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Berliner Zeitung 13.03.2019

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Palast der Republik: Die Gläserne Blume bleibt im Depot – Berlin Seite 10 Fanclubs im Bundestag Seite 6 4°/8° Zeitweise Sonne Wetter Seite 2 Für die Boeing 737 Max 8 wird der Luftraum gesperrt Wirtschaft Seite 7 www.berliner-zeitung.de Wiegeht es bei den Linken ohne Wagenknecht weiter? Politik Seite 4 Mittwoch, 13. März 2019 Nr.60HA-75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € May verliert erneut Brexit-Abstimmung Politik Seite 5 Klimaschutz Humor ist, wenn man trotzdem recht hat VonElena Butz Sein Ruf als wissenschaftlich fundierter Spaßmacher hat ihn erst zum Entertainer gemacht, dann zum Bestseller-Autor und zu einer der bekanntesten deutschen TV-Figuren. Nun will sich Eckart von Hirschhausen, 51, offenbar bei derWissenschaft revanchieren: Als am Dienstag in Berlin ein Appell vorgestellt wurde, mit dem mehr als 12 000 Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Schülerbewegung„Fridays For Eckart von Hirschhausen,Freund der Schüler und des Klimas Future“ unterstützen, trat der Mediziner Hirschhausen als ihr Sprecher auf. „Wir sind die Profis und wir sagen: Die junge Generation hat recht“, brachte er die Botschaft der Unterzeichner auf den Punkt. Sieselbst nennen sich„Scientists for Future“, decken nach eigenen Angaben alle Disziplinen ab und wollen damit den Zehntausenden jugendlichen Klima-Aktivisten beispringen, die freitags für ihreDemos die Schule schwänzen und deshalb viel Kritik und Herablassung vonden Älteren kassieren. Der gerade bei älteren Semestern beliebte ARD-Doktor Hirschhausen bietet sich nun als Vermittler an. Schon sein Eingangsstatement löste ein Schmunzeln aus: Es war eine Anspielung auf FDP-Chef Christian Lindner, der getwittert hatte, die Schüler verstünden nichts vomtechnisch und ökonomisch Machbaren: „Das ist eine Sache für Profis.“ Hirschhausen dagegen lebt davon, dass die Profis aus Wissenschaft und Forschung ihre Botschaften oft nicht so knackig vermitteln wie ein Lindner. Schon in den 90ernhatte er während des Studiums und der Promotion in Berlin, Heidelberg und London als Comedian die Medizin verulkt und erklärt. Die Bücher, die er daraus machte („Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“), wurden in den 2000er-Jahren Bestseller. Zur Unterstützung der Klima-Aktivisten kam er mit drei klassischen Wissenschaftlern. „Wir sehen nicht nur das technisch Machbareund das ökonomisch Sinnvolle,sondernauch das ökologisch Notwendige“, erklärte die Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen, Maja Göpel. Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme der HTW Berlin, betonte, dass Deutschland bis zum Jahr 2030 den Kohleausstieg vollzogen haben muss, umseine Klimaziele zu erreichen. Aber vonHirschhausen kamen die meistzitierten Sätze, die das Anliegen der Schüler und den Appell der Wissenschaftler ans älterePublikum vermittelten: „Der Klimawandel ist die größte Gesundheitsgefahr“, sagte er als Mediziner.„Dastrifft nicht nur Eisbären.“ Berlin Seite 9 VonJochen Knoblach und MikeWilms Sie nennen sich „Tonnosaurus Rex“ oder „Kill Müll“, sind in jedem Fall groß und orangefarben und haben viel zu tun. Die Müllfahrzeuge der Berliner Stadtreinigung (BSR) sammeln in der gesamten Stadt ein, was in den mehr als zwei Millionen Haushalten nicht mehr gebraucht wird und in den grauen BSR-Tonnen landet: Hausmüll. Über 800 000 Tonnen kommen im Jahr zusammen, wovon der größte Teil in der Müllverbrennungsanlage Ruhleben im Westen der Stadt verbrannt wird. Das wird nicht nur immer mehr, eswird zu viel. In den vergangenen zwei Jahren verfeuerte die BSR Zehntausende Tonnen mehr Müll als zulässig. Dies geht aus einer Senatsantwort auf eine parlamentarische Anfrage des Grünen-Abgeordneten Georg P.Kössler hervor. Demnach darf die BSR im MüllheizkraftwerkRuhleben höchstens 520 000 Tonnen Müll pro Jahr verbrennen. 