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Berliner Zeitung 14.03.2019

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Zurück in Mossul: Jürgen Todenhöfer über den Krieg, die Stadt und die Hoffnung – Seiten 2und 3 Heute mit Kulturkalender 5°/8° Leider auch Regen Wetter Seite 28 Angesagt:Spahn verspricht schnellere Arzttermine Politik Seite 4 www.berliner-zeitung.de Aufgebaut: Wohnen auf dem Parkplatz –geht das? Berlin Seite 9 Donnerstag,14. März 2019 Nr.61HA-75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Ausgeschieden: Bayern unterliegt Liverpool 1:3 Sport Seite 20 Moderatorin Immer mit der Ruhe VonTanja Brandes Dunja Hayali versucht, auch die andere Seite zu sehen. Diese Frau polarisiert. Die einen loben Dunja Hayalis Zivilcourage und ihre Bereitschaft, über unangenehme Themen zu diskutieren. Die anderen stört die konfrontative Art der Moderatorin, sie empfinden ihr Auftreten auf Twitter und Co.mitunter als unsensibel und werfen ihr mangelnde Neutralität vor, weil sie neben ihrem Beruf als Journalistin auch Fachkongresse von Unternehmen moderiert. Für ihr Verhalten am Mittwochmorgen allerdings erntete die 44-Jährige fast ausschließlich Lob. In der Livesendung des ZDF-„Morgenmagazins“ waren Hayali und ihr Kollege AndreasWunn gerade dabei, den nächsten Beitrag anzumoderieren, als eine Zuschauerin auf die Bühne stürmte, die verblüffte Moderatorin grob beiseiteschob und über die Lügenpresse schimpfte. Hayali und Wunn reagierten souverän. Sie versuchten, die Frau zu beruhigen und boten ihr an, nach der Sendung mit ihr zu sprechen, was nach Angaben des Senders auch geschah. Bemerkenswerter als der professionelle Umgang der Moderatoren mit der Situation war die demonstrative Ruhe, mit der Hayali reagierte. Bevor Andreas Wunn zu den Nachrichten schalten ließ, um die Situation nicht vorlaufenden Kameras klären zumüssen, wirkte es, als wäre Hayali durchaus bereit gewesen, der Störenden den Raum zu geben, ihr Anliegen –sofernsie denn eines hatte –inder Sendung vorzutragen. Mankann darüber diskutieren, ob das eine zielführende oder gar sinnvolle Unternehmung gewesen wäre. Sich mit Gewalt den Senderaum und das Publikum anzueignen, um die eigene Meinung loszuwerden, liegt kaum im Interesse einer öffentlichen Debattenkultur. Dunja Hayalis spontane Reaktion zeigt aber,dass die Moderatorin ihr Credo, immer auch die andere Meinung zuzulassen, regelrecht verinnerlich hat. Die Bereitschaft für einen Perspektivwechsel hat sie oft bewiesen, auch in Situationen, die deutlich bedrohlicher waren als der Zwischenfall im Studio. Inden sozialen Netzwerken hält die Tochter irakischer Christen regelmäßig rassistischen Hassreden stand. Undsie wagte sich auch unter „Lügenpresse“ schreiende Demonstranten, um mit ihnen den Dialog zu suchen. Mankann Dunja Hayali nicht vorwerfen, sich je vor einer Konfrontation gedrückt zu haben, selbst, wenn diese ihr eigenes Weltbild infrage stellte. Von dieser Einstellung zeugt ein Satz, der an ihren Twitter-Account angeheftet ist: „Dass du recht hast, heißt nicht, dass ich unrecht habe.Du hast das Leben einfach nicht vonmeiner Seite gesehen.“ VonPeter Neumann Der Warnstreik im Busverkehr stößt auf heftige Kritik. „Er trifft die Einkommensschwächsten“, sagte Jens Wieseke vomFahrgastverband IGEB. „Die Abgehängten der Gesellschaft werden auch noch vom Nahverkehr abgehängt.“ Wohngebiete mit vielen Sozialbauten wie das Kosmosviertel in Altglienicke oder das Falkenhagener Feld in Spandau hätten keinen Bahnanschluss. Wer dort lebt, sei oft auf Busse angewiesen –die aber an diesem Donnerstag von 3.30 bis 22 Uhr inganz Berlin nicht fahren. Auch Claudia Pfeiffer, Chefin des Kommunalen Arbeitgeberverbands (KAV) Berlin, kritisierte die Gewerkschaft Verdi. „Der neue Streik ist aus meiner Sicht unangebracht“, sagte sie.„DieKräfte sollten lieber am Verhandlungstisch eingesetzt werden, statt die Berlinerinnen und Berliner erneut zu belasten.