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Berliner Zeitung 13.06.2018

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Tatort Bundestag: Spurensuche in der Polizeiwache des Parlaments – Hauptstadt Seite 4 Grüne Welle für Radler Seite 10 14°/19° Wenig Regenschauer Wetter Seite 28 Mut: Erneuter Börsengang einer Berliner Firma Berlin Seite 13 www.berliner-zeitung.de Spielerbogen: Teams und Trikots der Fußball-WM Sport Seiten 18 und 19 Mittwoch, 13. Juni 2018 Nr.135 HA -74. Jahrgang Auswärts/D**: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Beförderung: Mehr Ostdeutsche in Chefetagen Wirtschaft Seite 6, Leitartikel Seite 8 Kunstaktion Lieber bunt als blau VonJulia Haak AmTelefon wirkt Nina Mitzschke unglaublich frisch. Kein bisschen leidend. Nina Mitzschke ist 17 Jahre alt. Sie geht noch zur Schule. Zurzeit macht sie ihr Abitur an einem Gymnasium in Reinickendorf. Die letzten Noten erhielt sie am Montag: 1,9 ist ihr Durchschnitt. Es ist nur schwer vorstellbar,dass Nina Mitzschke volltrunken in eine Klinik eingeliefert werden könnte, so wie bundesweit Tausende andere Jugendliche jedes Jahr. Und trotzdem hat sie sich mit dem Thema Nina Mitzschke, gewinnt den Plakatwettbewerb beschäftigt. Am Dienstag hat sie mit ihrem Entwurffür ein Anti- Alkohol-Plakat den bundesweiten Kreativwettbewerb„Bunt statt Blau“, eine Kampagne der gesetzlichen Krankenkasse DAK zum Komasaufen, gewonnen. 8000 Schüler hatten mitgemacht. „Ich kann es noch gar nicht fassen“, sagt Nina Mitzschke. Alkohol, so sieht es die Abiturientin, wirkt sich nicht gerade positiv aus. Erverändert das bunte Leben. So kann man das Bild interpretieren, mit dem sie sich durchgesetzt hat. Auf ihrer Zeichnung ist das Gesicht einer jungen Frau zu sehen, blond, schön, makellos. Aus einem Flachmann fließt blaue Farbe quer über das Gesicht. Lebendig wirkt die Frau hinter dem Blauschleier nicht mehr. Die Präventionskampagne der DAK soll Schüler für die Risiken von Alkoholmissbrauch sensibilisieren. Das Bild von Nina Mitzschke entstand im Leistungskurs Kunst. „Ich bin 17, da kommt man um dasThema Alkohol nicht herum, aber man sollte seine Grenzen kennen und nicht die Kontrolle verlieren“, sagt sie.Esklingt so, als ob ihr das gelingen wird. Als erstes will sie die 500 Euro Preisgeld in eine Norwegenreise investieren. Dann wirdsie Grundschullehrerin. Mit diesem Plakatmotiv gewann Nina Mitzschke den Wettbewerb der DAK. Krieg führt er zu Hause Das kann man wirklich mal eine rasante Entwicklung nennen: Aus dem kleinen Raketenmann wurde gewissermaßen binnen Wochen ein Friedensfürst. Geadelt durch den Handschlag mit dem US- Präsidenten Donald Trump darfsich der 34-jährige Kim Jong Un nun in der Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit sonnen. Ein Moment für die Geschichtsbücher,und er ist mittendrin. „Einige Leute werden denken, das ist ein Science-Fiction-Film“, sagte er selbst dazu. Vermutlich hat er damit nicht seine Landsleute gemeint, die in Arbeitslagern inNordkorea Zwangsarbeit leisten müssen und unter Folter leiden. Er hat bei diesem Satz wohl auch nicht an jene Nordkoreaner gedacht, die das Regime gewissermaßen als Arbeitssklaven in alle Welt schickt, wo sie unter schlechten Bedingungen leben und vomLohn, der direkt an die Regierung daheim geht, allenfalls einen Bruchteil sehen. Gut möglich, dass der Satz jene Millionen seiner Untertanen gemeint hat, die er durch Isolation und Propaganda in Abhängigkeit und Unwissenheit hält und die daher ohnehin jeden seiner Schritte bejubeln. Mag sein, dass sich durch das bizarreTreffen in Singapur die globale Sicherheitslage verbessern wird. