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Berliner Zeitung 14.03.2018

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Berliner Zeitung

Böhning, Giffey &Co: VonBerlin in die Bundespolitik – Seite 9 . . Mittwoch, 14. März 2018 Nr.62HA-74. Jahrgangwww.berliner-zeitung.de 1.50 € Berlin/Brandenburg -1.60 € Auswärts/D* ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... F R A U E N F U S S B A L L Alles andere als ein Ungeheuer VON FRANK HELLMANN Engagement und Empathie alleine sind keine Erfolgsgaranten. Zumindest nicht, um damit fehlende Erfahrung im Trainermetier wettzumachen. Auf diese Formel lässt sich die von Anfang an unter keinem glücklichen Stern stehende Amtszeit von Bundestrainerin Steffi Jones bringen. Am Dienstagmorgen zog der Deutsche Fußball- Bund (DFB) die Reißleine und entband die gebürtige Frankfurterin mit sofortiger Wirkung vonihren Aufgaben bei der Frauen-Nationalmannschaft. An die Stelle der 45-Jährigen tritt ein Mann, der beim Verband in mehr als anderthalb Jahrzehnten in der Nachwuchsarbeit gefühlt alles gemacht und jeden trainiert hat: Horst Hrubesch. Horst Hrubesch trainiertDeutschlands Frauen-Elf. Bisher Sportdirektor, nun noch mal Interimstrainer. Er kennt das ja, wieder irgendwo einzuspringen, wo Not ist. „Ich habe den Frauenfußball in den vergangenen Jahren verfolgt und war auch bei der EM im Sommer vor Ort. Ich helfe in dieser Phase gerne“, teilte der 66-Jährige mit. Bereits vor der Abreise zu Olympia 2016 in Rio gaben er und Silvia Neid in Neu-Isenburgeine bemerkenswerte Pressekonferenz voller Witz und Charme. Doch als Langzeitlösung ist er nicht gedacht, denn es gibt grundsätzlichen Reformbedarf im deutschen Frauenfußball. Hrubesch holt sich für die WM-Qualifikationsspiele am 7. Aprilgegen Tschechien und drei Tages später in Slowenien die langjährige Neid-Vertraute Ulrike Ballweg und seinen persönlichen Begleiter Thomas Nörenberg an die Seite. Beide treten danach ins zweite Glied zurück. Dass die DFB-Auswahl nun auch noch den SheBelieves-Cup, das Einladungsturnier in den USA, krachend in den Sand gesetzt hat wie die vergangene EM, soll auch an internen Streitigkeiten gelegen haben. Da konnte die DFB-Führung ihre Schutzhand nicht mehr über die als Harmoniegarantin gedachte Jones legen. Hrubesch wird mit seiner besonders einfühlsamen, weil authentischen Artdiese Baustelle sicher schnell schließen. Er ist als Typ so geradeaus wie früher als Spieler. Beim Hamburger SV hatte er jahrelang die Bananenflanken des Manfred Kaltz mit dem Schädel verwandelt, was ihm den Beinamen „Kopfball-Ungeheuer“ einbrachte. Doch wer den Mittelstürmer darauf reduziert, wird ihm ebenso wenig gerecht, wie jene,die seine mitunter sehr direkte Artdes Umgangs belächeln. Wer, wie Horst Hrubesch, 2009 mit der Generation Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Mats Hummels und Mesut Özil U21-Europameister wird und sieben Jahre später mit einer aus der Verlegenheit gezimmerten Nachwuchsauswahl beinahe olympisches Gold gewinnt, der versteht von Menschenführung mindestens so viel wie vomDorschangeln. Darüber hat der Hobbyfischer Hrubesch mal ein Buch herausgegeben. Für die Zukunft der DFB-Frauen braucht es eine große Lösung: Eine wäre Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter beim VfL Wolfsburg, oder die Schweizer Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg, auf ihre Art unbequem. Eines steht fest: Wer essein wird, entscheidet auch Hrubesch. Rätsel, Sudoku 13, 27 ................................................................................................................. Immobilien, Reise 14, 18 ................................................................................................................. Klein-, Traueranzeigen 13 ................................................................................................................. Berliner Verlag GmbH, 10171Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr 10-16 Uhr), Fax–499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27 -50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de ................................................................................................................. 