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Berliner Zeitung 14.08.2019

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Union gegen Hertha: Die neue Bundesliga-Kolumne der Berliner Zeitung Sport Seite 20 Die Brücke von Genua Panorama Seite 28 13°/22° Bewölkt Wetter Seite 2 Mehr als 8000 Unfälle mit Radfahrern in Berlin Kommentar Seite 8, Berlin Seite 9 www.berliner-zeitung.de Bilder eines Aufstands: Einblicke aus Hongkong Politik Seite 5 Mittwoch, 14. August 2019 Nr.187 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Die Taiga brennt: Reportage aus Sibirien Seite 3 Schalke 04 Furor im Fanblock VonChristian Seidl Als Fandes FC Schalke 04 ist man Prüfungen gewohnt. Erst in der vergangenen Saison gerieten die wie immer mit großen Erwartungen gestarteten Knappen zwischenzeitlich sogar in Abstiegsnot. „Kein Ding“, dass sich Peter Lohmeyer trotzdem bei jedem Spiel wieder in die Nordkurve gestellt hat. „Wenn man mal Fan eines Vereins ist, bleibt man das“, sagt der Schauspieler, „nicht nur in guten, sondern auch in schlechten Tagen.“ Joachim Kròl, als Anhänger von Borussia Dortmund freilich Peter Lohmeyer, schauspielernder nicht ganz so geplagt, sagt über Fußballkenner den Kollegen: „Ich bewundere Peter Lohmeyer für seine Leidensfähigkeit.“ Diese Leidensfähigkeit ist nun offenbar überstrapaziert. Jetzt gab der 57-Jährige bekannt, dass er aus dem Verein austritt, dem er seit Jahren auch als zahlendes Mitglied verbunden ist. Grund ist nicht der Fußball, sondern die Rassismus-Affäre um den Schalker Aufsichtsratschef Clemens Tönnies.Der hatte Anfang August in einem Vortrag die Finanzierung vonKraftwerken in Afrika empfohlen und gesagt: „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“ Und trotz republikweiter Empörung gedenkt Tönnies im Amt zu bleiben – der Ehrenrat des FC Schalke hatte eine dreimonatige Auszeit als Abbitte akzeptiert. Wenn Tönnies gehofft hatte, so erstmal aus der Schusslinie zu sein, kennt er die Fans seines Vereins schlecht. Schon am Wochenende beim Pokalspiel in Drochtersen protestierte der Schalker Fanblock mit einem quer über die Bande laufenden Transparent, auf dem zu lesen war: „Wir zeigen Tönnies die Rote Karte.“ Nun der Vereinsaustritt von Lohmeyer, der spätestens seit „Das Wunder von Bern“ als schauspielernder Fußballkenner allenthalben Respekt genießt. Er ist Botschafter der Initiative„Respekt! Kein Platz für Rassismus“, zählt zu den Mitgliedern der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur und tritt jedes Jahr beim Benefizfußballspiel Kicken mit Herz zugunsten herzkranker Kinder an. „Schalke 04 war immer Vorreiter im Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus“, sagt er,„und darauf bin ich immer stolz gewesen. Jetzt wird das durch den Metzger infrage gestellt –das macht mich sauer.“ Derzeit weilt Lohmeyer in Salzburg, wo er noch bis 28. August den Todim„Jedermann“ gibt: „Du Narr, bald ist die Stund vertan“, spricht er da, „nimmst immer noch Vernunft nit an. Weißt nit ein recht Geleit zu suchen, bald wirst verzweifeln und dir fluchen.“ Das könnte auch an Clemens Tönnies gerichtet sein. Bildungssenatorin Sandra Scheeres VonAnnika Leister Eine Woche lang diskutiert Berlin jetzt schon über fehlende Schulplätze. Eine Woche lang hielt sich Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) bedeckt. Am Dienstag sollte sie endlich Klarheit schaffen, im Senat und bei einer anschließenden Pressekonferenz die Frage beantworten, wie viele SchulplätzeinBerlin zum Schuljahr 2021/22 nach ihrer Einschätzung fehlen. Scheeres erklärte und entschuldigte sich. Klarheit schaffte sie nicht. Die Diskussion wurde ausgelöst von einer Prognose aus Scheeres’ Haus,die aus