri Trawin hält eine finanzielle Rückkehr in Putins Russland für riskant. „Der Kreml zwingt seine Großunternehmer sehr gern, ihr freies Geld in staatliche Infrastrukturprojekte zu stecken.“ Trawin rät, der Milliardär solle sein Geld besser in einem dritten Land anlegen, etwa in Israel. Aber fraglich, ob Abramowitsch nach Chelsea sein Herz an Maccabi Tel Aviv verlieren wird. Wenn Abramowitsch wirklich verkauft, wirdernochsehrlange von der StamfordBridgeträumen. Stefan Scholl lebt seit knapp zehn Jahren im Reich der Oligarchen. Unions Zweitliga-Rekordspieler Michael Parensen verletzt sich am Knie −einebittere Geschichte droht sich zu wiederholen VonMax Bosse Selbst der sonst so besonnene Urs Fischer ahnte, dass in diesem Moment etwas Besorgniserregendes passiert ist. Das rechte Knie von Michael Parensen war bei der Ballannahme ohne Fremdeinwirkung weggeknickt, der 32-Jährige zu Boden gegangen. „So eine Scheiße“, brüllte der defensive Allesspieler des 1. FC Union. Soforteilten Sebastian Polter, Christoph Schösswendter und Florian Hübner herbei, und eben auch Fischer. Mitspieler und Trainer wissen: Michael Parensen macht kein Theater. Eine Diagnose stand gestern noch aus, doch Parensen weiß am besten, wie schlimm eine Verletzung ist. Keiner im Kader hat die Knochen so oft für Union hingehalten (227 Pflichtspiele). Kaum ein Körperteil, das dabei nicht zu Schaden kam. Wadenbein, Nasenbein, Schienbein, Elle,Mittelfuß −und die Knie.Erst im März war das Innenband des rechten Knies gerissen, und so werden Erinnerungen an 2010 wach. Damals war es das linke Knie, das zunächst im März und dann nach der Rückkehr auf den Platz im Oktober noch mal Schaden nahm. Wiederholt sich die bittereGeschichte? Trainingszaungast Dirk Zingler eilte ebenfalls besorgt hinzu, als Physiotherapeut Frank Placzek dem Verletzten nach minutenlanger Behandlung auf die Beine half und ihn auf dem Wegzur Kabine stützte. Oft schon wurde Michael Parensen abgeschrieben, nicht nur wegen seinen Verletzungen. Jüngere, vermeintlich bessereSpieler kamen, die Trainer wechselten. Doch immer kehrte Parensen irgendwann wieder zurück. Mal auf diese, mal auf jene Position, wo er eben gebraucht wurde. Für seine Treue und sein Kämpferherzwirdergeliebt vonden Fans, für sie ist er der Gegenentwurf zum modernen Fußballsöldner. Fußballgötter sind in Köpenick ja alle, wenn sie einen Vertrag bei Union unterschreiben. Aber nur einem wurde das Attribut „ewig“ verpasst. Schließlich feierte Parensen schon am 9. Mai 2009 mit Karim Benyamina auf dem Dach des Union-Barkas. Als einziger Zweitligaaufsteiger ist der „ewige Micha“ noch dabei −und mit 200 Zweitligaeinsätzen Unions Rekordspieler. Falls das Knie so lädiertist, wie es im Moment des Schreis aussah, würde eine neuerliche Rückkehr wohl schwieriger denn je. Aber Parensen wirdkämpfen. NACHRICHTEN Selkeüberzeugt bei Herthas Testspielsieg in Babelsberg FUSSBALL. Angeführtvon Doppel- TorschützeDavie Selke hat Hertha BSC sein Testspiel gegen Viertligist SV Babelsberg03gewonnen. Die Berliner setzten sich am Donnerstag mit 4:1 (1:1) bei den Brandenburgern durch. Selke traf bei seinem ersten Startelf-Einsatz nach einer Lungen- Operation im Sommer zweimal (3./86. Minute), der eingewechselte Maurice Covic (72.) erzielte das 2:1. Selke legte zudem noch den Schlusspunkt für Pascal Köpke (89.) auf. Union erhofft sich Baurecht für Stadion bis Sommer 2019 FUSSBALL. Der1.FCUnion hofft bis Sommer 2019 auf die Erteilung des Baurechts für den Ausbau des Stadions An der Alten Försterei. DerVerein will die Kapazität von22000 auf 37 000 Besucher erhöhen. Ab kommenden Montag kann der Bebauungsplanentwurfinder Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen im Bezirksamt Treptow-Köpenick und im Internet eingesehen werden. Anlieger dürfen ihreAnregungen schriftlich oder mündlich abgeben. Im Anschluss wertet die Bezirksverwaltung die Stellungnahmen aus.Öffentliche und private Belange werden abgewogen, bevor sie berücksichtigt oder zurückgewiesen werden. Volleyballerinnen beenden WM auf Platz elf VOLLEYBALL. Diedeutschen Volleyballerinnen haben sich mit einer bitteren Niederlage vonder Weltmeisterschaft in Japan verabschiedet und das Turnier auf dem elften Platz beendet. Gegen die Dominikanische Republik verlor die Mannschaft von Bundestrainer Felix Koslowski, die so gut ins Turnier gestartet war,mit 0:3 (12:25, 19:25, 17:25) und verpasste damit das Ziel TopTen denkbar knapp.Als Gruppensieger zogen die Niederlande und Italien in die finale Gruppenphase ein, die ab Sonntag in zwei Dreier-Pools ausgetragen wird. Ebenfalls den Sprung in diese Runde schafften Japan, China, Serbien und die USA. ZAHLEN Fussball Nations League Gruppe A3 Polen -Portugal 2:3 (1:2) Gruppe B2 Russland -Schweden Gruppe C1 Israel -Schottland 2:1 (0:1) Gruppe C4 Litauen -Rumänien 1:2 (0:1) Montenegro -Serbien 0:2(0:1) Gruppe D3 Kosovo -Malta 3:1 (1:0) Färöer -Aserbaidschan 0:3 (0:1) Gruppe A2 Belgien -Schweiz Fr., 20.45 Gruppe A4 Kroatien -England Fr., 20.45 Gruppe B3 Österreich -Nordirland Fr., 20.45 Gruppe C2 Estland- Finnland Fr., 20.45 Griechenland -Ungarn Fr.,20.45 Gruppe D2 Moldau -San Marino Fr., 20.45 Weißrussland -Luxemburg Fr., 20.45 Handball Bundesliga, 9. Spieltag THWKiel-HSG Wetzlar 29:19 (12:12) Flensburg-Handewitt -Stuttgart 29:21 (13:8) Ludwigshafen -SCMagdeburg 27:38 (10:17) Bergischer HC -DHfK Leipzig 27:23 (14:12) Tennis ATP-Masters Achtelfinale: A. Zverev(Hamburg/4) -deMinaur (Australien) 6:1, 6:4; Ebden (Australien) -Gojowczyk (München) 6:2, 6:3;

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