4 Postvertriebsstück A6517 /Entgelt bezahlt 194050 501504 31011 Drei Generationen Deutschland Erich Honecker regierte die DDR 18 Jahre lang, Helmut Kohl war 16 Jahre Kanzler der Bundesrepublik. Angela Merkel wird zum vierten Mal Kanzlerin des geeinten Deutschlands. Drei Redakteurinnen der Berliner Zeitung erzählen, wie die jeweils Mächtigen ihre Generationen und ihr Leben prägten. Seiten 2und 3 Ein 15-jähriger Täter –was tun? Ein Verbrechen in Berlin wirft die Frage auf, wie Justiz und Gesellschaft mit Jugendlichen umgehen sollen, die getötet haben. Welche Strafe undwelcher Prozess sind richtig und angemessen? V ON KATRIN BISCHOFF UND ANDREAS KOPIETZ Das Entsetzen über den gewaltsamen Todder 14-jährigen Keira G. aus Alt-Hohenschönhausen war groß –bei der Familie,bei Freunden und Nachbarn. Hilflosigkeit machte sich breit, als der mutmaßliche Täter feststand: Edgar H., ein 15-jähriger Mitschüler.Erhat gestanden, KeiraG.amvorigen Mittwoch bei einem Treffen in der elterlichen Wohnung des Mädchens mit Messerstichen umgebracht zu haben. Sein Motiv ist unklar.Der Junge schweigt dazu. Dass Jugendliche töten, ist selten. Im Jahr 2016 verübten bundesweit vier Jungen und ein Mädchen zwischen 14 und 16 Jahren eine „Straftat gegen das Leben“, wie es in der Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes heißt. Ihre Zahl ist seit Jahren relativ konstant. Dass es nun wieder geschehen ist, ist entsetzlich. Doch trotzdem muss sich die Gesellschaft Gedanken machen, wie sie mit so einem Täter verfährt, der gerade dem Kindesalter entwachsen ist. Und gegen den in den sozialen Netzwerken die volle Härte der Gesetzegefordertwird. Edgar H. sitzt seit Montag in Untersuchungshaft in der Jugendhaftanstalt in Charlottenburg. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Totschlag vor. AlsHaftgrund nennt sie Verdunklungsgefahr, weil sie befürchtet, dass er Beweise vernichten oder Zeugen beeinflussen könnte. Schon die Anordnung der Untersuchungshaft ist ungewöhnlich bei so jungen Tatverdächtigen. Edgar H. sollte eigentlich in einem geschlossenen Heim im brandenburgischen Forst untergebracht werden –doch es war kein Platz frei. Berlin hat seine geschlossenen Jugendheime Anfang der 90er-Jahre als nicht mehr zeitgemäß abgeschafft. „Die Untersuchungshaft ist bei einem solchen Delikt aber auch für einen Jugendlichen durchaus angemessen“, sagt Sven Kohlmeier,der rechtspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus.Nach seinen Worten werde sich Edgar H. einem ganz „normalen Strafverfahren“ stellen müssen, das wegen der Rohheit des Delikts im besonderen Interesse der Öffentlichkeit stehe. In dem Prozess, der wegen des jugendlichen Alters hinter verschlossenen Türen geführt wird, wird esdarum gehen, ob sich der Jugendliche eines Mordes oder eines Totschlags schuldig gemacht hat. Bei Mord kann das Gericht bei einem Jugendlichen unter 18 Jahren eine Haftstrafe von höchstens zehn Jahren verhängen. Nach Angaben des Rechtspsychologen Steffen Dauer steht beim Jugendstrafrecht der Erziehungsgedanke an erster Stelle. Anders als beim Erwachsenenstrafrecht, bei dem es vor allem „Die Straftat muss aufgearbeitet und die Frage beantwortet werden, weshalb sich ein junger Mensch derart gegen ethische Grundsätze des Lebens stellen konnte.