546 000 Tonnen sind es,wenn die Toleranzmarge von 26000 Tonnen ausgereizt wird. Aber auch dieses Limit wurde zweimal überschritten. 2017 wurden den Senatsangaben zufolge 560 700 Tonnen Müll in die Öfen der Ruhlebener Anlage gekippt. Im vergangenen Jahr waren es sogar 581 947 Tonnen. So viel Müll, wie etwa 53 000 Müll-Fahrzeuge transportieren können –deutlich zu viel. Tatsächlich ist das Trend. Schließlich wurden 2015 noch 487 000 Tonnen Müll verbrannt, 537 000 im Jahr darauf. Seinerzeit hatte die BSR das Limit noch eingehalten. Inzwischen wünscht man dort aber eine Anhebung der zulässigen Obergrenze auf 580 000 Tonnen pro Jahr. Dafür sei Berlin hat ein Müllproblem In den vergangenen zwei Jahren wurde in Berlin mehr Abfall verbrannt als erlaubt. Es geht um Zehntausende Tonnen. 70 Prozent wären recycelbar,sagen Umweltschützer laut Senatsumweltverwaltung eine Anzeige als „unwesentliche Änderung“ gestellt worden. Die Verwaltung sieht in dem Ansinnen hingegen durchaus eine „Wesentlichkeit“ und damit „das Erfordernis der Durchführung eines Genehmigungsverfahrens“. Dieses sei aber von der landeseigenen BSR noch nicht beantragt worden. Der Grund dafür, dass es überhaupt eine Höchstmarke gibt, ist der Umweltschutz. Das Land Berlin möchte die Emissionen, also die bei der Verbrennung entstehenden schädlichen Stoffe, durchaus begrenzen. Zwar werden Emissionsgrenzwerte eingehalten, doch gilt es, Schadstoffe wie Stickoxid, Quecksilber und Schwefeldioxid zu vermeiden. Andererseits hat man bei der BSR die Inhalte der grauen Tonnen offenbar als vermeintlich klimaschonende Energiequelle entdeckt. Dabei gibt es das Müllheizkraftwerk Ruhleben bereits seit über 50 Jahren. 1967 wurde es zwischen Charlottenburger Chaussee und SpreeimWesten der Stadt in Betrieb genommen und seitdem stetig modernisiert. Nach Angaben der BSR zählt es heute zu den modernsten und saubersten Müllverbrennungsanlagen Europas.60Prozent des Berliner Hausmülls werden dort verbrannt und zu Stromund Wärme gemacht. Dafür wird inden fünf Verbrennungslinien Hochdruckdampf erzeugt und an das benachbarte Vattenfall-Kraftwerk Reuter geleitet, wo Turbinen den Dampf in Strom wandeln und die entstandene Wärme in das Fernwärmenetz eingespeist wird. 180 000 Megawattstunden Strom und 640 000 Megawattstunden Fernwärme kommen so im Jahr zusammen, was für etwa fünf Prozent der Berliner Haushalte genügt. „70 Prozent des Mülls, der heute in Berlin verbrannt wird, könnte vermieden werden, würde man den Müll konsequent trennen.“ Tobias Quast, Experte für Abfall- und Ressourcenpolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) „Das spart Energieträger wie Steinkohle,schont damit Ressourcen und entlastet das Klima“, heißt es bei der BSR. Beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) betrachtet man die Zunahme der Müllverbrennung mit großer Skepsis.„Abfall ist keineswegs ein CO 2 -neutraler Energieträger und somit auch kein sinnvoller Kohleersatz“, sagt Tobias Quast, Experte für Abfall- und Ressourcenpolitik beim BUND. Müll schneide mit seiner Energiebilanz im Vergleich zu fossilen Brennstoffen wie Kohle nur deshalb besser ab, weil der Energieaufwand bei der Herstellung des zum Müll gewordenen Produkts nicht in die CO 2 -Bilanz des Mülls einfließt. Für ihn ist Müllverbrennung BERLINER ZEITUNG/ISABELLA GALANTY nur „billig, einfach und schmutzig“, zumal ein Teil des in Berlin anfallenden Hausmülls auch getrocknet und in Kohlekraft- oder Zementwerken verbrannt wird. Insofern hält man beim BUND mehr Müllverbrennung für den „grundfalschen Weg“. Das sei „nur die letzte Lösung, wenn Müll nicht vermieden, wiederverwertet oder recycelt wird“, sagt Quast und kann das Potenzial auch beziffern: „70 Prozent des Mülls, der heute in Berlin verbrannt wird, könnte vermieden werden, würde man den Müll konsequent trennen.