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass der nun so oft lächelnde Kim Jong Un weiterhin unbarmherzig Krieg führt–gegen sein eigenes Volk. In diesem Krieg ist von Abrüstung nichts bekannt. Christine Dankbar Die Diplomatie verliert Das Beunruhigende an diesem seltsamen Treffen von Singapur ist dessen Erfolg –falls er denn von Dauer sein sollte. Man kann es nur hoffen. Und muss es befürchten. Denn das würde ja bedeuten, dass die Kunst der Diplomatie in ihrer oft unerträglichen Langsamkeit durch das impulsgetriebene Spiel zweier nicht nur diktatorisch veranlagter Figuren ihre Relevanz verlöre. Ein echter Diktator und ein Narzist mit diktatorischer Attitüde machen einen dieser notorischen Deals zum gegenseitigen Vorteil und kommen damit durch. Ja,vielleicht bewahren sie für den Moment oder auch etwas länger tatsächlich denWeltfrieden. Statt der Pendeldiplomatie hält die Daumendiplomatie Einzug in die internationalen Beziehungen. Daumen runter, Daumen hoch. Hatte Donald Trump jüngst noch die Auslöschung Nordkoreas erwogen, Frieden mit dem Diktator? Wasist der Handschlag zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un wirklich wert? Vier Analysen zu dem historischen TaginSingapur gefällt ihm jetzt der Gedanke,seinen Widersacher KimJong Un,„das arme Hündchen“, wie er ihn nannte, zu sich einzuladen. Und der lässt sich neidvoll die Karosse jenes Mannes vorführen, den er gerade noch als „Wahnsinnigen“ tituliert hatte. Und was,wenn jetzt also Ruhe ist? Washeißt das für Syrien, die Ukraine, den Jemen, den Südsudan und alle anderen Krisenherde weltweit? Für Verhandlungen, bei denen das Wort „Friedensprozess“ Das Treffen in Singapur Seiten 2und 3 mittlerweile synonym mit dessen Scheitern ist. Wozu die ohnehin nutzlosen Resolutionen der Uno, wenn es mit einem Tweet viel besser funktioniert. „Wir leben in einem Zeitalter,das den Lärm liebt“, wie es der französische Diplomat Jules Cambon bemerkte. Daswar 1914. Frank Junghänel Aus europäischer oder auch deutscher Sicht ist Asien weit weg. Überhaupt interessiert uns diese Weltgegend nur wenig. Dass sich China dort längst zur Supermacht mit weitreichenden territorialen Ansprüchen entwickelt hat, dass sich in der asiatisch-pazifischen Region das Weltkapital versammelt und knapp die Hälfte des globa- DPA/EVAN VUCCI Asien gewinnt Geschichte wird gemacht Ein Handschlag zwischen einem nordkoreanischen Machthaber und einem amerikanischen Präsidenten war über Jahrzehnte undenkbar.Allein dieser Umstand macht den Gipfel von Singapur zum historischen Ereignis.WelcheGeschichte da aber geschrieben wurde und wo sie hinführt, wirdman vorallem in Korea mitskeptischem Blick verfolgen: Enttäuschtes Vertrauen, Wortbruch und Verrat prägen die Beziehungen der USA zum koreanischen Volk seit mehr als hundert Jahren. Man hat dort nicht vergessen, dass Theodore Roosevelt im Jahr 1905 einen zwanzig Jahre währenden Beistandspakt mit Korea aufkündigte und das damalige Kaiserreich den Japanern auslieferte. Die japanische Gewaltherrschaft, die bis 1945 andauerte, hat sich als Trauma tief ins koreanische Bewusstsein eingegraben. Manhat auch nicht vergessen, dass das Land nach 1945 auf Betreiben von Harry S.Truman geteilt wurde,ohnedassauch nur ein Koreaner gefragt wurde. Noch weniger, dassdie USA südlich der Demarkationslinie auf die früheren japanischen Unterdrücker und deren Kollaborateure setzten, um ihren Einfluss zu mehren. Unddass die Auflehnung dagegen, angeführt von Kims Großvater Kim IlSung, in einen Krieg mit vier Millionen Toten mündete.