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Berliner Zeitung 13.11.2018

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Die Problemspende: Die AfD und das Geld – Politik Seite 4 Wie man ein Video manipuliert Seite 24 8°/12° Endlich Regen Wetter Seite 2 Merkel: Wirbrauchen mehr Frauen im Bundestag Tagesthema Seite2,Leitartikel Seite 8 www.berliner-zeitung.de Fotos von 1918: Nachtleben und Straßenkampf Feuilleton Seite 21 Dienstag,13. November 2018 Nr.265 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Schulinspektion: Nachhilfe für die Polizeiakademie Berlin Seite 9 KaDeWe Zurück in die Zukunft im Luxussegment VonAnnika Leister Von der einen Luxus-Baustelle gleich zur nächsten: Timo Weber hat an diesem Dienstag seinen ersten Tagals Store-Manager des Ka- DeWe.Trotz seiner Größe und der legendären Vergangenheit ist die Übernahme des Berliner Kaufhauses für den gerade einmal 34-Jährigen kein Meilenstein seiner Karriere. Weber ist in Münster aufgewachsen, hat dortsein Timo Weber, 34, ist der neue KaDeWe-Chef. Abitur gemacht und BWL studiert. Im Anschluss war er Trainee bei Karstadt. Schon hier arbeitete er als Assistent der Geschäftsführung für André Maeder, der heute Vorsitzender der Geschäftsführung der KaDeWe- Group ist. Eine wichtige Verbindung für Weber – danach wechselte er ohne große Umwege ins KaDeWe- Reich, besetzte einige Führungspositionen und übernahm vordreiJahrendie Geschäftsführung des Alsterhauses in Hamburg. Das Berliner Warenhaus, die Schwester in der Hansestadt und das Oberpollinger in München bilden zusammen die Ka- DeWe-Gruppe. In Hamburg hat Weber begleitet, was dem KaDeWe zum großen Teil noch bevorsteht: den kompletten Umbau des Hauses, den sich die Gruppe an allen drei Standorten insgesamt 300 Millionen Euro kosten lässt. Noch mehr Luxus soll es geben, noch mehr Marken, und, so hofft man natürlich, noch mehr Umsatz. Von „Wow-Effekt“ und „Glory“ sprach Weber in Hamburg. Das klingt jung, international, ein bisschen verrückt. Tatsächlich aber rief der Senkrechtstarter Weber nicht die Revolution aus, imGegenteil. Die Neuausrichtung in Hamburg war eher ein Rückbesinnen auf alte Stärken: Renoviert wurde nach historischem Vorbild, um die Räume auf die ehemalige verschwenderische Höhe zu bringen. Damit einher ging eine Erweiterung des Sortiments: UnterWebers Leitung wurden neue Marken eingekauft, die Freunde des Luxus sonst nur online finden. Die Strategie ist aufgegangen. Allein im umgebauten Erdgeschoss sei der Umsatz nach anderthalb Jahren um 50 Prozent gestiegen, gab Weber 2017 bekannt. Es sei eines der besten Jahredes Alsterhauses gewesen. In der vor sich hin siechenden Welt des Einzelhandels, der Onlinehändler die Kunden absaugen, sind das fast unglaubliche Worte. Wenig wundert es da, dass die KaDeWe- Gruppe Weber in Berlin gleich mit dem nächsten Großprojekt betraut. Hier soll das gesamte Haus modernisiert werden. Welche Ideen er genau für die Hauptstadt hat, will Weber vorab aber noch nicht preisgeben – Presseanfragen bleiben vorerst noch unbeantwortet. Die Thälmann-Restauration Seehofer geht –nicht ganz Das Amt des CSU-Vorsitzenden will er abgeben. Mehr aber nicht. Einige in der Partei sind überrascht VonDaniela Vates Eine Rückzugserklärung steht an, aber Horst Seehofer lässt sich noch ein wenig Zeit. Und dann wartet er mit einer Erklärung auf, die auch seine Parteifreunde überrascht. Der CSU-Chef und Bundesinnenminister ist am Montag ins sächsische Bautzen gefahren. Um 40 Minuten verzögert sich die Pressekonferenz, dann spricht erst mal der Landesinnenminister, über Fahndungsdruck im Grenzbereich und die Aufteilung vonAutobahnabschnitten innerhalb der Polizei. Seehofer blickt ein wenig um sich. Er hat am Vorabend der CSU- Führung seinen Rücktritt als Parteichef angekündigt. Nicht wenige in der Parteispitze haben seine Worte so verstanden, dass er auch als Minister nicht mehr lange im Amt sein wird. Seehofer hat einen gefalteten Zettel vor sich, er stopft ihn in seine Jackettinnentasche. Dann ist er an der Reihe: „Es ist kein einziger kritischer Satz gefallen“, sagt er zufrieden. Vielleicht hat es deswegen so lange gedauert mit der Pressekonferenz: die Polizei als Wohlfühlbad für den Minister. AmAbend vorher hat es in der CSU-Zentrale ziemlich viele kritische Sätze gegeben, und es hat eine gute Stunde gedauert, bis die Parteispitze ihrem Chef noch eine letzte Frist im Amt bis Januar gewährthat. Seehofer wählt die Polizeikulisse, um diesen Rückzug zu bestätigen: „Ich werdedas Amt des Parteivorsitzenden der CSU niederlegen“, sagt er. „Diese Entscheidung steht fest.“ Er wolle schließlich die Erneuerung der CSU ermöglichen. „Der Wechsel gehört zum Leben –auch für mich.