dem Maistammt, aber deren Brisanz erst vergangene Woche bekannt wurde: 24 000 Schulplätze fehlen demnach bereits für das übernächste Schuljahr. Am Dienstag präsentierte Scheeres dann weniger düstere Zahlen, basierend auf einer anderen Prognose, die ebenfalls aus ihrem Haus stammt. Dem sogenannten Modell zur Schülerzahlentwicklung zufolge muss Berlin für 2021/22 insgesamt 9505 Plätze an allgemeinbildenden öffentlichen Schulen zusätzlich schaffen. Demnach fehlen 5895 Plätzean Grundschulen, 2927 Plätze an Sekundarschulen und 683 Plätze an Gymnasien. Wie aber kommt die große Differenz zwischen Prognose 1und Prognose 2zustande? Die24000 fehlenden Plätzeseien eine „Maximalprognose“, betonte Scheeres. Sie beziehe zum Beispiel alle geplanten Neubaugebiete mit ein, die im Berliner Wohnbauflächen-Informationssystem (WoFis) geführtwürden. Davonwürden aber nicht alle Projekte realisiert.WoFisist ein Planungsinstrument der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, das vor dem Hintergrund des starken Bevölkerungswachstums in Berlin eingeführtwurde und Bauflächen sowie erwarteten Zuzug listet. Die auf dieser Basis erstellte Prognose 1 sei nicht realistisch, sagte Scheeres. Warum man die WoFis-Prognose dann überhaupt erhebe? Die 2017 gestartete Schulbauoffensive sei noch jung, ein noch „lernendes System“. Die Prognose diene einer „gesamtstädtischen Betrachtung“, sagte die Bildungssenatorin. Die nun vorgelegten Zahlen von 9505 fehlenden Schulplätzen hingegen seien „realistische Zahlen“, betonte Scheeres mehrfach. Sie basierenauf der in der Senatsbildungsverwaltung fortlaufend geführten Schülerzahlprognose. Diese Prognose betrachtet die Entwicklung der Schülerzahl in den vergangenen Jahren und rechnet sie für die Zukunft hoch. Neubaugebiete fließen hier nur indirekt ein, wie Bernd Gabbei, Leiter des Statistikreferats in der Senatsbildungsverwaltung, auf der Pressekonferenz erklärte. Nämlich über die Berechnung, wie viele Schüler im Schnitt in der Vergangenheit neu hinzugezogen sind. Eine zentrale Frage in einer rasch wachsenden Stadt wie Berlin aber Zahlen bitte! „Erst will Bildungssenatorin Scheeres die fehlenden Schulplätze nicht gesehen haben, jetzt rechnet sie sich die Zahlen schön.“ Dirk Stettner, Bildungspolitiker der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus lautet: Ist esnicht realistischer, mit den konkreten Neubaugebieten zu rechnen –und also 24 000 fehlende Schulplätzeanzunehmen? Eine gute Frage, soGabbei. Tatsächlich seien darüber auch die Statistik-Experten in der Verwaltung uneins. Scheeres hingegen scheint sich sicher und geht nun von 9505 fehlenden Plätzen aus. „Diese erhebliche Unruhe tut mir sehr leid, das war nicht die Absicht“, sagte sie mit Blick auf die seit einer Woche anhaltende Diskussion. Sie wolle Eltern versichern: Bezirke und Verwaltung täten alles,damit in den kommenden Jahren „jedes Kind einen Schulplatz in Berlin bekommt“. TomErdmann von der Bildungsgewerkschaft GEW ist das nicht genug. Innerhalb von kürzester Zeit habe die Schulverwaltung jetzt mehrere Prognosen vorgestellt, die sich widersprächen. Auch als Fachmann blicke man da nicht mehr durch. „Aus unserer Sicht ist das Vertrauen nicht wiederhergestellt. Unsberuhigen die neuen Zahlen überhaupt nicht“, sagte Erdmann. Er gehe weiterhin von mehr als 20 000 fehlenden Schulplätzen aus. „Realistisch kann nur die Maximalschülerprognose sein“, sagte Erdmann. Schon jetzt seien viele Schu- Wieviele Schulplätze fehlen denn nun in Berlin? Bildungssenatorin Scheeres verwirrt mit immer neuen Angaben DPA len überbelegt. Nur mit der Maximalprognose sei man planerisch auf „der sicheren Seite“. Die Koalitionspartner der SPD wollen hingegen weg von der Diskussion um Zahlen. „Ob jetzt 9500 oder 20 000 Schulplätzefehlen –klar ist: Es muss etwas passieren“, sagte die Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel der Berliner Zeitung. „Wir brauchen keine Zahlendebatte, sonderneine Maßnahmendebatte.