„Alles wirdgut werden“, behauptet nun Donald Trump. Den Koreanern ist es zu wünschen. Trump hat bislang eher nicht bewiesen, dass er Abmachungen und Verträge ernster nimmt als seineVorgänger. Christian Seidl len Wirtschaftswachstums stattfindet, dass mit dem CPTPP-Abkommen der Pazifik-Anrainerstaaten vom März diesen Jahres eine gigantische Freihandelszone entstanden ist: Ja, das mag wohl sein –aber was geht uns das an? Schon lange vor dem Treffen von Kim Jong Un und Donald Trump hieß es schadenfroh, beide Staatsführer bräuchten den Erfolg so dringend, dass sie diesem Ziel alles andere unterordnen werden; ein Abkommen zwischen den USA und Nordkorea wäre nicht viel mehr als ein für den Moment gesichtswahrendes, ansonsten aber leeres Versprechen zwischen zwei Egomanen mit innenpolitischen Problemen. Doch eigentlich lautet die Botschaft des G2-Treffens von Singapur ganz anders: Donald Trump, der erst wenige Tage zuvor mit aller Verachtung, zu dererper Twitter fähig ist, das G7- Treffen ad absurdum führte,hat uns, den Westen und seine Werte, gar nicht mehr auf der Rechnung. Die USA schreiben ihre atlantische Seite ab und wenden sich dem Pazifik zu: Asien gewinnt, Europa verliert. Gewiss ließe sich darüber streiten, ob „unsere Werte“ nicht längst zuschanden gerittene, realpolitisch zermürbte Restposten sind. Aber die schöne neue Trump-Kim-Welt wäre das größereÜbel. Christian Schlüter Anzeige Entsorgungslösungen für Gewerbe und Industrie kostengünstig und zuverlässig CSU will bei Migration nicht nachgeben Söder: Es geht um das Vertrauen in den Rechtsstaat Der Konflikt in der Bundesregierung ist schwerwiegender und grundsätzlicher als angenommen. Die künftige Migrationspolitik entzweit allerdings nicht Union und SPD.Esist ein Schwesternkrach zwischen CDU und CSU. Und die kleinere, die bayerische Regionalpartei, will bei der Forderung nach der Zurückweisung von Migranten an der deutschen Grenze auf keinen Fall nachgeben. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte von Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel Mut zur Veränderung in der Asylpolitik. „Wer sagt, 2015 darf sich nicht wiederholen, muss jetzt handeln“, sagte Söder in München. Der Plan von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sieht vor, Asylsuchende an der Grenze abzuweisen, die bereits in einem anderen EU-Land mit Fingerabdrücken registriert sind. In einer Sitzung der Unionsfraktion wurde die Position am Dienstag allerdings auch von CDU- Abgeordneten unterstützt. Söder sagte,die CSU sei der festen Überzeugung, dass Deutschland nach Recht und Gesetz handeln müsse. Seehofers Masterplan sei geeignet, verlorenes Vertrauen in den Rechtsstaat zurückzugewinnen. In den kommenden Tagen soll eine Lösung in dem Streit gefunden werden. (dpa) Politik Seite 5, Kommentar Seite 8 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 www.bartscherer-recycling.de 194050 501504 31024 Wanderurlaub ··· mit Zufriedenheits-Garantie! Nicht vergessen, rechtzeitig Wanderschuhe zu kaufen. Schuhe plus Socken sollten eingetragen werden. 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