“ Am Mittwoch gab es noch eine andere Nachricht –von der AOK, einer Institution, die normalerweise nicht mit dem Nahverkehr inVerbindung gebracht wird. Die Meldung passt aber zu dem Warnstreik, zu dem Verdiaußer den 360 Beschäftigten in den Buswerkstätten auch die 1400 Busfahrer der BVGaufruft. Hohe Zahl an Fehltagen Nach der jüngsten Fehlzeitenanalyse der Krankenkasse gehören Bus- und Straßenbahnfahrer zu den Berufen mit dem höchsten Krankenstand in Berlin. 2018 fehlten sie durchschnittlich 41 Tage. DerSchnitt der Berliner AOK-Mitglieder beträgt 18,6 Arbeitsunfähigkeitstage. „Je höher die Belastung, umso mehr Fehltage“, so die Warnung der Gesundheitsexperten. In dem Tarifkonflikt, der seit dem vergangenen Dezember bei der BVG schwelt, möchte die Gewerkschaft vor allem bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen –inGestalt einer Festgefahren Der Warnstreik beider BVG an diesem Donnerstag könnte nicht der letzte sein. Im Streit um bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne ist keine Einigung in Sicht –denndie Kontrahenten reden vor allem aneinander vorbei Verringerung der Wochenarbeitszeit auf 36,5 Stunden für alle Mitarbeiter, die derzeit 39 Stunden arbeiten. Doch hier zeichnet sich keine Einigung ab,weshalb die Gefahr weiterer Warnstreiks nicht gebannt ist. Ganz im Gegenteil: DieBVG machte erneut klar, dass sie den Wunsch auf keinen Fall erfüllen will.„Über die Forderung nach einer Verkürzung der Wochenarbeitszeit mit Lohnausgleich können wir nicht verhandeln –aus Verantwortung für unser Unternehmen und für diese Stadt“, sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken. „Wir müssten zusätzlich zu den 1300 Beschäftigten, die wir 2019 einstellen wollen, So viel verdienen Fahrer Einstiegslohn brutto pro Monat ohne Zulagen, in Euro Hamburger Hochbahn Nahverkehr in Bayern Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) Busse in Brandenburg Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) weitere 525 Fahrer gewinnen. Das ist angesichts der Lage auf dem Arbeitsmarkt nicht umsetzbar. Folge wäre, dass wir unser Angebot für die Fahrgäste einschränken müssten. Das wollen wir nicht.“ Die Arbeitgeber wollen eine „Anpassung“ von Arbeitsbedingungen – zuungunsten der Fahrer. Das BVG- Tochterunternehmen Berlin Transport ließ darin verankern, dass die maximale tägliche Arbeitszeit der Fahrer von 8,5 auf neun Stunden steigen soll. Gewünscht wird auch, die Mindestruhezeit zwischen den Schichten von elf auf zehn Stunden zu verkürzen. Arbeitnehmer sollen die Möglichkeit erhalten, freiwillig 45 Stunden proWoche zu arbeiten – bei betrieblichen Engpässen, im Schienenersatzverkehr,inProjekten. „Die Arbeitgeber fordern weitere Belastungen und eine weitere Arbeitsverdichtung“, entgegnete Jeremy Arndt von der Gewerkschaft Verdi. „Das können wir nicht hinnehmen.“ Der Arbeitgeber BVG will jedoch auf andere Weise attraktiver werden. So sollen Schweißer, Gleisbauer, Berufsausbilder, Ingenieure und Computerspezialisten in der Entgelttabelle höher eingruppiert werden. Aber nicht nur für diese Berufe,indenen die Gewinnung neuer Mitarbeiter immer schwieriger wird, soll die Bezahlung besser werden. derzeit 2309,26 2565,58 2445,99 2168,42 2406,95 angeboten 2701,83 BLZ/GALANTY; QUELLE: BVG DPA Rückwirkend vom 1.Januar 2019 an sollen die Löhne und Gehälter für alle rund 14 600 Beschäftigten von BVGund BT steigen –inden unteren Entgeltgruppen um elf Prozent, in den oberen um sieben Prozent. Der Tarifvertrag soll bis Ende 2020 gelten. „Unser Angebot führtzuEntgeltsteigerungen für Fahrer um rund 240 Euro monatlich und für Handwerker um zirka 284 Euro“, so Pfeiffer. Sie bezogsich auf die Einstiegslöhne für Anfänger. „Damit wird die BVG nachhaltig konkurrenzfähig im Vergleich zu Nahverkehrsunternehmen in Brandenburg, Bayern und Hamburg.