“ Ähnlich sieht es Regine Kittler,die bildungspolitische Sprecherin der Linken. „Ich nehme die Zahl als gegeben hin“, sagte sie mit Blick auf die neue Prognose.Inder Vergangenheit sei die Schülerzahlprognose mit einer Abweichung von weniger als zwei Prozent immer „recht zielgenau“ gewesen. Nicht verstehen kann Kittler allerdings,warum die Verwaltung die anderePrognose von24000 fehlenden Plätzen erst im Mai –mit acht Monaten Verspätung – ablieferte und jetzt die Zahlen als viel zu hoch bezeichne.„Dasist nur schwer nachzuvollziehen“, sagte Kittler. Doch auch sie will sich nun auf konkrete Lösungen konzentrieren. „Die Zahlen sind ja immer noch viel zu hoch“, sagte sie.„Wirhaben eine Krisensituation, die wir lösen müssen und nur mit einer konzertierten Aktion von Senat, Verwaltungen und Bezirken lösen können.“ Harte Kritik kommt von der Berliner CDU. Erst wolle Scheeres die fehlenden Schulplätze nicht sehen, jetzt rechne sie die Zahlen schön, sagte Dirk Stettner, bildungspolitischer Sprecher der Christdemokraten im Abgeordnetenhaus, der Berliner Zeitung. Dasgesamte Vorgehen der Verwaltung sei„maximal intransparent“. Stettner: „Das weckt keinerlei Vertrauen, dass Sandra Scheeres diese Atom-Unfall in Russland bei Raketentest Offenbar trat Radioaktivität über Stunden aus Bei der Explosion eines Raketenmotors mit sieben Toten im Norden Russlands ist über einen längeren Zeitraum als bislang bekannt radioaktive Strahlung freigesetzt worden. Der natürliche Wert sei in der Spitzeumdas 16-fache überschritten worden, teilte der russische Wetterdienst Rosgidromet am Dienstag mit. Erhöhte Werte seien innerhalb von zwei Stunden gemessen worden. Die Verwaltung der nordrussischen Stadt Sewerodwinsk am Weißen Meer hatte zuvor lediglich von einem kurzzeitigen Anstieg von bis zu einer Stunde gesprochen.VieleMenschen reagierten besorgt und deckten sich mit Jodtabletten ein. DerWetterdienst gab den Höchstwert der atomaren Verstrahlung mit 1,78 Mikrosievert proStunde an. Die Umweltorganisation Greenpeace sprach unter Berufung auf die Stadt von2,0 Mikrosievert proStunde.Deren Experten hielten den Wert „an sich für nicht dramatisch“. Es komme vielmehr darauf an, welche strahlenden Stoffe freigesetzt worden sein. Dazu gebe es aber keine offiziellen Angaben. Der Kreml versicherte, dass alle Behörden die vollständige Sicherheit der Bevölkerung gewährleistet hätten. Zu demVorfall kam es am vergangenen Donnerstag in der Nähe der Hafenstadt Sewerodwinsk nahe Archangelsk während eines Raketentests auf einer PlattformimMeer. US-Spezialisten vermuteten bereits kurz nach dem Zwischenfall, dass Russland an einer neuen atomar betriebenen Rakete arbeitet. Präsident Donald Trump erwähnte in einem Tweet den möglichen Namen des Raketentyps: „Skyfall“. Eine offizielle Bestätigung von russischer Seite gab es nicht. Die New York Times hatte zuvor berichtet, US-Geheimdienste vermuten dahinter den vonder Nato als SSC-X-9 „Skyfall“ bezeichneten Marschflugkörper.Dieser werdeatomar betrieben und könne deshalb besonders weit fliegen. Kremlchef Putin hatte im vergangenen Jahr neue Waffen angekündigt, darunter einen atomgetriebenen Marschflugkörper. Obessich aber bei dem Test auf dem Militärgelände um genau diesenWaffentyp handelte,blieb unklar. (dpa) Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt große Aufgabe bewältigen kann.“ 4 194050 501603 31033

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