“ Ganz selbstverständlich kommt das daher, als habe Seehofer nicht wieder und wieder seinen Rückzug herausgezögert. Das schlechte Ergebnis bei der bayerischen Landtagswahl habe mit seiner Entscheidung im Übrigen nichts zu tun, fügt Seehofer noch hinzu. Es ist eine Abschiedsbotschaft an Söder: Für den Absturz bei der Wahl will Seehofer nicht alleine verantwortlich gemacht werden. So weit, so absehbar. Aber es kommt dann noch ein Satz, bei dem sie in der CSU dann wieder das Staunen kriegen. „Ich bin Bundesinnenminister,und ich werdedas Amt weiter ausüben“, sagt Seehofer. Kein Aufbau statt Abriss: Das Denkmal an der Greifswalder Straße, das an den KPD-Chef Ernst Thälmann erinnert, wird nun doch saniert. Rückzug aus dem Kabinett also, obwohl Seehofer nach Angaben von Teilnehmern der CSU am Sonntagabend noch erklärt hat, dass er das Ministeramt ohne die Machtposition als Parteichef nicht führen kann oder will. „Das wird ernicht durchhalten können“, heißtesinder CSU- Spitze. So seltsam das erneute Hin und Her Seehofers sein mag, für die CSU kann es praktisch sein, mit ei- „Ich bin Bundesinnenminister, und ich werde das Amt weiter ausüben.“ Horst Seehofer, CSU-Vorsitzender und Bundesinnenminister nem Personalkarussell in Berlin erst einmal abzuwarten, werneuer CDU- Chef wird und wie die SPD darauf reagiert. Sicher ist jedenfalls: Seehofer hat am Montagmittag erst mal die Schlagzeilen für sich. Es mag Zufall sein: Ausgerechnet zur selben Zeit beginnt in München eine CSU-Fraktionssitzung. Seehofers wahrscheinlicher Nachfolger Markus Söder gibt dort als Ministerpräsident die neuen CSU-Kabinettsmitglieder bekannt und will damit auch punkten. Weniger Ministerposten als bisher hat er Berlin Seite 10 zu verteilen gehabt, weil die CSU nach dem Absturz bei der Landtagswahl einen Koalitionspartner brauchte.DreiMinisterposten haben die Freien Wähler bekommen. Söder hat mehr Frauen und einige Jüngere geholt, ein paar Altgediente leer ausgehen lassen, wie den bisherigen Umweltminister Marcel Huber. Auch Wissenschaftsministerin Marion Kiechle verliert nach nur einem halben Jahr wieder ihr Amt. Seinen Posten als Innenminister behält Joachim Herrmann, der immer wieder auch als Bundesinnenminister gehandelt wird. Bei den CSU- Bundestagsabgeordneten allerdings heißt es, wenn Seehofer als Minister gehe, werde man diesen Posten mit einem CSU-Bundespolitiker besetzen. Innenstaatssekretär Stephan Mayerläge nahe.Inder CSU heißt es allerdings, dass das riesige Ministerium, das Seehofer um die Bereiche Bau und Heimat erweitern ließ, jemanden an der Spitze brauche, der Kabinettserfahrung habe. Landesgruppenchef Alexander Dobrindt käme dann dafür in Frage –der ehemalige Verkehrsminister aber wird den mächtigeren Posten an derSpitze der CSU-Abgeordneten wohl nicht aufgeben. Als Alternative könnte dann der derzeitige Verkehrsminister Andreas Scheuer in Frage kommen, der allerdings erst knapp ein Jahr Minister ist. Aber im Innenministerium ist wenigstens der Diesel-Skandal etwas weiter weg. Kommentar Seite 8 IMAGO Parlamentsbau wird immer teurer Pfusch bei der Erweiterung des Lüders-Hauses VonUlrich Paul Der Deutsche Bundestag steht voreinem Bau-Debakel. Wegen Pfuschs bei den Betonarbeiten wird die Erweiterung des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses im Parlamentsviertel nicht nur sehr viel später fertig als gedacht –die Kosten steigen zudem auf eine bislang noch nicht bezifferte Höhe. Das geht aus einem internen Bericht des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) an die Bundestags-Baukommission hervor, der der Berliner Zeitung vorliegt. Immerhin: DasBundesamt geht in dem Papier davon aus, dass der Anbau fertiggestellt werden kann. Bundestags-VizepräsidentWolfgang Kubicki (FDP) hatte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung noch dafür plädiert, den Bau imZweifel lieber abzureißen. Laut dem BBR-Bericht kann der Erweiterungsbau nicht wie von den Parlamentariern gewünscht im ersten Halbjahr 2021, sondernerst Ende des dritten Quartals 2021 an den Bundestag übergeben werden –sieben Jahre nach dem zu Baubeginn im Jahr 2010 avisierten Termin. Die Kosten, die zwischenzeitlich von 190 Millionen auf 223 Millionen Euro gestiegen waren, belaufen sich laut dem Berichtbereits auf rund 249 Millionen Euro.Und es ist schon jetzt klar, dass die Ausgaben weiter steigen. Derzeit werde ein „erforderlicher 3. Nachtrag“ aufgestellt, heißt es in dem Papier, das aus dem September stammt. Notwendig werde der 3. Nachtrag wegen Planungsänderungen, zusätzlicher Kosten aus der Bauzeitverlängerung und Schadensersatzansprüchen von Firmen sowie wegen einer Anpassung an den Stand der Technik. Weitere Kosten entstehen durch eine EU-Verordnung, die schärfere Grenzwerte für den Schadstoffausstoß vonHeizanlagen vorsieht, die nach dem 20. Dezember 2018 in Betrieb gehen. „Dazu wird voraussichtlich ein 4. Nachtrag erforderlich“, heißt es. Wie hoch die erwarteten Nachträge ausfallen, wird nicht beziffert. Hauptgrund für die Bauverzögerungen ist, wie berichtet, eine undichte Bodenplatte. Sie muss noch saniert werden. Berlin Seite11 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 21046

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