“ Steffen Dauer, Rechtspsychologe um Generalprävention und Sühne gehe. „Zunächst müssen aber die Umstände der Tatund die Persönlichkeit des mutmaßlichen Täters berücksichtigt werden“, sagt Dauer. Die Verurteilung eines jugendlichen Täters führe immer dazu, dass die Strafe in einer Jugendstrafanstalt vollstreckt werde. Es sei denn, dass bei dem Täter eine schwere psychische Störung festgestellt und die Unterbringung im Maßregelvollzug, einer Klinik für psychisch kranke Straftäter, angeordnet werde. Vorallem Psychologen und Sozialarbeiter sollen sich in der Haftanstalt mit einem verurteilten Jugendlichen auseinandersetzen. „Die Straftat muss aufgearbeitet und die Frage beantwortet werden, weshalb sich ein junger Mensch derart gegen ethische Grundsätze des Lebens stellen konnte“, sagt Dauer. Auf die Frage, obsich ein Jugendlicher, der einen anderen Menschen getötet habe, wieder in die Gesellschaft integrieren lasse, muss Dauer nicht lange überlegen:„Ja“, sagt er.Aber dies verlange ein hohes MaßanToleranz der Gesellschaft.„Und auch der Jugendliche selbst muss bereit sein, seine Tataufzuarbeiten und die daraus notwendigen Konsequenzen zu ziehen.“ In Berlin sind nur wenige Fälle bekannt, in denen Jugendliche töteten. So erschoss 2013 ein 16-Jähriger seinen Vater–einen Steuerberater aus Westend. Das Urteil: acht Jahre Haft. 2005 folterte ein vorbestrafter 16-Jähriger in Zehlendorf einen siebenjährigen Nachbarsjungen aus „persönlichem Frust“ zu Tode. Keith M. erhielt die höchstmögliche Jugendstrafe von zehn Jahren. Mehrfach wurde er danach erneut verurteilt, weil er Wärter angegriffen und Mitgefangene verprügelt hatte. Zum Schutz der Allgemeinheit will nun die Staatsanwaltschaft gegen ihn nach Ablauf der Haftzeit Sicherungsverwahrung erwirken. Zumindest bei Keith M. fruchtete bislang der Erziehungsgedanke nicht. BLZ/SABINE HECHER NICHT VERPASSEN ❖ DEUTSCH FÜR LEHRER In Berlin werden derzeit Tausende Lehrer eingestellt, die Quereinsteiger sind. Viele sprechen Deutsch nicht als Muttersprache.Bislang mussten sie sehr gute Sprachkenntnisse erst am Ende des Referendariats nachweisen. Daswurde nun für die nächste Bewerbungsrunde geändert. Berlin Seite 11 ZINGLER IM INTERVIEW DerPräsident des 1. FC Union Berlin spricht exklusiv über die Gründe für die unbefriedigenden Leistungen der Mannschaft in dieser Saison und die notwendigen Veränderungen, die der Verein angehen muss. SportSeite 20 WETTER IMAGO/MATTHIAS KOCH DIE VEREIDIGUNG An diesem Mittwoch werden endlich Kanzlerin Merkel und ihr Kabinett vereidigt. Undschon jetzt ist klar,dass es nicht reicht, nur den Koalitionsvertrag abzuarbeiten. Es geht darum, die Lust auf Demokratie zu mehren. Leitartikel Seite 8 RAUSWURF TILLERSON Meinungsverschiedenheiten mit dem US-Präsidenten Donald Trump führen zur Entlassung. Am Dienstag hat es Außenminister RexTillerson getroffen. Er habe eine andereDenkweise als Tillerson gehabt, sagte Trump.Als sein Nachfolger wurde CIA-Direktor Mike Pompeo berufen. Politik Seite 5, Kommentar Seite 8 BECKMANN FÜR BERLIN Zwei Gemälde,46Zeichnungen und 52 Grafiken vonMax Beckmann erhält die Nationalgalerie als Geschenk –von Erika Göpel, der Witwedes Beckmann-Vertrauten und NS-Kunstsammlers ErhardGöpel. Einzige Auflage: Eine Ausstellung soll die Ambivalenz der Sammlung darlegen. Feuilleton Seite 23 TREND ZUM DIENST-E-BIKE DieFahrradbranche profitiert nach wie vorvom Trend zum Fahrrad mit elektrischer Verstärkung. Im vergangenen Jahr ging vor allem das Geschäft mit Lastenfahrrädernbesonders gut. Undnoch ein Trend hilft den Fahrradbauern: DieZahl der Firmen wächst, die Dienst-E-Bikes anschaffen. Wirtschaft Seite 7 BERLIN: Viele Wolken und einzelne Regenfälle.Tageshöchstwerte um 6, nachts bei 3Grad. Seite 28

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