“ Je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit sollen Fahrer zwischen 14,19 und 15,67 Euro pro Stunde erhalten. „Das ist viel für eine Anlerntätigkeit“, hieß es in BVG-Kreisen. Die Arbeitgeberseite müsse ernsthaften Willen zeigen, an einer Lösung zu arbeiten, sagte Jeremy Arndt. „Wir erwarten, dass die Arbeitgeberforderungen, die deutliche Verschlechterungen enthalten, zurückgenommen werden und ein verhandlungsfähiger Vorschlag unterbreitet wird, der auch Hand und Fuß hat.“ Sonst würden weitere Kollegen weggehen, weil sie es woanders besser haben. BVG-Sprecherin Nelken warnte jedoch vor einer Dramatisierung:„Es ist richtig, dass die Fluktuationsrate bei der BVG von 0,4 auf rund drei Prozent gestiegen ist. Wenn wir uns aber mit anderen Verkehrsbetrieben vergleichen, sehen wir,dass dies ein normaler Wert ist.“ Wanderung zum Flughafen Tegel 18,5 Stunden lang werden an diesem Donnerstag keine Busse fahren. Bestreikt wird auch der Schienenersatzverkehr für die Straßenbahnlinien M4 und M13. Die Ersatzverkehre für die U-Bahn-Linien U1, U8 und U9 werden am Abend verspätet beginnen, hieß es.„Die S-Bahn setzt keine BVG-Busse im Ersatzverkehr ein, er ist nicht betroffen“, sagte S- Bahn-Sprecherin SandraSpieker. Die Busrouten, die von Auftragnehmern der BVG befahren werden, bleiben ebenfalls in Betrieb. Dabei handelt es sich um die Linien 106, 161, 162, 163, 168, 175, 179, 218, 234, 263, 275, 284, 320, 322, 334, 341, 349, 363, 365, 371, 373, 380, 390 und 399. Folgende Buslinien fahren mit leichten Einschränkungen: 112, 140, 184, 283, 370 und 893. ZumFlughafen Tegel richtet die Flughafengesellschaft wieder einen „Not-Shuttle-Verkehr“ mit vier gecharterten Reisebussen ein –diesmal vomU-Bahnhof Jakob- Kaiser-Platz.Werwill, kann auch laufen, rät ein offizielles Flugblatt. Errechnete Laufzeit für die 2,4 Kilometer:31Minuten. Kommentar Seite8 Briten lehnen Brexit ohne Abkommen ab Unterhaus soll nun über Verschiebung abstimmen Chaos im Unterhaus: Nur etwa zweiWochen vordem geplanten Brexit hat das britische Parlament gegen einen EU-Austritt ohne Abkommen gestimmt. Die Abgeordneten verabschiedeten am Mittwoch einen Beschluss,der einen ungeordneten Brexit in jedem Fall ablehnt. An diesem Donnerstag wird nun über den Antrag auf Verschiebung des Brexit abgestimmt. Premierministerin Theresa Mayhat die Abstimmung darüber allerdings indirekt mit einer Entscheidung über ihr Brexit-Abkommen verknüpft. Nurwenn die Abgeordneten bis zum 20. März für ihr Brexit-Abkommen stimmten, sei eine kurze Verschiebung des EU- Austritts bis zum 30. Juni möglich. Dasgeht aus der am Mittwochabend veröffentlichten Beschlussvorlage der Regierung für die Abstimmung am Donnerstag hervor. Zweimal haben die Parlamentarier Mays Deal bereits abgeschmettert. Sollten die Abgeordneten das mit Brüssel ausgehandelte Abkommen ein drittes Mal ablehnen, sei es „hochwahrscheinlich“, dass die 27 verbliebenen EU-Mitgliedstaaten bei ihrem Gipfel am 21. März einen „klaren Grund“ für eine Verlängerung verlangten, heißt es in der Beschlussvorlage für Donnerstag. Jede Verschiebung über den 30. Juni hinaus mache jedoch eine Teilnahme Großbritanniens an der Europawahl Ende Maierforderlich. Ein Ausweg aus der Krise ist also nicht in Sicht. Deswegen hatdas EU- Parlament Notfallmaßnahmen für den Fall eines ungeregelten Austritts verabschiedet. Damit soll sichergestellt werden, dass Bürger und Unternehmen möglichst wenig unter den Auswirkungen eines No-Deal- Brexits leiden müssen, teilte das Parlament am Mittwoch mit. So sollen Erasmus-Studenten in Großbritannien auch nach dem Brexit im Land bleiben und ihren Studien- oder Ausbildungsaufenthalt beenden können. Außerdem sollen EU-Programme zur Sicherung des Friedens zwischen Irland und Nordirland weitergehen. Daneben soll sichergestellt werden, dass in eingeschränktem Maße weiter Flugzeuge zwischen der EU und Großbritannien verkehren können. (dpa) PolitikSeite 5 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 41011

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