“ Allerdings war man auf diesem WeginBerlin bislang nicht völlig erfolglos. Hatte 2010 jeder Berliner noch 248 Kilogramm Müll über die graue Tonne entsorgt, so waren es im vergangenen Jahr nur noch 223 Kilogramm. Und es soll noch weniger werden. In der Senatsumweltverwaltung wird derzeit ein Abfallwirtschaftskonzept diskutiert, nach dem jeder Berliner 2030 weitere 50Kilogramm Müll proJahr weniger hinterlassen soll. Insoferngeht man davon aus, dass auch in der wachsenden Stadt nicht mehr Müll erzeugtwird. Ab 1. Aprilsind Biotonnen Pflicht in der Stadt. Der Grünen-Abgeordnete Kössler hofft darauf, dass sich dies auch auf die Menge des verbrannten Restmülls auswirkt. „Wenn der Biomüll schon in den Haushalten besser heraussortiert wird, fällt weniger Restmüll an“, sagt er. Berlin müsse bei Müllvermeidung und Recyclingnoch besser werden. Die Umweltverwaltung teilte am Dienstag mit, man habe die Höchstmenge für verbrannten Müll in Ruhleben „inzwischen definitiv auf 520 000 Tonnen plus fünf Prozent festgelegt“. Die BSR habe dagegen Donnerstag streiken die Busfahrer Arbeitsniederlegung trifft große Teile Berlins VonPeter Neumann Eskam wie erwartet. Am Dienstag hat die Tarifkommission der Gewerkschaft Verdi einstimmig einen weiteren Warnstreik bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) beschlossen. Er wird amDonnerstag den Linienbusverkehr des Landesunternehmens lahmlegen. Verdi rief das Fahrpersonal und die Technikmitarbeiter im Busbereich auf, von 3.30 bis 22 Uhrdie Arbeit niederzulegen. Damit zeichnet sich ab,dass viele Teile Berlins am Donnerstag mit dem öffentlichen Nahverkehr nicht erreichbar sein werden. Für zahlreiche Fahrgäste, vor allem in den Außenbezirken wie Köpenick, Reinickendorf und Spandau, sind die BVG-Busse das wichtigste Verkehrsmittel. Immer noch gibt es viele Wohnviertel, die auf dem Schienenweg nicht erreichbar sind. Nach U- und S-Bahnen sind Busse das wichtigste Verkehrsmittel in Berlin. Lediglich die wenigen Buslinien, die von anderen Unternehmen im Auftrag der BVG befahren werden, bleiben am Donnerstag in Betrieb. Länger arbeiten, kürzerpausieren Im laufenden Tarifstreit bei der BVG, der seit Anfang Dezember schwelt, hatte es am 15. Februar einen ersten Warnstreik gegeben, der alle Verkehrsmittel neun Stunden lang lahmlegte. Die Arbeitgeberseite forderte die Gewerkschaft am Dienstag auf, endlich in ernsthafte Gespräche einzutreten. „Bislang hat es im klassischen Sinne noch keine Verhandlungen gegeben“, sagte Petra Nelken, Sprecherin der BVG. „Festzuhalten ist, dass über unser Angebot bislang nicht verhandelt worden ist.“ Verdi kritisiert nicht nur, dass die offerierte Lohnsteigerung zu niedrig ausfällt. Kritisiertwirdauch, dass die BVG die Arbeitsbelastung erhöhen und die Arbeit weiter verdichten will. So soll die maximale Schichtlänge im Fahrdienst von8,5 auf neun Stunden angehoben und die Ruhezeit von elf auf zehn Stundenverringertwerden. Die BVG widersprach diesen Zahlen nicht. Es gehe um mehr Spielräume und Flexibilität bei der Dienstplangestaltung, hieß es. Die Personalvertretung dürfe bei diesen Plänen weiterhin mitbestimmen. Berlin Seite 9 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt formell Klage eingereicht. 4 194050 501603 31011

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